Gone too soon, Tragische Fußballstars, Verräter-Transfers, Reich bereits vor der Fußballkarriere


Alex Alves (1974 – 2012): Er starb völlig verarmt

Tochter und Ex-Frau trauern um Alex Alves.
Tochter und Ex-Frau trauern um Alex Alves. Foto: Imago Images

Berlin und Alex Alves – das passte noch weniger zusammen als die Hauptstadt und die Hansestadt Hamburg.

Der im Januar 2000 für mehr als sieben Millionen Euro verpflichtete Mittelstürmer aus Brasilien soll bei Hertha BSC endlich für Exotik sorgen.

Alex Alves erzielt in 81 BL-Spielen 25 Tore. Eines davon war magisch. Am 30. September 2000 düpierte der Brasilianer Kölns Keeper Markus Pröll mit einem Treffer vom Anstoßkreis aus 52 Metern Distanz – es wurde das „Tor des Jahres“ und ein Highlight in der damals noch neuen „Premiere-Bundesliga-Konferenz“.

Solche genialen Stücke zeigte Alves auf dem Platz leider zu selten. Wirklich heimisch wurde er in Berlin nie. Verloren wirkte er in dieser riesigen Stadt, die zwar Herz, aber keine Seele zu haben scheint.

Er wurde beim Fahren ohne Führerschein erwischt, erschien zur Hertha-Weihnachtsfeier extravagant im Frauenpelz oder tanzte in den Nachtklubs der Hauptstadt durch. Mehr als 130.000 Euro kosteten ihn allein diese Eskapaden.

 

Einsamer Tod mit 37 Jahren

Im Sommer 2003 hatte man in Berlin genug. Alves (Vertrag bis 2004) verließ die Hertha vorzeitig, spielt danach beim América FC, Vasco da Gama, CS Ginde in China und beim griechischen No-Name-Klub Kavala.

Ab 1. Februar 2008 war er sogar vereinslos, ehe er nach 3-monatiger Pause zu Fortaleza in Brasilien wechselte. Seine Engagements dauerten nach dem „Aus“ in Berlin selten länger als eine Saison. Alexandro Alves do Nascimento – nur der letzte Namensteil verband ihn mit dem legendären Pelé – beendete seine Karriere – schon 2008 wurde Leukämie bei ihm festgestellt.

Für die aufgrund inzwischen notwendig gewordene Stammzellenoperation fehlte Alves ihm fatalerweise das Geld. Die Erträge aus seinen Profi-Jahren waren für teure Markenklamotten und für die Scheidung von seiner Ehefrau Nadya draufgegangen. Als er im Oktober 2012 aufgrund der diagnostizierten paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie endlich eine Knochenmark-Transplantation durchführen konnte, war’s zu spät. Alex Alves starb am 14. November 2012 in Jau im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo. Mit nur 37 Jahren – und in völliger Armut.

Alex Alves - Was wenige wissen

Alves, im Bild mit Marko Rehmer (l.), spielte von 2000 bis 2003 in Berlin.
Alves, im Bild mit Marko Rehmer (l.), spielte von 2000 bis 2003 in Berlin. Foto: Imago Images / Camera 4

Nix wie weg aus Berlin, zurück nach Brasilien! Dieser Schritt brachte Alex Alves 2003 kein Glück. Immerhin: Bis zu seinem Vertragsende 2004 mussten die Berliner weiter sein Gehalt zahlen.

Nach 3 Monaten kam für den Stürmer auch bei Atlético Mineiro das „Aus“. Alves leistete sich auch beim brasilianischen Klub, für den u. a. Ronaldinho, Toninho Cerezo, Lincoln und Claudio Taffarel spielten, unglaubliche Disziplinlosigkeiten. Nach nur 2 Ligaspielen wurde er bereits Ende 2003 entlassen. Diesen Wechsel bezeichnete Alves später als „schlimmste Entscheidung“ seiner Karriere.

Doch es sollte nicht besser werden. Bei Vasco da Gama hielt es den exzentrischen Alves immerhin 7 Monate. Dann wurde er erneut gefeuert. Im Juni 2007 kehrte Alex Alves überraschend nach Deutschland zurück. Dort schien er wieder auf die Beine zu kommen. Bei Zweitligist Alemannia Aachen hielt er sich fit. Ein Engagement mit dem Bundesliga-Absteiger von 2007 kam jedoch nie zustande.

Der griechische Zweitligist AO Kavala war 2008 die letzte Profi-Station vor seiner Erkrankung. Wenig später wurde bei Alves Leukämie diagnostiziert.

Und vorher? Als Hertha BSC ihn 1999 von Cruzeiro Belo Horizonte holte, blieb er über mehr als ein Jahrzehnt teuerster Einkauf der Berliner. Für die Dienste von Alves zahlte man umgerechnet 7 Mio. Euro. Dieser Wert wurde erst 2017 durch die 8 Mio. Euro teure Verpflichtung von Davie Selke von RB Leipzig übertroffen.

 

Alex Alves – Private Ups and Downs

Alex Alves galt als Problemprofi. Nicht erst in Berlin fiel er immer wieder durch Gesetzesübertretungen und Disziplinlosigkeiten auf.

Die Scheidung von seiner Ehefrau Nadya leitete seinen finanziellen Ruin ein. Wie groß das finanzielle Drama um ihn wirklich war, schildete BILD.DE kurz nach seinem Tod.

Seine Familie, so hieß es, soll nicht einmal das Geld für den Leichentransport gehabt haben. Die Ärzte untersagten die Veröffentlichung weiterer Details zu Alves‘ Krankheit und Tod.

Ein Lichtblick vor und nach dem Ableben bleibt Alves‘ Tochter Alexandra, die in Berlin geboren wurde. Sie schrieb nach dem Tod ihres Vaters bei Facebook: „„Gott soll dir eine Armee von Engeln schicken, um dich zu schützen und immer auf dich aufzupassen. Danke für alles, Papa! Du sollst wissen, dass, obwohl du weit weg bist, du bist immer noch mein Idol bist und ich passe auf dich auf trotz der Entfernung. Ich liebe dich.“

Erfolge, Misserfolge, Brainy Quotes

Alex Alves, hier Anfang 2000, wirkte bei Hertha BSC wie verloren.
Alex Alves, hier Anfang 2000, wirkte bei Hertha BSC wie verloren. Foto: Imago Images / Team 2
Erfolge

Champions-League-Teilnahme 2000 mit Hertha BSC

DFL Ligapokalgewinner 2002 und 2003 mit Hertha BSC

„Tor des Jahres“ 2000 (für Hertha BSC)

 

Misserfolge

Die größten Misserfolge musste Alex Alves in seiner Zeit bei Hertha BSC hinnehmen. Insbesondere sind dies:

„Aus“ im UEFA-Cup 2001 gegen Servette Genf – 0:3 und 0:0

Verpasste, erneute Champions-League-Teilnahme 2000 – 0:3 am letzten Spieltag gegen Borussia Dortmund

Scheitern in der 2. DFB-Pokal-Hauptrunde 2000/2001 – 1:3 beim VfL Wolfsburg

Viertelfinal-Aus im DFB-Pokal 2001/2002 – 1:2 n. V. beim späteren Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln

 

„Ich habe nicht das Vergnügen gehabt, an seiner Seite zu spielen, aber er war ein guter Spieler, der liebe Gott soll bei ihm sein und seine Familie segnen.“ (Brasiliens Fußball-Idol Romário über Alex Alves)

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