Andres Escobar (1967 – 1994): Die Fußballwelt verliert die Unschuld



Andres Escobar (1967 – 1994): Die Fußballwelt verliert die Unschuld

Rudi Völler und Andres Escobar bei der WM 1994
Rudi Völler und Andres Escobar bei der WM 1994. Foto: Imago Images
In den letzten Tagen seines Lebens dürfte Andrés Escobar wohl an nichts anderes gedacht haben, als an diese verfluchte 35. Minute von Pasadena.

Dieser Moment im Glutofen des Rose Bowl-Stadions, wo am 22. Juni 1994 im zweiten Vorrundenspiel der Weltmeisterschaft zwischen Kolumbien und Gastgeber USA mehr als 93.000 Menschen für eine ohrenbetäubende Kulisse sorgen. Hier, wo bei brütender Hitze jeder Schritt zur Qual wird. Eigentlich sieht alles ganz harmlos aus. Der US-amerikanische Mittelfeldspieler John Harkes vom englischen Klub Derby County schlägt eine Flanke von der linken Seite in die Mitte, in Richtung Strafraum. Fatales Eigentor: Andres Escobar düpiert seinen eigenen Torhüter Oscar Cordoba.

In Höhe des Elfmeterpunkts landet der Ball beim kolumbianischen Abwehrchef Andrés Escobar. Der in der Mitte mitgelaufene US-Stürmer Ernie Stewart, später Torschütze zum 2:0, müsste schon Siebenmeilenstiefel tragen, um die Kugel zu erreichen. Escobar lenkt den Ball mit dem linken Fuß zum Entsetzen seines Torhüters Oscar Cordoba ins eigene Netz. Während der Rose Bowl vor Jubel förmlich explodiert, wirkt Escobar wie paralysiert. Er vergräbt sein Gesicht unter seinem Trikot mit der Rückennummer 2.

Bis 1997, bis zum Ende der Trauerzeit um Escobar, wird der kolumbianische Fußballverband dieses Trikot nicht mehr vergeben. Zehn Tage später ist Andrés Escobar tot. Erschossen. Hingerichtet – mit zwölf Kugeln. Am 2. Juli 1994 feuert Humberto Munoz Castro mit einem lang gezogenen „Gooool“ auf den Lippen vor der Bar „El Indio“ in Kolumbiens Hauptstadt Medellin auf den in Ungnade gefallenen Nationalspieler.

Andrés Escobar stirbt noch vor Ort. Das gelbe Trikot der Cafeteros trug er in 50 Länderspielen (1 Tor). Dass er nach seinem folgenschweren Eigentor – das zum Geheimfavoriten aufgeschwungene Team aus Kolumbien verliert mit 1:2 und fliegt in der Vorrunde raus – Opfer eines Verbrechens wird, gehört zu den tragischsten Episoden der WM-Geschichte.

Wer ist der Mann, der Andrés Escobars Leben beendet? Munoz Castro, wenig später geständig, ist im Drogenmilieu von Medellin kein Unbekannter. Als Bodyguard und Fahrer hat er für die mächtigen Drogenbarone gearbeitet – im Milieu von Medellin, das zu Beginn der 1990er-Jahre zu den gefährlichsten Plätzen der Welt gerechnet wird.

Die Drogenbosse haben durch Escobars Eigentor viel Geld verloren, munkelt man wenig später. Immerhin war die Qualifikation der Mannschaft von Trainer Francisco Maturana fest eingeplant. „Der Abwehrspieler muss für die Spielleidenschaft einiger Unterweltbosse büßen“, heißt es in dazu im WM-Buch Der Fußball erobert die neue Welt (Weltbild, 2006).

Der Tod von Escobar schockt die Fußballwelt. Vor dem Hintergrund, dass einige Unterweltgrößen auf Kolumbien gewettet und dann einen missliebigen Spielverderber aus dem Weg räumen ließen, verliert der Sport an diesem Sommertag 1994 seine Unschuld. 120.000 Menschen säumen bei seiner Beisetzung die Straßen von Medellin. Hier, bei Atlético Nacional, begann 1985 die Profikarriere des Andrés Escobar, eines Bankierssohns. Nach nur einer Saison bei den Young Boys Bern in der Schweiz (1989/90) zog es Escobar in seine Heimatstadt Medellin zurück, wo er bis zu seiner Ermordung erneut bei Atlético Nacional unter Vertrag stand. Absoluter Höhepunkt seiner Karriere war der Gewinn der Copa Libertadores 1989 mit Atlético Nacional.

Der Täter Munoz Castro wird von den Gerichten in Medellin zwar mit einer 43-jährigen Haftstrafe belegt, ist aber schon 2005, nur elf Jahre nach dem Mord, wieder auf freiem Fuß. „Gute Führung“, so heißt es.

Der ermordete Escobar wird in Kolumbien zur Legende – und auch vier Jahre nach seinem Tod ist er in der Fankurve der Cafeteros allgegenwärtig. Bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich ziert ein Konterfei Escobars die Zuschauerränge in Lyon. Der US-amerikanische Fernsehsender ESPN, am 22. Juni 1994 auch übertragender Sender von Escobars letztem Länderspiel, bringt den ermordeten Defensivspieler in einer Dokumentation später mit dem ein Jahr zuvor bei einer Schießerei ums Leben gekommenen Drogenboss Pablo Escobar. Die These: Der Pate, ein begeisterter Fußballfan, hätte einer Ermordung des gleichnamigen, jedoch nicht mit ihm verwandten Profis niemals geduldet…

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