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Aufgemerkelt: BVB – Im Westen (fast) nichts Neues

Borussia Dortmund hat in der Hinrunde der Fußball-Bundesliga eine einzige Achterbahnfahrt abgeliefert. Starke Auftritte in der Champions League folgten haarsträubende Fehlleistungen in der Bundesliga und umgekehrt. Was war gut, was mus sich ändern beim BVB? Die Aufgemerkelt-Analyse im Geist von Max Merkel von LigaLIVE nennt einige Punkte.

BVB Paderborn

147,5 Millionen Euro hat Borussia Dortmund vor der Saison für neue Spieler ausgegeben.

Mit dem 2. Teil der Transfer-Offensive wollen die Dortmunder dort weitermachen, wo sie im Sommer 2018 begonnen hatten: Sie wollen noch kräftiger am scheinbar betonierten Meisterthron des FC Bayern München rütteln. Die Vormachtstellung der Münchner haben sie im Vorjahr zwar mächtig wackeln lassen, aber sie haben sie nicht gebrochen.

Im Gegenteil: Von der Saison 2018/2019 bleibt als erstes der verspielte 9-Punkte-Vorsprung hängen, den die Mannschaft von Lucien Favre (62) innerhalb von nur wenigen Wochen verspielt hat. Weil sie zu wankelmütig und taktisch zu vorhersehbar agiert hat! Julian Brandt von Bayer Leverkusen und Thorgan Hazard von Borussia Mönchengladbach sollen das BVB-Spiel taktisch variabler gestalten, Bayern-Rückkehrer Mats Hummels der anfälligen Abwehr endlich Stabilität, meisterliche Stabilität verleihen. Zudem ruft sich der BVB selbst zum Titelanwärter aus und erhöht damit den Druck auf Favre und das Team.

Eine Erwartungshaltung, mit der man in Dortmund offensichtlich nicht fertig wird. Nach dem 5:1-Startsieg gegen den FC Augsburg und einem spät herausgespielten 3:1-Erfolg in Köln verfliegt die schwarz-gelbe Euphorie schnell. 3-mal 2:2 gegen Werder Bremen, bei Eintracht Frankfurt und beim SC Freiburg und dabei jeweils eine Führung nicht ins Ziel gebracht und nur ein Sieg zwischen dem 5. und 10. Spieltag lassen rasch Nervosität aufkommen. Dann wird der Herausforderer in München wieder mit 4:0 abgewatscht (Vorjahr: 5:0) – und die Kritik an Favre wächst. Dass er im Amt bleibt, verdankt er einem taktischen Kniff: Der Umstellung auf Dreier-Kette in der Abwehr – und einem glücklichen 2:1-Sieg bei Hertha BSC mit Trainer-Rückkehrer Jürgen Klinsmann. In der ,,englischen Woche“ kurz vor Weihnachten ist die Borussia dann zu dem geworden, was sie eigentlich schon vorher war: Zum Verlierer der Hinrunde. Anstatt RB Leipzig mit einem Sieg bis auf 2 Punkte Rückstand für die Rückserie so richtig Dampf zu machen, spielt man gegen die ,,Roten Bullen“ nach 2-maliger Führung nur 3:3 und mit dem 1:2 (1:0) bei ,,Angstgegner“ 1899 Hoffenheim am 17. Spieltag ist die Enttäuschung komplett. Der am 29. Dezember 2019 für 20 Millionen Euro verpflichtete Stürmer Erling Braut Haaland weckt seichte Hoffnungen auf eine Wende. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.Was ist neu beim BVB? Neben der Rückkehr des Routiniers Hummels sollen vor allem die Favre-Wunschspieler Nico Schulz, Thorgan Hazard und Julian Brandt das Tempo-Offensivspiel perfektionieren.

Was / wer war gut beim BVB? Dass der Verein in die Offensive investiert hat, spricht für den Mut des selbst ernannten Herausforderers. Die Borussia hat 41 Tore erzielt, nur Bayern München (46) und ,,Herbstmeister” RB Leipzig (48) treffen noch häufiger. Marco Reus und Julian Brandt haben in der Bundesliga und auch in der Champions League gezeigt, dass sie die Jungs für die wichtigen Tore sind. Einen riesen Schub hat auch Außenverteidiger Achraf Hakimi erlebt, der in der Champions League auch als Torjäger glänzt. Apropos Champions League: Wozu diese Mannschaft an guten Tagen imstande ist, hat sie ohnehin vor allem in der ,,Königsklasse” gegen den FC Barcelona (0:0) und Inter Mailand (3:2) gezeigt.

Wenn man positiv denkt, war es auch gut, dass der Verein am in die Kritik geratenen Coach Lucien Favre festgehalten hat und somit nicht bereits den 5. Trainer im 4. Jahr nach dem Abschied von Klopp geholt hat… Man scheint von Favres Philosophie überzeugt zu sein. Der Schweizer bemüht sich zwar, lockerer zu wirken, sein System anzupassen, aber das muss Substanz haben. Am Ende der Hinrunde wirkt es halbherzig, eher wie ein Strohfeuer statt echter Taktik-Revolution.

Was / wer war nicht so gut bei Dortmund? Paco Alcácer und Mario Götze können ihr Image als Edel-Joker nicht abschütteln und fallen mit nur 1.171 bzw. 487 Einsatzminuten in der Bundesliga klar ab. Der Abschied beider Spieler aus Dortmund zeichnet sich spätestens zum Saisonende ab. Größtes Manko ist die nach wie vor nicht behobene Instabilität in der Defensive. Bei Standardsituationen und im Spielaufbau ist der BVB anfällig oder er übertölpelt sich mit schweren Zuspielfehlern wie im Spiel gegen Leipzig (3:3) selbst. Mats Hummels (31) ist der Turm in der Schlacht, aber in der Abwehrkette stimmt die Zuordnung zu häufig nicht. Nervig und völlig unnötig sind die Star-Allüren von Offensiv-Juwel Jadon Sancho (19). Dass der Engländer den Ribéry macht und sich im Protz-Video mit Speedboat, Sportwagen und Goldsteak zeigt, gehört sicher Vereins übergreifend zu den Lowlights dieser Saison…Max Merkel hätte so einen Spieler zum Steigerungslauf in die Berge gejagt. Und wieder zurück, versteht sich…Was soll sich ändern?,,Wir dürfen keine Punkte mehr verschenken”, fordert Julian Brandt im Winter-Trainingslager in Marbella.

Der Rückstand der Borussen auf Platz 1 beträgt bereits 7 Punkte. Die Dortmunder brauchen defensive Stabilität und taktische Finesse. Ihr Spiel war und ist zu leicht auzurechnen.

Mit Erling Braut Haaland hat Favre seinen ursprünglichen Plan, ohne klassischen Stoßstürmer zu spielen, aufgegeben. Mit der Verpflichtung des Torjägers von RB Salzburg (22 Tore in 28 Pflichtspielen) kann bei Dortmund aus einem 3-5-2 ein 3-4-2-1-System werden mit Haaland in der Mittelstürmerposition und Reus und Sancho als Lieferservice.

Aber: Eine Dreier-Kette ist in der Bundesliga ungefähr so sehr außer Mode wie die Regenbogentrikots, die einst der VfL Bochum salonfähig gemacht hat. Das letzte Team, das mit einer Dreier-Kette Deutscher Meister geworden ist, ist 2001 der FC Bayern München mit Ottmar Hitzfeld. Der einstige Meistertrainer des BVB dazu: ,,Mit einer Dreier-Kette hat die Mannschaft mehr Stabilität im Abwehrzentrum. Das hilft, um den Spielern Sicherheit zu geben. Gerade in Phasen, wo das Selbstvertrauen vielleicht nicht ganz so groß ist.” Und diese Phasen hat es in der Hinrunde zu häufig gegeben. LigaLIVE-Prognose: Favre bleibt der Nearly Man der Bundesliga, mehr als die erneute Vizemeisterschaft ist auch mit Haaland, der sich erst mal einspielen muss, nicht drin – und in der Champions League wird gegen das Star-Ensemble von Paris St.-Germain und Ex-BVB-Coach Thomas Tuchel wieder Endstation sein.


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