Aufgemerkelt: FC Bayern – Sie zahlen die Zeche des Sommers!


FC Bayern München Bayer Leverkusen Thomas Müller
Geknickte Bayern: Manuel Neuer, Benjamin Pavard, Torschütze Thomas Müller und Joshua Kimmich (v. l.) nach der 1:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen am 30. November 2019. Foto: Imago Images

Im Winter-Trainingslager in Doha in Katar, wo die Sonne niemals untergeht, hat Niklas Süle im Januar 2019 prophetische Worte gewählt. ,,Wir werden Meister“, kündigt der Nationalspieler an und den führenden Dortmunder dürfte wohl der Schreck in die Glieder gefahren sein.

Huch, die Bayern sind noch da! Sie kommen mit Karacho aus der Winterpause und machen 7 Punkte Rückstand auf den BVB im Februar in nur 4 Wochen weg. Am Ende profitieren sie zwar auch von den Fehlern der Dortmundern, aber die Revolution findet nicht statt. Deutsche Meister bleibt nur der FCB. Damit nicht genug. Der 2. Klub, der am Thron der Großkopferten rüttelt, RB Leipzig, wird im Pokalfinale in Berlin mit 3:0 auf Dosengröße zusammengeschossen. Alles beim alten also, Ansturm abgewehrt.

Oder anders gesagt: Noch mal Glück gehabt! Die Schwächen der Münchner, die einen über Jahre fälligen personellen Umbruch erst im Sommer 2019 mit den Abgängen von Rafinha, Franck Ribéry oder Arjen Robben vollziehen, sind gerade noch mal übertüncht worden.

Ein Detail ist aber auch in der Stunde des ,,Double“-Sieges zu erkennen: Das kommunikative Desaster. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, in München auch für das offene Wort zuständig, ,,vergisst“ bei seiner Ansprache den ,,Double“-Coach, Niko Kovac. Dass man sich mit dem 2018 von Eintracht Frankfurt geholten Trainer im Sommer 2019 darauf einigt, einen kleinen Kader zusammenzustellen, könnte sich am Ende der Saison 2019/2020 als größte von vielen Fehlentscheidungen erweisen. Denn die im letzten Jahr gerade noch abgewatschten Verfolger RB Leipzig, Borussia Dortmund und auch Borussia Mönchengladbach wollen und werden einen Zurückmarsch der Bayern an die Spitze sehr schwer machen. Deutscher Meister bleibt der FCB? Schaun mer mal!

Robert Lewandowski FC Bayern München Belgrad
Der Top-Torschütze darf den Ball behalten. Robert Lewandowski (m.) nach der Tor-Gala des FC Bayern München bei Roter Stern Belgrad (6:0). Foto: Imago Images / nordphoto

Kovac hatte keinen Rückhalt mehr

Das 1:5 bei seinem Ex-Klub Eintracht Frankfurt war das 65. und letzte Pflichtspiel für Niko Kovac als Trainer des FC Bayern München. Foto: Imago Images
Schaun mer vor allem mal auf das, was neu ist beim FC Bayern in dieser Saison – und fangen bei den Transfers an. 

Hier müssen wir festhalten: Sie können es nicht mehr! Egal, welcher große Name im Sommer 2019 über die Medien gespielt wird, der FC Bayern München kann nicht einen dieser gehandelten Spieler verpflichten! Gut, dass sich Leroy Sané von Manchester City im ersten Saisonspiel einen Kreubandriss zuzieht und immer noch nicht zurück ist, das ist wirklich Pech. Aber auch Rodrigo (Manchester City), Ousmane Dembélé (FC Barcelona) oder Timo Werner (RB Leipzig) führen den letzten großen Uli-Hoeneß-Spruch (,,Wenn Sie wüssten, wen wir schon alles sicher haben“) ad absurdum. Keiner will mehr zu Bayern! Die beiden international erfahrenen Spieler, die doch noch kommen, Ivan Perisic von Inter Mailand und Rekord-Leihgabe Philippe Coutinho vom FC Barcelona, kommen erst auf den allerletzten Drücker. Wie sollte Kovac diese beiden Spieler in sein System integrieren? Kovac ist, mit Verlaub, sowieso der ärmste Hund in ganz München! Schon vor dem Pokalfinale gegen Leipzig wird über seine Ablösung spekuliert und am 3. November ist es tatsächlich soweit. Nach einem 1:5 bei Eintracht Frankfurt – Ironie des Schicksals – trennen sich die Bayern von Kovac, nach nur einem Sieg aus 3 vorhergehenden Bundesliga-Spielen. Dass der FC Bayern als Meister und Pokalsieger als erster Klub einer neuen Saison den Trainer entlässt – ein Novum! Der Neue ist Kovacs Co, Hans-Dieter Flick (54), ehemaliger Bayern-Profi. Sein Vertrag läuft bis zum Saisonende. Dann wird die Trainerdiskussion in München wie gewohnt öffentlich geführt.

Was war gut beim FC Bayern? Die Mannschaft hat sich von dem schmerzhaften Umbruch und den vielen Verletzten fast nie aus der Ruhe bringen lassen. Ein Spieler steht dafür exemplarisch: Robert Lewandowski. Der Pole liefert mit klinischer Präzision – 19 Tore in 17 Bundesliga-Spielen stehen vor dem Rückrundenstart bei Hertha BSC zu Buche. Die Champions League ist im Herbst so eine Art Rückzugsort für die in der Bundesliga unter Beschuss geratenen Bayern. Als erstes deutsches Team gelingt es ihnen in der ,,Königsklasse“, in einer Gruppe mit Tottenham Hotspur, Olympiakos Piräus und Roter Stern Belgrad alle 6 Vorrundenspiele zu gewinnen.

Wer / was waren nicht so gut beim FC Bayern? Mit Lucas Hernández von Atlético Madrid hat der FC Bayern München den teuersten Spieler der Bundesliga-Geschichte verpflichtet. Der 80 Mio. Euro teure Weltmeister kommt aber nach Knie-Operation schon als Rekonvaleszent nach München und spielt zudem auf der falschen Position – im Abwehrzentrum statt auf der linken Verteidigungsseite! In der Offensive zeigen Kingsley ,,King“ Coman und Serge Gnabry, dass die übergroßen Fußstapfen des zurückgetretenen Arjen Robben bzw. des zum AC Florenz gewechselten Franck Ribéry (noch) zu groß für sie sind. Oft fehlt es an präzisen Zuspielen in den Strafraum, oft unterlaufen Konzentrations-Fehler. Philippe Coutinho, vom Boulevard schon nach seiner ersten Einwechslung am 2. Spieltag auf Schalke (3:0) als ,,Nachfolger“ von Thomas Müller als Halbstürmer gepriesen, hat die Eingewöhnungsphase in München noch nicht zufriedenstellend absolviert.  11 Tor-Beteiligungen (6 Treffer) lassen dem Brasilianer aber die Rolle des Hoffnungsträgers für die Rückrunde. Trotz Lewandowski fällt auf: Den Bayern mangelt es vor dem Tor an Effizienz! Sie erspielen sich in der Hinrunde liga-weit zwar die meisten Torchancen (156), doch sie verwerten nur 28,8 Prozent davon. Leipzig hat bis zum Spiel gegen Union Berlin (3:1) 127 Torchancen zu verzeichnen, verwertet davon allerdings 35,4 Prozent – das ist schon ein Unterschied! Zudem haben die Bayern Probleme im Umschalt-spiel. Ein Gegentor nach eigenem Ballverlust müssen sie in der Hinrunde bereits 8-mal hinnehmen. In keiner der vergangenen 8 Spielzeiten waren es in einer gesamten Saison so viele Gegentreffer dieser Art wie jetzt schon nach 17 Spieltagen!

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Der FC Bayern muss die ,,mediale Kaderplanung" beenden!

Viele Reporterfragen an Hasan Salihamidzic gab es beim FC Bayern München schon beim Abflug nach Katar... Foto: Imago Images / MIS

Was soll und muss sich beim FC Bayern ändern? Im Winter wird es keine namhaften Neuzugänge mehr geben.

Das hat Sportvorstand Hasan Salihamidzic (43) in einem seiner sehenswerten Monologe im Winter-Trainingslager in Katar schon angekündigt. ,,Wir brauchen Spieler, die uns sofort helfen“, sagt der Bosnier mit Blick auf die vielen verletzten Abwehrspieler. Niklas Süle, Lucas Hernández und Javi Martinez werden lange bzw. beinahe für die komplette Rückserie ausfallen.

Die ,,mediale Kaderplanung“ von Coach Hans-Dieter Flick angeblich betrieben, in Wirklichkeit aber seit Jahren schon zu eine unangenehmen Markenzeichen beim FC Bayern geworden, muss schnellstens wieder intern erfolgen! Salihamidzic rüffelt öffentlich den Trainer, von einer einheitlichen kommunikativen Linie kann beim Rekordmeister keine Rede sein!

Eine, sagen wir mal unglückliche Rolle spielt Ex-Bayernprofi Salihamidzic auch beim zum Jahreswechsel perfekt gemachten Transfer von Schalkes Torhüter Alexander Nübel (23). Dass er, um den Keeper zu verpflichten, Zugeständnisse an die Nübel-Berater gemacht haben soll, wonach Stammtorhüter Manuel Neuer (33) ,,auf Spiele verzichten“ würde, ist alles andere als seriös und vor allem nicht hilfreich. Die Debatte Neuer-Nübel wird so in die Rückrunde mit hinein getragen und solange Neuer seinen bis 2021 laufenden Vertrag nicht verlängert hat, wird das Theater weitergehen.

Fazit: Es wäre ein großer Fehler, den FC Bayern München im Meisterkampf abzuschreiben. Aber um Leipzig und Co. noch einmal entscheidend zu gefährden, brauchen die Münchner die perfekte Rückserie und diese ist mit dem dünnen Kader nur sehr schwer vorstellbar. Können die Bayern den Ansturm der Konkurrenz noch einmal abwehren und zum 8. Mal in Folge Deutscher Meister werden, wäre das der Ritterschlag bzw. der Merkel-Schlag. Gelingt dies nicht, dann zahlen die Verantwortlichen die Zeche für die Fehler des Sommers 2019. Im Erfolg werden bekanntlich die meisten Fehler gemacht. Ein Vorteil hat der kleine Kader aber: Anders als früher werden sich wohl kaum Spieler über zu knappe Einsatzzeiten beschweren…

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