Avanti Dilettanti – Das sind die 20 schlechtesten Bosse in der deutschen Fußball-Geschichte


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Dilettanti 15 – 11: Vom Kind bis zum versagenden Fredi

HANOVER, GERMANY – MAY 14: Martin Kind, president of Hannover pretends to give Horst Heldt, sports director of Hannover flowers before the Second Bundesliga match between Hannover 96 and VfB Stuttgart at HDI-Arena on May 14, 2017 in Hanover, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

15. Kind – Ein Kind als Präsident

Ob dieses nun am Sportchef liag oder am großen Boss – dem mit dem Kind im Ohr oder besser an der Backe – ist zumindest diskussionswürdig. Denn Martin Kind ist mit kurzer Unterbrechung seit 1997 Präsident des Sportvereins Hannover 96 und damit für das große Ganze verantwortlich.

Dabei fing seine Amtszeit eigentlich richtig gut an. Der Verein stand nach vereinsinternen Querelen um seinen Vorgänger Utz Claassen (auch so ein gescheiterter Fußballfunktionär mit großem Ego) sowie dem Abstieg in die Regionalliga 1997 sportlich und finanziell schlecht da. Unter Kind gelang der Neuaufbau – und zwar schnell. Er führte die Fußballabteilung des Vereins mit striktem Führungsstil und großer finanzieller Unterstützung zum Aufstieg aus der Regionalliga wieder in die Bundesliga und stabilisierte das Team dort.

Zu Saisonbeginn 2005/2006 trat Kind mit der Begründung zurück, die Weichen für eine erfolgversprechende Zukunft des Vereins gestellt zu haben und übergab die Vereinsführung an verschiedene Personen, darunter Karl Heinz Vehling und Götz von Fromberg. Diese legten aber bereits im Juli 2006 ihre Ämter nieder. Grund waren Unstimmigkeiten zwischen der Vereinsführung und Geldgebern über den Kurs des Vereins und die Transferpolitik. Der Aufsichtsrat sowie der Großteil der Fans forderten eine Rückkehr Kinds, der auch nach seinem Rücktritt weiterhin zu den wichtigsten Geldgebern des Vereins gehört hatte. Er nahm noch am Tag von Vehlings Rücktritt die Arbeit in alter Manier auf, was er besser hätte bleiben lassen sollen. Denn in der zweiten Amtszeit überwogen nach kurzzeitigen Erfolgen unter Trainer Mirko Slomka die Misserfolge deutlich.

 

HANOVER, GERMANY – MAY 14: Horst Heldt, sports director of Hannover and Martin Kind, president of Hannover make a presentation to Artur Sobiech before the Second Bundesliga match between Hannover 96 and VfB Stuttgart at HDI-Arena on May 14, 2017 in Hanover, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

 

Martin Kind – Am Ende bleibt der Abstieg

Und seit 2014 ruft keiner mehr im Verein nach dem Retter Kind, sondern verlangen Fangruppen und Kritiker vehement seinen Rücktritt. Dabei findet kritische Betrachtung insbesondere sein Verschleiß von Managern und Trainern sowie die fehlende Kontinuität in der sportlichen Entwicklung. Denn in Kinds Amtszeit (1997–2005, 2006–2016) agierten fünfzehn Cheftrainer und zehn Sportdirektoren.

Tatsächlich wird in seinem Führungsstil (ständige Einmischung in sportliche Fragen trotz fehlender Fachkompetenz und Zuständigkeit, fragwürdige Personalentscheidungen, ein ungezügelter Mitteilungsdrang, illoyales und indiskretes Verhalten gegenüber Mitarbeitern) eine wichtige Ursache für die fehlende Weiterentwicklung und den sportlichen Niedergang von Hannover 96 gesehen. So fiel der H96 Boss auch regelmäßig durch unbedachte Äußerungen gegenüber den Medien auf, in denen er sich verletzend über Mitarbeiter und Anhänger des Vereins äußert. Er bezeichnete z. B. einen Spieler nach längerer Verletzungspause als bequem und übergewichtig und eigene Anhänger als „Arschlöcher“.

Sämtliche Titel und eine mehr als hundertjährige Vereinsgeschichte vor seinem eigenen Engagement fasste er mit den Worten „Hannover 96 ist ein Scheißverein gewesen“ zusammen. Als zumindest ungewöhnlich, wenn nicht sogar “dämlich”, dürfte auch das Nennen von Namen von abgelehnten Bewerbern gegenüber der Presse zu bezeichnen sein.

 

 

Seit etwa 2013 kommt es daher bei Heimspielen und auch bei Auswärtsspielen aus den Fanblöcken regelmäßig zu „Kind muss weg“-Rufen und zum Zeigen von Spruchbändern, die die Absetzung Kinds als Vereinspräsident fordern. Dies setzte sich auch fort, nachdem die Ultras aus Protest gegen Kind zur Saison 2014/15 die Spiele der Profimannschaft komplett boykottiert hatten, was enorme Auswirkungen auf die Atmosphäre und Stimmung bei den Spielen hatte.

Nun ja – in der Saison 2016/17 gelang der Aufstieg in die Bundesliga. Und jetzt sollen Gerhard Schröder, Horst Held und Andre Breitenreiter den Klub alsbald nach Europa führen. Apropos Schröder: Damit wäre die erste Hannover-Größe an Bord. Jetzt fehlen noch Carsten Maschmeyer (Vertrieb), Margot Käßmann (Seelenheil) und Ursula von der Leyen (Verteidigung). Dann könnte nichts mehr schief gehen.

 

BERGISCH-GLADBACH, GERMANY – AUGUST 03: TESTSPIEL 2002, Bergisch-Gladbach; VFL BOCHUM – 1. FC KOELN 1:1; Hannes LOEHR (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

 

14. Alle Köln-Bosse im 21. Jahrhundert – bis auf das aktuelle Präsidium

Wie man es in ganz kurzer Zeit schaffen kann, aus einem grundsoliden Klub in der Bundesligaspitze eine Fahrstuhlmannschaft zu machen, die seit 1998 5 Mal aus der Bundesliga abgestiegen ist, zeigen die seit Mitte der 90er Jahre amtierenden Präsidenten und Manger des 1. FC Köln.

Der erste Abstieg vollzog sich dabei in der Saison Saison 1998/1999 und war die Spitze eines Niedergangs, der mit der Entlassung von Christoph Daum 1990 anfing, sich über den Sturz in die Mittelmäßigkeit im Zeitraum 1992 – 1996 fortsetzte und im Abstieg 1998 mündete.

Nach einem schnellen Aufstieg folgten vier weitere Abstiege – jeweils zum Ende der Spielzeiten 2001/2002, 2003/2004, 2005/2006 und 2011/2012. Und in diesem Zusammenhang taucht auch schon mal ein Manager auf, der zusammen mit seinem Präsidenten zum Schluss dieses Posts die Spitze der präsidialen Dilettanten einnehmen wird.

Die Rede ist von Michael Meier, der als Manager des 1. FC Köln im November 2010 entlassen wurde. Stabilisiert wurde der rheinische Riese erst wieder durch einen kompletten Neustart auf allen Ebenen. Denn auf der Mitgliederversammlung im November 2011 trat der damalige Vorstand um Präsident Wolfgang Overath geschlossen zurück.

 

KARLSRUHE, GERMANY – AUGUST 12: 2. BUNDESLIGA 02/03, Karlsruhe; KARLSRUHER SC – 1. FC KOELN 0:1; SCHLUSSJUBEL TEAM KOELN (Photo by Anja Heinemann/Bongarts/Getty Images)

 

Das neue Präsidium

Im April 2012 wählten die Vereinsmitglieder Werner Spinner zum neuen Präsidenten, neue Vizepräsidenten wurden FC-Torwartikone Harald „Toni“ Schumacher und der Präsident des Festkomitee Kölner Karneval, Markus Ritterbach.

Und diese landeten bald darauf einen Glücksgriff. Sie verpflichteten mit Peter Stöger einen Trainer, der den 1. FC zunächst wieder in die Bundesliga führte, dann den Abstieg vermied und den Verein in der Saison 2015/16 im Mittelfeld stabilisierte, ohne leichtfertig das Wort von neuen Titeln oder Triumphen vorschnell in den Mund zu nehmen.

 

WOLFSBURG, GERMANY – MAY 14: Robin Dutt, sportding director of VfB Stuttgart, is pictured prior to the Bundesliga match between VfL Wolfsburg and VfB Stuttgart at Volkswagen Arena on May 14, 2016 in Wolfsburg, Germany. (Photo by Nigel Treblin/Bongarts/Getty Images)

 

13. Robin Dutt – Wo er wirkt, ist der Abstieg nicht weit

So viel Glück wie der 1. FC Köln mit seiner Trainerauswahl hat Robin Dutt nicht. Dutt schloss als Lehrgangsbester am 10. Juni 2005 den DFB-Fußball-Lehrer-Lehrgang in der Hennes-Weisweiler-Akademie an der Deutschen Sporthochschule Köln mit der Gesamtnote von 1,4 ab und galt fortan als großes deutsches Trainer-Talent.

Im September 2006 erhielt er prompt die ersten Anfragen aus dem Profilager. Bei Hannover 96 (genau) galt er als Cheftrainer-Kandidat für die Nachfolge von Peter Neururer, der kurz zuvor entlassen worden war. Die erste Trainerstation Dutts im Profilager wurde aber der Zweitligist SC Freiburg, bei dem er zur Saison 2007/08 die Nachfolge von Volker Finke antrat. In seinem ersten Jahr in Freiburg erreichte er mit der Mannschaft den fünften Tabellenplatz in der 2. Liga.

STUTTGART, GERMANY – MAY 07: Robin Dutt, sportding director of VfB Stuttgart cries while he speaks to the fans after the Bundesliga match between VfB Stuttgart and 1. FSV Mainz 05 at Mercedes-Benz Arena on May 7, 2016 in Stuttgart, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

 

Robin Dutt – Der Überschätzte

Aufgrund der guten Zusammenarbeit wurde sein Vertrag bereits im Mai 2008 vorzeitig bis 2010 verlängert. Am 10. Mai 2009 wurde Dutt mit dem SC Freiburg vorzeitig Meister der Zweiten Bundesliga und schaffte damit den Aufstieg in die Bundesliga. Am 23. Oktober 2009 wurde Dutts Vertrag beim SC Freiburg bis Sommer 2012 verlängert. Die Vorrunde der Saison 2010/11 schloss der SC Freiburg auf Platz 6 ab, am Ende der Saison reichte es für Platz 9. Am 21. März 2011 gab Bayer 04 Leverkusen bekannt, dass der bisheriger Trainer Jupp Heynckes seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde und stellte Dutt noch am gleichen Tag als Nachfolger vor.

Das war ein großer Fehler – von beiden Seiten. Am 1. April 2012 wurde Dutt samt seinen Assistenztrainern nach einer 0:2-Heimniederlage gegen seinen Ex-Verein Freiburg bereits wieder entlassen. Damit war sein Trainer-Glück aufgebraucht. Zur Saison 2013/14 übernahm Dutt das Bundesligateam des SV Werder Bremen als Nachfolger von Thomas Schaaf. Sein erstes Pflichtspiel mit dem SV Werder Bremen verlor er in der ersten DFB-Pokalrunde gegen den 1. FC Saarbrücken mit 1:3 nach Verlängerung. Nach neun Ligaspielen ohne Sieg stellte der Verein am 25. Oktober 2014 Dutt und sein Trainerteam von ihren Aufgaben frei.

Doch Dutt musste nicht lange auf einen neuen Job warten. Am 6. Januar 2015 wurde er offiziell als neuer Vorstand Sport des VfB Stuttgart vorgestellt – mit Vertrag bis Dezember 2018. Seitdem arbeiteten bereits 3 Trainer mit Dutt, Huub Stevens, Alexander Zorniger und Jürgen Kramny.

Gerade die Verpflichtung des Wunschkandidaten Zornigers ging dabei komplett in die Hose. Der VfB dilettierte in der Saison 2015/16 ohne Abwehr durch die Liga und erst der Nachfolger Kramny konnte das Team sehr guter Einzelspieler zu einer einigermaßen soliden und ausbalancierten Einheit formen.

 

GELSENKIRCHEN, GERMANY – MAY 13: Heribert Bruchhagen of Hamburg is seen prior to the Bundesliga match between FC Schalke 04 and Hamburger SV at Veltins-Arena on May 13, 2017 in Gelsenkirchen, Germany. (Photo by Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

 

12. Heribert Bruchhagen – Immer schlechter als beim Vorgänger

Heribert Bruchhagen ist Westfale und die gelten gemeinhin als solide aber etwas dröge. So ähnlich ist auch das Image des Multifunktionärs Bruchhagen. Nur fehlt es ihm am wesentlichen – an Erfolgen.

Denn immer dort, wo Bruchhagen als Manager auftauchte, war entweder der Abstieg nicht weit oder zumindest der Erfolg weit weg. Von 1988 bis 1992 war “Slowhand” Bruchhagen Manager des FC Schalke 04 und versuchte den Klub aus den Niederungen der 2. Bundesliga zu retten. Von 1992 bis 1995 war er Manager des Hamburger SV und verantwortete den Niedergang des Klubs von den Höhen der 80er Jahre.

Von 1998 bis 2001 agierte er als Manager des Fahrstuhlklubs Arminia Bielefeld. Seit dem 1. Dezember 2003 ist er nach einer Episode beim DFB Vorstandsvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG. Und auch hier ging es zunächst einmal bergab.

 

FRANKFURT AM MAIN, GERMANY – MARCH 18: Heribert Bruchhagen, executive director of sport of Hamburg is seen during the Bundesliga match between Eintracht Frankfurt and Hamburger SV at Commerzbank-Arena on March 18, 2017 in Frankfurt am Main, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

 

Der dritte Abstieg

Der dritte Abstieg des Vereins vollzog sich in der Saison 2003/04 (mit direktem Wiederaufstieg in der darauf folgenden Saison) und der nächste Abstieg folgte in der Spielzeit 2010/11. Erfolg sieht anders aus, denn mit Ausnahme der Saison 2012/13, als das Team unter Armin Veh Sechster werden konnte, war die Eintracht während Bruchhagens Ägide entweder in der 2. Bundesliga oder eigentlich fast immer in der unteren Hälfte der Bundesliga-Tabelle zu finden.

 

BERLIN, GERMANY – MAY 27: Executive Director Sports of Eintracht Frankfurt Fredi Bobic arrives for the DFB Cup Final 2017 between Eintracht Frankfurt and Borussia Dortmund at Olympiastadion on May 27, 2017 in Berlin, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

 

11. Fredi Bobic – Oh Gott

In der Liste der inkompetenten Bosse finden sich neben vielen Sportfive-Spezln auffallend viele Manager und Präsidenten, die ihr Glück bei den sogenannten Traditionsvereinen versuchten und diese nachhaltig “schädigen” konnten.

In diese Kategorie gehört auch Fredi Bobic. Er war von 2010 bis 2014 Sportdirektor des VfB Stuttgart und von April 2013 bis September 2014 zudem als Vorstand Sport Vorstandsmitglied des Vereins. Unter ihm wandelte sich der Verein von einem regelmäßigen Aspiranten für die Europa-Cup Plätze mit gelegentlichen Ausreißern nach oben (Meisterschaft) zu einem fortwährenden Abstiegskandidaten.

Insbesondere die letzten Jahre der Bobic-Herrschaft waren ausgesprochen peinlich. Denn nach einem Fehlstart mit drei Niederlagen an den ersten drei Spieltagen der Bundesligasaison 2013/14 trennte sich der VfB am 26. August 2013 bereits von seinem Cheftrainer Bruno Labbadia und ernannte noch am selben Tag Thomas Schneider, den bisherigen U-17-Trainer, zu seinem Nachfolger. Doch das half wenig. Iim DFB-Pokal schied der VfB in der zweiten Runde mit einem 1:2 gegen den SC Freiburg aus. Auch in der Europa League lief es nicht besser. Nach dem Überstehen der dritten Qualifikationsrunde gegen Botev Plovdiv, kam das Aus in den Playoffs gegen die Übermannschaft des HNK Rijeka. Am 9. März 2014 wurde Trainer Thomas Schneider einen Tag nach dem 2:2-Unentschieden gegen den Tabellenletzten Eintracht Braunschweig entlassen und durch Huub Stevens ersetzt. Zuvor war der VfB durch eine Serie von acht Niederlagen in Folge in Abstiegsgefahr geraten.

 

STUTTGART, GERMANY – OCTOBER 06: Fredi Bobic seen during the U19 Mercedes-Benz Elite Cup at Gazi Stadion on October 6, 2015 in Stuttgart, Germany. (Photo by Deniz Calagan/Bongarts/Getty Images)

 

Der Abstieg

Unter Stevens setzte sich der VfB von den Konkurrenten um den Abstieg ab, wodurch der Klassenerhalt und der 15. Tabellenplatz am vorletzten Spieltag feststand. Für Stevens, der nur einen Vertrag bis Saisonende besaß und diesen nicht verlängern wollte, wurde zur neuen Saison Armin Veh verpflichtet, der den Verein bereits von Februar 2006 bis November 2008 trainiert hatte und mit ihm 2007 Deutscher Meister geworden war.

Nach vier Spieltagen stand die Mannschaft mit einem Punkt auf dem letzten Tabellenplatz, woraufhin sich der Verein nicht vom Trainer sondern von Sportvorstand Fredi Bobic trennte. Zwei Monate später zog dann Armin Veh nach neun Punkten aus zwölf Spielen persönliche Konsequenzen und trat als Cheftrainer des VfB zurück.

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