BAYER LEVERKUSEN – PROFIL UND TEAMSTATISTIKEN



VEREINSPROFIL - BAYER LEVERKUSEN

Bayer 04 Leverkusen wurde am 1. Juli 1904 gegründet. Der Verein stieg 1979 in die Fußball-Bundesliga auf und gehört der deutschen Eliteliga seitdem ununterbrochen an.

Dass Bayer Leverkusen nicht gegen die ,,50 + 1″-Regelung im deutschen Fußball verstößt, wonach ein einzelner Kapitalanleger keine Stimmenmehrheit bei einem Verein besitzen darf, beruht auf der Gründung der  Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH – kurz Bayer 04 Leverkusen, Bayer Leverkusen oder Bayer 04 zum 1. April 1999 (vor Wirksamwereden der 50 + 1 Regel).

Das Fußballunternehmen aus Leverkusen entstand am 1. April 1999 durch Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung des Turn- und Sportverein Bayer 04 Leverkusen e. V.. Da die Bayer AG den Verein zuvor mehr als 20 Jahre lang gefördert hatte, durfte sie durch eine Ausnahmeregelung entgegen der 50+1-Regel – über die Erste K-W-A Beteiligungsgesellschaft mbH – alle Anteile an der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH übernehmen. Es ist dies das so genannte ,,Lex Leverkusen“ bzw. ,,Lex Wolfsburg“, da eine gleiche Ausnahmeregelung auch für den von Volkswagen mäzenierten VfL Wolfsburg gilt.

Die Bundesliga-Spieler von Bayer Leverkusen tragen den Spitznamen ,,Die Werkself“. Länger als Bayer Leverkusen sind seit 1979 nur der FC Bayern München und Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga vertreten. Bayer 04 Leverkusen trägt seine Heimspiele in der BayArena aus, die bis zur Umbenennung 1998 Ulrich-Haberland-Stadion hieß und 30.120 Zuschauern Platz bietet. Tickets für Bayer Leverkusen sind aufgrund der geringen Kapazität auch gegen weniger zugkräftige Gegner begehrt, auch wenn der Verein nicht zu den Vereinen mit der größten Fanbase in Deutschland gehört.

GOOD TO KNOW

9 Apr 2002: Lucio und Jens Nowotny feiern den 4:2-Erfolg gegen den FC Liverpool und Michael Owen (l.) beim Schlusspfiff in der BayArena. Foto: DIGITAL IMAGE. Mandatory Credit: Shaun Botterill/Getty Images)

Bayer Leverkusen wurde in mehr als 40 Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit noch nie Deutscher Meister. Diese brachte dem Club den Spitznamen „Vizekusen“ ein. Der ähnlich strukturierte VfL Wolfsburg schaffte dies in seinem 12. Jahr in der deutschen Fußball-Eliteklasse. Bayer Leverkusen steht für 3 Trends in der BUndesliga, von denen man einen als Innovation bezeichnen kann.

  1. Kein anderer Verein hat mehr Fußballprofis aus Brasilien in die Bundesliga geholt als Bayer 04 Leverkusen. Alles begann 1987, mit der Verpflichtung von Tita. Der Mittelfeldspieler, bürgerlich Mílton Queiroz da Paixão, schoss Bayer 1988 mit zum UEFA-Cup. Ihm folgten u. a. die späteren Weltmeister Jorginho, Paulo Sergio und Lucio sowie Emerson, Robson Ponte, Zé Elias oder der legendäre Zé Roberto. Insgesamt hatte Bayer 04 seitdem 23 brasilianische Spieler unter Vertrag.
  2. Ebenfalls schneller als die Konkurrenz war Bayer nach der innerdeutschen Grenzöffnung 1989. Wolfgang Karnath, Bayer-Urgestein und später u. a. Spielerberater von Matthias Sammer, holte im November 1989 im Auftrag von XXL-Manager Reiner Calmund beim WM-Qualifikationsspiel Österrreich gegen die DDR (3:0) in Wien den ostdeutschen Superstar Andreas Thom zu Bayer. Thom wurde erster DDR-Spieler in der Bundesliga, es folgten u. a. Ulf Kirsten oder Heiko Scholz. Nur der Dresdner Matthias Sammer durfte auf Anordnung von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl nicht an den Rhein wechseln. Sammer landete beim VfB Stuttgart und führte die Schwaben 1992 ausgerechnet in Leverkusen zur Deutschen Meisterschaft. ,,Was seid Ihr für Idioten?“, entfuhr es Karnath, ,,mit Sammer wärt Ihr Deutscher Meister geworden!“
  3. Nicht zu vergessen: Die Altstars unterm Bayer-Kreuz. Rudi Völler, Bernd Schuster und Michael Ballack, zuvor schon von 1999 bis 2002 in Leverkusen unter Vertrag, spielten im Herbst ihrer Karriere noch einmal für die ,,Werkself“. ,,Alles wirkte ein bisschen grau, fast lieblos“, erinnert sich Rudi Völler Jahre später in 11 FREUNDE an seinen 1. Auftritt im Haberland-Stadion am 15. November 1980 mit 1860 München (1:1), ,,nur hier und da verirrten sich ein paar Zuschauer.“ Dass er ab 1994 als Spieler und seit 1996 als Sportdirektor selbst maßgeblichen Anteil daran haben würde, dieses Plastik-Image zu verändern, konnte „Rudi Nationale“ damals sicher nicht ahnen.

Was nur wenige wissen (5 Bayer-Katastrophen und 5 Leverkusen-Sternstunden)

Für die Bayer-Hater

  1. Die höchste Heim-Niederlage von Bayer Leverkusen: Diese gab es ausgerechnet in einem der vielen rheinischen Derbys. Am 29. August 2010 verlor Bayer 04 das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach mit 3:6. Nie zuvor hatte die Mannschaft sechs Gegentore in einem Bundesliga-Heimspiel hinnehmen müssen!
  2. Die peinlichste Wende in einem Pokal-Spiel gegen Bayer 04 lieferten Michael Ballack und Co. 2011 in Dresden. Eine 3:0-Führung der Leverkusener drehte der Zweitliga-Aufsteiger in nur 22 Minuten in ein 3:3 und 3 Minuten vor dem Ende der Verlängerung wurde das Rudolf-Harbig-Stadion durch das 4:3 für Dynamo endgültig zum Tollhaus. Leverkusen war blamiert.
  3. In 2 Spielen 5 Punkte Vorsprung vergeigt: Die Saison 2001/2002 sieht Bayer Leverkusen 3 Spieltage vor dem Ende eigentlich schon als Meister. 5 Punkte beträgt der Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund, was soll da noch schiefgehen? Kurz gesagt: So ziemlich alles! Eine zu lässige Heim-Vorstellung gegen Werder Bremen (1:2) mit einem verschossenen Elfmeter von Keeper Hans-Jörg Butt und dann ein 0:1 beim abstiegsgefährdeten 1. FC Nürnberg! Dortmund gewinnt seine beiden Spiele gegen Köln und in Hamburg (2:1 u. 4:3) und zieht an Bayer vorbei. Vor dem letzten Spiel gegen die Hertha hat es der ,,ewige Zweite“ nicht mehr in der eigenen Hand. Mit leichenbitterer Miene sitzen Manager Reiner Calmund und Trainer Klaus Toppmöller im Presseraum des Nürnberger Stadions. ,,Et is in unserer Gesellschaft nun mal so, dass nur Titel zählen“, sinniert Calmund, ,,und wenn du keinen Titel holst, dann kannst‘ das Ding abhaken!“ Stimmt. Dortmund wird Meister, Bayer Zweiter, Haken dran. ,,Vizekusen“ – und ein Fest für Spötter. Im Dortmunder Westfalenstadion rollen sie vor dem Finale gegen Bremen (2:1) ein Plakat aus: ,,Nicht mal Ottmar wird mit LEV Meister!“
  4. About Schmidt: Bayer Leverkusen hatte viele Trainer mit seltsamen Methoden. Christoph Daum ließ seine Spieler über Glasscherben gehen, Heiko Herrlich beschwor das ,,Beppo-Prinzip“ vom guten Straßenkehrer, Erich Ribbeck beschwor in seiner 2. Amtszeit eine Katastrophe herauf. Und Roger Schmidt? Der beschwor im Februar 2016 im Heimspiel gegen Borussia Dortmund (0:1) die erste Spielunterbrechung der Liga-Historie herauf, die von einem Trainer verursacht wurde. Nach einem Innenraumverweis von Schiedsrichters Felix Zwayer (Berlin) weigerte sich Schmidt, auf die Tribüne zu gehen. Zuvor hatte er sich zu lautstark über den angeblich irregulärern Siegtreffer des BVB durch Pierre-Emerick Aubameyang echauffiert. Im Oktober 2016 muss Schmidt wieder hoch – nach Pöbeleien gegen 1899-Coach Julian Nagelsmann (,,Was bist du denn für ein Spinner?“). Im Februar 2017 haben die Bayer-Bosse genug. Nach einem 2:6 in Dortmund, das Schmidt als ,,richtigen Schritt in die richtige Richtung“ sieht, war Schluss – Schmidt kassierte 10 Mio. Euro Abfindung und ging.
  5. Die Fast-Abstiegs-Saison 1995/96: Peinlicher ging es unterm Bayer-Kreuz  seltener zu als in der ersten Spielzeit mit 3-Punkte-Regelung. Am 34. Spieltag kommt es im Haberland-Stadion zum ,,Abstiegs-Endspiel“ gegen den 1. FC Kaiserslautern. Minuten vor dieser unglaublich brisanten Partie taucht der von Bayer beurlaubte Skandal-Profi Bernd Schuster im Stadion auf. Er stellt seinen Mercedes demonstrativ auf dem Spielerparkplatz ab und sagt ,,Ich will hier nur Fußball gucken.“ Ein Affront, Bayer liegt mit dem ,,blonden Engel“ im Rechtsstreit, aber eben auch ein typischer Schuster. Lautern, das dieses Spiel unbedingt gewinnen musste, führte bis in die Schlussphase mit 1:0 durch Pavel Kuka. Bayer Leverkusen wäre somit abgestiegen! 8 Minuten vor dem Ende rettete Markus Münch nach einem unsauber herausgespielten Konter – Leverkusen gab nach einer Spielunterbrechung den Ball nicht an den FCK, sondern in die eigenen Reihen – die Rheinländer mit dem 1:1-Ausgleich. ,,Bei diesem Spielstand“, so Münch später in 11 FREUNDE, ,,ging es um alles, um Millionen, um die Zukunft des Vereins. Da gibt es kein Fair Play.“

Pech für alle Leverkusen-Hater. Dieser Treffer verhinderte wohl den längerfristigen Absturz des ,,Plastikklubs“ vom Rhein. 1995/96 war dennoch ein Fest für alle Gegner der ,,Bayer-Löwen“.

Die schlechteste Bayer-Ausbeute der 3-Punkte-Ära: 36 Zähler – schlechter war Leverkusen nur in der Saison 1981/82, als man mit umgerechnet 34 Punkten in die Relegation musste.

Die zweithöchste Zahl an Unentschieden: 14 Remis kosteten Bayer nach der 1995 neu eingeführten 3-Punkte-Regel beinahe den Kopf. Nur 1989/90 (15 Unentschieden) spielte man in der Bundesliga noch häufiger remis.

Die schlechteste Heimbilanz aller Zeiten: Nur 20 Punkte holt die Bayer-Elf aus 17 Heimspielen. Vor Einführung der 3-Punkte sind es 1981/82 hochgerechnet 23 Zähler im eigenen Stadion.

Wenigste Heimsiege aller Zeiten: Nur 4-mal gelingt Rudi Völler und Co. ein Sieg – gegen Hansa Rostock (2:0), 1860 München (2:1), Eintracht Frankfurt (2:0) und KFC Uerdingen (2:1).

Für Bayer-Lover

  1. Wie ein Tornado: Die Bundesliga-Titeljagd 1999/2000 im Fernduell mit dem FC Bayern trieb Bayer Leverkusen zum höchsten Sieg seiner BL-Historie. Am 18. März 2000 stürmte die Mannschaft von Trainer Christoph Daum das Donaustadion und schoss den Aufsteiger vom SSV 1846 Ulm mit 9:1 (4:0). ,,Sie kommen wie ein Tornado“, titelte BILD.
  2. So feiert man Karneval bei Bayer: Leverkusen gilt auch als rheinische Karnevals-Hochburg – und am 28. Februar 1995 spielte man sich beim 5:1 im UEFA-Cup-Viertelfinale den designierten französischen Meister FC Nantes im Haberland-Stadion in einen Rausch. ,,Mr. Europacup“, Ulf Kirsten, schraubte seine Bilanz in der Saison 1994/95 mit 2 Buden auf 10 Tore in 8 Spielen hoch. ,,Das war international mit Sicherheit der bisher schwerste Gegner für uns“, bilanzierte Manager Reiner Calmund anschließend.
  3. Bayer stürmt Wembley: In der Saison 2016/2017 gewinnt Bayer Leverkusen vor seiner bis heute international höchsten Kulisse von 85.512 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion. In Englands Fußball-Tempel, Ausweichstadion der Tottenham Hotspur, sichert ein Tor von Kevin Kampl zum 1:0 den historischen Erfolg.
  4. Pokal-Rekorde: Die höchsten Erfolge im DFB-Pokal gelangen Bayer Leverkusen jeweils in Runde 1 und dabei mit 11 eigenen Toren. 1994/95 schoss man den BSV Stahl Brandenburg mit 11:0 ab, 2010/2011 geriet der FK Pirmasens mit 1:11 vor heimischer Kulisse in den Bayer-Sturmwirbel.
  5. 50.000. Tor: ,,Vizekusen“ hin oder her – Bayer 04 ist ein Team für die besonderen Momente der Liga. Am 17. Februar 2017 gewinnt die ,,Werkself“ mit 3:1 beim FC Augsburg. Geschichte schreibt das 1:0 für die Gäste nach 23 Minuten. Das Tor von Karim Bellarabi auf Vorarbeit von Kai Havertz ist der 50.000. Treffer seit Einführung der Fußball-Bundesliga!

GRÖßTE ERFOLGE, GRÖßTE NIEDERLAGEN

8. Mai 1988: UEFA-Cup-Sieger nach einem unglaublichen Drama gegen Espanyol Barcelona: Falko Götz (l.) und Wolfgang Rolff jubeln für Bayer Leverkusen.
8. Mai 1988: UEFA-Cup-Sieger nach einem unglaublichen Drama gegen Espanyol Barcelona: Falko Götz (l.) und Wolfgang Rolff jubeln für Bayer Leverkusen. (Photo by Bongarts/Getty Images)

Der größte Erfolg gelang Bayer 04 Leverkusen mit dem UEFA-Pokal-Sieg 1988. 

Am 8. Mai 1988 bezwang die Mannschaft von Erich Ribbeck im Final-Rückspiel im Ulrich-Haberland-Stadion Espanyol Barcelona nach 0:3 im Hinspiel in Spanien mit 3:0 nach Verlängerung – und mit 3:2 im Elfmeterschießen. Alle 3 Bayer-Tore durch Tita, Falko Götz und Bum-Kun Cha fielen in der 2. Halbzeit. Es ist bis heute eine der denkwürigsten Aufholjagden in der deutschen Europacupgeschichte. Im Elfmeterschießen machte die Bayer-Elf nach einem Fehlschuss von Ralf Falkenmayer durch Wolfgang Rolff, Herbert Waas und Klaus Täuber noch einmal einen 0:2-Rückstand wett.

Auf DFB-Ebene bildete der Pokalsieg 1993 gegen die Hertha BSC Amateure (1:0) den größten Erfolg für die ,,Werkself“ ab. Ulf Kirsten, mit 182 Treffern erfolgreichster BL-Torjäger der 1990er-Jahre, erlöste Bayer Leverkusen im Finale von Berlin mit dem 1:0-Siegtor. Große Sympathie brachte dem oft als ,,Plastikklub“ geschmähten Verein aus dem Rheinland der Einzug ins Champions-League-Finale 2002 ein. Im Finale von Glasgow scheiterte man nur knapp am hohen Favoriten Real Madrid (1:2). ,,Die Gala-Auftritte in der Champions-League-Saison mit Klaus Toppmöller werden mir ewig in Erinnerung bleiben“, schrieb Leverkusens legendärer Manager Reiner Calmund 2003 im offiziellen DFL Bundesliga-Lexikon, ,,Liverpool, Manchester, Real Madrid – da haben wir erstmals für große Schlagzeilen in Europa gesorgt – und das Image von Bayer 04 europaweit korrigiert.“

Nichts zu korrigieren gab es bei der international größten Pleite im Champions-League-Achtelfinale 2011/2012: 2:10 in der Addition gegen den FC Barcelona. In einer CL-Gruppenphase bedeutete das 0:5 gegen Manchester United am 27. November 2013 die höchste internationale Pleite. In der Bundesliga gab sich die ,,Werkself“ nie peinlicher als beim 1:6 beim späteren Absteiger Hannover 96 am 26. März 1988.

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OMG - OH MY GOD!

OMG: Das Eigentor von Michael Ballack (am Boden) leitete am letzten Spieltag der Saison 1999/2000 die 0:2-Niederlage von Bayer Leverkusen bei der SpVgg Unterhaching ein. Bayer 04 verspielte die sicher geglaubte Meisterschaft! (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Skandale in blond und weiß

Bayer Leverkusen ist ,,der ewige Zweite“, sagen alle, die den ,,Werksklub“ nicht mögen. ,,Beamtenfußball“ werfen ihm die Kritiker vor, die glauben, dass man trotz des Backgrounds mit dem mächtigen Bayer-Konzern zu wenig aus seinen sportlichen Möglichkeiten macht. Fehlender Biss, Biederkheit – kann sein, muss nicht. Aber eines ist Bayer 04 in jedem Fall nicht: Frei von Skandalen. Im Gegenteil: Der brave Bayer-Klub steht für 2 Affären, die die Bundesliga in ihren Grundfesten erschütterten.  

  1. ,,Der verschnupfte Daum“: So brachte Bayern-Macher Uli Hoeneß im Oktober 2000 den Stein ins Rollen. ,,Wenn unwidersprochen über den verschnupften Daum geschrieben werden kann“, so war es Hoeneß mit Blick auf seinen Erzrivalen aufgefallen, ,,dann darf er nicht Bundestrainer werden.“ Im Sommer 2001 sollte Christoph Daum – mit 144 Bundesliga-Spielen Rekord-Trainer bei Bayer Leverkusen – das Amt des DFB-Bundestrainers übernehmen. Dazu kam es nie. Daum, von der Lawine der Spekulationen des Boulevards über seine angebliche Kokain-Sucht ebenso überrollt wie sein Mentor Reiner Calmund (,,Junge, wenn Du krank biss, verzeih ich Dir!“), ging in die Offensive. Sein Pech: Er lieferte damit selbst den Beweis, den niemand explizit von ihm eingefordert hatte. Daum ließ in Köln eine Haar-Analyse machen (,,Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe“) und überführte sich damit selbst. Die Haarprobe war positiv auf Kokain getestet worden, Daum war blamiert. Er floh nach Florida und kehrte im Januar 2001 mit einer denkwürdigen Pressekonferenz in Köln – einer Sternstunde der Spaßgesellschaft – zurück. ,,Das mit der Haarprobe, das muss ich im Nachhinein sagen, war ein Fehler“, sagt Daum grinsend. Könnte man so sehen, ja…
  2. Schuster verklagt seinen Verein: Als Bernd Schuster 1993  aus Spanien in die Bundesliga zurückkehrt und zu Bayer 04 Leverkusen wechselt, konnte man sich beim ,,Werksklub“ sicher sein, den ersten Weltstar der Vereinsgeschichte verpflichtet zu haben. Der gutmütige Bayer-Coach Dragoslav Stepanovic (,,Stepi“) verstand es, den eigenwilligen, introvertierten Ausnahmespieler zu führen. 18 Tor-Beteiligungen in Schusters erster Saison im Bayer-Dress 1993/94 sprachen für sich. Wie knallhart der oft so wortkarge ,,blonde Engel“ tatsächlich war, davon durfte man sich bei Bayer ab 1995 ein Bild machen. Als ihn der neue (und alte) Bayer-Coach Erich Ribbeck ab Ende Oktober 1995 erst auf die Bank und dann auf die Tribüne setzte, forderte Schuster per Anwalt einen Stammplatz ein. Daraufhin warf Leverkusen den Spieler raus.  Ein langer Rechtsstreit folgte, ein Präzedenzfall ohne Sieger. Auch Ribbeck wurde im April 1996 nach nur einem Sieg aus 15 Spielen (!) gefeuert.
  3. Unterhaching: Schwarz schafft Distanz: Wenn jemand nach der Herkunft des Begriffs ,,Vizekusen“ forscht, so wird er am 20. Mai 2000 fündig. Mit 3 Punkten vor dem FC Bayern aber mit der schlechteren Tordifferenz geht Bayer Leverkusen ins letzte Spiel bei Neuling SpVgg Unterhaching. Nach dem 4:1 am 33. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt hat Bayer-Coach Christoph Daum den Druck auf seine Mannschaft gewaltig erhöht: ,,Wir werden in Unterhaching die Meisterschaft einfahren, basta.“ Die Münchner Vorstädter wollten den Rheinländern unbedingt eins auswischen – und dem großen Nachbarn FC Bayern helfen. So kam es, wie es kommen musste. Verkniffen und in dunklen Anzügen saßen die Bayer-Bosse Reiner Calmund und Rudi Völler auf der Tribüne des engen Sportparks in Unterhaching. Irgendwie schien sie ein ungutes Gefühl beschlichen zu haben. Die Bayern übten mit einer frühen 3:0-Führung im Parallelspiel gegen Werder Bremen brutalen Druck auf Leverkusen aus. ,,Schwarz schafft Distanz“, philosophierte SAT-1-Reporterlegende Werner Hansch beim Anblick des ungleichen Duos Calli und Rudi, ,,und als Kontrast dazu das leuchtende Weiß der Leverkusener auf dem Rasen.“ Der weiße Auswärtsdress wird nicht zum Meistertrikot. Warum? Weil erst Michael Ballack ein kapitales Eigentor unterläuft, Haching-Keeper Gerhard ,,Gerry“ Tremmel hält, als würde er von Uli Hoeneß Geld bekommen und Markus Oberleitner Leverkusen mit dem 2:0 die Meisterschale wegköpfte. Dass Daum und sein Sohn Marcel anschließend auf der Tribüne weinten, bekamen die Hachinger Helden nicht mehr mit. ,,Wir haben uns von den eigenen Fans und von den Bayern-Anhängern, die zu uns in den Sportpark gepilgert waren, feiern lassen“, sagt Oberleitner 2019 in der SPORT BILD-Serie ,,Spiel des Lebens“, ,,die Bilder danach waren aber schon krass.“

Reiner Calmund: ,,Wir sind nur die Underducks."

BAYER LEVERKUSEN - FUN FACTS

Ulf Kirsten jubelt am 30. November 1997 über 3 Tore für Bayer 04 Leverkusen gegen den FC Bayern München (4:2). (Photo by Frank Peters/Bongarts/Getty Images)

Dass man Bayer Leverkusen auch ,,Vizekusen“ nennt, weil dem Team seit 1993 scheinbar eine Titel-Allergie anhaftet, ist bekannt. Weniger bekannt sind diese Fakten…

,,Herbert war’s!“ – Oder anders: Herbert Waas, denn so hieß der erste deutsche Nationalspieler, den Bayer 04 Leverkusen abstellte. Der gebürtige Passauer gab am 7. Juni 1983 sein Debüt im deutschen Nationalteam gab, war er exakt 19 Jahre, acht Monate und 30 Tage alt – und damit nur ein halbes Jahr älter als Kai Havertz bei seiner Länderspielpremiere am 9. September 2018.

Leverkusen kann doch Meister – Eine Bundesliga-Saison mit Bayer Leverkusen als Meister gab es in 56 Spielzeiten noch nie. Sehr wohl aber eine Zweitliga-Saison. Die Spielzeit 1978/79 schloss ,,der Bayer“, wie das Team damals genannt wurde, als Meister der 2. Bundesliga Nord ab.

Tabellenführer der Nicht-Meister – ,,Vizekusen“ – da ist was dran! Diese Zahl macht die Dinge nicht besser. 71-mal stand Bayer 04 an der Tabellenspitze der Bundesliga, Meister wurde man aber nie. Die beiden anderen Vereine aus der Top 10 der Bundesliga-Spitzenreiter – FC Schalke 04 und Eintracht Frankfurt – standen 59- bzw. 55-mal auf der Pole Position und wurden ebenfalls nie Meister in der Bundesliga-Ära.

Bayer auf Platz 1: Das gab es zum ersten Mal am 3. Spieltag der Saison 1986/87. Am Ende sprang nur Platz 6 heraus.

Der Bayern-Schreck: Ulf Kirsten hat in 20 Bundesliga-Spielen 11-mal gegen den großen FC Bayern München getroffen. Nur 3 Spieler, neben dem ehemaligen Bayer-Coach Klaus Toppmöller sind dies Vize-Weltmeister Klaus Fischer (je 12 Tore) und der im Mai 2019 verstorbene Ruhrpott-Stürmer Manfred Burgsmüller (13 Buden) erzielen in ihrer Bundesliga-Karriere noch mehr Treffer gegen die Großkopferten. Eine Übersicht über die 10 Spieler, die die Münchner nie in den Griff bekamen, gibt es hier.

Das Horror-Jahr: 2002/2003 war eine Zittersaison, wie sie Reiner Calmund ,,dem ärgsten Feind nicht wünschen möchte“. Erst am letzten Spieltag rettete sich Bayer 04 im direkten Duell beim 1. FC Nürnberg (1:0) vor dem Abstieg – und das als Vizemeister bzw. in der Saison nach dem ,,Vize-Triple“ von 2002. Die Trainer Klaus Toppmöller und Thomas Hörster mussten zwischendurch gehen. Der Ur-Bayer Klaus Augenthaler rettete den taumelnden Bayer-Klub vor der Zweitklassigkeit.

Relegation: Rang 16 bedeutete in der Saison 1981/82 nicht nur die schlechteste Platzierung für Bayer im Fußball-Oberhaus, sondern auch den Gang in die Bundesliga-Relegationsspiele. In der Premiere dieser Entscheidungsspiele setzte sich Bayer 04 Leverkusen gegen Kickers Offenbach mit 1:0 und 2:1 durch – und blieb oben!

Rot-Rekord: Kein Bundesliga-Spieler flog häufiger vom Platz als Bayer Leverkusens Jens Nowotny. Der ehemalige Nationalspieler sah 8-mal Rot oder Gelb-Rot, ohne je im Verdacht gestanden zu haben, ein Treter zu sein…

Alles Vize oder was? 2002 blieb für immer als das Jahr des ,,Vize-Triple“ für Bayer Leverkusen in Erinnerung. Die deutschen Nationalspieler Michael Ballack, Hans-Jörg Butt, Bernd Schneider, Carsten Ramelow und Oliver Neuville brachten sogar noch eine 4. Silbermedaille mit. Nur einer wurde Weltmeister: Der Brasilianer Lucio.

Der Hertha-Bubi wird ein Bayer-Löwe: 1993 holte Bayer 04 in Berlin gegen die ,,Hertha-Bubis“, die 2. Mannschaft von Hertha BSC, den DFB-Pokal. Einen Spieler konnte man da wohl schon sichten. 1995 wechselte Carsten ,,Calle“ Ramelow unters Bayer-Kreuz – und wurde bis zu seinem Abschied 2008 mit 333 BL-Spielen zu einer Klublegende.

Die Torjäger: Bayers Rekord-Knipser Ulf Kirsten (182 Tore) wurde 3-mal (1993, 1997, 1998) bester Torschütze in der Bundesliga. Die Torjägerkanone schnappte sich 2013 auch Stefan Kießling.

TEAM-STATS, INFOGRAFIKEN, EXTERNE QUELLEN

TEAM-STATISTIKEN

Infos umfassen: Alter der Spieler, Einsätze, Gespielte Minuten, Gegentore, Zu Null gespielt, Einwechselungen, Auswechselungen, Gelbe Karten, Rote Karten, Ampelkarten. 

EXTERNE QUELLEN

Die Spieler von BAyer Leverkusen feiern Kai Havertz nach seinem Tor zum 2:1 beim FC Augsburg (4:1).
Die Spieler von BAyer Leverkusen feiern Kai Havertz nach seinem Tor zum 2:1 beim FC Augsburg (4:1). (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Offizielle Website von Bayer Leverkusen

https://www.bayer04.de/

 

Wikipedia-Eintrag von Bayer Leverkusen

https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_04_Leverkusen

AKTUELLES (INKL. SPIELE, STATS ZU TORSCHÜTZEN, FORMÜBERSICHT, HANDICAP, ÜBER/UNTER)

Leverkusen und Kai Havertz machten in der Rückrunde 2018/2019 richtig Dampf, wie hier beim 5:1-Auswärtssieg in Mainz.
Leverkusen und Kai Havertz machten in der Rückrunde 2018/2019 richtig Dampf, wie hier beim 5:1-Auswärtssieg in Mainz. (Photo by Jörg Schüler/Getty Images)