Die Schwäche der Bayern ist die Stärke des BVB


Die Hinrunde der Bundesliga-Spielzeit 2018/19 wurde von Borussia Dortmund dominiert. Der FC Bayern etablierte sich letztlich doch noch als Dortmund-Jäger Nummer 1. Gladbach, Frankfurt und Wolfsburg spielten eine ausgezeichnete Vorrunde.

Dagegen enttäuschten der VfB Stuttgart und Hannover 96 stark. Der 1. FC Nürnberg schwächelte im Verlauf der Saison immer mehr, während Fortuna Düsseldorf immer besser in Tritt fand.

All dieses zeigt ein kurzer Blick auf die Tabelle. Doch hinter diesen Standard-Fakten verbergen sich Details, die wir in unserer Analyse herausarbeiten wollen.

Was war so besonders gut beim BVB? Was war deutlich schlechter als früher beim FC Bayern München? Und woran krankt es bei Hannover, Nürnberg und Stuttgart ganz besonders? Der Ligalive Faktencheck zeigt, wo einzelne Vereine ihre Stärken und wo ihre Schwächen haben. Und überraschend oder auch nicht: Eine Stärke des BVB ist eine ganz besondere Schwäche des FC Bayern München.

Alassane Plea ist der neue Stürmerstar von Borussia. Mönchengladbach.
Alassane Plea ist der neue Stürmerstar von Borussia. Mönchengladbach. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Die Schießwütigen und die Selten-Schießer

Die meisten Schüsse pro Spiel gab in der Hinrunde der Spielzeit 2018/19 die TSG Hoffenheim ab. 18.3 Mal schossen die Kraichgauer pro Spiel im Schnitt aufs gegnerische Tor. 

Direkt dahinter kommt der FC Bayern, der es 17.6 Mal pro Spiel versuchte. Der BVB liegt in dieser Statistik nur im Mittelfeld. 12.6 Mal zielten die Favre-Schützlinge in der Hinrunde im Schnitt pro Spiel in Richtung gegnerisches Tor.

Was auffällt: Hoffenheim traf das Tor aber nur relativ selten. Nur ca. 1/3 aller Schüsse gingen auch aufs Tor – 6.5 im Schnitt pro Spiel. Auf Platz 2 der Statistik der FC Bayern mit 6.4 Torschüssen pro Spiel. Und wieder nur im Mittelfeld der BVB mit 5.2.

Am schlechtesten bzw. am wenigsten schossen  Stuttgart und Nürnberg. Sie versuchten es nur 11.1 bzw. 10.3 Mal und trafen auch nur 2.7 bzw 3 Mal bei allen Versuchen das Tor. Da wird es schwierig mit dem Klassenerhalt.

Lucien Favre beim 2:1-Erfolg von Borussia Dortmund gegen seinen Ex-Klub Gladbach am 21. Dezember 2018.
Lucien Favre beim 2:1-Erfolg von Borussia Dortmund gegen seinen Ex-Klub Gladbach am 21. Dezember 2018. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Ligalive Infografik: Diese Spieler schossen die häufigsten frühen Tore in der Bundesliga-Hinrunde 2018/19

Tore und Gegentore

Borussia Dortmund hat in der Hinrunde 44 Tore erzielt – das ist der Ligabestwert.

Die wenigsten Tore erzielte der VfB Stuttgart. 12 Stück gelangen den Schwaben bisher.

Die wenigsten Gegentore – 17 – und damit die wenigsten der Liga kassierte RB Leipzig. Es folgen Borussia Dortmund, der FC Bayern und Gladbach mit je 18.

Die meisten Gegentore gab es für die Kellerkinder: Stuttgart (35), Hannover (35) und Nürnberg (38).

Abwehr kann RB Leipzig - in der Bundesliga.
Abwehr kann RB Leipzig - in der Bundesliga. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Ligalive Infografik: Diese Spieler schossen am häufigsten auf das Tor in der Bundesliga-Hinrunde 2018/19

Early Birds und Schläfer

RB Leipzig hat 7 seiner 31 Tore in den ersten 15 Minuten erzielt – das ist Ligabestwert. Die Abwehr um Keeper Yann Sommer hat in dieser Saison schon 3 Gegentreffer in den ersten zwei Spielminuten hinnehmen müssen. 

Nur 125 Sekunden dauerte es beim Auswärtsspiel in Leipzig (0:2), bis Timo Werner Gladbach den ersten Treffer einschenkte. Das war am 13. Spieltag. Einen Spieltag zuvor – am 12. Spieltag – ging es noch etwas schneller. Das schnellste Tor der Hinrunde erzielte Hannovers Bobby Wood, der beim Gladbacher 4:1-Sieg nach 22 Sekunden traf. Am 9. Spieltag überwand Nils Petersen bereits Yann Sommer beim 3:1 Sieg in Freiburg per Elfmeter in der ersten Minute.

Die Gladbacher mussten auch noch frühe Gegentore am 6. Spieltag und am 2. Spieltag hinnehmen. Beim 2:2 in Wolfsburg erwischte die Borussia zunächst einen Traumstart und ging nach sechs Minuten in Führung, fünf Minuten später feierte aber VfL-Profi Renato Steffen seinen Ausgleichstreffer. In Augsburg klingelte es im Gladbacher Gehäuse bereits in der zwölften Minute, als Michael Gregoritsch das 0:1 aus Gladbacher Sicht erzielte. Das Spiel endete 1:1.

Die Gladbacher sind mit 5 Gegentoren in den ersten 15 Minuten aber nicht die schlechteste Mannschaft der Anfangsviertelstunde. das sind Hauptstädter von Hertha BSC. Die kassierten in der Anfangsviertelstunde bereits 6 Gegentore.

Ligalive Infografik: Diese Spieler schossen die meisten Tore per Schuss (ohne Kopfball) in der Bundesliga-Hinrunde 2018/19

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Late Bloomer und Konditionlose

Er trifft gerne als Einwechselspieler und spät - Paco Alcacer.
Er trifft gerne als Einwechselspieler und spät - Paco Alcacer. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Etwas früher Schluss machen? OK – aber nicht mit dem BVB. Denn der 10 Treffer zwischen der 61. und 75. Minute und ebenso viele zwischen der 76. und 90. Minute – das sind Topwerte in der Liga. Hinzu kommen noch vier Treffer in der Nachspielt.

Noch besser auf den letzten Metern war aber die Düsseldorfer Fortuna. 4 von 19 Treffern glückten den Rheinländern in der Nachspielzeit.

Ohne Kondition dagegen der VfB Stuttgart. Elf Treffer mussten die Schwaben  zwischen der 76. und 90. Minute einstecken. So schlecht ist kein anderer Verein.

Den zweitschlechtesten Wert hält Hannover 96 mit 7 Gegentoren.

Ligalive Infografik: Diese Spieler erzielten die meisten späten Tore in der Bundesliga-Hinrunde 2018/19

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Er trifft den richtigen Ton in der Halbzeit - Julian Nagelsmann.
Er trifft den richtigen Ton in der Halbzeit - Julian Nagelsmann. (Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Zaubertrank und Ansprachen

Entweder es gibt Zaubertrank oder es sind die Halbzeitansprachen von Julian Nagelsmann.

Wie sonst ließe sich erklären, dass die Hoffenheimer die Mannschaft sind, die die meisten Tore unmittelbar nach Wiederanpfiff erzielt – 12 von insgesamt 36 erzielten sie zwischen der 46. und der 60. Minute.

Ein ähnliches Getränk oder ähnliche Rhetorik muss es in Gladbach geben. 11 von 36 Toren fielen für die Gladbach in den ersten 15 Minuten nach Wiederanpfiff.

Dagegen muss es beim 1. FC Nürnberg entweder eine einschläfernde Ansprache oder das falsche Getränk geben. Die Franken kommen regelmäßig schlecht aus der Pause. 10 Gegentore fing sich der Glubb zwischen der 46. und 60. Minute.

Ligalive Infografik: Diese Spieler erzielten die meisten Ausgleichstore in der Bundesliga-Hinrunde 2018/19

Die linke Seite ist die gefährliche Seite bei Hertha BSC.
Die linke Seite ist die gefährliche Seite bei Hertha BSC. (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Linkmichel und rechte Hand

Hertha BSC erzielte über die linke Seite 45,8 Prozent seiner Tore (11/24 – Elfmeter nicht berücksichtigt). Das ist der beste Wert. Stuttgart (41,7%), Leipzig und Bayer Leverkusen (jeweils 40%) folgen auf den Plätzen 2 und 3.

Über rechts kommt dagegen der VfL Wolfsburg liebend gern – ungefähr die Hälfte aller Treffer fiel nach einem Angriff über die rechte Seite. Es folgen Mainz und Düsseldorf mit jeweils 43,8 Prozent.

8 der 15 Gegentore (Elfmeter zählen nicht mit) kassierte der FC Bayern über die linke Seite. Das sind 53,3% (8/15). Eine Problemzone links haben aber auch Leipzig 46,7% (7/15) und Freiburg 45,5% (10/22).

Dagegen liegt es bei Gladbach und Schalke auf der rechten Seite im Argen. 41,2% (7/17) und 40,9% (9/22) der Gegentore fielen über diese Seite.

Ligalive Infografik: Diese Spieler erzielten die meisten Kopfballtore in der Bundesliga-Hinrunde 2018/19

Die Schwäche des FC Bayern München

Ist Manuel Neuer noch so gut wie früher?
Ist Manuel Neuer noch so gut wie früher? Foto: Getty Images

Der FC Bayern erlebte in der Hinrunde 2018/19 zeitweise ein Dauerversagen seiner Defensivabteilung, wie er es schon lange nicht mehr erlebt hat. Per Ende November 2018 hatte der deutsche Meister bereits 17 Gegentore kassiert.

In der Saison 2015/16 kassierte der FC Bayern unter Trainer Pep Guardiola zwar auch mal 17 Gegentore – jedoch nach 34 Spielende zum Saisonende. in der gesamten Saison. In der Saison 2014/15 kassierten die Münchener nur 18 Tore in der gesamten Spielzeit.

17 Gegentore 4 Wochen vor Ende einer Hinrunde gab es bei den Bayern zuletzt 2008/09, der letzte Meistertitel trotz so vieler Gegentore war im Jahr der Fußball-WM in Deutschland – 1974.

Was weiterhin auffällt: Bis Ende November 2018 musste Manuel Neuer bereits 17 Gegentore hinnehmen. Nur 32 Schüsse gingen auf sein Tor. Er konnte also nur 15 Bälle halten, 17 Bälle schlugen hinter ihm ein. Das Verhältnis ist mit Abstand das schlechteste aller Bundesligisten.

Vor allem die Konteranfälligkeit des FC Bayern führte zu vielen Gegentoren. Das Team ist verwundbar, wenn der Gegner Fehlpässe ausnutzt und schnelles Umschaltspiel beherrscht. Das ist genau die Stärke des BVB 2018/19 unter Lucien Favre.

Und das noch

Beim VfB Stuttgart läuft es nicht rund.
Beim VfB Stuttgart läuft es nicht rund. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
Standard-Könige und Standard-Schläfer

Wenn der Ball ruht, dann gilt es gegen Mainz besonders aufzupassen. Fast die Hälfte seiner Tore erzielen die Rheinhessen nach ruhenden Bällen. Genaus sind es 47,1 Prozent aller Tore (8/17). Das können auch der 1. FC Nürnberg und der FC Augsburg. 42,9% bzw. 40% der Tore fielen auf diese Weise. Die meisten Tore (absolute Werte, nicht in Prozent der geschossenen Tore) nach Standards erzielten Gladbach (11), Dortmund (10) und Augsburg (10). Beim FCA macht das 40 Prozent aller Treffer aus, bei Gladbach (30,6%) und dem BVB (22,7%) fällt dieser Wert geringer aus. Dennoch verwunderlich – Lucien Favre war früher nie ein besonderer Anhänger von Freistoß- oder Eckballvarianten.

 

Könige der Luft

In der Luft ist Augsburg König. 7 von 25 Tore erzielten die bayerischen Schwaben per Kopf, das sind 28%. Die meisten Luftduelle gewinnt Eintracht Frankfurt mit 23.7 pro Spiel im Schnitt. Vor Leipzig, Augsburg und Mainz mit 22.8, 22.3 und 21.7. Das Gegenteil von kopfballstark sind dagegen die Stürmer von RB Leipzig. Den Sachsen glückte in der Hinrunde nur ein Kopfballtreffer.

 

Standards

Schwächen bei Standards haben Freiburg 48% (12/25), Schalke 45,8% (11/24) und Hoffenheim 43,5% (10/23). Dem VfB Stuttgart unterliefen darüber hinaus auch schon 2 Eigentore. Von den 35 Gegentoren kassierte der VfB 9 davon aus der Luft (25,7%).

 

Könige des Umschaltspiels

Fahrlässiges Passspiel darf man sich gegen Dortmund nicht erlauben. Der BVB ist das Team, das die meisten Konter-Tore erzielt: 10 waren es in der Hinrunde 2018/19. Kein Konter-Tor schafften hingegen Werder Bremen, Hannover 96 und Schalke 04. Am anfälligsten für Gegentore nach Kontern ist der FC Augsburg. Von den 29 Gegentoren fielen 8 nach einem Konter. Das kann Eintracht Frankfurt deutlich besser. Die Hessen mussten in der Hinrunde 2018/19 noch kein Konter-Tor einstecken.

 

Ballbesitzkönige

Ballbesitzkönig ist wieder mal der FC Bayern. 63 % Ballbesitz ist Bestwert vor dem BVB mit 56.4 %. In Punkto Passgenauigkeit sind ebenfalls die Bayern vorne. 87 % aller Pässe kamen bei ihnen an, 85.7 beim BVB. Auf Platz 3 in dieser Statistik liegt Bor. M’gladbach mit 84 %.

 

Dribble-Könige

Der BVB versucht die meisten Dribblings pro Spiel mit 11.1. Dahinter der FC Schalke 04 mit 11 und der FC Bayern mit 10.2 Dribblings pro Spiel.

 

Die Gefoulten

Am meisten gefoult wird übrigens der VfL Wolfsburg. Danach kriegen der FC  Schalke und der VfB Stuttgart auf die Socken. 12.6, 12.1 und 11.9 mal griffen die Gegner im Schnitt pro Spiel zu unerlaubten Mitteln. Es trifft also gar nicht mal den BVB oder den FC Bayern am häufigsten, wie man vermuten könnte.

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