Bayerns Rundumschlag – und noch 4 legendäre Pressekonferenzen der Bundesliga

Der 19. Oktober 2018 wird als der Tag der „Generalabrechnung“ der Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Hasan Salihamidzic mit den Medien in die deutsche Fußballgeschichte eingehen. Ihre Pressekonferenz am Freitag in München war liga- und medienhistorisch.

Zu einem „Pressetalk“ hatten die Verantwortlichen des FC Bayern München für Freitagmittag, 12 Uhr, eingeladen. Teilnehmer: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Vereinspräsident Uli Hoeneß und Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

Eine englische Zeitung spekulierte angesichts dieser geballten Ladung an Bayern-Kompetenz auf die Ablösung von Trainer Niko Kovac (47) durch Grandseigneur Arsene Wenger (68). Was die angeschriebenen Medienvertreter nicht wussten. Die Veranstaltung wurde zu einer im deutschen Fußball bis dahin nie da gewesenen Medien-Schelte und Abrechnung.

„Wir werden mit dem heutigen Tag diese herabwürdigende, hämische, faktische Berichterstattung uns nicht mehr bieten lassen“, ließ Rummenigge wissen, wo der Hammer hängt. „Als wir in Sevilla gespielt haben, war er alleine dafür verantwortlich, dass wir fast ausgeschieden sind. Und an dem Tag ist entschieden worden, dass wir ihn abgeben. Weil er uns fast die ganze Champions League gekostet hat“, pestete Hoeneß gegen den zu Paris St.-Germain transferierten Juan Bernat. Der Auftritt der Bayern-Bosse: Eine bizarre Veranstaltung, die in der Fußball-Bundesliga einige berühmte Vorhänger hat. Und bitte!

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Karl-Heinz Rummenigge bemühte bei seiner Medienschelte sogar das Grundgesetz... (Photo by Jan Hetfleisch/Bongarts/Getty Images)
Eine englische Zeitung spekulierte angesichts dieser geballten Ladung an Bayern-Kompetenz auf die Ablösung von Trainer Niko Kovac (47) durch Grandseigneur Arsene Wenger (68).

Was die angeschriebenen Medienvertreter nicht wussten. Die Veranstaltung wurde zu einer im deutschen Fußball bis dahin nie da gewesenen Medien-Schelte und Abrechnung.

„Wir werden mit dem heutigen Tag diese herabwürdigende, hämische, faktische Berichterstattung uns nicht mehr bieten lassen“, ließ Rummenigge wissen, wo der Hammer hängt. „Als wir in Sevilla gespielt haben, war er alleine dafür verantwortlich, dass wir fast ausgeschieden sind. Und an dem Tag ist entschieden worden, dass wir ihn abgeben.

Weil er uns fast die ganze Champions League gekostet hat“, pestete Hoeneß gegen den zu Paris St.-Germain transferierten Juan Bernat. Der Auftritt der Bayern-Bosse: Eine bizarre Veranstaltung, die in der Fußball-Bundesliga einige berühmte Vorhänger hat. Und bitte!

Stefan Effenberg und die „Freunde der Sonne“

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Stefan Effenberg führte den FC Bayern 2001 zum Champions-Leaegue-Titel. (Photo by Peter Schatz/Bongarts/Getty Images)
Mit den Münchner Journalisten hatte schon so mancher Bayern-Akteur seine Probleme. „Die meisten haben keine Ahnung von Fußball“, unterstellte Ex-Coach Louis van Gaal. „Tiger“ Stefan Effenberg fauchte persönlich gegen die Meute an.

Nach einem farblosen Champions-League-Auftritt im November 1999 ging der „Cheffe“ des FC Bayern in die Offensive – und lieferte einen unvergessenen Auftritt. „Es wird noch ein Unterschied gemacht zwischen vielen Millionären beim FC Bayern und Stefan Effenberg – warum?“, verstand der Führungsspieler die Welt nicht mehr.

Vorwürfe wie „Effenberg spielt nur mit angezogener Handbremse“ konterte der gebürtige Hamburger auf Bayrisch: „So ein Schmarrn!“

Effenbergs gut gemeinter Rat an die Münchner Journaille: „Da muss man aufpassen, was man sagt, was man schreibt und wie man das rüberbringt. Denn ich bin einer, der lässt sich das nicht gefallen, Freunde der Sonne.“

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Wolfsburg: Klaus Augenthaler interviewt sich selbst

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Klaus Augenthaler lieferte als Trainer des VfL Wolfsburg ein rhetorisches Highlight. (Photo by Bongarts/Getty Images)

Weltmeister Klaus Augenthaler (61) gehörte in der Fußball-Bundesliga weder als Spieler des FC Bayern noch als Coach des 1. FC Nürnberg, von Bayer 04 Leverkusen oder des VfL Wolfsburg zu den großen Rednern.

Der Mann mit der bayerischen Bier-Ruhe, das personifizierte „Jo mei“, lieferte  allerdings am 10. Mai 2007 einen Auftritt, der mit „bizarr“ noch milde umschrieben ist.

Vor dem entscheidenden Spiel gegen den Bundesliga-Abstieg mit dem VfL gegen Alemannia Aachen gab Augenthaler eine 42-sekündige Pressekonferenz, in der er die Fragen selbst stellte – und die Antworten logischerweise selbst gab.

„Meine Herren, es gibt 4 Fragen – und 4 Antworten. Die Fragen, die stelle ich und die Antworten gebe ich auch. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft? Die Mannschaft hat hervorragend gearbeitet. Zur Taktik: Ein oder 2 Stürmer? Hängt von den Personalien ab! Wie ich den Gegner erwarte? Der Gegner wird sicherlich Druck machen, Aachen muss das Spiel gewinnen, dafür sind wir vorbereitet. Ist die Mannschaft dem Druck gewachsen? Was ich beobachtet habe in dieser Woche im Training: Ja, die Mannschaft wird die Antwort auf dem Platz geben. Dankeschön.“ Ist manchmal das Beste. Wolfsburg erzwang am Tivoli ein 2:2. Aachen stieg ab.

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Dortmund: Doll „lacht sich den Arsch ab“

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Seine legendäre Wutrede kostete Thomas Doll in Dortmund den Job. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Ein bisschen mehr Dankbarkeit und Respekt für seine Arbeit hätte Thomas Doll (51) als Trainer von Borussia Dortmund 2007/2008 sicher erwarten können.

Der im März 2007 als Nachfolger des unglücklichen Jürgen Röber installierte Ex-Nationalspieler rettete den BVB in der Saison 2006/2007 vor dem Abstieg und führte die Borussia 2008 ins DFB-Pokalfinale. Da der Pokalfinalist – Dortmund unterlag dem favorisierten FC Bayern nach Verlängerung mit 1:2 – damals noch für den UEFA-Cup qualifiziert war, standen Doll und der BVB trotz einer enttäuschenden Bundesliga-Saison nach 5-jähriger Abstinenz wieder im internationalen Wettbewerb.

Scheinbar nicht genug für die kritischen Journalisten im Ruhrgebiet. Aber Grund genug für Thomas Doll, einen verbalen Rundumschlag zu machen. Vor dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt (1:1) gab „Dolly“ eine Pressekonferenz, wie sie die Liga lange nicht erlebt hatte.

Fast 10 Minuten lang lederte Doll am 23. April 2008 los. Anfangs gefasst und ganz matter of fact, steigerte sich Doll immer mehr in einen verbitterten, fast bedrohlichen Tonfall. „Als ich vor 400 Tagen hierhergekommen bin, war der Verein tot“, ließ er wissen. Sein Vorwurf: „Permanent auf den Trainer einzunageln und – was ja noch viel schlimmer ist – jetzt auch noch auf die Spieler loszugehen, das ist das was mich so ärgert!“ Dolls Eindruck: „Marc Ziegler kommt an… Trainer, kann ich noch mittrainieren? Ich lach mich doch tot über das, was hier abläuft!“ Über die von den Medien angeblich als Sündenböcke ausgesuchten Abwehrspieler Christian Wörns und Robert Kovac sagte Doll: „Die sollen jetzt hier die Kohlen aus dem Feuer holen – und 8 andere auch noch? Da lach ich mir doch den Arsch ab! Die sollen hier für was gehen…“ Mussten sie auch. Am Saisonende trennte sich der BVB von beiden Defensivspielern. Aber auch von Doll.

Trapattonis „Ich habe fertig“ – Die Mutter aller Wutreden

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P„Was erlauben Keane?“ Giovanni Trapattoni (l.) verblüffte als Nationaltrainer Irlands auch seinen Star Robbie Keane. (Photo by Handout/UEFA via Getty Images)
Keine Pressekonferenz hat die Bundesliga mehr geprägt als die von Bayern-Coach Giovanni Trapattoni (79) am 10. März 1998 in München.

Während seiner gesamten Autofahrt von Mailand nach München hatte sich der italienische Maestro des FC Bayern überlegt, was er seinen Kritikern antworten würde. In putzigstem Deutsch wurde es die temperamentvollste und witzigste Rede eines Trainers in der Bundesliga-Geschichte. Eine Ansprache, die mit ihren wichtigsten Sätzen wie „Was erlauben Strunz?“ – Trappattoni war auf den Bayern-Star offensichtlich besonders sauer („Ist e immer verletzt“) – oder dem Schlusswort „Ich habe fertig!“ in die deutsche Alltagssprache einging.

Ein wenig zu kurz kommt Trapattonis Satz beim Abgang: „Wenn jemand fragt: Ich kann Worte wiederholen!“ Genau das tat er auch.

14 Jahre später führte der erfolgreichste Vereinstrainer aller Zeiten den Außenseiter Irland zur EURO 2012 – und sorgte auch bei den irischen Journalisten für eine Menge Lacher. Dass man aber noch längst nicht für das Turnier in Polen und der Ukraine qualifiziert sei, kommentierte er nach dem EM-Playoff gegen Estland (4:0) in herrlichem Englisch: „The Cat is in the sack, but the sack is not closed yet!“ Die Katze ist im Sack, aber der ist noch nicht zu. Typisch Trapattoni.