Uli Hoeneß beim FC Bayern: 40 Jahre Abteilung Attacke


Uli Hoeneß (l.) und Trainer Ottmar Hitzfeld stoßen im Münchner Olympiastadion auf die souveräne Deutsche Meisterschaft 1999 des FC Bayern an. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Man kann ihn lieben oder verachten – aber dazwischen gibt es nichts! Bayern-Macher Uli Hoeneß (67) feiert am 1. Mai 2019 sein 40-jähriges Jubiläum als Manager oder Präsident des Rekordmeisters. Eine Institution im deutschen Fußball.

Grauer Sakko, Notizblock unter dem Arm, so marschiert Ulrich Hoeneß, den alle dem Zeitgeist folgend nur Uli nennen, am 1. Mai 1979 zu seinem ersten Arbeitstag als Manager des FC Bayern München auf der Geschäftsstelle.

Der erst 27 Jahre alte Ex-Profi des FC Bayern tritt ein schweres Erbe an: Er wird Nachfolger des legendären Robert Schwan, der den Verein ab 1962 als ,,Spielausschuss-Vorsitzender“, später als Manager in die Bundesliga (1964) gebracht und auf Europas Fußball-Landkarte etabliert hat. Schwan ist neben dem Gladbacher Helmut Grasshoff, der die Borussia vom Niederrhein salonfähig macht, der erste hauptberufliche ,,Manager“ im deutschen Fußball. Dazu ist er der Berater von Bayerns Superstar Franz Beckenbauer und einer der wichtigsten Strippenzieher. So einen zu ersetzen….? Sakradi!

Für den Metzgersohn Uli Hoeneß, seit 1970 in München unter Vertrag und nach einem irreparablen Knorpelschaden ab 1979 als Leihspieler beim 1. FC Nürnberg mit dem vorzeitigen Karriere-Ende als Fußballer geschlagen, eine Riesen-Herausforderung.

Uli Hoeneß und seine Ausbrüche.
Uli Hoeneß und seine Ausbrüche. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Hoeneß: Früher war er irgendwie wilder...

Ende einer Männerfreundschaft? Paul Breitner (r.) und Uli Hoeneß. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
,,Ich wollte mit dem FC Bayern nach oben kommen“, sagt Uli Hoeneß heute über seine Anfänge als Manager.

Seine Strategie von Anfang an: Polarisieren! ,,Durch die Polarisierung haben wir den FC Bayern viel interessanter gemacht als die meisten anderen Vereine“, erklärt Hoeneß. Dieses Konzept geht auf und es funktioniert auch nach 40 Jahren immer noch bestens. Peinlichkeiten wie die ,,Presse-Beschimpfungskonferenz“ im Oktober 2018 inklusive…

Den Unterschied zu seinen Anfangsjahren sieht der inzwischen 67-Jährige so: ,,Damals bin ich wilder gewesen!“

Und wie wild! Hoeneß sitzt auf der Bayern-Reservebank neben Star-Trainern wie Pal Csernai, Udo Lattek, Jupp Heynckes, den er sogar 4-mal zum Bayern-Coach macht, Ottmar Hitzfeld und Giovanni Trapattoni. Tore bejubelt er meist euphorischer als die Trainer, bei knappen Meisterschafts-Entscheidungen wie 1986 im Fernduell gegen Werder Bremen oder 2000 gegen Bayer Leverkusen hat Hoeneß ein Radio mit. Ihm entgeht rund um den FC Bayern wirklich nichts.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

In der Bundesliga ist keiner vor der ,,Abteilung Attacke" sicher...

Hoeneß und Rummenigge in Aktion.
Hoeneß und Rummenigge in Aktion. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Vor allem dann nicht, wenn Majestätsbeleidigung der Tatbestand ist, wenn sich die sportlichen Gegner – und neuerdings auch die Medien – zu weit aus dem Fenster lehnen.

Von Bremen-Macher Willi Lemke über ,,bezahlte Kritiker“ (O-Ton Ottmar Hitzfeld) wie Lattek, seinen Ex-Teamkollegen Paul Breitner (,,Jeder weiß, dass der Paul in einer Schwarz-Weiß-Welt lebt“), Lothar Matthäus, den Hoeneß in einer geheimen Mission 1984 in einem Hotel in Düsseldorf von Borussia Mönchengladbach holt, bis hin zum Liga-Newcomer RB Leipzig (2017) bekommt es jeder Bayern-Gegner mit der ,,Abteilung Attacke“ zu tun. ,,Wenn Herr Lemke erfährt, um wie viel Geld es geht, wird er seine Laufschuhe anziehen und hinterher rennen“, kanzelt Hoeneß Hobby-Jogger Willi Lemke ab. Leipzig bezeichnet er bei seiner triumphalen Wiederwahl 2016 in der Münchner Olympiahalle ,,neben Dortmund“ als ,,neuen Feind“. Die neureichen Engländer, die ab 1992 im Premier-League-Geld baden, lernen den mehrsprachigen Hoeneß (,,For me, it’s scheißegal“) 1995 kennen. Als Tottenhams Boss Alan Sugar, immerhin von Beruf Selfmade-Milliardär, Nationalspieler Jürgen Klinsmann nicht rausrückt, bezeichnet ihn Hoeneß öffentlich als ,,Witzfigur“. Die Folge: Klinsmann wechselt im Sommer 1995 nach nur einer Saison in London zu Bayern München…

..Abteilung Attacke“ – So nennt der Boulevard seit Jahren den Uli Hoeneß, der im Angriffsmodus und ohne Rücksicht auf Verluste für sein ,,Lebenswerk“ FC Bayern agiert. Mitunter wird er dabei assistiert von Karl-Heinz Rummenigge (,,1899 Hoffenheim – wo haben die sich all die Jahre versteckt?“). Hasan Salihamidzic übt noch. Die wohl legendärste Fehde liefert sich Hoeneß im April 1989 und 2000 mit Christoph Daum. Der Trainer des 1. FC Köln und der Bayern-Macher zoffen sich vor 30 Jahren in einem unvergessenen Live-Auftritt im Aktuellen Sport-Studio des ZDF, schreiben deutsche Fußball- und Fernsehgeschichte. Warum Hoeneß so sauer auf den Daum ist? Der Trainer-Rookie der Kölner hat sich mehrfach abfällig und flapsig über den oft hölzern wirkenden Bayern-Coach Jupp Heynckes (,,Ich muss sagen, ich bin der Meinung“) geäußert. Das geht nicht ohne bayerisches Donnergrollen ab. Auf dem Platz strafen die Bayern die aufmüpfigen Kölner wenige Tage später mit alttestamentarischer Härte ab: 3:1, Meisterschaft zurückerobert. ,,Nach diesem Spiel habe ich geweint“, bekennt Hoeneß 2003 in einer WDR-Doku. Im Oktober 2000 liefert Hoeneß verklausuliert Hinweise (,,Wenn unwidersprochen über den verschnupften Daum geschrieben werden kann, darf er nicht Bundestrainer werden“) auf Daums Kokain-Konsum. Er bringt damit (ungewollt) die mediale Lawine ins Rollen, die den Bundestrainer Daum verhindert. Auch das ist ein Stück Bundesliga- und Mediengeschichte in Deutschland.

,,Uli Hoeneß hat den FC Bayern zu einer Erfolgsgeschichte gemacht, wie es sie in Deutschland kein 2. Mal gibt“, resümiert Karl-Heinz Rummenigge. Nur mal zum Vergleich: Bei Hoeneß‘ Amtsantritt im Mai 1979 macht der FC Bayern einen Jahres-Umsatz von 12 Mio. Mark (6 Mio. Euro) und hat 20 Angestellte. Heute liegt der Umsatz bei 700 Mio. Euro und 1.000 Mitarbeitern. Zur Ruhe an den heimischen Tegernsee will sich der 2014 wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu einer Haftstrafe verurteilte Ulmer noch nicht zurückziehen. ,,Es gibt noch viel zu tun“, sagt Hoeneß. Er meint damit das geplante Engagement von BMW und den Umbau des Bayern-Kaders – und die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Oliver Kahn (49) wäre so einer…

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