BVB: Trainer Lucien Favre fehlt der ,,Plan B”


Borussia Dortmund Lucien Favre (m., mit Axel Witsel und Marco Reus) sind nach schwachem Saisonstart im Erklärungsnotstand.
Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre (m., mit Axel Witsel und Marco Reus). Foto: Imago Sportfoto

Borussia Dortmund ist mit dem dürftigen 2:2 (2:1) gegen Werder Bremen nicht nur aus den internationalen Rängen der Fußball-Bundesliga gestürzt, sondern hat es zudem versäumt, den Beweis zu erbringen, wie eine Spitzenmannschaft aufzutreten.

Zuvor hat man bei Eintracht Frankfurt (2:2) ebenfalls mit einem Remis 2 wertvolle Punkte beinahe schlampig liegen lassen. Neues Jahr, alte Probleme, das haben viele Beobachter der Mannschaft des Schweizer Trainer-Hirnlis Lucien Favre (61) schon nach dem alarmierenden 1:3 bei Aufsteiger 1. FC Union Berlin am 3. Spieltag attestiert.

Kein Biss, keine kämpferische Einstellung, zu viele Fehler in der Defensive, Naivität bei Standardsituationen – die Mängelliste beim BVB scheint lang zu sein. Dazu kommt, dass Dortmund – wie schon im letzten Jahr, als man 9 Punkte Vorsprung auf den FC Bayern verspielte, was letzten Endes die Meisterschaft gekostet hat – gegen tief stehende Gegner nach wie vor kein Rezept hat. Das sollte nach den letzten beiden Wochen auch dem letzten unbedarften Anhänger in Schwarz-Gelb klar sein…

Lucien Favre, der Taktikfuchs, wirkt ratlos, verweist schönfärberisch auf hohe Ballbesitz-Quoten und viele herausgespielte Torchancen. Das  ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ligalive.net analysiert die Schwachstellen beim BVB.

Was nun, Monsieur Favre? Der BVB-Coach im Interview mit Sky-Reporter Ecki Heuser (r.)
Was nun, Monsieur Favre? Der BVB-Coach im Interview mit Sky-Reporter Ecki Heuser (r.). Foto: Imago Sportfoto.

Borussia Dortmund fehlt der Biss - und ein Stoßstürmer

Paco Alcácer (l.) ist als Standard-Spezialist und einzige Spitze Dortmunds Allzweckwaffe.
Paco Alcácer (l.) ist als Standard-Spezialist und einzige Spitze Dortmunds Allzweckwaffe... aber bei Lucien Favre wohl nicht gut gelitten. Foto: Imago Images

Nach dem Bremen-Spiel klingt Favre so: ,,In der 2. Halbzeit konnte Bremen kontern, wir haben sehr gut gespielt, Torchancen kreiert, hatten mehr als 65 Prozent Ballbesitz, haben aber die falschen Entscheidungen getroffen.”

Das gilt wohl auch für den Monsieur selbst. Das ,,System Favre” ist ein statisch wirkendes 4-2-3-1 mit dem Spanier Paco Alcácer als einzigem Stoßstürmer. Gerade auf dieser Position offenbart sich die, sagen wir mal ,,Eigenwilligkeit” des Schweizers, der schon mit Hertha BSC 2008/2009 die historische Chance auf die Deutsche Meisterschaft in der Bundesliga hat liegen lassen. Favre ist zu sehr in seinen Vorstellungen gefangen. Eine Verpflichtung einer ,,Sturm-Kante”, diesen Spielertyp verkörpert etwa der kroatische Ex-Bundesligaprofi Mario Mandzukic (Juventus Turin) oder der unmittelbar vor Transferschluss von RB Leipzig verpflichtete Tscheche Patrik Schick, lehnt er vehement ab. So verbaut er sich mutmaßlich den Weg zum Erfolg.

Augenfällig ist, dass Favre bei den Spielen, die Dortmund in dieser Saison nicht gewinnen konnte (1:3 in Berlin, 2-mal 2:2 in Frankfurt und gegen Bremen) stur auf diese taktische Grundordnung gesetzt und nur auf der jeweils gleichen Position gewechselt hat! Gegen Werder und bei Aufsteiger Union nimmt er der Mannschaft selbst den Drive, indem er den in der Vorwärtsbewegung völlig wirkungslosen Mo Dahoud bringt oder den zu Saisonbeginn gänzlich ignorierten Mario Götze anstelle von Alcácer in die Sturmspitze beordert.

Ein großes Manko der Dortmunder sind die Zweikampfwerte. In Berlin gewinnen die Schwarz-Gelben nur 32 Prozent der direkten Duelle, gegen Bremen ist die Zweikampfbilanz mit je 50 Prozent wenigstens ausgeglichen.

Ligalive Infografik: Borussia Dortmund nur mit einem ,,Clean Sheet" in dieser Bundesliga-Saison!

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Marco Reus schlug nach der 1:3-Niederlage von Borussia Dortmund bei Aufsteiger 1. FC Union Berlin Alarm....

Kein Systemwechsel, wenig Überraschendes: Der BVB spielt zu statisch!

Mit seinen meist Position bezogenen Wechseln, wie hier Julian Brandt (l.) vermag BVB-Coach Lucien Favre (m.) die Gegner nicht zu überraschen... Foto: Imago Sportfoto

Signifikant sind in allen Spielen, die der BVB 2019/2020 nicht gewonnen hat, die hohen Ballbesitz-Werte.

74 Prozent eigener Ballbesitz in Berlin, 63 Prozent in Frankfurt, 66 gegen Bremen – das ist unter dem Strich zu uneffektiv! Man kann sich auch zu Tode kombinieren…Dabei fällt auf, dass Borussia Dortmund in allen 3 Spielen die schlechtere Laufleistung an den Tag gelegt hat. Einsatz, Zweikampfführung, kombiniert mit spielerischer Rafinesse und dem schnellen Umschaltspiel der Dortmunder, getragen von Spielern wie Julian Brandt, Jadon Sancho oder Marco Reus sind der Schlüssel zum Sieg. In Köln bringt zudem die Systemumstellung von 42-3-1 auf ein wesentlich offensiveres 4-3-3 die späte Wende.

Genau hier zeigt sich die Grundproblematik. Favre verharrt zu oft in seinem Stamm-System, seine Spielweise ist – bei aller überragenden fußballerischen Qualität seines Teams – zu leicht auszurechnen. Es fehlt der oft und gern zitierte ,,Plan B”, etwa mit einem klassischen Mittelstürmer und Flanken aus dem Halbfeld dicht gestaffelte Vierer-Ketten zu knacken. Das ist den Dortmundern schon in der vergangenen Saison zu selten gelungen. Exemplarisch sei das 3:1 gegen den späteren Absteiger VfB Stuttgart am 9. März 2019 genannt. Die Schwaben verstehen es lange, im ultra-defensiven 5-3-2-System den BVB am Erfolg zu verhindern. Erst die Hereinnahme eines 2. Stürmers, dem inzwischen für den FC Chelsea spielenden Christian Pulisic, bringt den Erfolg.

Bleibt die schon in der vergangenen Saison beinahe ärgerliche Schwäche bei Standardsituationen. ,,Die Mannschaft schafft es nicht, Spiele mit 70 Prozent Einsatz zu gewinnen”, schreibt BVB-Legende Thomas Helmer (54) in einer Kicker-Kolumne, ,,man hat immer das Gefühl, dass der Ausgleich fallen könnte.” Die Rückkehr von Mats Hummels (30) hat die wackelige Abwehr – bei gegnerischen Standards wird Dortmund defensiv zum Panikorchester – allenfalls bedingt stabilisieren können. Letzte Saison kassiert der BVB insgesamt 44 Gegentore (Meister FC Bayern nur 32), in dieser Saison sind es bereits 9 – Schlechtester Wert aller Teams zwischen Rang 1 und 9! Das Verhalten bei Standards sieht Helmer als ,,fatal” an. ,,Bei jedem Eckball besteht die Gefahr, dass etwas passiert”, kritisiert er. ,,Außerdem”, bemängelt der Europameister, ,,fehlt dem Team der Plan B, wenn der Gegner den schnellen Spielern keinen Raum lässt.”  Lucien Favre wird gefordert sein, um Dinge zu verändern, um Lösungen zu finden. Er muss über seinen eigenen Schatten springen. Sonst droht Dortmund frühzeitig, alle ehrgeizigen Saisonziele zu verspielen.

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Ligalive-Infografik: 17 Saisontore - und nur 3 per Kopf, Borussia Dortmund fehlt eine echte ,,Sturm-Kante"

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