Bundesliga: Die Brasilianer des FC Bayern München


Philippe Coutinho wird beim FC Bayern München teuerster Leihspieler der Bundesliga-Geschichte.
Philippe Coutinho wird beim FC Bayern München der 13. Brasilianer und der teuerste Leihspieler der Bundesliga-Geschichte. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Seit Montag ist er da: Philippe Coutinho. Der Linksaußen vom FC Barcelona wechselt auf Leihbasis zum FC Bayern München und wird der 13. Brasilianer in Diensten des deutschen Rekordmeisters.

,,Wir wollten unserer Offensive mehr Potenzial hinzufügen”, erklärt Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge (63) am Montag in München, ,,wir sind am Mittwoch nach Barcelona geflogen und ich glaube, dass wir mit Philippe einen Spieler bekommen, der für seinen Offensivgeist bekannt ist.”

Die spielerische Komponente und die Offensiv-Power waren und sind nicht nur bei Philippe Coutinho (27) ein Plus für den FC Bayern gewesen.

In dem oft gepriesenen familiären Umfeld des Rekordmeisters sind brasilianische Stars seit 1991 (fast) immer zu Publikumslieblingen, mitunter sogar zu Klub-Legenden geworden. In 1.607 Einsätzen für die Münchner gelingen den brasilianischen Kickern 259 Tore. Dabei beginnt alles mit einem doppelten Flop do Brasil…

Ein Verkauf zum falschen Zeitpunkt. Foto: Getty Images
Bayern-Brasilianer Lucio: Ein Verkauf zum falschen Zeitpunkt. Foto: Getty Images

Kein Bayern-Brasilianer ist legendärer als Giovane Elber

Teppich-Jubel wie in alten Zeiten: Die Bayern-Brasilianer Paulo Sergio (l.) und Giovane Elber, hier bei einem Legenden-Spiel im August 2014 gegen Manchester United in der Münchner Allianz Arena, können es immer noch...
Teppich-Jubel wie in alten Zeiten: Die Bayern-Brasilianer Paulo Sergio (l.) und Giovane Elber, hier bei einem Legenden-Spiel im August 2014 gegen Manchester United in der Münchner Allianz Arena, können es immer noch... (Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)

Im Sommer 1991, im Anschluss an eine Saison ohne Titel, präsentiert der FC Bayern die ersten brasilianischen Neuzugänge seiner Bundesliga-Historie.

Es sind der damals 25-jährige Mittelstürmer Mazinho von Clube Atlético Bragantino und der gleichaltrige Mittelfeldspieler Bernardo vom FC Sao Paulo. Während Bernardo schon im Januar 1992 und nach nur 5 Pflichtspielen (0 Tore), darunter 4 Einsätzen in der Bundesliga, schon wieder aus München flüchtet, beißt sich Mazinho trotz einer Leihe zu Internacional Porto Alegre (1994) beim damals noch gar nicht so riesigen Branchenriesen durch. Unter der Regie von Franz Beckenbauer holt er 1994 gemeinsam mit dem späteren Weltmeister Jorginho auch als erster brasilianischer Spieler den Meistertitel in der Bundesliga. Mazinho ist überhaupt erst der 10. Brasilien-Profi seit 1963 im deutschen Fußball-Oberhaus. Im Januar 1995 geben ihn die Bayern an Flamengo Rio de Janeiro ab.

Einen wesentlich größeren Impact hat die Ankunft von Jorge de Amorim Campos, genannt Jorginho, der zum 1. Juli 1992 vom Liga-Rivalen Bayer Leverkusen nach München kommt. Der tief gläubige Brasilianer liest mit seinen Mitspielern aus der Bibel, wird durch seine sehr guten Deutschkenntnisse und seine umgängliche Art schnell zum Publikumsliebling und erzielt 1994 im Saisonfinale gegen den FC Schalke 04 das entscheidende 2:0, die Bayern sind nach 3 Jahren Abstinenz wieder Deutscher Meister. Das Tor widmet der Außenverteidiger, der wenig später mit Brasilien in den USA auch Weltmeister wird, der kurz zuvor tödlich verunglückten Formel-1-Legende seines Landes, Ayrton Senna. 67 BL-Spiele (6 Tore) macht Jorginho für Bayern München, aber nie ist einer seiner Treffer wertvoller als am 7. Mai 1994 im Fernduell um den Titel mit Lautern.

Die Brasilianer der Bundesliga-Konkurrenz bleiben auch nach Jorginho die beliebtesten Transfer-Ziele des FC Bayern. Der brasilianische Stürmer Giovane Elber hat sich mit 41 Toren in 87 Bundesliga-Spielen beim VfB Stuttgart zu einem der begehrtesten Angreifer aufgeschwungen. Mit dem Bulgaren Krassimir Balakow und Europameister Fredi Bobic bildet er in der Erfolgssaison 1996/97 das legendäre ,,magische Dreieck” bei den Schwaben, das sich den DFB-Pokal holt. Mit 2 Toren im Finale von Berlin gegen Energie Cottbus verabschiedet sich Elber im Sommer 1997 für die heute viel zu niedrig anmutende Summe von 6,5 Mio. Euro zum FC Bayern. Elber wird zur Klublegende. Sein Torjubel – mal wird Stretching gemacht, mal wickelt er sich in einen Bayern-Logo-Teppich ein – ist Kult,140 Elber-Tore sichern den Münchnern 4 Meisterschaften, 4 Pokalsiege und 2001 die Champions League. Beim Empfang am Münchner Marienplatz gibt Elber nach dem Final-Triumph gegen den FC Valencia den Zeremonienmeister. ,,Ganz gut geht es mir nicht”, verrät er am ARD-Mikrofon den Fans, ,,einer von den 16 Caipirinha war schlecht, aber das ist scheißegal, man muss jetzt feiern, oder?”  Ebenfalls mit auf dem Rathausbalkon mit dabei: Paulo Sergio. Der Weltmeister von 1994 ist nicht direkt von Bayer Leverkusen, sondern über die Zwischenstation AS Rom 1999 nach München gekommen. Er wird mit den Bayern 2-mal deutscher Meister und CL-Sieger 2001. Direkt von Bayer zu Bayern wechseln 2002 Zé Roberto und 2004 Lucio, die mit 4 Meistertiteln und 4 Pokal-Titeln (Zé) bzw. 3 Meisterschaften und 3 nationalen Pokalsiegen (Lucio) nicht minder erfolgreich sind als Elber und Sergio.

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Das Brasilien-Trio Rafinha, Dante und Luiz Gustavo gehört zu der Bayern-Mannschaft, die 2013 das historische ,,Triple” mit Deutscher Meisterschaft, Pokalsieg (3:2 gegen den VfB Stuttgart in Berlin) und Champions League (2:1 gegen den BVB in Wembley) einfährt.

Mit 7 Deutschen Meisterschaften wird Marcio Rafael Ferreira de Souza, genannt Rafinha, bis zu seinem Abschied im Sommer 2019 erfolgreichster Brasilianer in der Bundesliga-Geschichte.

Douglas Costa kommt 2015 nach München. Er gilt als absoluter Wunschspieler von Pep Guardiola in dessen letzter Saison als Bayern-Trainer.

,,Das größte Abwehr-Talent im eigenen Land” (Kicker-Sportmagazin) ist im Sommer 2008 der Brasilianer Breno. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der Mann für das ,,offene Wort” beim FC Bayern, sieht in ihm ,,eine Verpflichtung für die Zukunft.”

Nichts davon wird zutreffen. Breno wird 2010 auf Leihbasis an den 1. FC Nürnberg abgegeben, erleidet einen Kreuzbandriss und verpasst nach dieser und diversen anderen Verletzungen in Nürnberg und München insgesamt 70 Pflichtspiele. Der damals 20-jährige Abwehrspieler wirkt beim FC Bayern wie ein Fremdkörper. Am 4. Juli 2012 wird Breno wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Gleichzeitig beginnt die Münchner Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen gegen den FCB wegen des Verdachts auf mögliche Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz. Breno hat angegeben, regelmäßig Schlafmittel aus einem unverschlossenen Medizinschrank genommen zu haben. Sein Antrag auf Revision wird vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe im Januar 2013 abgewiesen, womit das Urteil gegen ihn rechtskräftig wurde. Die Haftstrafe gegen Breno wird im Dezember 2014 zur Bewährung ausgesetzt, da er zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Drittel seiner Haft verbüßt hat. Der inzwischen 29 Jahre alte Brasilien-Flop spielt heute bei Vasco da Gama.

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