FC Bayern: Ist Niko Kovac ein Trainer auf Bewährung?


Deutliche Worte beim Abgang in Bochum: Bayern-Trainer Niko Kovac.
Deutliche Worte beim Abgang in Bochum: Bayern-Trainer Niko Kovac. Foto: Imago Images

Bayern Münchens Trainer Niko Kovac (48) hat vor dem Spiel bei Eintracht Frankfurt am Samstag für eine weitere Verschärfung der Drucksituation beim Rekordmeister gesorgt.

Fast hat man den Eindruck, dass derzeit jeder Satz des Trainers, der 2018 von Eintracht Frankfurt nach München geholt worden ist, dort aber nie erste Wahl war, auf die Goldwaage gelegt wird.

Kovac hat nach dem Lob für die Fan-Choreographien bei seinem Ex-Klub Eintracht Frankfurt Kritik einstecken müssen – und er muss seine Aussagen erneut relativieren.

Ähnlich ist es zuletzt bei seinem Spruch ,,Wenn Not am Mann ist, wird Thomas Müller seine Einsatzminuten bekommen“, den er nach der 1:2-Heimpleite gegen 1899 Hoffenheim ebenfalls revidieren musste (Ligalive.net berichtete). Vor dem CL-Auswärtsspiel bei Olympiakos Piräus (3:2) hört sich das dann so an: ,,Thomas ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, wie jeder andere Spieler auch.“

Niko Kovac stellte bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Piräus einiges klar...
Niko Kovac stellte bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Piräus einiges klar... Foto: Imago Images.

Kovac-Kritiker laufen Sturm

Wie lange hat Bayern-Coach Niko Kovac (r.) Thomas Müller noch auf dem Zettel?
Wie lange hat Bayern-Coach Niko Kovac (r.) Thomas Müller noch auf dem Zettel? Foto: Imago Images
Auch der Vergleich mit dem Champions-League-Sieger FC Liverpool ist Wasser auf die Mühlen der Kovac-Kritiker. ,,Man kann nicht versuchen, mit dem Auto 200 auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 schaffen“, sagt Niko Kovac, ,,man muss das anpassen, was man eben hat.“

Der Last-Minute-Erfolg beim Zweitligisten VfL Bochum (2:1) im DFB-Pokal hat erneut die Kovac-Kritiker auf den Plan gerufen. Am Donnerstag ist es das Kicker-Sportmagazin, das ein vernichtendes Urteil über den Double-Trainer des FC Bayern von 2019 fällt: ,,Eine fußballerische Entwicklung ist in München nicht sichtbar. Die interne Kritik an Niko Kovac nimmt zu. Ergebnisse allein könnten auf Dauer zu wenig sein.“

Weiter heißt es in dem Fachmagazin: ,,Dass Kovac bei öffentlichen Auftritten in der Analyse den Spielern die Schuld für das auf dem Platz gezeigte gibt, ohne Selbstkritik zu üben, registrieren die Profis ganz genau.“

Ein gängiger Kovac-Satz lautet zuletzt: ,,Das hat nichts mit Taktik zu tun, sondern mit der Einstellung.“ Damit dürfte er sich in der Kabine nicht viele Freunde gemacht haben.

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Babbel: Bayern stellt sich vor die Spieler, aber nicht vor Kovac...

Seit 2018 Trainer in Australien: Fußball-Legende Markus Babbel (2. v. r.
Seit 2018 Trainer in Australien: Fußball-Legende Markus Babbel (2. v. r.). (Photo by Ashley Feder/Getty Images)

Niko Kovac hat bislang die nicht einfache Gemengelage beim deutschen Rekordmeister nach zahlreichen Verletzungen von Leistungsträgern wie Niklas Süle und Lucas Hernandez und dem Ausbleiben einiger, sicher geglaubter Spielertransfers im Sommer, mit viel Fairness und Ruhe moderiert.

Seine Art, eine Mannschaft auf diese Weise zu führen, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen. Am Reformationstag hat Kovac eine klare Ansage an seine Kritiker, allen voran die mächtigen Boulevardblätter BILD und SPORT BILD, gerichtet: ,,Ich werde mich und meine Person und meinen Charakter nicht ändern.“

Ausländische Medien wie Die Presse (Wien) sehen Kovac in einem Dilemma: ,,Auch liefert Hoeneß mitunter Wortspenden (,,Martinez muss spielen“) ab, die Kovac die Arbeit nicht erleichtern. Dazu kommt das Spiel von BILD und SPORT BILD, die ihn anzählen, alternierend vor dem Aus sehen oder gefestigt werden.“

Fakt ist: Weder das ,,Double“ im Mai 2019 noch die folgenden Transfers konnten Kovacs Position in München stärken! Er wirkt wie ein Trainer auf Bewährung, wie einer, der wie eine Art Platzhalter agieren muss, so lange, bis man einen neuen Mann im Visier hat. Möglichst einen, der die Spielidee des FC Bayern neu ausrichtet, als Entertainer in der Pressekonferenz glänzt, die Münchner Boulevardmedien mit möglichst viel Exklusivmaterial versorgt und natürlich selbstverständlich auch die großen Transfers an Land zieht. Vielleicht sollte der FC Bayern mal bei Josef Mourinho anrufen… Es ist deshalb gut, dass ehemalige Mitstreiter eine Lanze für Kovac brechen. ,,Ich bleibe dabei: Für mich ist Niko Kovac der richtige Trainer für den FC Bayern“, sagt Stefan Effenberg (51), der in seiner letzten Saison in München 2001/2002 mit Kovac gemeinsam für den FCB gespielt hat. Markus Babbel, Bayern-Legende und mittlerweile Coach bei den Western Sydney Wanderers in Australien, in einem Interview mit SPORT1: ,,Man hat auf jeden Fall das Gefühl, dass alles dafür getan wird, dass Niko demnächst gehen muss. Das ist mein Eindruck von außen. Es wird permanent von vorne, von links, von rechts und von hinten geschossen. Die Bosse stellen sich zwar oft schützend vor die Spieler, aber nicht schützend vor den Trainer. Aber dem FC Bayern muss klar sein, dass der Trainer die wichtigste Position in dem Laden ist.“ .

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