FC Bayern: Das vorhersehbare ,,Aus” für Niko Kovac!


Das 1:5 bei seinem Ex-Klub Eintracht Frankfurt war das 65. und letzte Pflichtspiel für Niko Kovac als Trainer des FC Bayern München. Foto: Imago Images

Es endet dort, wo am 8. März 2016 alles begonnen hat: In Frankfurt. Die 1:5 (1:2)-Pleite bei der Frankfurter Eintracht am Samstag ist eine zu viel für Niko Kovac (48) als Trainer des FC Bayern München.

Am Sonntagabend bestätigt der FC Bayern München die Trennung von dem Trainer und ehemaligen Profi des Rekordmeisters. Es ist die Trennung, die spätestens seit dem Frankfurt-Spiel nur noch eine Frage der Zeit oder gar von Tagen ist und die Insider schon im Mai vorher gesehen haben.

Kovac, so heißt es damals aus gut informierte Münchner Kreisen bei Spox.com und goal.com, würde beim FC Bayern selbst beim Gewinn des ,,Double" gehen müssen (Ligalive.net berichtete exklusiv).

Damals kann Kovac ,,Informationen aus erster Hand" nennen, um das ,,Aus" zu dementieren. Nun kann er keine Ergebnisse mehr vorweisen.

Bayern-Boss Uli Hoeneß (l.) und Trainer Niko Kovac bei einem Enpfang in der Bayerischen Staatskanzlei am 28. August 2019 in München.
Bayern-Boss Uli Hoeneß (l.) und Trainer Niko Kovac bei einem Enpfang in der Bayerischen Staatskanzlei am 28. August 2019 in München. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Trotz ,,Double": Bayern stand nie wirklich hinter Niko Kovac

Bei Double-Sieger Bayern München scheinen sowohl Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge als auch Trainer Niko Kovac (r.) nicht mehr mit Jérome Boateng zu planen...
Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Trainer Niko Kovac (r.) bei der Meisterfeier im Mai 2019. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Auf ein klares Bekenntnis zu seiner Arbeit und seiner Person hat er stets vergeblich gewartet - und möglicherweise hätten die Bayern-Bosse ihm dies auch im erneuten Erfolgsfall, sprich ,,Double-Gewinn", nicht gegeben.

Nichts trifft die Uneinigkeit in der Bayern-Chefetage mehr als das Geeier zu Kovac. Hoeneß wollte ihn, hat ihn lange gestützt, Rummenigge wollte ihn nicht und hat daraus keinen Hehl gemacht. Als er nach dem ,,Double"-Gewinn in Berlin alle Beteiligten gelobt hat, hat Kovac geflissentlich übersehen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, aber Anerkennung für ein hartes Bayern-Jahr 2018/2019, in dem der Branchenriese in der Liga und im Pokal den Ansturm der Konkurrenten Borussia Dortmund und RB Leipzig mit mehr Mühle als Souveränität abgewehrt hat.

Nun ist die Trennung von Kovac amtlich. ,,Herr Hoeneß, erlösen Sie Ihren Trainer!", hat Kommentator Walter M. Straten (,,Die Lage der Liga") in BILD am SONNTAG bereits gefordert, ,,eine Total-Demontage hat der ehrenwerte und sympatische Kovac nicht verdient." Das kann man so sagen. Kovac hat die oftmals angespannte Situation in München - auch im Herbst 2018 steckt der FC Bayern in der Ergebniskrise - immer professionell und mit viel Fairness, nie mit Ironie oder gar Zynismus, behandelt. Das spricht für ihn.

Am Ende hat ihm aber auch das nicht mehr geholfen. Kovac hat sich in widersprüchliche Aussagen über Bayern-Legende Thomas Müller (,,Wenn Not am Mann ist, wird er seine Einsatzminuten bekommen") und über die Fans des FC Bayern München (,,Ich weiß, wie es in Frankfurt ist. Dort sind die besten Fans der Liga, das muss man ganz klar sagen. Das haben sie über die vergangenen Jahre auch bewiesen") verheddert.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Deutliche Worte beim Abgang in Bochum: Bayern-Trainer Niko Kovac.

Kovacs Amtszeit in München war ein einziges Kommunikations-Desaster!

Trainer Niko Kovac gewann mit Eintracht Frankfurt in seiner Heimatstadt Berlin den DFB-Pokal und wechselte dann zum FC Bayern München. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Viele Kommentatoren werfen Kovac immer wieder vor, er hätte die Mannschaft nicht weiterentwickelt. Das ist mit den Spielern, die ihm die Bosse letztlich geholt haben, auch nur schwerlich möglich gewesen!

Lucás Hernandez, Rekord-Neuzugang der Bundesliga-Geschichte von Atlético Madrid, ist verletzt, Rekord-Leihgabe Philippe Coutinho vom FC Barcelona wirkt im Bayern-Team wie ein Fremdkörper! Dass man mit der Verpflichtung von Hernández und dessen Weltmeisterkollegen Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart die Defensive stärken will, ist angesichts von 16 Gegentoren in 10 Liga-Spielen eine Farce.

Die 7:2-Gala in der Champions League bei Tottenham Hotspur wird von den Bayern nahen Medien als große Wende, als Befreiungsschlag gewertet. Dabei erwischen die Münchner die ,,Spurs", die ähnliche Probleme wie sie selbst haben, auf dem absoluten Tiefpunkt.

,,Die Krise der Bayern ist hausgemacht. Der Kader ist nicht ausgewogen zusammengestellt, die Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß haben Kovac öffentlich oft zu wenig geschützt und seine Autorität den Spielern gegenüber einreißen lassen", kommentiert Julien Wolff am Sonntag bei WELT.DE. Sie haben ihn gar nicht geschützt, sondern ihn einfach im Regen stehen lassen und die Öffentlichkeit mit angeblich ,,sicheren" Transfers beschwichtigt, die nie getätigt werden. Glück im Unglück hat der Branchenriese in der Liga nur deshalb, weil die Konkurrenten - wie so oft in der Vergangenheit - Patzer der Münchner nicht konsequent nutzen können. Der Rückstand auf Tabellenführer Gladbach beträgt lediglich 4 Punkte, den Zweiten aus Dortmund könnten die Bayern am kommenden Samstag im direkten Duell überflügeln - und auch beim BVB die Trainerdiskussion ins Rollen bringen. Vermutlich wird man im Erfolgsfall dann dem neuen Coach, Ex-Bayernprofi Hansi Flick übernimmt interimsmäßig, die Lorbeeren zuschustern. Für den Münchner Boulevard und die üblichen Verdächtigen unter den Bayern-nahen Medien ist er dann sicher auch ,,der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt", ,,einer der das Mia san Mia vorlebt", etc.

Dabei ist Kovac, ein loyaler Diener des FC Bayern als Trainer und als Spieler, nicht das wirkliche Problem des Rekordmeisters gewesen. Für die Bayern-Bosse ist er stets nur ein ,,Trainer auf Bewährung" (Kicker-Sportmagazin, Donnerstag), er wirkt nie wie ein Trainer, der wirklich erste Wahl ist, weil die Suche nach einem Nachfolger für Jupp Heynckes im letzten Frühjahr ebenso wie die nach Verstärkungen für den Kader fast ausschließlich über die Öffentlichkeit geführt wird, weil Wunsch-Kandidaten wie Thomas Tuchel (PSG) oder Jürgen Klopp (FC Liverpool) entweder absagen oder nicht verfügbar sind und schon die Verpflichtung von Kovac (,,Stand jetzt bin ich Trainer von Eintracht Frankfurt") kurz vor dem Pokalfinale 2018 ein einziges kommunikatives Desaster ist. Es ist bezeichnend für die kurze Wirkungszeit von Kovac in München und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie des Schicksals, dass diese unwürdige Komödie nun am Samstag nun da endet, wo sie begonnen hat. In Frankfurt.

Ligalive-Infografik: Die Defensive Errors des FC Bayern München, Bundesliga 2019/2020

Ligalive Live-Ticker - Nationale und internationale Spiele mit Autorefresh, ohne lästiges Aktualisieren

Ligalive-Infografik: Profile - Niko Kovac

Ligalive TV: Die letzte Pressekonferenz von Niko Kovac als Trainer des FC Bayern München

Ligalivenet Premium-Dienste

LIGALIVE DAILY

Der tägliche Newsletter von Ligalivenet. Kostenlos und bis 06.00 Uhr morgens im Postfach. Schlauer werden in 5 Minuten.

AKTE BUNDESLIGA

Dossiers für Lover und Hater. Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten der Bundesliga-Vereine

CLOSELOOKNET

Die Dossier-Seite. Mehr wissen. Zusammenhänge, Fakten, Gründe. Und was man tun kann!