Gladbach an der Spitze: Vokuhilas, Schnorres und ,,Don Jupp“


Die Gladbacher Hans-Günter Bruns mit Vokuhila und Uli Sude mit Schnorres: So sahen Fußballprofis einmal aus..
Die Gladbacher Hans-Günter Bruns mit Vokuhila und Uli Sude mit Schnorres: So sahen Fußballprofis Anno 1985 aus... Copyright: imago Images /Kicker/Eissner

Gladbach-Fans dürfen sich freuen. Borussia Mönchengladbach ist mit dem 5:1-Heimerfolg gegen den FC Augsburg am Sonntag an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga gestürmt.

Gladbach-Fans dürfen sich aber noch mehr freuen. Als die rheinische Borussia nach dem 3. Spieltag auf Rang 1 steht, also dann, wenn die Tabelle so etwas ähnliches wie Aussagekraft hat, bringt es ihr am Ende den 4. Platz. Damals UEFA-Cup, heute ist das die direkte Champions-League-Qualifikation.

Es mutet dabei schräg an, dass Borussia Mönchengladbach es seit der letzten Deutschen Meisterschaft von 1977 und vor dem letzten Sonntag überhaupt nur ein einziges Mal schaffen konnte, jenseits der ersten 3 Spieltage an die Spitze zu springen. Insgesamt ist es die 132. Tabellenführung für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga. Nur 2 Klubs, der BVB und der FC Bayern München, stehen häufiger ganz oben.

Jubel bei Borussia Mönchengladbach: Am 6. Oktober 2019 springt man mit einem 5:1 gegen den FC Augsburg an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga.
Jubel bei Borussia Mönchengladbach: Am 6. Oktober 2019 springt man mit einem 5:1 gegen den FC Augsburg an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga. Foto: Imago Images

Gladbach vorn? Lang ist es her...

1985/86 erlebte die Bundesliga ein dramatisches Finale. Borussia Mönchengladbach und Torwart Erik Thorstvedt wurden beim 0:6 beim FC Bayern München zum ,,Königsmacher".
1985/86 erlebte die Bundesliga ein dramatisches Finale. Borussia Mönchengladbach und Torwart Erik Thorstvedt wurden beim 0:6 beim FC Bayern München zum ,,Königsmacher". Bildnummer: 13620137 Datum: 26.04.1986 Copyright: imago Images /Fred Joch
Und das in einer Saison, die durch ihren hohen Spannungsfaktor an der Tabellenspitze in die Bundesliga-Geschichte eingeht: 1985/86.

Die Gladbacher spielen am 34. Spieltag Schicksal in der Meisterfrage. Sie verlieren mit 0:6 beim FC Bayern München, der zwar in dieser Saison nie Tabellenführer ist, aber was heißt das im Hoeneß-Land schon? Dank der um 9 Tore besseren Tordifferenz und zeitgleicher 1:2-Niederlage von Tabellenführer Werder Bremen holen sich die Bayern doch noch die Schale.

Einen Spieltag zuvor hat der Bremer Michael Kutzop in der 89. Minute im direkten Duell gegen die Bayern den größten Elfmeter-Fehlschuss der Liga-Geschichte geliefert – und Bremens vorzeitiges Meisterstück verhindert.

Nur, damit Sie ungefähr Bescheid wissen, wo wir auf der Suche nach Gladbachs letzter Tabellenführung jenseits von Saisonstart und ,,Bester Start seit“-Euphorie so landen. Es ist die Saison vor der WM 1986 in Mexiko, bei der viele Kritiker der deutschen Mannschaft empfehlen, doch lieber zu Hause zu bleiben, als sich Montezumas Rache auszusetzen. Dass die DFB-Elf, die damals vor der großen Kürzungswelle noch ,,die deutsche Fußball-Nationalmannschaft“ und nicht ,,Die Mannschaft“ heißt, am Ende Vize-Weltmeister wird, können nicht mal Berufsoptimisten ahnen. Aber, was solls? Der Bundestrainer heißt noch neumodisch ,,Teamchef“ bzw. Franz Beckenbauer, den alle nur Franz nennen. Gespielt wird noch in zugigen und veralteten Stadien anstatt in komfortablen Arenen.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Jupp Heynckes, Horst Wohlers und Allan Simonsen (alle Gladbach) Europapokal der Landesmeister EC 1 1976/1977 / Borussia Mönchengladbach (Gladbach) - AC Turin (FC Torino Calcio) 0:0.

Tabellenführer nach dem 3. Spieltag: Der BVB hielt Gladbach nicht auf...

1985: Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach, v.li.: Jürgen Wegmann (BVB) mit dem Kopfball, Hans-Georg Dreßen, Ulrich Borowka, Kai-Erik Herlovsen (alle Mönchengladbach), Dirk Hupe (BVB), Thomas Herbst (Mönchengladbach) und Horst Hrubesch (BVB).
1985: Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach, v.li.: Jürgen Wegmann (BVB) mit dem Kopfball, Hans-Georg Dreßen, Ulrich Borowka, Kai-Erik Herlovsen (alle Mönchengladbach), Dirk Hupe (BVB), Thomas Herbst (Mönchengladbach) und Horst Hrubesch (BVB). Foto: Imago Images.

Und genau in dieser, nicht eben werbewirksamen Zeit für den deutschen Fußball, in der gerade mal 18.393 Zuschauer im Schnitt zu den Spielen kommen, holt sich Borussia Mönchengladbach zuletzt nach dem 3. Spieltag die Tabellenführung – und nährt die Hoffnungen auf den ersten Titel seit 1979 und unter Coach Josef Heynckes.

Der Mann, den sie in Mönchengladbach nur Jupp nennen und der sich inzwischen mit Hund Cando in Schwalmtal zur Ruhe gesetzt hat, verliert mit den Gladbachern 1984 das Pokalfinale gegen die Bayern, für die er später 4-mal als Trainer arbeiten wird…

Am 13. Spieltag der Saison 1985/86 erklimmt Heynckes mit der Borussia im Freitagsspiel beim westfälischen Vereins-Namensvetter in Dortmund (3:2) die Tabellenspitze. Ulrich Borowka, den alle nur Uli nennen, und 2-mal Frank Mill (den alle nur Fränkie nennen) treffen für Borussia Mönchengladbach. Auf Dortmunder Seite sind Marcel Raducanu und Jürgen ,,Kobra“ Wegmann, der Mann, der ,,giftiger ist als die giftigste Schlange“ und mit dieser Galligkeit am Saisonende den BVB vor dem Abstieg retten wird.

Die Freude währt allerdings nur eine Woche. Nach einem 2:2 am heimischen Bökelberg gegen Bayer Leverkusen muss Gladbach die Pole Position an den SV Werder Bremen abgeben, der Bayer 05 Uerdingen mit 6:1 aus dem Weserstadion schießt. Das ist nun fast 34 Jahre her. Stoff für Satire und Statisik-Fun gibt es aber immer noch her – und das ist auch gut so. ,,Das Amt für abseitige Fußballstatistiken hat herausgefunden, dass Borussia Mönchengladbach nach dem letzten Meisterschaftsgewinn 1977 bis zum heutigen Nachmittag nur ein einziges Mal eine Tabellenführung in der 1.Bundesliga nach dem 3.Spieltag einer Saison innehatte, nämlich am 13.Spieltag 1985/86 (und überhaupt nur noch 6-mal insgesamt, davon 4-mal am 1.Spieltag und 2012 am 3.). In einer Zeit, als man noch bedenkenlos Vokuhila mit Schnorres tragen konnte und das Stabspersonal noch Jupp, Wolf und Karl-Heinz heißen durfte“, heißt es am Sonntag in der Facebook-Gruppe Historische Fußballmannschaftsfotos.  Am 19. Oktober spielt Borussia Mönchengladbach wieder in Dortmund

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