Diese 10 Fußballstars patzten im Meisterkampf entscheidend


Nicht jeder Fußballprofi erfüllt sich den Meistertraum. Für manchen stehen Sekunden oder Zentimeter zwischen dem ganz großen Wurf oder der bitteren Enttäuschung.

Die Angst, „ewiger Vize“ zu werden und für einen Fehlschuss ein Leben lang verantwortlich gemacht zu werden, offenbart sich meistens immer in den letzten Spieltagen einer Fußball-Saison. Sie scheint selbst die ganz Großen mitunter zu lähmen.

Deutschland, England, Frankreich, Italien – es macht keinen Unterschied. In beinahe jedem großen Fußballland gibt es Spieler, die eben nicht wegen ihrer Heldentaten, wegen entscheidender Tore oder Rettungsaktionen im Meisterkampf im kollektiven Gedächtnis bleiben, sondern wegen eines Missgeschicks, das sich auch nach Jahren nicht erklären lässt.

Der Druck spielt eine große Rolle. So dicht vor dem Ziel – oft fehlen den involvierten Teams nur Sekunden zum großen Triumph – da können die Nerven auch den abgebrühten Stars einen Streich spielen.

Die Medien spitzen die Konstellation vor einem Saisonfinale oft derartig zu, dass das Scheitern eine unglaubliche Fallhöhe mit sich bringt. Daran können ganze Karrieren zerbrechen, erfolgreiche Teams auseinanderfallen. Das beste Beispiel liefert ein Bundesligist vom Rhein.

2014: Manchester Citys Fans spotten über einen historischen Ausrutscher... (Photo by Michael Regan/Getty Images)

Stars sind bei verlorenen Meiterschaften der perfekte Sündenbock

Fußball ist und bleibt Teamsport. Dennoch machen viele Fans und Beobachter eine verpasste Meisterschaft oft an einer Einzelleistung, an einem einzelnen Spieler fest.

Das musste ein Superstar des englischen Fußballs erfahren, ebenso wie ein deutscher Nationalspieler, dem viele das Prädikat „unvollendet“ anheften. Es ist dann egal, wie viele Tore du als Team erzielt hast, wie viele Punkte Vorsprung du hattest – nur diese eine Szene, die gefühlt alles entschieden hat, bleibt in Erinnerung. Sie wird den Beteiligten auch nach Jahren noch nachgetragen.

Viele der Spieler, die wir hier vorstellen, haben im Spitzenfußball so ziemlich alles gewonnen. Weltmeisterschaft, Champions League, UEFA-Cup – und doch wird der Makel ihres Scheiterns in einem Meisterschaftsfinale oftmals und völlig zu Unrecht höher bewertet als die ganzen Erfolge.

Andere fahren trotz oder gerade wegen ihres historischen Patzers, angetrieben von dem Wunsch, den Fehler von einst wieder gut zu machen, später noch einen Titel nach dem anderen ein. Das mag sie über den Schmerz, den der durch ihr Verschulden verlorene Meistertitel verursacht hat, ein wenig hinwegtrösten. Die Episode, in denen sie entscheidend gepatzt haben, wird aber von der Fußball-Öffentlichkeit immer separat betrachtet. „Weißt Du noch, wie der damals verschossen hat…?“

Irgendwas bleibt eben immer hängen. Wir haben 10 Spieler gefunden, die in Titel-Dramen in Europas Top-Ligen „almost famous“, fast berühmt wurden…

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Almost famous 10: Edgar Schmitt – Der vergessene Pfostenschuss von „Euro-Eddy“

Alles aus: Eintracht Frankfurt und Lothar Sippel haben 1992 die Deutsche Meisterschaft in Rostock verspielt... (Photo by Bongarts/Getty Images)
Es ist eine Szene, die bis heute in der Diskussion um den nicht zugunsten von Eintracht Frankfurt und Anthony Yeboah verhängten Elfmeter im Saisonfinale 1992 bei Hansa Rostock oft unterschlagen wird.

Der Frankfurter Stürmer Edgar Schmitt, nur ein Jahr später wird er als „Euro-Eddy“ beim 7:0 des KSC gegen den FC Valencia Europacup-Geschichte schreiben, trifft in der 89. Minute nur den Pfosten.

Frankfurt ist – bei Punktgleichheit und besserer Tordifferenz – am 38. und letzten Spieltag beim FC Hansa zum Siegen verdammt.

Viele Episoden ranken sich um dieses Spiel, dass beispielsweise die sehr informative Internet-Seite eintracht-archiv.de aus ihren Statistiken verbannt hat – dort findet sich nur ein schwarzer Balken. Unter anderem soll der Frankfurter Mannschaftsbus schon mit Champagner-Kisten gefüllt gewesen sein. Alles, wirklich alles scheint auf die erste Meister-Party der Hessen in der Bundesliga hinzudeuten.

Die Titelkonkurrenten VfB Stuttgart und Borussia Dortmund müssen ebenfalls auswärts antreten, in Leverkusen und Duisburg. An der Ostsee gerät Frankfurt mit 0:1 in Rückstand. Die Mannschaft von Trainer Dragoslav „Stepi“ Stepanovic verkrampft, kommt aber durch Axel Kruse mit dem 1:1 wieder ins Spiel. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Erst der nicht gegebene Elfmeter an Yeboah, dann der Pfostenschuss und – als die SGE alles nach vorn wirft – der Konter zum 2:1 durch Stefan Böger. Alles aus. Nie wieder wird Eintracht Frankfurt näher an die Meisterschale, die auf der Tartanbahn des veralteten Ostseestadions steht, herankommen.

Almost famous 9: Valerién Ismael und Racing Lens – Kein Glück im „Finale“ in Lyon

Valerien Ismael erreichte mit dem RC Lens 2000 das UEFA-Cup-Halbfinale. Foto: Stu Forster/Allsport
Racing Club de Lens – Der kleine Verein aus der 42.000-Einwohner-Stadt in Nordwestfrankreich hat 1998 Geschichte geschrieben.

Ausgerechnet im Jahr der Weltmeisterschaft im eigenen Land düpiert der Außenseiter im Duell zweier Underdogs gegen den FC Metz die französischen Großklubs und wird Meister der Ligue 1. Der Empfang für die „Lensois“ nach dem Meisterstück ist in die französische Fußballhistorie eingegangen. 4 Jahre später scheint es so, als würde Lens sich 2002 den Meistertitel wieder in einem WM-Jahr schnappen. Das Team von Trainer Joel Muller ist seit dem 11. Spieltag Tabellenführer in Frankreich, hat zwischenzeitlich 8 Punkte Vorsprung auf Olympique Lyon.

Der Afrika-Cup 2002 mit den vielen Länderspiel-Abstellungen, u. a. mit den Senegalesen Ferdinand Coly, Papa Bouba Diop und El-Hadji Diouf macht Lens zu schaffen. Dennoch geht man mit einem Punkt Vorsprung ins direkte Duell in Lyon am letzten Spieltag.

Das Stade Gerland, Waterloo für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 1998 und dem Viertelfinal-Aus gegen Kroatien, explodiert stimmungsmäßig schon nach 6 Minuten. Bayern-Schreck Sidney Gouvou erzielt das 1:0 für „OL“. Lens und sein Abwehrchef Valerien Ismael sind jetzt in der Defensive – und können nicht mehr gegensteuern. Nach 13 Minuten stellt Philippe Violeau für Lyon auf 2:0. Der Noch-Tabellenführer aus Lens einfach zu behäbig und zu schwerfällig im Spielaufbau. Das 2:1 von Jacek Bak (27.) lässt zur Pause noch Hoffnung, aber mit dem 3:1 von Pierre Laigle (52.) ist der Traum vom 2. Meistertitel futsch. Valerien Ismael verabschiedet sich am Saisonende erst zu Racing Straßburg, ehe er zum 1. Juli 2003 zu Werder Bremen wechselt – und dort auf Anhieb Deutscher Meister wird…

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Almost famous 8: Hans-Jörg Butt – Ein fataler Elfmeterschuss

Hans-Jörg Butt und Bayer 04 Leverkusen stolperten 2002 auf dem Weg zur Meisterschaft... (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Hans-Jörg Butt – Kein Torhüter hat in 55 Jahren Fußball-Bundesliga mehr Elfmeter verwandelt als der stille Keeper aus Oldenburg, der für den Hamburger SV, Bayer 04 Leverkusen und Bayern München gespielt hat.

26 Elfmeter verwandelt Butt, dessen Anlauf zum ominösen Punkt stets von den HSV-Fans und den Leverkusener Anhängern mit „Butt, Butt, Butt“-Rufen begleitet wird, in seiner Karriere.

Zu Meisterehren kommt Butt aber erst 2010 in Diensten des Abo-Titelträgers FC Bayern München. Mit Bayer Leverkusen misslingt 2002 der Griff nach der Schale. Und das, obwohl 3 Spieltage vor dem Saisonende alles, aber wirklich alles für die Bayer-Elf spricht. Die Mannschaft von Trainer Klaus Toppmöller hat tollen Offensiv-Fußball gezeigt. Sie hat bis dahin 75 Saisontor erzielt – 19 Treffer mehr als Verfolger Borussia Dortmund. Am 32. Spieltag an diesem 20. April 2002 kann sie gegen Werder Bremen eigentlich schon alles klar machen.

Es steht nach 36 Minuten 1:1, als Viktor Skripnik den Leverkusener Superstar Michael Ballack foult. Hans-Jörg Butt nimmt den weiten Weg aus dem eigenen Tor und tritt gegen Frank Rost zum Elfmeter an. Der Bremer Keeper wehrt den Strafstoß ab. Das wäre noch kein Weltuntergang, denn in Dortmund steht es gegen den rheinischen Rivalen 1. FC Köln nach 55 Minuten ebenfalls 1:1. Damit lägen immer noch alle Trümpfe bei der Werkself. Der Brasilianer Ailton durchkreuzt alle Pläne. Er trifft gegen Butt zum 1:2-Endstand (61.), der BVB gewinnt in der Nachspielzeit durch einen Elfmeter von Marcio Amoroso noch 2:1 und ist bis auf 2 Zähler dran. Der Fehlschuss von Butt wird teuer. Am 33. Spieltag büßt Leverkusen in Nürnberg (0:1) die Tabellenführung ein und weint am Saisonende einmal mehr dicke Vizemeister-Tränen.

 

.

Almost famous 7: Oliver Kahn – Werder-Stars blamieren den Torwart-Titan

Mai 2004: Werder Bremen lässt Oliver Kahn konsterniert zurück. (Photo by Sandra Behne/Bongarts/Getty Images)
Das direkte Duell gegen Tabellenführer Werder Bremen ist für den FC Bayern München am 8. Mai 2004 die letzte Chance, diese enttäuschende Saison noch zu wenden.

In der Champions League sind die Bayern schon im Achtelfinale gegen Real draußen, im DFB-Pokal sind sie am Außenseiter Alemannia Aachen gescheitert. Bremen führt in der Tabelle vor diesem historischen Spieltag bereits mit 6 Punkten vor den Bayern. Die Hanseaten haben die wohl einmalige Chance, im Stadion des Süd-Rivalen Deutscher Meister zu werden.

Dass die Werderaner sich diese Gelegenheit nicht nehmen lassen wollen, machen sie in jeder Spielphase deutlich. Mit dem Schwung, mit dem sie eine Woche zuvor den Hamburger SV mit 6:0 überrannt haben, gehen sie in die Partie – und die Bayern zeigen Nerven. Torhüter Oliver Kahn, dem man in dieser Saison mehrfach den Vorwurf gemacht hat, er würde „übermotiviert“ in die wichtigen Spiele gehen, verliert nach 19 Minuten die Orientierung.

Ailtons versuchter flacher Steilpass auf den Kroaten Ivan Klasnic gerät zu lang, Kahn kommt aus dem Tor und will aufnehmen, lässt den Ball dabei aber fallen und krabbelt über den Rasen. Klasnic nutzt den bösen Schnitzer des Nationalkeepers zur Führung. Dann folgt der Auftritt des Monsieur Micoud. „Le Chef“, wie sie den Franzosen Johan Micoud in Bremen respektvoll nennen, überwindet Kahn mit einem Lupfer aus 13 Metern in den Torwinkel – Traumtor. Hier lupft der Chef! Den dritten Treffer erzielt Werders überragender Torjäger diese Saison, Ailton. Der Brasilianer jagt den Ball aus 20 Metern ins Tordreieck – 0:3 zur Pause, in Bremen jubeln Tausende von Fans beim Public Viewing am Domshof schon jetzt. Werders Managerlegende Willi Lemke lässt die Korken knallen und nach 90 Minuten sind alle Fragen beantwortet: Bremen wird in München Deutscher Meister.

Almost famous 6: Gerald Asamoah und Schalke 04 – Nur gucken, nicht anfassen!

Gerald Asamoah: Verbissener Kampf gegen den BVB und Robert Kovac... (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
  1. Mai 2007. Die Konstellation im Revier-Derby ist einmalig. Gewinnt der FC Schalke 04 an diesem 33. Spieltag bei Borussia Dortmund, ist die erste Meisterschaft in der Bundesliga für die Königsblauen perfekt.

Schalke-Idol Gerald Asamoah will bei einem Erfolg beim Erzrivalen „über die Autobahn nach Hause laufen“. Die BVB-Fans halten mit einem Plakat dagegen. „Nur gucken, nicht anfassen“, steht auf einer gelben Leinwand – und daneben die Meisterschale, die Schalke in der Bundesliga-Ära noch nie gewonnen hat. Der ganze Spaß ist eine Anspielung auf einen Werbespot für ein Bier mit Schalkes Macher Rudi Assauer (74).

Borussia Dortmund hält dagegen. Trainer Thomas Doll (52) führt seine Mannschaft in der Nacht vor dem Spiel in den leeren, mehr als 80.000 Zuschauer fassenden Fußballtempel Signal Iduna Park. Mehr Motivation geht nicht.

Auch Christoph Metzelder hat etwas gegen eine Schalker Meisterfeier in Dortmund. Dass der National-Verteidiger und Vize-Weltmeister von 2002 zu Real Madrid wechseln wird, steht schon vor dem Spiel fest. Nach 7 Jahren beim BVB wird das Revier-Derby zum letzten Heimspiel für „Metze“ im Dortmunder Dress.

Der Innenverteidiger macht das BVB-Spiel seines Lebens. Dortmunds Trainer Thomas Doll setzt Metzelder in dieser Partie auf der rechten Außenverteidigerposition ein. In der 44. Minute bricht Metzelder über die rechte Seite kraftvoll durch, spielte den Ball scharf nach innen – und BVB-Torjäger Alexander Frei lenkt ein, 1:0. Nach einer ausgeglichenen zweiten Halbzeit, die den Fans im mit 80.000 Zuschauern restlos ausverkauften Signal Iduna Park den Atem raubt, macht Metzelder allen Schalker Meisterträumen ein Ende. Er legt Ebi Smolarek den Ball vor und der polnische Stürmer trifft ins lange Eck, vorbei an Manuel Neuer, zum entscheidenden 2:0. Dortmund feiert. Gerald Asamoah ist da schon nicht mehr auf dem Platz. Der Vize-Weltmeister von 2006 wird nach 63 Minuten für Halil Altintop. Weder er noch der in die Partie genommenen türkische Nationalspieler können die Partie noch wenden. So bleibt Schalke auch 2007 „almost famous“. Oder anders: „Nur gucken, nicht anfassen.“

 

Almost famous 5: Steven Gerrard – You’ll never slip alone!

Chelseas Fans verspotten Liverpools Kapitän Steven Gerrard nach seinem folgenschweren Ausrutscher. (Photo by Clive Brunskill/Getty Images)
Es gibt diesen blöden Witz in England. John Terry soll sich von seiner Frau getrennt haben. Bei der Scheidung erhielt sie alle seine Meistertrophäen und hat damit immer noch 5 mehr als Steven Gerrard…

Einige Satiriker auf der Insel streiten sich sogar darüber, wer den schönsten Ausrutscher der britischen Fußballgeschichte liefert. John Terry im Elfmeterdrama des Champions-League-Finales 2008 gegen Manchester United oder eben Steven Gerrard.

Wie auch immer: Wer den Schaden hat… Liverpools Idol Steven Gerrard steht in der Saison 2013/2014 im Herbst seiner Karriere. Der offensive Mittelfeldspieler hat den LFC gelebt wie kaum ein anderer Spieler seiner Zeit. 2-mal FA-Cup-Sieger, u. a. mit einem Jahrhundert-Tor aus über 30 Metern 2006 gegen West Ham, UEFA-Cup- und Champions-League-Sieger – mit Gerrard sind die Pokale wieder nach Liverpool gekommen. Nur die Meistertrophäe der englischen Premier League eben nicht. 2014 scheint das Ding zum Greifen nahe. Liverpool hat zum 25. Jahrestag der Stadion-Katastrophe von Hillsborough den Titel-Rivalen Manchester City (3:2) geschlagen. Gerrard, dessen 11-jähriger Cousin Jon-Paul Gilhooley bei dem Unglück stirbt, wird nach dem Schlusspfiff von den Emotionen übermannt.

Liverpool muss in der Folgezeit gegen Chelsea gewinnen, dann stehen mit Crystal Palace und Newcastle United nur noch 2 Gegner aus der Kategorie „Pflichtsieg“ auf dem Spielplan. Es läuft schon die Nachspielzeit der ersten Halbzeit, als Steven Gerrard an der Mittellinie ausrutscht. Es kommt, wie es nicht kommen soll. Liverpool patzt auch in London bei Palace (3:3 nach 3:0-Führung) und das 2:1 gegen Newcastle ist am Ende ein Muster ohne Wert. Ein Jahr später geht Steven Gerrard nach Amerika. Ohne Meistertitel.

Almost famous 4: Michael Kutzop – Werders Meisterträume klatschen an den Pfosten!

Der berühmteste Elfer-Fehlschuss der Bundesliga im Anlauf...
„Das Klatschen höre ich heute noch“, gesteht Jean-Marie Pfaff Jahre später. Die Szene aus der letzten Spielminute im Bremer Weserstadion vom 22. April 1986 ist auch für den belgischen Ausnahmetorhüter Teil seiner fußballerischen Vita geworden.

Es ist der 33. Spieltag der Bundesliga-Saison 1985/86. Tabellenführer Werder Bremen empfängt den FC Bayern München zum Showdown. Ein Sieg – und Bremen ist erstmals unter der Regie von „König“ Otto Rehhagel Deutscher Meister. Dem Ehrgeizling aus Essen lastet nach den Vize-Meisterschaften von 1983 und 1985 der Boulevard-Spitzname „Otto II.“ an.

In der Schlussphase überschlagen sich die Ereignisse. Rehhagel bringt den lange verletzten Werder-Superstar Rudi Völler in die Partie. Der Nationalspieler holt in der 88. Minute gegen Sören Lerby einen Elfmeter raus.

Der dänische Weltklassespieler des FC Bayern leistet sich ein Handspiel. Schiedsrichter Volker Roth (Salzgitter) zeigt auf den ominösen Punkt. Die Zuschauer im Weserstadion und Millionen vor den TV-Geräten – die Partie ist eines der ersten Live-Spiele in der Bundesliga im deutschen Fernsehen – sind sicher: Das ist der Titel für die Bremer!

Michael Kutzop – und eben nicht der gerade eingewechselte Rudi Völler legt sich den Ball zurecht. 8 Elfmeter hat Kutzop in der Saison schon verwandelt. Trifft er jetzt, ist Bremen Meister. „Ich trete an“, schreibt Kutzop 2003 in einem BILD-Buch zur Bundesliga, „4, 5 Meter Anlauf, Bayern-Torhüter Pfaff ist aus meiner Sicht nach links unterwegs. Deshalb ziele ich ins rechte Eck. Für mich fliegt der Ball wie in Zeitlupe… und klatscht an den rechten Pfosten.“ Der Pfostentreffer des sonst so zuverlässigen Michael Kutzop kostet Werder Bremen letzten Endes den Titel. Am letzten Spieltag verlieren die Norddeutschen mit 1:2 beim VfB Stuttgart, Bayern München zieht nach 6:0-Kantersieg gegen Gladbach dank der besseren Tordifferenz noch vorbei – und lacht sich schlapp. Zwei Jahre später holen sich Kutzop und Bremen in Frankfurt den Meistertitel. Aber viel mehr bleibt der Elfer von April 1986 im kollektiven Gedächtnis der Fußballfans. Kutzop weiß daher: „Ich verschoss den berühmtesten Elfer der Liga-Geschichte.“

Almost famous 3: 2002 – Ronaldo weint mit Inter!

Ronaldo blieb bei Inter Mailand ohne nationalen Meistertitel. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Luis Nazario de Lima, besser bekannt unter seinem die Fußballwelt regierenden Vornamen Ronaldo, hat in seiner Karriere alles erreicht.

2-mal Weltmeister, Confed-Cup-Sieger, Copa America, UEFA-Pokal und Europacup der Pokalsieger – das volle Programm eines der erfolgreichen Brasilien-Legionäre aller Zeiten. Oder? Ein großer nationaler Titel fehlt Ronaldo.

1994 von der PSV Eindhoven nach Europa geholt, wechselt „Das Phänomen“ 1997 nach nur einer Saison beim FC Barcelona zu Inter Mailand. Mit Ronaldo, so hoffen die „Nerazzurri“, soll nach fast 10 Jahren endlich wieder die italienische Meisterschaft her. Ronaldo führt Inter in seinem 1. Jahr in Italien zum UEFA-Cup. Im rein italienischen Finale in Paris, wo er wenige Wochen später die schwärzeste Stunde seiner Länderspiel-Karriere erleben wird, als er vor dem WM-Finale gegen Frankreich kollabiert, bezwingt er mit Inter den Liga-Rivalen Lazio Rom klar mit 3:0.

Ronaldos Zeit bei Inter steht trotzdem unter keinem guten Stern. Sie ist von Verletzungen – 1999/2000 droht ihm nach einem Bänderriss im Knie gar das Karriere-Ende – geprägt.

Und von einem völlig missglückten Meister-Finale. Inter Mailand hat es 2002 in der Hand, nach 1989 wieder den „Scudetto“ zu holen. Lange ist man Tabellenführer, doch dann nimmt Lazio Revanche. 2:4 geht Inter im „Olimpico“ in Rom unter. Dauer-Rivale Juventus Turin und die AS Rom ziehen am letzten Spieltag noch vorbei. Ronaldo wird nach 78 Minuten und bei Stand von 2:4 für Mohammed Kallon ausgewechselt. Er kann Inter nicht mehr helfen und weint auf der Bank minutenlang bittere Tränen. 4 Ronaldo-Tore in den letzten 4 Spielen reichen nicht aus. Was die Fans der Blau-Schwarzen in diesen schweren Minuten nicht wissen: Ronaldo wird nie wieder für Inter Mailand spielen. Am 31. August 2002 wechselt er für 45 Mio. Euro zu Real Madrid.

Almost famous 2: Michael Ballack – Das berühmteste Eigentor der Bundesliga!

UNTERHACHING, GERMANY - MAY 20: BUNDESLIGA 99/00, Unterhaching; SpVgg UNTERHACHING - BAYER 04 LEVERKUSEN 2:0; EIGENTOR ZUM 1:0 DURCH Michael BA
Der Moment, in dem Bayer Leverkusen die Deutsche Meisterschaft 2000 verliert... (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
20. Mai 2000. Die Fußball-Bundesliga sucht den „Millennium-Meister“. Bayer 04 Leverkusen oder Titelverteidiger FC Bayern München? Die Frage, wer im neuen Jahrtausend als erster Klub die Meisterschale stemmen darf, beschäftigt die Nation wie selten zuvor.

Es ist die Zeit von „Big Brother“, Börsen-Hype und RAN – SAT 1-Fußball – alles ziemlich bunt und schrill. Die Besonderheit: Zum ersten Mal in 37 Jahren Bundesliga fällt die Entscheidung über den Titel nicht in einem Fernduell, sondern sozusagen in der gleichen Stadt. Während der FC Bayern München im altehrwürdigen Olympiastadion Werder Bremen empfängt, gastiert Titel-Rivale Bayer 04 nicht einmal 20 Kilometer südöstlich, im Sportpark von Unterhaching. Der Bundesliga-Neuling aus der Münchner Vorstadt hat den Liga-Verbleib bereits gesichert – und will dem großen Nachbarn von der Säbener Straße helfen, die Schale zu behalten. Aus eigener Kraft können die Bayern den Titel nicht mehr verteidigen. Es braucht einen Sieg der frechen Hachinger. Bayern-Macher Uli Hoeneß, so heißt es dieser Tage in München, soll den Hachingern zwei neue Spieler versprochen haben, wenn sie Leverkusen und seinen Intimfeind Christoph Daum schlagen – und Rostbratwürste gibt es für die Fans sowieso.

Es wird ein Spieltag, der Fans und neutralen Beobachtern bis heute in den Ohren klingelt. „Wir sehen dieses Spiel als Herausforderung, nicht als Belastung“, redet sich Bayer-Trainer Christoph Daum vor dem Spiel am premiere-Mikrofon warm, „wenn gleich der Ball rollt, sind wir unserem Element, dann denkt keiner mehr an die Meisterschaft, sondern daran, wie wir gewisse Aufgaben erfüllen.“ Nicht gut!

Vielleicht wäre es besser gewesen, seinen Leverkusenern die Meisterschale und die altehrwürdige Trophäe „Victoria“, die zwischen 1992 und 2014 ebenfalls an den deutschen Fußballmeister verliehen wird, am Spielfeldrand zu zeigen. Bayer 04 spielt schwerfällig und wird von den Bayern früh unter Druck gesetzt. Eine 3:0-Führung nach 16 Minuten (!) lässt immer wieder Jubel in Unterhaching aufbranden. Dann passiert es. Eine Rechtsflanke von Danny Schwarz lenkt Leverkusens Superstar Michael Ballack ins eigene Tor (20.). Fassungslos bleibt der Mittelfeldspieler, 1998 schon einmal als Youngster Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern, am Boden liegen. Die rund 2.500 mitgereisten Leverkusener Fans im Stadion, die schon am frühen Vormittag durch München getollt sind, erstarren regelrecht vor Entsetzen. Auf den Tribünen springen nicht nur die Hachinger Anhänger hoch, sondern auch so mancher Spion im Bayern-Trikot. Es dauert nicht lange, bis sich die frohe Bayern-Kunde herumgesprochen hat.

Leverkusen kann die Blockade nicht mehr lösen. Man hat bei einer Fülle von Torchancen von Ballack, Stefan Beinlich, Zé Roberto und Co das Gefühl, dass sie die Kugel an diesem Tag selbst dann nicht ins Tor brächten, wenn sie auf der Linie liegen würde. Die Nerven! In der 72. Minute bebt das Münchner Olympiastadion in seinen Grundfesten. Münchens Regisseur Stefan Effenberg stellt für einen Moment das Spiel ein und jubelt. Es steht 2:0 für die SpVgg Unterhaching durch den Ex-Münchner Markus Oberleitner, der FC Bayern ist Meister! Weinend sitzen Ballack und Co. wenig später auf der Reservebank. RAN-Reporterlegende Werner Hansch zieht das bittere Fazit: „Leverkusen ist in ein Loch gefallen – Sekunden vor dem Ziel.“

Almost famous 1: Matthias Schober – Ein Schalker verhindert Schalke als Meister!

MIt diesem Freistoß zerschießt Patrik Andersson (nicht im Bild) die Meister-Träume des FC Schalke 04. (Photo: Rentz/Bongarts/Getty Images)

Das muss es doch einfach sein! So oder so ähnlich könnte Matthias Schober gedacht haben, als sein Mannschaftskollege Sergej Barbarez in der 90. Minute der Partie Hamburger SV gegen den FC Bayern München am 34. Spieltag der Saison 2000/2001 per Kopf zum 1:0 trifft.

Jedenfalls lässt der Torhüter des Hamburger SV, der in dieser unglaublichen Spielzeit nur 2-mal zum Einsatz kommt alle Vorsicht fallen und jubelt mit seinen Teamkollegen. Das Volksparkstadion ist in diesen Momenten ein Tollhaus und Schober, ein Marler Junge aus dem Pott, ausgebildet beim FC Schalke 04, weiß: Jetzt ist der Tabellenführer Bayern geschlagen und Schalke ist Meister!

Das Ergebnis aus Hamburg geht im Gelsenkirchener Parkstadion, wo die Partie der Schalker gegen Absteiger und Meister-Schreck (2000) Unterhaching in den letzten Sekunden steht, schnell herum. Unbändiger Jubel lässt die triste Betonschüssel, die nach diesem Spiel in Pension geschickt wird, beben. „HSV, HSV“, hallt es durch das WM-Stadion von 1974, das der modernen Arena AufSchalke weichen wird. Gänsehaut!

Was die Zuschauer in Gelsenkirchen nicht wissen: In Hamburg wird noch gespielt. Trotzdem wird gejubelt – und das, wie sich wenig später herausstellen wird, auf dem Spielfeld und zu früh. Absicherung gibt es in diesen Minuten auf Schalke nicht mehr! Das gilt in diesen Bundesliga-historischen Sekunden auch für „Mattes“ Schober. Es läuft schon die 3. Minute der Nachspielzeit, als er einen Rückpass des Tschechen Tomas Ujfalusi mit den Händen aufnimmt. Fahrlässig! Drischt Schober den Ball mit dem Fuß auf die Tribüne, pfeift Schiedsrichter Dr. Markus Merk aus Kaiserslautern wahrscheinlich ab. Dem Referee, der nun wirklich nicht im Verdacht steht, die Bayern zum Meister pfeifen zu wollen, bleibt gar keine andere Wahl. Er gibt indirekten Freistoß für die Münchner in 10 Metern Torentfernung. Stefan Effenberg tippt den Ball an und Patrik Andersson jagt ihn mit schwedischer Präzision durch die Hamburger Abwehrmauer ins Netz – 1:1, Schalke ist nur für 4 Minuten Deutscher Meister.