Spieler-Cliquen: Wer hat die Macht beim FC Bayern?


FC Bayern Spieler-Cliquen
War Joshua Kimmich (l.) beim FC Bayern der größte Kritiker von Trainer Niko Kovac? Foto: Imago Images

Bayern-Macher Uli Hoeneß (67) ist kurz vor seinem Abschied in dieser Woche noch einmal in die mediale Offensive gegangen.

Im SPORT1-,,Doppelpass hat die Bayern-Legende am Sonntag höchst selbst angerufen und via ,,DoPa-Fon“ Sportdirektor Hasan Salihamidzic (42) verteidigt.

Hoeneß‘ Magial Media Tour geht aber schon am Samstagabend dort los, wo er 1989 seinen mit Sicherheit größten TV-Auftritt hat: Im ,,Aktuellen Sport-Studio“ des ZDF, das eigentlich im Zeitalter von Sky, DAZN, Live-Ticker und Bundesliga-App gar nicht mehr so aktuell ist. Für die jüngeren Leser: Im April 1989 zofft sich Hoeneß in der legendären ZDF-Sendung mit seinem Erzfeind Christoph Daum, damals Trainer beim 1. FC Köln. Ein Stück deutsche Fußball- und Fernsehgeschichte.

Zurück in die Gegenwart. Hoeneß verrät, dass es beim FC Bayern eine Fraktion gegeben hat, die gegen Trainer Niko Kovac (48) war und die dessen ,,Aus“ am 3. November 2019 nach dem 1:5 in Frankfurt (Ligalive.net berichtete) forciert hat.

Lewandowski BVB
Robert Lewandowski (m.) überwindet Roman Bürki zum 1:0 für den FC Bayern gegen Borussia Dortmund (4:0). Foto: Imago Images

Bericht: Diese Spieler waren gegen Kovac

Torwart Manuel Neuer vom FC Bayern München nach dem Spiel in Frankfurt bei den Fans.
Torwart Manuel Neuer vom FC Bayern München nach dem Spiel in Frankfurt bei den Fans. Hinten: Leon Goretzka. Foto: Imago Images.
„Es hat sicherlich Strömungen innerhalb der Mannschaft gegeben, die den Trainer weg haben wollten“,sagt Hoeneß im ZDF-Interview.

Deswegen, so der scheidende Bayern-Präsident, habe ,,die Führung entsprechend reagiert.“ Und ist wohl dem Wunsch der Spieler nachgekommen…

Für diese ,,Strömungen innerhalb der Mannschaft“ sind laut BILD eine Reihe von Spielern mit verantwortlich. Allen voran Ex-Nationalspieler Thomas Müller (30), den Kovac mit dem unglücklichen Satz ,,Wenn Not am Mann ist, wird er seine Einsatzminuten bekommen“ wohl gegen sich aufbringt. Kaum ist Kovac weg, führt Müller die Bayern zum 4:0 (1:0)-Triumph gegen Borussia Dortmund. Ein Abschied im Winter dürfte vom Tisch sein! Die Meinung, wonach ,,das Verhältnis zwischen Kovac und Müller intakt“ sei, hat Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, in München auch Beauftragter für das ,,offene Wort“, wohl in diesem Fall exklusiv.

Sicher kein Kovac-Freund ist auch Innenverteidiger Jérome Boateng (31), der erst vor einem Wechsel steht und dann, als mit Lucas Hernández und Niklas Süle 2 Innenverteidiger langfristig ausfallen, plötzlich wieder erste Wahl ist. Die Einsatzzeit-Versprechen bei Boateng hält der Coach nicht ein. Größter Kritiker von Kovac ist aber wohl Nationalspieler Joshua Kimmich. Nicht selten äußert er sich kritisch über die Taktik und die fehlende Struktur im Bayern-Spiel. Unterstützung bekommt er dabei auch von Süle und Serge Gnabry. Bayern-Kapitän Manuel Neuer, der Kovac lange Zeit verteidigt, springt am Ende den Kritikern bei und wird nach dem 1:5 in Frankfurt  deutlich: ,,Es ist kein riesiges Wunder, was hier passiert ist. Es hat sich ein bisschen angebahnt.“

Die Stars als heimliche Macht beim FC Bayern, die sich gegen einen Trainer positioniert, das ist in München wohl kein Einzelfall, wie der Journalist und Blogger Pit Gottschalk weiß.

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In seinem täglichen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch schreibt Gottschalk am Montag: ,,Uli Hoeneß gibt zu: Die Spieler haben Niko Kovac vom Hof gejagt.“

,,Schon vor zwei Jahren meinten die Bayern-Bosse, dass es keine Alternative zur Entlassung von Carlo Ancelotti als Trainer gibt“, weiß Gottschalk, ,,5 Spieler seien gegen ihn gewesen, so Uli Hoeneß damals. Wie bei Niko Kovac: Das Aus nach nicht einmal anderthalb Jahren.

Und er fügt sarkastisch an: ,,So wünscht sich das jeder Arbeitnehmer: Wenn der Chef nervt, unpopuläre Entscheidungen trifft oder die Leistungen im Team anders als man selbst beurteilt – weg mit ihm! Der Nachfolger wird vielleicht fügsamer sein. Zumindest: weniger fordernd.“ Für Insider wie Gottschalk ist klar: ,,Interimstrainer Hansi Flick hat ja in den wenigen Tagen nicht durch Handauflegen oder taktische Kabinettstücke das Fußballspielen in München neu erfunden. Man muss es so sagen: Die Spieler wollten unter Kovac keine Top-Leistungen zeigen, als dem Trainer das Wasser bis zum Hals stand, sie wussten ja: Am Ende lösen Hoeneß als Präsident und Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandschef das Problem pragmatisch!“

Dass sich hoch bezahlte Spieler beim Präsidium über den Trainer ausweinen, diese Nummer ist so alt wie die Bundesliga selbst. Aber: Im ,,Fall Kovac“ hat der FC Bayern zum ersten Mal in seiner Bundesliga-Historie während einer laufenden Saison als erster Verein den Trainer entlassen. Gottschalk dazu: ,,Wenn nicht einmal der Branchenprimus mit seinen Schwergewichten in der Lage ist, die Macht seiner Profispieler einzuschränken und an die Gegenleistung für das Millionengehalt nachhaltig zu erinnern, wie sollen das die kleinen Vereine? (…) In seiner wirklich sehr guten „Klose“-Biografie erzählt Autor Ronald Reng die 10 Jahre alte Geschichte, wie Uli Hoeneß seine Bayern mit einer Sonderprämie von einhundert Riesen zur Höchstleistung in der Champions League anstachelte (4:1 bei Juventus Turin). Im ersten Moment liest sich die Anekdote wie eine Schmonzette. Im zweiten Moment macht das Wissen, dass Millionäre in kurzen Hosen nur mit Sonderprämie zu motivieren waren, das verkorkste Halbjahr in der Königsklasse zu retten, einfach nur traurig.“ Frei nach Max Merkel: ,,Geld ist die beste Psychologie“

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