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Trainer-Legende Felix Magath: ,,Bundesliga ist pures Mittelmaß”

Auf den Tag genau vor 10 Jahren ist Felix Magath (65) als Trainer am 23. Mai 2009 mit dem VfL Wolfsburg sensationell Deutscher Meister geworden.

Mit Disziplin, hartem Konditionstraining (,,Meister-Hügel”) und einem leichten Augenzwinkern führt der Meister des Plusquamperfekts (,,Diego Benaglio war sicherlich in der letzten Zeit wieder sehr stark gewesen”) die ,,Wölfe” zum Titel.

Seine Mannschaft, die in Edin Dzeko und Grafite das überragende Angriffs-Duo, das beste seit den beiden Wahl-Münchnern Uli Hoeneß und Gerd Müller 1971/72 und 1972/73 (jeweils 53 Tore) hat, gefällt in dieser außergewöhnlichen Bundesliga-Saison 2008/2009 vor allem in der Rückrunde durch ungestümen Power-Fußball. Der Bosnier Dzeko und der Brasilianer Grafite erzielen gemeinsam 54 Saisontore. Grafite, 2007 für 7,5 Mio. Euro zum Schnäppchenpreis aus Le Mans geholt, wird mit 28 Treffern Torschützenkönig der Bundesliga. Von Vorrundenplatz 9 stürmen die von ,,Quälix” Magath angetriebenen Niedersachsen mit 14 Siegen zur Meisterschaft. In den letzten 3 Spielen erzielen die Wolfsburger 13 Tore. Sie lassen sich im Saisonfinale bei 2 Zählern vor dem FC Bayern die Jahrhundert-Chance nicht mehr nehmen.

Mit 5:1 deklassiert die Magath-Elf am 23. Mai 2009 im Saisonfinale Werder Bremen und holt sich die Meisterschale. Klar, Wolfsburg ist auch 2015 DFB-Pokalsieger geworden. Aber nie wird der VW-Klub mehr für seinen Mut und seinen Siegeswillen gefeiert als 2009. Eine derartige Titel-Überraschung hat die Liga seitdem nicht mehr erlebt. In einem Interview nennt Meister-Coach Felix Magath nun die Gründe für fehlendes Erfolgsdenken in der Liga.Den 2-maligen Meistercoach des FC Bayern München stört vor allem das mangelhafte Anspruchsdenken in der Bundesliga.

Dazu, so sagt Magath in einem Interview mit dem Magazin Sokrates am Donnerstag, käme ,,die mangelnde Qualität des deutschen Fußballs.”

Magath knallhart wie früher auf Wolfsburgs ,,Meister-Hügel”: ,,Klaren Anspruch auf sportlichen Erfolg vermisse ich in der Bundesliga.” In der Liga gehe es mittlerweile ,,nicht mehr ausschließlich um die sportliche Leistung, sondern darum, wie ich das, was passiert, in der Öffentlichkeit am besten kommunizieren kann.”

Die aktuelle Situation bewertet Magath, der zwischen 1993 und 2012 ein halbes Dutzend Bundesligaklubs (u. a. HSV, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart, FC Bayern, S04) trainiert hat, mit Sorge. Sein Urteil: ,,Der deutsche Fußball hat sich derzeit im Mittelmaß eingerichtet.”

Der Vize-Weltmeister von 1982 und 1986 sieht aber auch Lichtblicke im Theater der Mittelmäßigkeit.

,,Der FC Bayern kann sicher, sofern er genügend Geld in die Hand nimmt, international wieder mit den Besten mithalten. Auch Lucien Favre traue ich zu, den BVB so positiv weiterzuentwickeln, dass Dortmund auch international wieder etwas konkurrenzfähiger wird.” Die Borussia scheitert in dieser Saison im CL-Achtelfinale ohne eigenes Tor an Tottenham Hotspur (0:3 / 0:1). Den FC Bayern München erwischt es ebenfalls in der Runde der letzten 16, 0:0 und 1:3 gegen den FC Liverpool.

Magath rügt in seinem kritischen Interview indirekt seinen ehemaligen Klub Hamburger SV, mit dem er als Spieler 3-mal Deutscher Meister und 2-mal Europacupsieger war. ,,Erfolg ist heute, wenn man die ganze Saison schwache bis miserable Leistungen abliefert, in der Relegation aber 5 Minuten vor dem Abpfiff einen Freistoß bekommt und den verwandelt”, spielt Magath auf die für viele neutrale Beobachter unverdient wirkende Rettung des HSV in der Relegation 2015 in Karlsruhe an, ,,der Spieler, der  das Tor erzielte, kann vorher eine katastrophale Saison gespielt haben, ist dann aber sofort der Superstar.”

Das hätte es unter Magath oder unter seinem strengen Lehrmeister Ernst Happel nicht gegeben…


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