BVB: ,,Falls Favre scheitert“ sitzt ihm Ex-Inter-Coach José Mourinho im Nacken


Jose Mourinho
Seit seiner Entlassung bei Manchester United hatte José Mourinho viel Zeit, unter anderem für das Spiel der Frauen-WM, Frankreich gegen USA in Paris. (Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

Das 0:2 (0:1) von Borussia Dortmund bei Inter Mailand am Mittwoch in Gruppe F der Champions League hat die Dinge beim BVB in der ,,Königsklasse“ verschärft.

Mit 4 Punkten, schlechterem Torverhältnis und – Stand jetzt – verlorenem direkten Vergleich – liegt der deutsche Vizemeister hinter Mailand, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die ,,Nerazzurri“ erteilen dem BVB eine Lehrstunde in Sachen Cleverness und lassen sich auch durch einen verschossenen Elfmeter von Lautaro Martinez nicht aus dem Konzept bringen. 0:2 am Ende – und die üblichen, PR-mäßigen Antworten.

,,Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir hier 2 Tore schlechter waren“, sagt Sebastian Kehl, Leiter der Lizenspielerabteilung bei Borussia Dortmund, nach dem Spiel bei Sky. Ein Trugschluss. Dortmund fehlen Reife und Mut, um es wirklich auf Augenhöhe mit den abgezockten Inter-Profis aufzunehmen. 90 Minuten als Lehrfilm für den BVB, ach was, für die Bundesliga, nehmen Sie es, wie Sie es wollen.

José Mourinho (l.) und Hans-Joachim Watzke gelten als Freunde, schauen sich hier im Februar 2016 das Spiel Hertha BSC gegen Borussia Dortmund (0:0) in Berlin an. Damals sitzt noch Thomas Tuchel auf der BVB-Trainerbank...
José Mourinho (l.) und Hans-Joachim Watzke gelten als Freunde, schauen sich hier im Februar 2016 das Spiel Hertha BSC gegen Borussia Dortmund (0:0) in Berlin an. Damals sitzt noch Thomas Tuchel auf der BVB-Trainerbank... Foto: Imago Images

Favre und die Dortmunder Stillstands-Verwaltung

Lucien Favre steht nach dem 0:2 bei Inter Mailand (Foto) bei Borussia Dortmund enorm unter Druck...
Lucien Favre steht nach dem 0:2 bei Inter Mailand (Foto) bei Borussia Dortmund enorm unter Druck... Foto: Imago Images
Dortmund agiert ohne Stürmer – Marco Reus ist erkältet zu Hause geblieben -, spielt in der Defensive gewohnt unausgeglichen und kommt in 90 Minuten kaum zu Abschlüssen.

Vermutlich wird man mit dieser Art von Fußball so ziemlich jedes Saisonziel verspielen. Das wollen die ehrgeizigen BVB-Verantwortlichen nicht. Obwohl sie wahrscheinlich genau wissen, dass mit dem alles andere als mutig taktierenden Coach Lucien Favre (61) dieses und andere Ziele nicht erreichbar sind.

Vermutlich wird die Schönrednerei und das westfälisch-sture Festhalten an dem nicht minder dickköpfigen Schweizer, der in Mailand mal wieder seinen gewohnt unefffektiven Musterschüler Mo Dahoud reingeworfen hat und Weltmeister Mario Götze 90 Minuten draußen lässt, ewig so weiter gehen.

Der Blick auf die kommenden Aufgaben beim BVB könnte allerdings Bewegung in die Dortmunder Stillstands-Verwaltung bringen. Schalke im Derby auswärts, dann Pokal-Heimspiel gegen Gladbach (Zur Erinnerung: Auch im letzten Jahr scheitert Dortmund mit Favre in einem Pokal-Heimspiel an Werder Bremen…), Wolfsburg, Inter, die Bayern… ein leichtes Programm sieht anders aus.

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José Mourinho vor dem Champions-League-Halbfinale 2013 mit Real Madrid auf dem Rasen des Dortmunder Signal Iduna Parks.
José Mourinho vor dem Champions-League-Halbfinale 2013 mit Real Madrid auf dem Rasen des Dortmunder Signal Iduna Parks. Foto: Imago Images / Copyright: imago/Contrast

Die Zeitschrift SPORT BILD hat nun am Mittwoch und vor dem Spiel in Mailand eine waghalsige Alternativlösung präsentiert.

,,Falls Favre scheitert“… heißt es dort. Die Frage ist nur: Ist Favre nicht schon längst gescheitert mit seinem oft leicht durchschaubaren Offensivspiel, den ewigen Abwehrmängeln und dem fehlenden Punch vor dem Tor?

SPORT BILD nennt neben dem schwäbischen Fußball-Professor Ralf Rangnick (61) vor allem José Mourinho (56) als potenziellen Nachfolger für den Schweizer Taktik-Tüftler. Seit seinem ,,Aus“ bei Manchester United hat der Portugiese, der sich selbst völlig unbescheiden ,,The Special One“ nennt, viel Zeit. Kein Wunder: mit 22,2 Mio. Euro Abfindung lässt sich die Freizeit angenehm gestalten. Unter anderem so: ,,BVB-Boss Watzke und Mourinho telefonieren regelmäßig miteinander“, berichtet SPORT BILD am Mittwoch. ,,Nach SPORT BILD-Informationen ist Mourinho ein Kandidat auf die Nachfolge von Lucien Favre, Vertrag bis 2021, wenn der Schweizer den BVB nicht wieder in die Erfolgsspur führt.“ Danach sieht es, Gladbach-Sieg hin oder her. derzeit nicht aus. Favre arbeitet in den nächsten Spielen auf Bewährung. Dass Mourinho einem Job beim BVB nicht ganz abgeneigt ist, verrät er in einem anderen Interview mit SPORT BILD: ,,Ich finde die Bundesliga wirklich interessant und ich bewundere die Arbeit des BVB und seinen Versuch, mit einem Giganten wie Bayern zu konkurrieren.“ SPORT BILD am Mittwoch: ,,Anders als Favre kann Mourinho mit seiner selbstbewussten Art die Stimmung in und um den Verein steuern – positiv wie negativ.“

Das ist ein gigantisches Sandkastenspiel. Alles sehr vage. Es wäre, wie SPORT BILD befindet, ,,die größte Lösung“ für den BVB. Einen Welttrainer im Pott? Das hat es nur einmal gegeben – 1997/98 mit Nevio Scala. Würde Mourinho zum BVB passen? Von den Gehaltsvorstellungen eher nicht. Als Trainer und Mensch nur, wenn der CL-Sieger von 2004 und 2010 sich nicht ständig mit den Medien und den Klubchefs anlegt. In Manchester gilt er als Symbol der Unnahbarkeit. Er schulmeistert und beleidigt Journalisten, geht auf Schiedsrichter los. In Diensten des FC Chelsea überwirft er sich auch mit der Team-Ärztin. Das ,,Aus“ bei Manchester United im Dezember – ausgerechnet nach einem 1:3 gegen den FC Liverpool und Jürgen Klopp – hat ihm den Stempel ,,schwer vermittelbar“ eingebracht. Wie BILD am Mittwoch berichtet, soll der mehrsprachige Ex-Übersetzer von Sir Bobby Robson (spricht fließend Portugiesisch, Spanisch, Englisch, Italienisch, Französisch) bei Benfica Lissabon schon fleißig Deutsch lernen. Ein Satz bleibt aber haften: Favre arbeitet auf Bewährung…

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