BVB gegen FC Bayern München: Diese 5 Duelle schrieben Geschichte

Es ist das Spiel, auf das die gesamte Fußballwelt zu blicken scheint. Borussia Dortmund gegen FC Bayern München, der deutsche Klassiker, der den Saisonausgang schon am 11. Spieltag prägen kann. Wenn der BVB den FC Bayern am Samstag empfängt, treffen sich nicht nur die beiden Teams, die die Bundesliga seit einem Jahrzehnt prägen. Der „deutsche Clasico“ weckt auch viele Erinnerungen an unvergessene Duelle zwischen diesen beiden Rivalen.

Vier Punkte Vorsprung hat Borussia Dortmund vor dem FC Bayern. Ein Sieg im Heimspiel gegen den Rekordmeister – und der BVB würde dem Rivalen erst einmal enteilen. Das ist aber nur eine von unzähligen Geschichten rund um dieses Spiel am Samstag, das von vielen Medien als „deutsches Clasico“ überzeichnet wird. Eine derart tiefe und vielschichtige Rivalität wie in Spanien mit dem FC Barcelona und Real Madrid bildet die Partie Dortmund gegen Bayern nämlich nicht.

Kann sie auch nicht. Barca gegen Real, da steckt auch die große politische Dimension Spaniens drin. Für BVB gegen den FC Bayern gilt das nicht. Seit den 1970er-Jahren haben viele Klubs am Thron der Münchner gerüttelt. Von 1969 bis 1977 finden wir nur 2 Namen, die in die DFB-Meisterschale eingraviert werden: FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach. Der 5-fache Deutsche Meister aus Mönchengladbach verliert den Status des „Bayern-Jägers“ in den Achtzigern an die Nordklubs Hamburger SV und Werder Bremen. Die „Roten Teufel“ vom 1. FC Kaiserslautern nehmen die Bayern in den 90er-Jahren 2-mal auf die Hörner. Wirklicher Rivale – und das spüren alle in Fußball-Deutschland – ist aber ab 1994 ein Klub, der mit UEFA-Cup-Millionen aus der Saison 1992/93 gestählt sich anschickt, die zweite Kraft in der Liga zu werden: Borussia Dortmund.

Der BVB holt – kurioserweise mit Schützenhilfe der Bayern – 1995 seinen ersten Meistertitel in der Bundesliga. Die Saison darauf wird das erste, spektakuläre Duell zwischen den Dortmundern und den Münchnern. Die Westfalen triumphieren. Sie machen die Titelverteidigung ausgerechnet im Olympiastadion gegen Bayerns Stadtrivalen 1860 München klar – und demütigen den Primus.

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Thomas Tuchel und Ousmane Dembélé sorgten 2017 mit dem Halbfinal-Erfolg im DFB-Pokal für den letzten BVB-Triumph gegen den FC Bayern (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)
„Weder Kaiser noch Könige, noch Elefanten konnten die Meisterschale nach München zurückbringen“, fabuliert ein siegestrunkener BVB-Boss Dr. Gerd Niebaum bei der Meisterfeier am Dortmunder Friedensplatz. Der Startschuss für eine Rivalität, die bis 2003, bis zum Beinahe-Finanzcrash des BVB, und seit 2010/2011 nicht nur die Fans in Deutschland in Atem hält. Allein 5 Duelle schrieben in den letzten 20 Jahren deutsche Fußballgeschichte.

2011: Klopp und sein Kindergarten nageln Bayern an die Wand

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Mit Vollgas durch die Allianz Arena: Borussia Dortmund und Jürgen Klopp (r.) 2011. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
Jürgen Klopp wirkt als Trainer von Borussia Dortmund ab 2008 wie ein Naturereignis. Der gebürtige Stuttgarter bringt den leck geschlagenen Traditionsklub wieder auf Kurs.

Mit seinen jungen Wilden um den vom FC Bayern geholten Mats Hummels, Mario Götze – auch er wird später die Fronten wechseln -, Marcel Schmelzer, Nuri Sahin und Kevin Großkreutz stürmt „Kloppo“ in der Saison 2010/2011 die Liga. „Dieser Kindergarten“, ist er von der eigenen Offensivpower überrascht, „nagelt durch die Liga, als gäbe es kein Morgen.“

Schon vor dem direkten Duell in der Rückrunde am 26. Februar 2011 hat Dortmund 15 Punkte (!) Vorsprung auf den noch amtierenden Meister aus München. Die Borussia schafft das, was ihr seit dem 12. Oktober 1991 nicht mehr gelungen ist: Sie gewinnt ein Bundesliga-Spiel in München.

Der BVB erobert mit 3:1 die 2005 eingeweihte Allianz Arena. Lucas Barrios, Sahin und Hummels sorgen mit ihren Toren schon nach 60 Minuten für die Entscheidung. „Als wir das letzte Mal hier gewonnen haben, wurden die meisten meiner Spieler noch gestillt“, freut sich Klopp. Am 32. Spieltag löst er mit Dortmund die Bayern als Meister ab.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

2001: High Noon im Westfalenstadion

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Freid Bobic kann es nicht glauben: Wie kann dieser Freistoß bei Oliver Kahn landen? (Photo by Bongarts/Getty Images)

Die Saison 2000/2001 wird unter dem in den deutschen Sprachgebrauch eingegangenen Motto „Weitermachen, immer weitermachen“ von Bayerns Torhüterlegende Oliver Kahn für immer in Erinnerung bleiben. Der „Torwart-Titan“ treibt die Münchner mit seinem unglaublichen Willen zur Meisterschaft und zum Champions-League-Sieg.

Und er hat am 7. April 2001 auch noch das Exklusivrecht auf eines der „Fotos der Saison“. Es ist die geballte Kahn-Faust vor der Dortmunder Nordtribüne, wo die mitgereisten Bayern-Fans schon die Freudenfeuer gezündet haben.

In Dortmund läuft die Nachspielzeit. Es steht 1:1. Ein Ergebnis, das nur den Bayern hilft. Gewinnt die Borussia, springt sie auf Rang eins. Es gibt noch einen Freistoß. BVB-Regisseur und Filigrantechniker Tomas Rosicky tritt an. Der Ball hat viel Effet, auf der brodelnden BVB-Südtribüne gegenüber warten alle Fans auf den Einschlag und auf den erlösenden Jubel. Die Kugel klatscht an den Innenpfosten und springt von dort zurück ins Feld – und in die Arme von Oliver Kahn. „Dat is halt der Bayern-Dusel“, entfährt es den entsetzten Dortmunder Fans.

Die können auch ohne Tabellenführung sicher sein, das vielleicht denkwürdigste Spiel gegen die Bayern seit Jahren gesehen zu haben. Schiedsrichter Hartmut Strampe (Handorf) entgleitet die Partie im Hexenkessel vor 68.600 Zuschauern im Westfalenstadion gänzlich. Er zeigt 9-mal Gelb und 3-mal Gelb-Rot bzw. Rot. Nie gibt es in einem Spiel zwischen BVB und Bayern mehr Karten als in diesem. Bayern-Superstar Stefan Effenberg, Weltmeister Bixente Lizarazu und BVB-Brasilianer Evanilson müssen gehen. Auf dem Weg zum Spielertunnel muss vor allem Effenberg mit Regenschirmen geschützt werden.

 

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11. April 2012: Lewandowskis Hacke

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Titel-Showdown, die nächste! Am 30. Spieltag der Saison 2011/2012 ist wieder Zeit für den Klassiker. Dortmund gegen Bayern. Ein BVB-Erfolg im Signal Iduna Park – und die Klopp-Elf steht 6 Zähler vor dem Rekordmeister.

Die Spannung rund um diese Partie kann man förmlich mit Händen greifen. Schiedsrichter Knut Kircher (Rottenburg) erfährt eine unschöne Begrüßung. „Guten Tag, Herr Kircher“, scherzt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke vor dem Spiel bei der Platzbegehung, „Sie sind ja als Bayern-Fan bekannt.“

Eine schöne Schelle für den Schwaben, der die anschließenden, hoch brisanten 90 Minuten jedoch souverän über die Bühne bringt. Es dauert bis zur 77. Minute, ehe Robert Lewandowski in Dortmund das Dach wegfliegen lässt. Der polnische Torjäger des BVB (22 Saisontreffer) bugsiert den Ball mit der Hacke vorbei an Manuel Neuer ins Bayern-Tor.

Die Münchner haben aber noch einen im Köcher. In der Nachspielzeit holt BVB-Torhüter Roman Weidenfeller Bayern-Star Arjen Robben von den Beinen – Elfmeter. Der schwach geschossene Strafstoß landet wie eine Rückgabe in den Armen des Keepers. Aus, vorbei, Dortmund wird Meister.

Elfmeterschießen ums Finale

Es ist der 28. April 2015. Der Abschied von Jürgen Klopp als Trainer von Borussia Dortmund ist bereits beschlossene Sache. Im Pokal-Halbfinale beim bereits als Meister feststehenden FC Bayern München hat der scheidende BVB-Coach aber noch eine Chance.

Das scheinen Klopps Spieler nicht zu realisieren. Sie sind durchweg in der Defensive. Der FC Bayern bringt den unter Coach Pep Guardiola perfektionierten Ballbesitz-Fußball aber nur zu einem mageren 1:0 durch den inzwischen für den FCB stürmenden Robert Lewandowski. Dessen Nachfolger in Dortmund, Pierre-Emerick Aubameyang, erzielt nach 75 Minuten den schmeichelhaften Ausgleich.

Es ist der Auftakt zu einem unglaublichen Drama. Nach 120 Minuten haben die in Unterzahl agierenden Dortmunder ein 1:1 über die Zeit gebracht. Was dann folgt, wird als die Slapstick-Nummer in die Geschichte dieser beiden Rivalen eingehen. Die Bayern verschießen in Person der beiden Weltmeister Philipp Lahm und Xabi Alonso 2 Elfmeter.

Beide rutschen beim Schussversuch weg. Ilkay Gündogan und Sebastian Kehl treffen für die Dortmunder vom Punkt – und als mit dem Ex-BVB-Star Mario Götze und Manuel Neuer zwei weitere Bayernprofis verschießen, ist die Sensation perfekt. Der BVB fährt nach Berlin zum Finale gegen den VfL Wolfsburg.

Wembley: Der deutsche Klassiker in der Fußball-Oper

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Kein Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern ist legendärer als das „deutsche Finale“ in der Champions League am 25. Mai 2013 im Londoner Wembley-Stadion. Eine bis heute und wohl auf lange Sicht einmalige Konstellation.

Eine Show mit Rittern, die die Wappen beider Rivalen auf den Schilden tragen und die in Fantasie-Uniformen gepressten Klublegenden Paul Breitner und Lars Ricken bei der Präsentation des Pokals lassen schon vorm Anpfiff erahnen, dass an diesem Tag nicht mit roter Farbe geschossen wird.

Die Dortmunder haben im Fußballtempel von Wembley die besseren Chancen. Das Tor, das die Blockade in diesem Spiel löst, machen aber die Bayern. Mario Mandzukic trifft nach 60 Minuten für die Münchner. Die Borussia bleibt die Antwort nicht schuldig: Ilkay Gündogan nutzt einen Foulelfmeter nur acht Minuten später zum Ausgleich.

Dabei bleibt es bis kurz vor Schluss. Einen Ball von Franck Ribéry chipt Robben, der Mann des Spiels, in der 89. Minute an Roman Weidenfeller vorbei ins BVB-Tor. 2:1, die Bayern sind erstmals seit 2001 wieder Champions-League-Sieger. „Robbeeeeeen“, entfährt es TV-Kommentator Marcel Reif. Die Bayern krönen diese unglaubliche Saison eine Woche mit dem 3:2-Erfolg im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart mit dem historischen „Triple.“