FC Bayern: Vor 25 Jahren – ,,Kaiser“ Franz Beckenbauer interviewt ,,König“ Johan Cruyff


Für Johan Cruyff (1947 - 2016) war es in München selten gemütlich...
Für Johan Cruyff (1947 - 2016) war es in München selten gemütlich... Foto: Imago Images / Copyright: imago/Kicker/Liedel

Am 19. Oktober 1994 erleben die Zuschauer bei RTL eine Sternstunde des deutschen Fußball-Fernsehens.

Der Privatsender aus Köln hat sich 1992 und über einen sehr langen Zeitraum die Senderechte für die neu gegründete Champions League gesichert. Dass im ersten Jahr kein deutscher Verein – Meister VfB Stuttgart scheitert im Entscheidungsspiel an Leeds United und Erich Cantona – dabei ist, stört die RTL-Macher nicht. Es gibt ja noch den Sieger der Premieren-Saison 1992/92, Olympique Marseille mit dem deutschen Publikumsliebling Rudi Völler.

Als Experten verpflichten die Kölner nicht irgendeinen, sondern sie holen ihn: Franz Beckenbauer, damals 48, ,,Kaiser“, ,,Lichtgestalt“, 2-maliger Weltmeister und auch sonst die Gesetzgebung des deutschen Fußballs. 1994 wird Beckenbauer auch noch Präsident seines FC Bayern München. Egal, was du in diesen Tagen versuchst, aber du kommst an Beckenbauer nicht vorbei. Es gibt nicht wenige Zeitgenossen, die sagen, Beckenbauer hätte in jener Zeit locker Bundeskanzler werden können, so hoch sind seine Popularitätswerte.

Kein Wunder: Beckenbauer ist in den 1990er-Jahren omnipräsent. Fast, so hat man den Eindruck, gehört das Fußball-TV ihm persönlich… Im ZDF, bei RTL, bei SAT 1, beim 1991 ins Leben gerufenen Pay-TV-Sender premiere, damals noch in Hamburg ansässig – Wo der Ball rollt, da ist Beckenbauer nicht weit.

Hätten Sie ihn erkannt? Pep Guardiola (l.) vom FC Barcelona am 19. Oktober 1994 im Champions-League-Spiel bei Manchester United (2:2) gegen Lee Sharpe.
Hätten Sie ihn erkannt? Pep Guardiola (l.) vom FC Barcelona am 19. Oktober 1994 im Champions-League-Spiel bei Manchester United (2:2) gegen Lee Sharpe. Foto: Imago Images / Colorsport

Beckenbauer bei RTL - Sternstunden des deutschen Fußball-TV!

Franz Beckenbauer (m.), hier vor dem Viertelfinal-Rückspiel FC Bayern gegen Manchester United (2:1) am 18. April 2001 in München mit den RTL-Kollegen Günther Jauch (l.) und Marcel Reif, kritisierte seine Stars in dieser Champions-League gleich von zwei Fronten aus... als Präsident und als RTL-Experte...(Photo by Sandra Behne/Bongarts/Getty Images)
Seine Analysen (,,Manchester United ist eine Kampfmaschine, aber auch technisch stark“ / ,,Vergessen wird man des net, es sei denn, man hat praktisch Alzheimer oder sowas“) bleiben irgendwie hängen.

Es ist die erste Champions-League-Saison mit ,,seinem“ FC Bayern, aber so wirklich gefallen will ihm das, was die Mannschaft von Trainer-Maestro Giovanni Trapattoni in ihrer ersten Spielzeit in der ,,Königsklasse“ anbietet, nicht wirklich. ,,Man hat Angst vor Ballverlusten und ist viel zu passiv“, sagt er nach dem minimalistischen 1:0-Erfolg der Münchner gegen Dynamo Kiew am 2. Spieltag.

Fußball-Laie und Beckenbauer-Freund Thomas Gottschalk, in diesen Tagen auch bei RTL mit der nach ihm benannten ,,Late Night“ unterwegs – unter anderem wird Frankfurt-Star Maurizio Gaudino im Anschluss an eine Sendung verhaftet – hat da eine andere Meinung. Jedenfalls eine andere als die Kaiserliche. ,,Ich finde es enorm, dass man sich über ein solches Spiel noch so lange hin- und her unterhalten kann“, wundert sich Tommy anschließend. Oder, wie er selbst sagen würde: ,,Mei Liwwer!“

Ein echtes Glanzstück liefert der Fußball- und Medienkaiser Beckenbauer dann am 3. Spieltag der ,,Königsklasse“.

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Champions League 1994/95: Das Viertelfinal-Hinspiel des FC Bayern München (mit Marcel Witeczek) gegen den IFK Göteborg (0:0) war ein absoluter Langweiler...

Keine Satire: Beckenbauer und Cruyff verabreden sich im Interview zum Golf

Johan Cruyff und Franz Beckenbauer; Mandatory Credit: David Cannon/Allsport
Johan Cruyff und Franz Beckenbauer; Mandatory Credit: David Cannon/Allsport

Damals gilt die Devise: Interviews mit Beckenbauer-Freunden sind Chefsache.

Das bedeutet: Wenn kaiserliche Freunde – natürlich nicht die aus Kaiserslautern – live zugeschaltet sind, übernimmt der Franz. Das tut er auch bei seinem Freund Johan Cruyff (1947 – 2016). Der Niederländer, mit dem Beckenbauer u. a. im WM-Finale 1974 in München die Klingen gekreuzt hat, ist als Trainer des FC Barcelona erfolgreich. Schon 1989 holt er mit ,,Mes que un Club“ den Europapokal der Pokalsieger. In der letzten Saison vor Einführung der Champions League hat Cruyff mit den Katalanen den Europapokal der Landesmeister gewonnen.

Nun gastiert er mit ,,Barca“ und einem jungen Mittelfeld-Allrounder namens Pep Guardiola im ,,Theater der Träume“, im Old Trafford bei Manchester United. Auf ,,Barca“-Seite kommt auch Cruyffs Sohn Jordi für 22 Minuten zum Einsatz. United und ,,El Gigante“ trennen sich 2:2. Grund genug für Beckenbauer, um nachzuhaken. Es geht los mit Nettigkeiten. ,,Ich weiß, du bist Perfektionist“, lobt Beckenbauer los, ,,du bist nie ganz zufrieden, obwohl: Mit einem 2:2 in Manchester kann man zufrieden sein.“ Cruyff: ,,Ja das Resultat ist gut. Aber muss ich jetzt sagen: Herr Präsident, oder was?“ Beckenbauer: ,,Nein, nein, noch nicht! Wer zu mir Herr Präsident sagt, wird entweder entlassen, oder er ist mein Freund gewesen – du kannst es dir aussuchen, Johan!“

Stimmt: Die richtige Anrede ist Herr Kaiser… aber lassen wir das! Cruyff ist dennoch irritiert von den neuen Berufswegen seines Freundes Franz Beckenbauer: ,,Jetzt hast du wohl weniger Zeit zum Golfspielen, nicht?“ – ,,Ja, es wird ein bisschen weniger werden“, gibt Beckenbauer unumwunden zu. Termine, Termine – und dann muss man natürlich auch über Fußball sprechen. Aber er versichert: ,,Ich komm dann hin und wieder nach Barcelona!“ – ,,Ja, natürlich, ich ruf dich an“, sagt Cruyff. Eine Frage zum Sportlichen darf es für Beckenbauer noch sein, dann grätscht Günter Jauch dazwischen. Klingt alles wie ne Satire, ist aber keine…

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