Corona: Lorenzo Sanz – Tod eines Fußball-Machers


Der Corona-Virus hat nun auch sein erstes prominentes Opfer aus dem Fußball-Geschäft. Der ehemalige Präsident von Real Madrid, Lorenzo Sanz, ist im Alter von 76 Jahren an den Folgen von COVID-19 verstorben.

Sanz hat Real Madrid in den Jahren 1995 bis 2000 geführt. In dieser Phase ist es ihm gelungen, mit 2 Champions-League-Titeln die exponierte Stellung des Klubs in Europa wieder zu erlangen.

Der Gewinn der Champions League 1998 gegen Juventus Turin (1:0) in Amsterdam, unter anderem mit dem deutschen Coach Jupp Heynckes und Torhüter Bodo Illgner, ist für ,,die Königlichen” der erste Erfolg im Meister-Wettbewerb seit 1966.

,,Mein Vater ist gerade verstorben”, schreibt sein Sohn, Lorenzo Sanz junior, am Samstagabend bei Twitter, ,,er hat es nicht verdient, auf diese Weise zu sterben, er war einer der besten, mutigsten und hart arbeitenden Menschen, die ich in meinem Leben gekannt habe. Seine Familie und Real Madrid waren alles für ihn.”

Lorenzo Sanz Real Madrid 2000
Nach dem 3:0-Erfolg gegen den FC Valencia im Champions-League-Finale 2000 in Paris umarmt Lorenzo Sanz Nicolas Anelka (mit dem Pokal). Foto: Imago Images / PanoramiC

,,Don Jupp" trauert um ,,noblen" Ex-Präsidenten von Real Madrid

Jupp Heynckes erlebte als Trainer auch schwierige Zeiten. Foto: Getty Images
Jupp Heynckes erlebte als Trainer auch schwierige Zeiten. Foto: Getty Images
Sanz hat sich seit Dienstag auf einer Intensivstation in Madrid befunden. Neben dem Corona-Virus hat der Bauunternehmer und Immobilienmakler auch an einer Nieren-Krankheit gelitten.

Jupp Heynckes (74) erinnert sich am Sonntag in der Süddeutschen Zeitung an Lorenzo Sanz: ,,Er und seine Familie waren sehr nobel, in den Tagen nach dem Sieg damals in Amsterdam erkrankte meine Frau, und die ersten am Krankenbett waren Lorenzo Sanz und seine Frau. Frau Sanz bot an, bei meiner Frau im Krankenzimmer zu übernachten. Das ist etwas, was wir nie vergessen haben und nie vergessen werden.”

Vor dem Hintergrund dieser Erinnerung sagt Heynckes, dass es ,,eine Tragödie ist, dass die Angehörigen sich in Italien und Spanien nicht von ihren Lieben verabschieden können.”

Lorenzo Sanz, der Ex-Präsident von Real Madrid, wird auf der Intensivstation als der Corona-Tote Nummer 1.422 in Spanien geführt. Er muss alleine sterben, wie es das Protokoll in diesen zunehmend inhumanen Zeiten verlangt.

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Sanz holte Stars en Masse

Lorenzo Sanz FC Bayern München Real Madrid März 2000
Lorenzo Sanz (3. v. l.) am 8. März 2000 beim letzten Champions-League-Spiel von Lothar Matthäus (2. v. r.) mit dem FC Bayern München gegen Real Madrid (4:1) mit Franz Beckenbauer (r.), Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Fritz Scherer (2. v. l.). Foto: Imago Images / Sven Simon

Für Lorenzo Sanz geht mit der Wahl zum Präsidenten von Real Madrid 1995 ein Traum in Erfüllung.

Als Nachfolger von Ramón Mendoza geht er die Herkules-Aufgabe bei den ,,Königlichen”, die seit 1986 (UEFA-Cup) ohne internationalen Titel sind, an. ,,Anders als Mendoza glaube ich nicht, dass ein Präsident dieses Klubs wichtiger wäre als ein Minister der Regierung, aber ich habe einen meiner Träume realisiert, und heute ist einer der glücklichsten Tage meines Lebens”, sagte er nach seiner Wahl.

Sanz galt als “Selfmademan”, der es als Sohn eines Mannes, der sich mal als Preisboxer, dann wieder als Schreiner und Wächter im Retiro-Park verdingte, zum Multimillionär gebracht hat. Nach seiner Zeit als Präsident bei Real, die im Jahr 2000 endete, schlittert er fast in den finanziellen Ruin. Er kauft den FC Málaga, wird 2008 unter Betrugsverdacht festgenommen, 10 Jahre später wegen Steuerhinterziehung zu 3 Jahren Haft verurteilt, das Gefängnis bleibt ihm allerdings erspart.

Unter Sanz’ Regie kommen wieder die ganz großen Stars nach Madrid: Bodo Illgner, Christian Panucci, Roberto Carlos, Clarence Seedorf oder Davor Suker , später Weltmeister Christian Karembeu, Fernando Morientes, Nicolas Anelka, Steve McManaman, Míchel Salgado und Iván Helguera.  ,,Er war der Präsident, der die Copa de Europa für Real Madrid zurückeroberte”, wie die Sport-Zeitung Marca am Sonntag titelt.