Copa América: Brasiliens Superstar Neymar ist schon vorab der Verlierer!


Neymar verletzte sich beim 2:0-Testspielsieg Brasiliens gegen Katar in Brasilia und wird die Copa America 2019 verpassen... (Photo by Buda Mendes/Getty Images)

Pelé (78) ist müde geworden. ,,O Rei“ (Dt.: Der König), 3-maliger Weltmeister und unumstrittenes Fußball-Idol in Brasilien, hat keine Lust mehr, seinen selbst ernannten Nachfolger zur Seite zu stehen.

Gemeint ist Neymar (27), teuerster Fußballer aller Zeiten, von Paris St.-Germain. Bei PSG ist der begnadete Flügelstürmer längst zum Skandal-Profi mutiert. Vergewaltigungs-Vorwürfe, Tätlichkeiten gegen einen Fan, Korruption und vieles mehr, ersparen wir uns die Einzelheiten! Die Neymar-Welt ist nicht mehr so bunt, wie sie der Brasilianer seinen Fans über diverse Social Media Kanäle vorgaukelt.

,,Es ist schwierig geworden, Neymar zu verteidigen“, sagt Pelé, ,,nach allem, was er außer Fußballspielen macht. Ich bin mit ihm in Europa 2-mal zusammengekommen und ich habe ihm gesagt: Junge, dieses Talent hat Dir Gott gegeben. Aber was du angestellt hast, macht die Sache kompliziert.“

Pelé, in den 1950er-Jahren und bis zu seinem Abschied aus der ,,Selecao“ (1971) der mit Abstand beste und begehrteste Spieler der Welt, gilt in seiner gesamten Karriere als skandalfreier, stets integrer Profi. Gut, das sind andere Zeiten. Es gibt keine Handys, kein Internet und nur wenige Fußball-Medien.

George Best zusammen mit Pele im April 1978. Foto: Getty Images
George Best zusammen mit Pele im April 1978. Foto: Getty Images

An Brasiliens Legenden Pelé und Zico wird Neymar nie herankommen

Unter Beschuss: Brasiliens Superstar Neymar. (Photo by Buda Mendes/Getty Images)
In den Glanzzeiten des Arthur Antunes Coimbra, genannt Zico, sieht das schon anders aus. Der heute 66-jährige ,,weiße Pelé“ buhlt in den 1980er-Jahren mit dem Argentinier Diego Armando Maradona um den Titel des Größten der Fußballwelt.

Obwohl Fußball schon längst Massensport und Riesen-Geschäft ist, die Medienlandschaft eine andere ist, bleibt auch Zico (,,Ein schöner Freistoß ist wie ein Bild eines großartigen Malers“) von Skandalen verschont. Oder: Spieler wie er und Pelé leben einfach professioneller! Umso mehr ärgern Zico heute Neymars Eskapaden. ,,Neymar muss sich mehr auf das Professionelle im Fußball konzentrieren“, geißelt der WM-Dritte von 1978 den zerbrechlichen Fußball-Heiland, ,,er muss etwas Wichtiges gewinnen.“

Davon scheint Neymar im Moment meilenweit entfernt. Vor dem Start der Copa América im eigenen Land sind seine Popularitätswerte und die der ,,Selecao“ im Keller. In der französischen Ligue 1 ist er nach einem Ausraster im Pokalfinale gegen Stade Rennes durch das Sportgericht für 3 Pflichtspiele gesperrt. Ob er nach der Sommerpause noch einmal in Paris auftauchen wird, ist derzeit völlig offen. Die Copa in Brasilien wird er nach einem Bänderanriss im Sprunggelenk, zugezogen im Testspiel Brasiliens gegen Katar (2:0), verpassen.

Südamerikas größtes Turnier für Nationalmannschaft ist ohnehin nicht die Angelegenheit des Neymar jr. Seine Copa-Premiere geht im Juni 2015 in Chile ebenso daneben wie ein Jahr zuvor die WM im eigenen Land, die er ohne eigenes Verschulden nach dem Viertelfinale mit Wirbel-Verletzung beenden muss. Bei der Copa ist das anders. Neymar schießt einem Gegenspieler aus Wut den Ball an den Rücken, sieht nachträglich Rot und wird für 4 Spiele gesperrt – das ,,Aus.“

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Brasilien ohne Neymar am Ende besser?

Philippe Coutinho, hier im WM-Viertelfinale 2018 gegen Belgien und Youri Tielemans (l.), könnte Brasiliens ganz großer Hoffnungsträger bei der Copa im eigenen Land sein.
Philippe Coutinho, hier im WM-Viertelfinale 2018 gegen Belgien und Youri Tielemans (l.), könnte Brasiliens ganz großer Hoffnungsträger bei der Copa im eigenen Land sein. (Photo by Catherine Ivill/Getty Images)

Pelé und Zico sind in ihrer Karriere skandalfrei geblieben. Aber: Beide Fußball-Legenden haben – wie Neymar – nie die Copa América gewinnen können.

Dass der Superstar nun erneut durch Abwesenheit glänzt und wie sein argentinischer Rivale Lionel Messi (32) im Jahr 2008 einzig die Olympische Goldmedaille (2016) als Erfolg mit der Nationalmannschaft vorweisen kann, ist für die hohen Ansprüche des Neymar, seine astronomische Ablöse von 220 Mio. Euro und den Hype, der beinahe täglich um ihn tobt, einfach zu wenig.

Für die brasilianische Nationalmannschaft muss es kein Nachteil sein, dass man am Samstag gegen Bolivien in Sao Paulo nun ohne Neymar ins Heim-Turnier startet. Bei der 7:0-Generalprobe gegen Honduras spielt das Team von Nationalcoach Tité (58) wie befreit auf.

,,Ich erwarte ein gestärktes Brasilien“, sagt Torhüter-Legende Julio César, 2014 Pechvogel beim 1:7 im WM-Halbfinale gegen Deutschland, ,,und ich hoffe, dass der Ausfall von Neymar das Team nicht allzu sehr schwächt.“ Thiago Silva sieht in Philippe Coutinho vom FC Barcelona einen neuen und vor allem skandalfreien Hoffnungsträger der Brasilianer: ,,In beiden Testspielen war Philippe der Beste, er hat sein Glück wiedergefunden.“

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