Die größten Ultra- und Fan-Rivalitäten der Bundesliga


DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Fanfeinde 21 – 23: Von Franken und Bayern

21. 1. FC Nürnberg – Der Feind sitzt um die Ecke, in Bayern und in Hessen

2005: Anti-Bayern-Choreographie in der Fankurve des 1. FC Nürnberg.
2005: Anti-Bayern-Choreographie in der Fankurve des 1. FC Nürnberg. Foto: Imago Images / Action Pictures

Der 1. FC Nürnberg pendelt regelmäßig zwischen der 1. und der 2. Bundesliga.

1996/97 firmierte der stolze „Club“ sogar in der drittklassigen Regionalliga. Die Rivalität zu den Münchner Bayern schien plötzlich Lichtjahre entfernt.

Dass sie nie wieder die Intensität der frühen Bundesliga-Jahre – auf dem Weg zum Meistertitel 1968 „batschte“ der „Club“ die Emporkömmlinge aus München mit 7:3 (3:0) – erreichte, lag im Wesen der „Glubberer“. Sie gingen immer meist einen Schritt vor, um dann direkt wieder 2 Schritte zurück zu gehen.

Und wenn man mal zu erfolgreich gewesen ist, dann folgte sofort die große Katastrophe. Deshalb ist der „Glubb“-Fan auch der einzige Fan in der Bundesliga, der so richtig Angst davor hat, wenn sein Verein mal einen Titel holt. Denn dann steigt der Verein in der Folgesaison ab – so geschehen 1969 als amtierender Deutscher Meister – und 2008 als DFB-Pokalsieger.

1999: Ein „abgekartetes Spiel“ zementiert die Feindschaft mit Frankfurt

Daneben hat es der häufiger mal übellaunige Fan gar nicht gern, wenn er als Nordbayer bezeichnet wird und man sich über seine Sprache mit den fehlenden Buchstaben (P, K, etc.) lustig macht. Da das aber doch einige tun, sitzt der Stachel tief und ist die Fanrivalität groß. Vor allem, wenn es gegen den übermächtigen FC Bayern geht. Und gegen die Nachbarn aus Fürth. Neben diesen regionalen Fanfeindschaften gibt es aber seit 1999 auch ein Ereignis bezogene Fanfeindschaft. Die zu Eintracht Frankfurt.

Vor dem letzten Spiel der Saison 1998/99 schien der 1.FC Nürnberg als Tabellenzwölfter gerettet, doch am Ende stiegen die Franken doch noch ab. Denn Eintracht Frankfurt gewann seine letzte Partie 5:1 gegen den 1.FC Kaiserslautern und schickte die Nürnberger, die 1:2 zu Hause gegen den SC Freiburg verwachsten, dank des Übersteiger-Tores von Jan Age Fjörtoft in letzter Minute doch noch in die 2. Liga. Die entsetzten „Club“-Fans sprachen auf der Tribüne von einem „abgekarteten Spiel“. Einer forderte gar martialische Konsequenzen für die FCN-Versager: „Abg’schlacht g’herrn die!“ Dieser 29. Mai 1999 ist für Frankfurt und Nürnberg ein unvergesslicher Tag und blieb im kollektiven Gedächtnis der beiden Fangruppen. Umso mehr, als der 1. FC Nürnberg in der Relegation 2015/2016 eben genau an der Eintracht aus Frankfurt scheiterte.

Das legendäre Tor: Mit diesem Treffer per Übersteiger besiegelte Jan Aage Fjörtoft (m.) gegen den 1. FC Kaiserslautern (5:1) am 29. Mai 1999 im Fernduell mit dem 1. FC Nürnberg den Abstieg des „Club“. Die regionale Fan-Rivalität der Nürnberger und Frankfurter hatte damit auch einen Ereignis bezogenen Aspekt.
Das legendäre Tor: Mit diesem Treffer per Übersteiger besiegelte Jan Aage Fjörtoft (m.) gegen den 1. FC Kaiserslautern (5:1) am 29. Mai 1999 im Fernduell mit dem 1. FC Nürnberg den Abstieg des „Club“. Die regionale Fan-Rivalität der Nürnberger und Frankfurter hatte damit auch einen Ereignis bezogenen Aspekt. Foto: Imago Images

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

22. 1. FC Nürnberg gegen Fürth – das erste „echte“ Derby des deutschen Fußballs?

FCN-Fans im fränkischen Derby bei der SpVgg Greuther Fürth. Wer ist die wahre Nummer 1 in Franken?
FCN-Fans im fränkischen Derby bei der SpVgg Greuther Fürth. Wer ist die wahre Nummer 1 in Franken? Foto: Imago Images / Zink

Das Duell 1. FC Nürnberg gegen SpVgg Greuther Fürth fand seit 1961 insgesamt 44-mal in verschiedenen Wettbewerb statt – aber nur 2-mal in der Bundesliga.

In Fürths einziger BL-Saison 2012/2013 lebte „die Mutter aller Derbys“ in der deutschen Fußball-Eliteliga auf. Mit 1:0 und 0:0 gingen beide Duelle in der Addition an das „Kleeblatt“ aus Fürth. Trotz Abstieg wurde dies auf Fürther Seite euphorisch bejubelt.

Doch woher kommt diese Rivalität? „Nicht-Franken verstehen das nicht. Wie so vieles, was in dem ebenso kernigen wie lieblichen Landstrich zwischen Hessen und Oberbayern so vor sich geht“, schrieb Ulf Poschardt 2009 in der WELT, „selbst Unter- und Oberfranken verstehen nicht, warum die Rivalität zwischen Nürnberg und Fürth derart scharf und unversöhnlich wirkt. Das hat viel mit Geschichte zu tun.“

Genauer gesagt: Mit den Anfangsjahren des deutschen Fußballs. In den 1920er-Jahren gingen 5 deutsche Meisterschaften an den 1. FC Nürnberg (1920, 1921, 1924, 1925, 1927) und 2 an Fürth (1926, 1929), das zuvor schon 1914 den Titel geholt hatte. Fränkische Dominanz zweier Städte, die nur 10 Kilometer auseinander liegen – lange, lange, bevor Bayern München, Gladbach oder Borussia Dortmund die Szenerie betraten.

Das „Frankenderby“ wurde bis 2020 insgesamt 265-mal ausgespielt, so oft wie kein anderes Derby in Deutschland. Mit Start-Vorteil für die Fürther, die als erster der beiden Franken-Rivalen 1914 den Meistertitel gewannen. Die Rivalität der beiden Teams machte auch vor der deutschen Nationalmannschaft nicht halt. 1924 bestand sie nur aus Spielern aus Fürth und Nürnberg, die sich partout weigerten, zum Länderspiel gegen Holland im Amsterdam gemeinsam anzureisen. Der DFB musste die verfeindeten Parteien in 2 getrennten Eisenbahn-Waggons unterbringen und auch im Hotel ging man sich strikt aus dem Weg. Dass das 1:0-Siegtor von einem Fürther erzielt wurde, konnte die Nürnberger in der Startformation nicht begeistern. Sie wandten sich ab, statt zu jubeln und sprachen auch auf der Rückfahrt kein einziges Wort mit ihren Nationalmannschaftskollegen…

23. 1860 München gegen FC Bayern – München ist rot, oder doch nicht?

Freundschaftliche Gesten zwischen Fans von Bayern und 1860 München, wie hier bei der Eröffnung der Allianz Arena im Juni 2005, sind selten.
Freundschaftliche Gesten zwischen Fans von Bayern und 1860 München, wie hier bei der Eröffnung der Allianz Arena im Juni 2005, sind selten. Foto: Imago Images / Bernd Müller

Das Derby 1860 München gegen den FC Bayern haben jüngere Fans nicht mehr wirklich auf dem Radar.

Seit 2019 spielt es sich wieder in der 3. Liga ab – die „Löwen“, der stolze Klub aus München-Giesing, tritt im altehrwürdigen Stadion an der Grünwalder Straße gegen die 2. Mannschaft der Harlachinger an.

Begonnen hat diese Rivalität schon lange vor dem 2. Weltkrieg. Arbeiter gegen Schickeria – und eine, so glauben zumindest einige Historiker, frühe Vereinnahmung des Löwen-Klubs durch die NS-Machthaber als beim FC Bayern. Der TSV 1860 sieht sich als traditioneller „Arbeiterverein“ und als Klub der einfachen Leute – nicht nur in München. Die Bayern gelten als Schickeria-King und Liebling der High Society. Wer dabei sein will, muss Bayern-Fan sein.

Die Grünwalder Straße markiert auch eine Art Trennlinie der Gebiete der beiden Stadtrivalen. Rechts der Grünwalder Straße hat sich mit dem FC Bayern der neben Borussia Dortmund einzige Global Player des deutschen Fußballs etabliert, der Titel-Hamster, Branchenriese und Innovator. Zur Linken: Die ehemalige Nummer 1 der bayerischen Landeshauptstadt, die vom Europapokalfinalisten zur Lachnummer mutierte. Bankrott, 2-mal mit Lizenzentzug bestraft, von 1982 bis 1992 fast ein Jahrzehnt lang durchgängig in der drittklassigen Bayernliga, hat „Sechzig“ seine Vormachtstellung in der eigenen Stadt längst eingebüßt.

Auch in der Bundesliga-Ära unter Werner Lorant waren die „Löwen“ bis auf eine einzige Saison – 2 Derby-Siege 1999/2000 – Kanonenfutter für die großen Bayern.

2017: „Auszugsmarsch“ für 1860 aus der Allianz Arena

Nach dem Umzug vom ohnehin nicht sonderlich beliebten Olympiastadion in die 2005 eingeweihte Allianz Arena kam es sogar noch schlimmer.

Die „Löwen“ wurden im Münchner Fußballtempel zum Untermieter des FC Bayern. Tiefer kannst du als Lokalrivale nicht sinken. Na ja, Hauptsache, das Bier schmeckt.

Einen Seitenhieb auf den Auszug des Erzrivalen im Sommer 2017 konnte sich Bayern-Macher Uli Hoeneß nicht verkneifen: „Wir haben immer gesagt, dass wir die Kapelle bestellen, wenn es soweit ist, und die ist bereits im Anmarsch.“ Nicht im Anmarsch ist 2020 ein neues Derby der Bayern-Profis gegen 1860 München.

Seitevon
<>

Ligalivenet Premium-Dienste

Bayern München Channel

Kostenfreie Top-News und Stories nur zum FC Bayern München. Für Lover und Hater.

Ligalivenet Live-Blog

Kuratierte Fußball-News und Events aus der ganzen Welt. Stündlich aktualisiert.

RB Leipzig Channel

Kostenfreie Top-News und Stories nur zu RB Leipzig. Für Lover und Hater.

WEITER IM BEITRAG

Die größten Ultra- und Fan-Rivalitäten der Bundesliga

Letzte Seite