Der Tag, als: Die Bundesliga am 09. Mai – Als Bayern dem Papst die Schuld gab


Da die Bundesliga-Saison fortgesetzt wird, gibt es heute zum letzten Mal besten Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 09. Mai in der Fußball-Eliteklasse?

Vor 56 Jahren? Die erste Bundesligasaison geht zu Ende, die Entscheidungen sind schon zuvor gefallen. Nun kommen die Fakten auf den Prüfstand. Ein Zuschauerschnitt von 27.610 erfüllt durchaus die Erwartungen, die Torquote von 3,57 wird bis 2020 nur einmal überboten. Auch ein Verdienst von Uwe Seeler, der gegen Nürnberg sein 30. Saisontor schießt und erster Torschützenkönig wird. Ins Tor treffen am letzten Spieltag 1963/64 auch alle drei Weltmeister von Bern: Hans Schäfer (Köln), Helmut Rahn (Meiderich) und Max Morlock (Nürnberg), der bis 1995 mit seinen 39 Jahren ältester Bundesligatorschütze sein wird.

Vor 48 Jahren? Es war ein Experiment, es ging schief. Deshalb endet der Versuch von Werder Bremen „praktisch ohne Trainer auszukommen“ und der als Spielertrainer fungierende Josef Piontek ist nur noch Spieler. Mit Feldwebelnatur Fritz Langner übernimmt vier Spiele vor Schluss ein richtiger Trainer den hanseatischen Sorgenfall – der sechste der Saison 1971/72.

Vor 45 Jahren? Wo Otto Rehhagel ist, ist meist ziemlich weit oben. 1975 können deshalb sogar die Offenbacher Kickers noch Meister werden. Nur dumm, dass sie zuhause gegen Kaiserslautern eine 2:0-Führung noch verspielen (2:2). Otto zürnt über den Last-Minute-Ausgleich durch Seppl Pirrung un schenkt der Presse ein Bonmot: „In so einer Situation muss man den Ball doch einfach Richtung Präsident schlagen.“ Der sitzt für gewöhnlich auf der Tribüne…

Vor 39 Jahren? Im kleinen Revierderby setzt es kräftig Prügel für Schalke 04. Gegen den VfL Bochum kassieren die Königsblauen ihre höchste Bundesligaheimpleite überhaupt (0:6) und planen allmählich für die 2. Liga. „Zum Schluss war es nur noch ein Trainingsspiel“, schreibt der Kicker. Weit dramatischer verläuft das Kellerderby zwischen Arminia Bielefeld und 1860 München, wo der Gast bis zur 88. Minute mit 2:1 führt und doch 2:3 verliert. „Der liebe Gott war in Bielefeld“, jubelt Arminen-Coach Horst Franz.

Papst, Bayern, München
Papst Johannes Paul hält eine Massenaudienz in München ab, darunter leidet der Rasen im Olympiastadion. Als der FC Bayern darauf nur 2:0 gewinnt, ist der Sündenbock schnell gefunden... Copyright: Imago images

09. Mai 1997: Van Lent schießt fast alle Werder-Tore alleine

Van Lent, Bremen
Bremens Arie van Lent, hier im Jubel mit Torsten Frings, trifft beim 3:2 gegen Köln vier Mal, davon einmal ins eigene Tor. Copyright: Imago images

Vor 33 Jahren? Die Bundesliga bekommt einen neuen Sündenbock. Bayern Münchens allzu dürftigen 2:0-Heimsieg gegen Aufsteiger Blau-Weiß 90 Berlin schiebt Verteidiger Norbert Eder im Mai 1987 auf den Papst. Der hat in der Vorwoche eine Massenaudienz im Olympiastadion abgehalten, von der sich der Rasen noch nicht ganz erholt hat. So was traut sich nicht jeder gute Katholik…

Vor 31 Jahren? In der Zuschauerkrise beschließt der Ligaausschuss in Düsseldorf eine Reform, die nur die deutsche Wiedervereinigung verhindert: Punktspiele sollen künftig fast wie im Europacup mit Hin-und Rückspiel binnen acht Tagen ausgetragen werden, der Gesamtsieger erhält einen Zusatzpunkt. Bei Gleichheit kommt es zum Elfmeterschießen. Ausgeheckt hat das Ganze ein gewisser Uli Hoeneß aus München, die Reform soll ab 1989/90 gelten. DFB-Präsident Hermann Neuberger sieht allerdings erhebliche Sicherheitsbedenken. Bevor es zum großen Krach kommt, fällt dann die Mauer und die Reform fällt ganz anders aus.

Vor 23 Jahren? Bremens Arie van Lent will beim Heimspiel gegen den 1. FC Köln (3:2) die Anzeigetafel am liebsten für sich alleine haben. Nach seinem Eigentor erzielt er alle drei Werder-Treffer, nur Kölns Toni Polster funkt noch dazwischen. Van Lent bekennt hinterher: „Es hätte ein rabenschwarzer Tag für micht werden können. Aber mein Eigentor war wunderschön…“

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09. Mai 1999: „Quälix“ wirft bei Werder hin

Felix Magath, Werder Bremen
Abgang! Felix Magath hat die Nase voll und wirft nach Meuterei bei Werder Bremen hin. Copyright: Imago images

Vor 22 Jahren? Am letzten Spieltag 1997/98 werden noch zwei Absteiger ermittelt. Nach 35 Jahren endet die Bundesligazugehörigkeit des ihres ersten Meisters 1. FC Köln. Das 2:2 gegen Nachbar Bayer Leverkusen ist zu wenig, der nächste Dino stirbt. Die Fans sind vorbereitet, enthüllen ein Transparent: „Danke für nichts!“ Der Karlsruher SC begleitet die Geißböcke überraschend ins Unterhaus, auch die Weltmeister Thomas Häßler und Guido Buchwald können das 2:4 in Rostock und den ersten Abstieg nach elf Jahren nicht verhindern. Dafür rettet sich Borussia Mönchengladbach mit letzter Kraft durch ein 2:0 in Wolfsburg. So muss der scheidende Kapitän Stefan Effenberg wenigstens nicht als Absteiger nach München zurückkehren. Das Abstiegsdrama beschert der Liga einen Zuschauerrekord für einen Spieltag – 400.237!

Vor 21 Jahren? In Bremen wirft der Trainer hin. Felix Magath, „Quälix“ genannt, hat sich lange genug mit der Situation beim SV Werder herumgequält, wo sie 1999 auch im Abstiegskampf nicht auf den „Grün-Weiße Nacht“ verzichten wollen. Magath will sie verlegen lassen, es kommt zur Meuterei und der Happel-Schüler erkennt: „Es hat nicht gepasst.“ Damit ist die Bahn frei für einen, der nur nach Bremen passt: Thomas Schaaf.

Am selben Tag wird Bayern München wieder mal vorzeitig Meister. Nichts Neues, nur der Trainer. Es ist der erste Titel unter Ottmar Hitzfeld und sie holen ihn, selten genug, im eigenen Stadion – mit einem 1:1 gegen die Hertha.

Vor 11 Jahren? Super-Mario macht das Meisterrennen 2009 noch spannender. Mario Gomez schießt den VfB Stuttgart ganz allein zum 4:1-Sieg über Tabellenführer VfL Wolfsburg, zu dem die Bayern nun wieder aufschließen.

Vor 5 Jahren? 109mal probiert, 109mal ist nix passiert. Im 110. Spiel endlich bricht Frankfurts Bastian Oczipka den Bann und erzielt beim 3:1 gegen Hoffenheim sein erstes Bundesligator. Rekordhalter Dennis Diekmeier (203x kein Tor) bleibt bis heute im Amt.

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