DFB-Pokal: Die Helden aus der 4. Liga – und ein Keeper wie einst Uwe Kamps


Im Halbfinale des DFB-Pokals 1991/92 gelingt Uwe Kamps von Borussia Mönchengladbach eine unglaubliche Leistung.

Im Elfmeterschießen gegen Bayer 04 Leverkusen hält der Keeper sämtliche 4 Elfmeter der Gäste – ausgeführt von Martin Kree, Ioan Lupescu, Heiko Herrlich und Jorginho. Da Martin Max und Holger Fach für die Borussia trafen, ziehen die ,,Fohlen” ins DFB-Pokal-Finale ein.

Seit Dienstag hat Uwe Kamps einen würdigen Nachfolger. Einen Keeper aus der 4. Liga – Daniel Batz (29) vom 1. FC Saarbrücken. Der gebürtige Erlanger hält im Viertelfinal-Drama gegen Fortuna Düsseldorf (7:6 n. E.) 5 Elfmeter, davon 4 im Shoot-out gegen den 2-fachen Pokalsieger aus Düsseldorf.

Daniel Batz wird so zum Helden eines unglaublichen Pokalspiels, das 20 (!) Elfmeterschützen sieht und am Ende einen triumphierenden Regionalligisten aus dem Südwesten.

Uwe Kamps (2. v. r.) mit Borussia Mönchengladbach und Hans-Jörg Criens (verstarb am 26. Dezember 2019) sowie von links Holger Fach, Karlheinz Pflipsen, Thomas Kastenmaier, Christian Hochstätter, Martin Max, Martin Schneider, Thomas Huschbeck, Jörg Neun und Michael Klinkert im DFB-Pokalfinale 1992 gegen Hannover 96 in Berlin. Foto: Imago Images / Rust

Daniel Batz und der 1. FC Saarbrücken schreiben Geschichte

Mieses Flutlicht, aber dafür im Halbfinale: Der 1. FC Saarbrücken feiert seinen Jahrhundert-Coup gegen Fortuna Düsseldorf. Foto: Imago Images / Rudel

Mit dem 1. FC Saarbrücken steht erstmals ein Viertligaklub im seit 1935 ausgetragenen DFB-Pokal.

Für den 1992/93 letztmals in der Bundesliga notierten saarländischen Traditionsklub ist es die erste Halbfinal-Teilnahme seit 1985, übrigens noch mit dem legendären Coach Uwe Klimaschefski (81 / ,,Ich muss jetzt zu meinen Spielern, die sind so blind, die finden ohne mich nicht zum Bus”). Damals scheitern die ,,Molschder” (Hochdeutsch: Malstatter), wie der Klub aus dem Saarbrücker Stadtteil Malstatt genannt wird, im Halbfinale am späteren Sieger Bayer 05 Uerdingen (0:1). Sie haben 1985 aber auch noch ein eigenes Stadion – das Ludwigsparkstadion. Dieses wird aber schon seit Jahren umgebaut und das Ganze stellt in sich eine Posse dar, wie man sie sonst nur aus Berlin kennt (,,Achtung, Sie verlassen jetzt den funktionierenden Teil der Republik!”). Nun lässt man das kleine Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen bis auf die Grundfesten beben.

Denn: Die Saarländer, die in der Regionalliga Südwest mit Kickers Offenbach (DFB-Pokalsieger 1970), dem FK Pirmasens, dem SSV Ulm 1846 oder dem FSV Frankfurt sicher keine absolut namenlosen Klubs als Gegner haben, besiegen Fortuna Düsseldorf mit 7:6 (1:1, 1:1, 1:0) nach Elfmeterschießen. Ein episches Drama.

Wir wissen natürlich nicht, was passiert wäre, wenn Rouwen Hennigs den Foulelfmeter in der 83. Minute verwandelt hätte. Dann würden wir wahrscheinlich hier sitzen und den 2-maligen Pokalsieger aus Düsseldorf feiern, der in der Bundesliga gegen den Abstieg spielt.

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,,Das ist absolut surreal"

Saarbrückens größter Pokal-Coup: Viertelfinal-Erfolg gegen den VfB Stuttgart 1985, hier der Schlussjubel des 1. FC Saarbrücken mit Trainer Uwe Klimaschefski (m.) und Jean Santos Muntubila.
Saarbrückens bis 2020 größter Pokal-Coup: Viertelfinal-Erfolg gegen den VfB Stuttgart 1985, hier der Schlussjubel des 1. FC Saarbrücken mit Trainer Uwe Klimaschefski (m.) und Jean Santos Muntubila. Foto: Imago Images / Ferdi Hartung

Nein, es kommt anders. ,,Die do Chance”, wie man in Saarbrücken sagt, wird genutzt. Held des Abends ist Torwart Daniel Batz.

Der Schlussmann, der nur ein einziges Bundesliga-Spiel – ein sportlich unbedeutendes 0:4 für den SC Freiburg am 34. Spieltag der Meister-Saison von Borussia Dortmund 2011/2012 macht, hält inklusive des Strafstoßes von Hennings in der regulären Spielzeit 5 – in Worten: Fünf – Elfmeter.

2-mal steht der FCS nur einen Ball vor dem ,,Aus” – doch Batz hält gegen Kevin Stöger den 5. Elfmeter der Fortuna und später gegen Matthias Zimmermann. Dann treffen 7 Spieler in Folge. Den 20. und letzten Elfer von Mathias Jörgensen, dem Spieler, der die Rheinländer in der 90. Minute mit dem 1:1 vor dem Knock-out in der regulären Spielzeit bewahrt, wehrt Batz ab.

„Das ist absolut surreal“, jubelt der Schlussmann, „wenn mein Finger nicht so weh tun würde, würde ich sagen, ich lebe in einer Traumwelt. Da fehlen einem langsam die Superlative.“ Auf die Frage des Sky-Reporters, ob dies das größte Spiel seiner Karriere gewesen sei, antwortet Batz am Dienstag: „Ich glaube, das kann man so sagen. Ich habe einfach versucht, alles, was aufs Tor kommt, zu halten. Das ist mir anscheinend ganz gut gelungen. Wir haben 120 Minuten unser Herz auf dem Platz gelassen.“ Das denkt sich wohl auch Saarbrückens neuer Trainer Lukas Kwasniok, der die Vorstellung von Batz als „unfassbar“ bezeichnet: ,,Ich habe gehört, der hat in der Vergangenheit noch nie einen Elfmeter gehalten. Er hat sich wohl alles aufgehoben.“ Fortuna-Coach Uwe ,,the Bomber” Rösler anschließend in der ARD: ,,Saarbrücken hat einen super Pokalfight geliefert. Wir hatten genügend Matchbälle, haben sie aber nicht genutzt.” Für den Bundesligisten ist es ein unfassbar bitterer Abend: Düsseldorf verpasst sein erstes DFB-Pokal-Halbfinale seit 1995/96.

Ligalive-Infografik: Player Profile Daniel Batz, 1. FC Saarbrücken, DFB-Pokal 2019/2020

Ligalive-Infografik: Match Center 1. FC Saarbrücken - Fortuna Düsseldorf (8:7 n. E.), DFB-Pokal-Viertelfinale 2020

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