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Diese 11 Fußball-Stars endeten tragisch


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DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Tragik 8 – Tragik 6: Vom Suizid des Nationaltrainers bis zum Niedergang der HSV-Ikone

8. Gary Speed und der Suizid, den keiner versteht (1969-2011)

Gary Speed war zuletzt Trainer der walisischen Nationalmannschaft.
Gary Speed war zuletzt Trainer der walisischen Nationalmannschaft. Foto: Imago Images / Hoch Zwei / International

Der Waliser Gary Andrew Speed war als Mittelfeldspieler fast 2 Jahrzehnte lang Profi.

Seine 85 Einsätze für Wales sind bis zum 20. November 2018 und bis zum 93. Länderspiel von Chris Gunter Rekord für einen walisischen Feldspieler. Sein größter Erfolg ist 1992 der Gewinn der englischen Meisterschaft mit Leeds United, u. a. mit Stars wie Gary McAllister und Erich Cantona. Sein letzter Job: Trainer der walisischen Nationalmannschaft.

Die Profispielerlaufbahn des Gary Speed beginnt am 6. Mai 1989 mit dem Spiel Leeds United gegen Oldham Athletic (0:0) in der zweiten englischen Liga. An der Seite des routinierten schottischen Nationalspielers Gordon Strachan lernt Speed im jungen Alter, wie ein Leben als Profispieler auszusehen hat.

Er nimmt sich neben den sportlichen Fertigkeiten auch die Ernährungsgewohnheiten von Strachan, von Toni Schumacher während der WM 1986 liebevoll „Strätchän“ genannt, zum Vorbild, was er später als wesentlichen Faktor für seine auch im fortgeschrittenen Sportleralter wenig nachlassende Leistungsfähigkeit angibt. Gary Speed wirkt irgendwie zeitlos und unkaputtbar.

Schnelligkeit, Ballsicherheit, Spielintelligenz, Athletik und Fitness zeichnen den variabel im zentralen oder linken Mittelfeld einsetzbaren Gary Speed aus. 1990 gelingt ihm mit Leeds United der Aufstieg in die höchste englische Spielklasse und dort bereits im zweiten Jahr der Gewinn der englischen Meisterschaft.

Ein Teil von etwas Grossem

Gary Speed nahm sich am 27. November 2011 das Leben.
Gary Speed nahm sich am 27. November 2011 das Leben. Foto: Imago Images / Sportimage

Speed gehört zu einer Mittelfeldreihe, die ihn neben Strachan mit McAllister, David Batty und Steve Hodge zusammenführt. Hinter den Stürmern Lee Chapman und Rod Wallace beweist Speed Torgefährlichkeit und ist 1991/92 mit sieben Ligatreffern gemeinsam mit Hodge die vereinsinterne Nummer 3.

Anschließend kommt er in fünf Partien der Champions League zum Zuge und schießt das 1:0 beim 4:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart – das Spiel wird berühmt wegen des Wechselfehlers von VfB-Trainer Christoph Daum, der vier ausländische Spieler aufs Feld schickt. Weitere Erfolge mit Leeds bleiben nach dem Playoff-Erfolg gegen Stuttgart in der Folgezeit jedoch aus. In den ersten vier Jahren der 1992 beginnenden Premier League qualifiziert er sich mit dem Klub nur noch einmal in der Saison 1995/96 für den UEFA-Pokal. Dazu steht er am 24. März 1996 im Ligapokalfinale, das jedoch mit 0:3 gegen Aston Villa verloren geht.

Kurz darauf verabschiedet er sich von Leeds United, für das er über 300 Pflichtspiele absolviert hat und wechselt im Juli 1996 für 3,5 Millionen Pfund zum FC Everton nach Liverpool. Speed unterzeichnet in Everton bei dem Klub, dessen Fan er nach eigenen Angaben bereits in der Kindheit war. Umstellungsprobleme gibt es nicht. Beim 7:1-Sieg trifft er gegen den FC Southampton erstmals in seiner Karriere dreimal in einem Spiel der Premier League und am Ende der Saison 1996/97 hat er gemeinsam mit Torjäger Duncan Ferguson die meisten Liga-Treffer für die „Toffees“ gesammelt (9 Tore).

Schnell wendet sich jedoch das Blatt. Der FC Everton schließt mit Rang 15 nicht besonders erfolgreich in der Premier League ab und als die „Blauen“ auch im Herbst 1997 den direkten Weg in Richtung Tabellenende gehen, nimmt die Unzufriedenheit von Speed zu. Rasch machte die Gerüchte die Runde, dass Speed zu Newcastle United wechseln will, das zuvor die Vizemeisterschaft gewonnen hat. Der Wechsel nach Newcastle geht im Februar 1998 für eine Ablösesumme von 5,5 Millionen Pfund über die Bühne, nachdem Speed angeblich zuvor am 31. Januar 1998 seine Mannschaft nicht zum Auswärtsspiel gegen West Ham United begleitet hat. Das bringt ihm den Unmut der Everton-Fans ein. Kurz vor Beginn der Saison 1997/98 befördert ihn Trainer Howard Kendall dann in Newcastle zum Mannschaftskapitän.

Nationaltrainer von Wales

Speed (l., mit Paul Merson) absolvierte 534 Premier-League-Spiele. F
Speed (l., mit Paul Merson) absolvierte 534 Premier-League-Spiele. Foto: Imago Images / Colorsport

Als Trainer Mark Hughes 2004 sein Engagement beendet und eine dauerhafte Tätigkeit im Vereinsfußball annahm, empfiehlt dieser Speed als seinen Nachfolger.

Auch die Mannschaft, allen voran Wortführer Robbie Savage, spricht sich für den langjährigen Mannschaftsführer als walisischen Trainer aus. Zunächst fällt die Wahl aber auf den alten Waliser Haudegen John Toshack („Eher fliegt ein Schwein übers Bernabeu, als dass ich mich ändere!“)

Nach Toshacks Rücktritt im Jahr 2010 wird Speed am 14. Dezember 2010 als neuer Nationaltrainer der Waliser vorgestellt und betreut die Mannschaft erstmals beim Länderspiel gegen Irland am 8. Februar 2011. Von den insgesamt 10 Länderspielen unter der Regie von Gary Speed kann Wales fünf gewinnen. Dabei gibt es in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 drei Siege, jedoch auch zwei Niederlagen (beide gegen England), so dass sich Wales nicht für die EURO 2012 qualifiziert.

Am 27. November 2011 begeht Speed Selbstmord. Er erhängt sich. Am Abend vorher ist er noch im BBC TV-Programm „Football Focus“ als Gast interviewt worden und hat sich im Old Trafford ein Spiel von ManU angeschaut. Zusammen mit seinem Kumpel Alan Shearer. Die Gründe für den Suizid bleiben mysteriös.

 

Erfolge

Englischer Meister 1992 (mit Leeds United)

7. Justin Fashanu, das Outing, der Selbstmord

Justin Fashanu in Diensten von Norwich City, 1979.
Justin Fashanu in Diensten von Norwich City, 1979. Foto: Imago Images / Colorsport
Am Tag, als Justin Fashanu stirbt, spaziert er noch ein letztes Mal durch London East End. In Shoreditch, so wird später ermittelt, biegt er in die Fairchild Street ein. Dort besucht er gutgelaunt die Gay-Sauna „Chariots“. Das berichten jedenfalls Zeugen.

Am nächsten Morgen findet die Polizei Fashanu in einer Nebenstraße der Fairchild Street. Um seinen Hals ist ein Elektrokabel gewickelt. Er baumelt leblos von einem Holzbalken einer Garage. Am 3. Mai 1998 enden eine große Fußballerkarriere und ein tragisches Leben mit Höhen und Tiefen, die für mehr als zwei wirklich lange Leben ausgereicht hätten.

18 Jahre vor seinem Tod wird Justin Fashanu plötzlich nicht nur zum Star – er wird zum Superstar. Da ist er gerade 19 Jahre alt. Und der Grund dafür ist ein einziges Tor. Der Mittelstürmer von Norwich City schießt es in der Saison 1979/80 gegen den FC Liverpool. Und es ist ein phänomenal gutes Tor.

Fashanu steht in halbrechter Position etwas außerhalb des Strafraums vor dem gegnerischen Tor. Er erhält den Ball von einem Mitspieler und mit dem rechten Außenrist lässt er diesen zunächst auf Hüfthöhe abtropfen, dann dreht er sich und schießt den Ball volley mit links in den Winkel.

Der Wechsel war die schlechteste Entscheidung in seinem Leben

Fashanu ist bis heute unvergessen bei den britischen Fußballfans – Hier ein Spruchband der Anhänger von Norwich City im Premier-League-Spiel gegen den FC Liverpool im Februar 2020.
Fashanu ist bis heute unvergessen bei den britischen Fußballfans – Hier ein Spruchband der Anhänger von Norwich City im Premier-League-Spiel gegen den FC Liverpool im Februar 2020. Foto. Imago Images / Focus Images

Die Kult-Sendung „Match of the Day“ (BBC) wählt den Treffer zum Tor der Saison, und Fashanu wechselt für mehr als eine Million Pfund zu Europapokalsieger Nottingham Forest. Doch das ist im Rückblick gesehen wohl die schlechteste Entscheidung in seinem Leben.

Die Presse berichtet fortan ausführlich über ihn, denn so viel Geld ist in England bis dahin noch nie an Ablösesumme für einen schwarzen Fußballer gezahlt worden. Fashanu tritt in Talkshows auf, schreibt fleißig Autogramme und glaubt, er sei ganz oben angekommen. Er kauft sich flotte Sportwagen und lässt sich für den Boulevard in roten Lederanzügen fotografieren. Auf dem Pitch gelingt ihm bei Nottingham Forest hingegen wenig bis nichts.

Für den Klub schießt er in 35 Spielen ganze drei Tore. Verzeiht man ihm in Norwich Fehlschüsse, tobten sie bei Forest bei jedem Ballverlust. Insbesondere Brian Clough, der knorrige Trainer der „Tricky Trees“, hat so seine Schwierigkeiten mit Fashanu.

Eines Tages findet Clough heraus, dass Fashanu in Schwulenbars verkehrt. Vor versammelter Mannschaft beschimpft er seinen Stürmer als „Schwuchtel“ und wirft ihn später aus dem Kader. Als Fashanu trotzdem beim Training erscheint, holt Clough die Polizei. In seiner Biografie („Walking on Water“) räumt er hinterher eine Mitschuld am Tod Fashanus ein.

Das Leben gerät aus den Fugen

Fashanu (m.) im Dress von Nottingham Forest, 1982. Foto: Imago Images / Colorsport
Fashanu (m.) im Dress von Nottingham Forest, 1982. Foto: Imago Images / Colorsport
Fashanus Leben gerät in der Folge komplett aus der Bahn. Er verletzt sich am Knie und verbringt Monate in der Reha. Er wechselt den Klub und versuchte Neuanfänge in den USA, eröffnet eine Schwulenbar in Los Angeles. Als ein Freund ihm sagt, dass nur Jesus ihm helfen könne, schließt er sich einer protestantischen Fundamentalisten-Gruppe an.

Er predigt fortan gegen die sexuelle Lust, hält sich aber weiterhin in der Schwulenszene auf, geplagt vom Glauben, dass eine gleichgeschlechtliche Beziehung eine schwere Sünde sei. Dann kommt der 22. Oktober 1990. Ein Tag, der England in Wallung versetzt. Das Massenblatt The Sun, schon ein Jahr zuvor bei der Stadion-Katastrophe von Hillsborough gegenüber den Fans des FC Liverpool nicht eben zimperlich, veröffentlicht ein Foto von Fashanu mit der Schlagzeile: „Eine Million Pfund teurer Fußballstar: ‚Ich bin schwul!“

Fashanu ist somit der erste englische Fußballprofi mit Superstar-Status, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt. Er erhält 80.000 Pfund für das Outing und zusätzliches Geld von der Sun für die folgenden Stories. Eine Summe, die ihm sein Bruder John zuvor ebenfalls angeboten hat, wenn er sich nicht outen würde.

Es folgt eine reißerische Serie in der Sun, die wohl eine Mischung aus Facts, Fiction und gezieltem Mobbing bzw. Fehlinformationen ist. Fashanu berichtet von Sex mit Popstars, Mitspielern und Abgeordneten des britischen Parlaments. Er verdient gut, denn für jede neue Story gibt es neues Geld. Der einstige Fußball-Held ist zurück im Rampenlicht, und es gefällt ihm. Er vermutet, dass ihn die Leute als Pionier sehen. Tatsächlich geht vielen sein Öffentlichkeitsdrang auf den Nerv. Sogar die schwarze Community kritisiert ihn für sein Auftreten, und einige ehemalige Mitspieler sagen, dass Homosexualität nicht zum Teamsport passen würde. Die letzten Freunde wenden sich ab, als Justin Fashanu öffentlich zugeben muss, dass er den Abgeordneten Stephen Milligan, mit dem er ein Verhältnis gehabt haben will, gar nicht kennt…

„Wenn irgendjemand diese Notiz findet, bin ich hoffentlich nicht mehr da"

Justin Fashanu in einem Statement vor der Presse.
Justin Fashanu in einem Statement vor der Presse. Foto: Imago Images
Danach lässt das Interesse an seiner Person nach. Fashanu wechselt wieder die Wohnsitze und die Vereine. Er spielt in Neuseeland, Schweden und Schottland. Nirgendwo bleibt er lang. 1998 heuert er als Trainer bei Maryland Mania in einer US-amerikanischen Amateurliga an.

Bekannten erzählt er, dass er Besitzer eines Clubs sei. Einer davon ist Donald H., ein 17-jähriger Junge, der eines Abends zu einer kleinen Party in Justins Wohnung erscheint. Sie trinken offenbar Bier, rauchen wohl auch Marihuana. Zwei Tage später steht ein Polizist vor Fashanus Tür und fragt, ob er homosexuell sei und in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1998 sexuellen Kontakt zu Donald H. gehabt hat. Fashanu verneint beide Fragen.

Wenige Tage später verlässt er die USA in Richtung London. Danach verliert sich seine Spur zunächst. Monate nach seinem Tod veröffentlicht eine Zeitung einen Abschiedsbrief: „Wenn irgendjemand diese Notiz findet, bin ich hoffentlich nicht mehr da. Schwul und eine Person des öffentlichen Lebens zu sein, ist hart. Ich will sagen, dass ich den Jungen nicht vergewaltigt habe.“

Was ist geschehen? Fashanu ist in London unter dem Mädchennamen seiner Mutter untergetaucht, weil er über die Presse erfahren hat, dass Scotland Yard nach ihm fahndet. Ironie des Schicksals: Am Tag, als sich Justin Fashanu das Leben nimmt, stellt sich heraus, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Man kann über Fashanu urteilen, wie man will. Aber er ist der erste Profi der Premier League, der sich traut, sein Schwulsein öffentlich zu machen. Dafür zahlt er einen sehr hohen Preis. Er bezahlt mit dem Leben…

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6. Branko Zebec und das Saufen gegen den Schmerz

Branko Zebec (vorn, zwischen Sepp Maier und Werner Olk, hinter der Meisterschale) führte den FC Bayern 1969 zur ersten Deutschen Meisterschaft der Bundesliga-Ära.
Branko Zebec (vorn, zwischen Sepp Maier und Werner Olk, hinter der Meisterschale) führte den FC Bayern 1969 zur ersten Deutschen Meisterschaft der Bundesliga-Ära. Foto: Imago Images / WEREK

Branko Zebec hat seine Mannschaften autoritär geführt. Er gilt in der Trainerbranche bis heute als „harter Hund“ und feiert vor allem im Norden der Republik mit dem Hamburger SV und Eintracht Braunschweig Erfolge. Seine Alkoholkrankheit wird der jugoslawische Fußball-Trainer jedoch nie unter Kontrolle haben.

Erst umjubelter Meistertrainer, später alkoholkranker, hilfsbedürftiger Mensch – Branko Zebec erlebt die Höhen und Tiefen im Fußballgeschäft ziemlich drastisch. Sein Ende ist tragisch. Der aus dem ehemaligen Königreich Jugoslawien stammende Ex-Profi von Roter Stern Belgrad hat als Trainer den Ruf, im Umgang mit den Spielern als hart, kompromisslos, fast schon diktatorisch daher zu kommen. Ein Trainer der alten Schule. Taktisch ist er das genaue Gegenteil – ein Fußball-Erneuerer mit einem feinen Händchen für Spieler und den Aufbau einer funktionierenden Mannschaft.

Und so bleiben die Erfolge nicht aus. Zebec wird Meister mit dem FC Bayern München und dem Hamburger SV und verhilft auch kleinen Vereinen wie Eintracht Braunschweig zu sportlichen Höhenflügen. Zu seiner persönlichen Tragödie wird eine schwere Operation an der Bauchspeicheldrüse im Jahr 1970, von der er sich nie mehr erholt. Im Gegenteil: Der Alkohol, den er aufgrund der Erkrankung eigentlich meiden soll, zerstört sein Leben. Es heißt bis heute, er trank gegen den Schmerz. Dabei ruiniert er sein Leben. Die Bundesliga-Karriere von Branko Zebec beginnt 1968 in München. In der vorangegangenen Saison ist der WM-Teilnehmer von 1954 mit seinem Stammklub Dinamo Zagreb Messepokalsieger geworden und der aufstrebende FC Bayern, 1965 in die Bundesliga aufgestiegen, holt Zebec in die Bundesliga. Der Emporkömmling aus München will endlich Titel gewinnen.

Das gelingt auf Anhieb: Der 40 Jahre alte Trainer wird mit der jungen Mannschaft um Sepp Maier, Franz Anton Beckenbauer und Gerhard „Gerd“ Müller Deutscher Meister und krönt die Saison zudem mit dem Pokalsieg – das erste „Double“ der Bundesligahistorie. Nur ein Jahr später ist diese Erfolgsgeschichte für ihn bereits wieder vorbei: Frühes „Aus“ im Europacup, in der Liga nur Platz drei. Zebec erklärt, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Der Verein reagiert und ersetzt den Meistercoach bereits nach dem 27. Spieltag durch den Liga-Newcomer Udo Lattek ersetzt, der eigentlich erst zur neuen Saison und auf Empfehlung von Beckenbauer kommen sollte.

Erfolgreich in Braunschweig und beim HSV

Trainer Branko Zebec (Frankfurt) zu betrunken, um seine Brille aufzusetzen;.
Trainer Branko Zebec (Frankfurt) zu betrunken, um seine Brille aufzusetzen;. Foto: Imago

Nach Zwischenstationen beim VfB Stuttgart und Hajduk Split heuert Zebec 1974 beim damaligen Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig an und bleibt vier volle Spielzeiten bis 1978 bei den Niedersachsen.

Es wird eine erfolgreiche Ära. Schon in den ersten Wochen sorgt seine als Außenseiter gestartete Mannschaft für Aufsehen. Sie entwickelt sich zum Favoritenschreck, besiegt eine Spitzenmannschaft nach der anderen und liegt zeitweise auf Platz zwei. Am Ende der Saison springt ein respektabler neunter Platz heraus. In den beiden folgenden Jahren spielt Braunschweig sogar um die Meisterschaft mit und ist wiederholt Tabellenführer. Die Bilanz: 1976 werden die Blau-Gelben und 1977 sogar Dritter – mit nur einem einzigen Punkt Rückstand auf Meister Borussia Mönchengladbach.

Zum Erfolgsmodell Zebec tragen zwei Landsleute bei: Flügelstürmer Danilo Popivoda, der noch heute Kultstatus bei den Braunschweiger Fans hat, und Mittelfeldspieler Aleksandar Ristic, der ihm später als Assistenztrainer zum Hamburger SV folgen und dort sein Nachfolger als Cheftrainer werden sollte. 1977/78 bringt die Verpflichtung von Weltstar Paul Breitner nicht den erhofften Schub. Nach einem enttäuschenden 13. Platz in der Bundesliga verlässt Zebec die Braunschweiger Eintracht und wechselt zum Hamburger SV.

Anders als zehn Jahre vorher in München hat Zebec mit den HSV-Stars relativ wenige Probleme, allerdings sind diese auch andere Persönlichkeiten. Kevin Keegan, Horst Hrubesch oder Manfred Kaltz sind vergleichsweise ruhige, unkomplizierte Typen, die zunächst gut mit Zebecs taktischen Vorgaben zurechtkommen. 1979 holt der HSV den ersten Meistertitel seit 1960, doch in der darauf folgenden Saison kündigen sich erste Schwierigkeiten an, trotz Platz zwei.

Die Spieler meutern gegen den Coach

Branko Zebec, hier mit seinem Assistenten Aleksandar Ristic (l.), galt beim Hamburger SV als absolut autoritärer Trainer.
Branko Zebec, hier mit seinem Assistenten Aleksandar Ristic (l.), galt beim Hamburger SV als absolut autoritärer Trainer. Foto: Imago Images / Laci Perenyi
Die Spieler rebellieren schließlich auch beim HSV, weil Zebec gegen Saisonende angeblich zu hart trainiert hat. Dadurch, so die Kritiker, seien innerhalb von vier Tagen Meisterschaft (1:2 bei Aufsteiger Leverkusen) und Europacup (0:1 im Endspiel gegen Nottingham) verloren gegangen. „Wir hätten den ein oder anderen Titel mehr holen können“, ist Manfred Kaltz Jahre später in einer DFL-Dokumentation sicher.

Am 16. Dezember 1980 ziehen die Hanseaten dennoch die Reißleine. Zebec ist seit Wochen nur noch bedingt einsatzbereit. So soll er unter anderem beim Auswärtsspiel in Dortmund mit 3,25 Promille auf der Trainerbank gesessen haben.

Zur Halbzeit wird er damals „ausgewechselt“ und in den Mannschaftsbus gesetzt. Die Rede ist auch von Mannschaftssitzungen, bei denen er nicht mehr fähig war, die Taktik zu erklären. „Spielt Fußball“, habe er dann nur noch sagen können. HSV-Manager Günter Netzer gibt später zu, von der Alkoholkrankheit des Meistertrainers schon bei der Verpflichtung gewusst zu haben: „Aber ich wusste nicht, was das bedeutete. Die Sache mit Branko hat mich persönlich so getroffen, wie nichts anderes im Fußball. Weil ich erleben musste, dass ich ihm nicht helfen kann. Er war ein Riesentyp, deshalb hat mir das so wehgetan. Irgendwann ging es nicht mehr. Er war ausgelaugt, am Ende. Das war sehr hart.“

Das sagt Netzer 2008 in einem Interview mit der Zeitung BILD am SONNTAG. Auch bei seiner nächsten Trainerstation steht sich Zebec mit seinen Alkoholproblemen selbst im Weg: Borussia Dortmund wird unter seiner Regie 1981/82 zwar ein taktisch reifes Team und feiert mit dem sechsten Rang nach 16 Jahren Abstinenz die Rückkehr auf die europäische Bühne. Trotz dieses Erfolges muss Zebec nach dem Saisonende gehen, da seine Alkoholprobleme nicht mehr zu kontrollieren sind. Unter anderem ist der Trainer während einer Partie von der Bank gekippt. Auch bei Eintracht Frankfurt (September 1982 bis Oktober 1983) und Dinamo Zagreb (April bis Oktober 1984) scheitert Zebec an seiner Alkoholsucht. Am 26. September 1988 stirbt Branko Zebec in Zagreb im Alter von nur 59 Jahren.

 

Erfolge

Als Spieler:

FK Partizan Belgrad: Jugoslawischer Pokal 1952, 1954, 1957

Roter Stern Belgrad: Jugoslawischer Meister 1960, 65        Alemannia Aachen

Als Trainer:

Dinamo Zagreb : Messe-Pokalsieger 1967

FC Bayern München: Deutscher Meister und Pokalsieger 1969

Hamburger SV: Deutscher Meister 1979, Europapokalfinalist der Meister 1980

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