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Diese 20 Fußballer kamen aus dem Nichts


DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Kategorie 2: Vorher Amateur, Flüchtling, Fan oder nie in Erscheinung getreten

15. Kristian Böhnlein: Von der Fan-Kurve auf den 1860-Rasen

Plötzlich Sechziger: Kristian Böhnlein (l)., hier beim Pokalspiel gegen Holstein Kiel am 19. August 2018. Bildnachweis: Imago Sportfoto

Kristian Böhnlein ist wohl das, was man einen „Feierabend-Fußballer“ nennt. Er ist 28 und arbeitet als Bankkaufmann in Bayreuth und spielt in seiner Freizeit Fußball.

„Wir waren in Bayreuth nur eine Feierabendmannschaft, haben drei, vier Mal in der Woche trainiert“, sagt Böhnlein der Münchner Abendzeitung. Oft kommt er mit Krawatte und Maßanzug direkt von der Bankfiliale zum Trainingsplatz. Dann erfüllt sich ein Traum.

Im Sommer 2018 wechselt Hobby-Kicker Böhnlein von der SpVgg Bayreuth zu seinem Herzensverein TSV 1860 München. Besonders hilfreich dabei: Böhnlein ist der Finanz-Berater von 1860-Sturmtank Sascha Mölders. Aus dem Fan, der mit seinem Vater und seinem Bruder jahrelang in der Kurve der „Löwen“ steht und dem Deutschen Meister von 1966 auch auswärts folgt, wird ein 1860-Spieler.

„Ich bin definitiv ein Spätzünder, wusste nicht, dass ich es noch einmal zum Profi schaffe“, erklärt Böhnlein, der sein „Löwen“-Debüt im Pokalspiel gegen Holstein Kiel gibt. In der 64. Minute wird er eingewechselt. Als Profi in der 3. Liga beim Rückkehrer 1860 München wird er in den 2 Jahren, in denen sein Vertrag läuft, nicht mehr als Banker tätig sein.

14. Daniel Keita-Ruel: „Big Boy“ hinter Gittern…

Ex-Knacki Daniel Keita-Ruel (l.) spielte sich bei Fortuna Köln wieder ins Rampenlicht. (Photo by Joachim Sielski/Bongarts/Getty Images)

Viel düsterer als für Daniel Keita-Ruel kann es für einen Fußballer eigentlich nicht mehr aussehen. Fast vier Jahre seines Lebens hat der 29-Jährige im Gefängnis verbracht.

Gemeinsam mit 7 Komplizen hat Keita-Ruel 2011 nachweislich zwei Postfilialen und einen Baumarkt ausgeraubt. Die Beute ist im Vergleich zu den Verdienstmöglichkeiten im Profifußball mickrig: 100.000 Euro sollen es gewesen sein. Für bewaffneten Raubüberfall erhält Keita-Ruel 2012 fünf Jahre Haft, von denen er drei Jahre im geschlossenen Vollzug absitzen muss. Der Stürmer aus Wuppertal erhält 2014 die oft zitierte „zweite Chance“.

Der Oberligist Ratingen verpflichtet den Junioren-Spieler von Borussia Mönchengladbach, der bis zu seiner Haft für den Ex-Bundesligisten Wuppertaler SV und Bonner SC am Ball war – und der offensichtlich ein Kopfproblem hat. „Max Eberl hat mal über mich gesagt: Von Hals bis Fuß ist er Bundesliga, aber der Kopf ist Kreisliga“, erzählt Keita-Ruel einmal der W. A. Z. Im Sommer 2017 wechselt er in die 3. Liga, zum Ex-Erstligisten Fortuna Köln – und macht mit 15 Toren und 7 Assists nachhaltig auf sich aufmerksam.

Der „Big Boy“, wie der 1,88 m große Stürmer, der die Statur eines Mittelgewichts-Boxers hat, auch genannt wird, wechselt 2018 zur SpVgg Greuther Fürth in die 2. Liga – und hat plötzlich die Chance seines Lebens. Im DFB-Pokal-Erstrundenspiel gegen Borussia Dortmund (1:2 n. V.) steht Keita-Ruel in der Startelf der Fürther.

13. Bakery Jatta: Flucht in die Bundesliga

Ein Fußballmärchen aus der Flüchtlingskrise: Bakery Jatta (r., mit Bremens Ludwig Augustinsson) mit dem HSV im Nord-Derby... (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)
Die große Flüchtlingswelle 2015 bringt auch den heute 20-jährigen Bakery Jatta nach Deutschland. Der junge Mann aus Gambia kommt zunächst nach Bremen.

In seiner westafrikanischen Heimat hat Jatta zuvor nur in einer Art Fußballschule gespielt. Aber nie in einem Verein. Nach einem Probetraining bei Werder Bremen erhält der Offensivspieler zunächst einen Vorvertrag bei den Grünweißen. Die Dienste von Jatta sichert sich aber der Nord-Rivale Hamburger SV. Anfang Januar 2016 spielt Jatta nämlich auch beim HSV vor – und überzeugt Coach Bruno Labbadia.

Er erhält einen Drei-Jahres-Vertrag in Hamburg. Die Erfolgsstory „Vom Flüchtling zum HSV-Profi“ schafft es weltweit in den Fokus der Medien. Sein Bundesligadebüt absolviert Jatta am 16. April 2017 bei der 1:2-Auswärtsniederlage gegen Werder Bremen, als er in der 83. Minute für Filip Kostic eingewechselt wird.

Insgesamt kommt er im ersten Jahr beim HSV auf sechs Bundesliga-Spiele. Am 4. Spieltag der Saison 2017/18 – einer 0:2-Auswärtsniederlage gegen Hannover 96 – steht der Afrikaner erstmals in der Startelf der Hamburger. Sein erstes Tor erzielt er am 14. November 2018 beim 3:1 bei Erzgebirge Aue – allerdings in der 2. Liga.

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12. Michael Schulz: Der letzte Bulle

Südwest-Derby 1987 mit Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Kaiserslautern: Michael Schulz (l.) packt gegen Ralf Sievers die Grätsche aus.. Copyright: imago/Ferdi Hartung

TuS Sulingen bei Bremen, der VfB Oldenburg – und dann über den Betzenberg mit 26 in die Bundesliga! Das ist der Weg von Michael Schulz (57) ins Fußball-Rampenlicht. Er wird zu einem der beliebtesten Autodidakten der Liga.

Dabei hätte der 1,94 m große Polizeibeamte den Dingen ihren Lauf lassen können. Polizei-Ausbilder, irgendwann dann ein ruhiger Schreibtischposten und ein paar Jährchen später die Pension. Für den Profi-Fußball fühlt sich Schulz lange nicht berufen.

Das ändert sich mit seiner Zeit beim 1. FC Kaiserslautern. Robust und kopfballstark geht der Bulle im FCK-Dress vor – und spielt sich schnell in die Herzen der Fans am „Betze“. Mit dem FC Kaiserslautern wendet er den Abstieg aus der Bundesliga ab – und holt 1988 mit Deutschland Olympia-Bronze in Seoul. Michael Schulz schließt sich 1989 dem DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund an. Beim BVB avanciert er zum Nationalspieler und erlebt mit Schwarzgelb die legendären UEFA-Cup-Spiele 1992/93 und die Vizemeisterschaft 1992. Die BVB-Fans tragen Schulz in Duisburg nach dem letzten Spieltag trotz der wenige Minuten vor Schluss verlorenen Meisterschale auf Schultern vom Platz.

Dieses Fußballjahr ist die Krönung für den Langen: 1992 beruft ihn Berti Vogts ins EM-Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft. In Schweden wird Schulz mit dem DFB-Team Vize-Europameister. 7 Länderspiele reichen, um in ein großes Finale zu kommen. Ein Titel bleibt dem Quereinsteiger verwehrt, weil er es irgendwie immer fertigbringt, ein Jahr vor einem großen Erfolg den Verein zu wechseln. Das geht ihm 1989 in Lautern so und 1994 in Dortmund beim Wechsel zu Werder Bremen…

11. Jamie Vardy: Koks, Fußfesseln… und der Premier-League-Titel!

10. April 2016: Die Sensation ist fast perfekt. Jamie Vardy schießt Leicester City beim 2:0 in Sunderland ganz nahe an den Premier-League-Titel heran... (Photo by Michael Regan/Getty Images)

Dieser Jamie Vardy! Geboren 1987 in Sheffield, ist er so etwas wie der berühmteste Partygänger der Premier League. Nichts, aber auch gar nichts deutet vor 2012 daraufhin, dass dieser hagere Typ, der in seinem Leben nichts ausgelassen hat, die englische Fußball-Elite verändern wird.

Bei Sheffield Wednesday wird er mit 15 abgelehnt. Zu schmächtig, heißt es. Vardy hat in einer Kohlefaserfabrik gearbeitet. Er wird Amateurkicker bei den Stocksbridge Park Steelers, bedient mit Sauf-Orgien und Fastfood von der Tankstelle sämtliche Klischees des Fußball-Prolls. Als sich Vardy 2007 eine Stadion-Schlägerei mit Körperverletzung leistet, muss er 6 lange Monate eine elektronische Fußfessle tragen, erhält zudem eine Ausgangssperre zwischen 6 und 18 Uhr. Das erschwert seine Einsätze auf dem Fußballplatz ungemein. Ein Justizbeamter ist immer an der Bande oder nahe der Umkleidekabine. „Ich musste schauen, dass ich rechtzeitig zu Hause bin“, erzählt Vardy im Oktober 2015 der Zeitung Leicester Mercury, „oft wusste ich nicht, wie unser Spiel ausging.“

Der siebtklassige Halifax Town FC lässt sich Vardys Torjägerqualitäten 2010 schließlich 170.000 Euro kosten. Ein lohnender Deal: Mit 27 Toren in 37 Liga-Spielen schießt Vardy den Klub zur Meisterschaft, 2011 wechselt er zu Fleetwood. „Wir wussten, dass er ein besonderer Spieler ist“, sagt Halifax‘ damaliger Klubchef David Bosomworth über ihn, „er war hungrig, leidenschaftlich und extrem fleißig.“ Vardys Erfolgsformel scheint dies zu bestätigen. „Ich habe immer versucht, keine großen Träume zu haben und mich langsam hochzuarbeiten“, sagt der Spätberufene. Diese Zurückhaltung und seine Fan-Nähe – Vardy ist immer für einen Smalltalk mit den Anhängern auf dem Stadion-Parkplatz zu haben – machen ihn aus. Der Wechsel zu Leicester City vom fünftklassigen Klub Fleetwood Town ist schließlich im Sommer 2012 für Jamie Vardy so etwas wie so oft zitierte „letzte Chance“ im Profifußball. Mit 31 Saisontreffern und 17 Assists hat Vardy zuvor bei Fleetwood Town entscheidenden Anteil am ersten Aufstieg des Klubs in eine Profiliga. Kurios: Von den bis zu 30 Scouts und Spielerbeobachtern in Fleetwoods Highbury Stadium erkennt nur Leicester-Späher Nigel Pearson (53) Vardys Potenzial. Er holt Vardy für 1,24 Millionen Euro – bis dahin ein Rekord im englischen Amateurfußball. Bei Leicester City steuert Vardy 2013/2014 insgesamt 16 Tore zur Rückkehr in die Premier League bei. 2015/2016 dann das Märchen-Jahr des Jamie Vardy: Premier-League-Meister mit Leicester City, Einstellung des Tor-Rekords von Ruud van Nistelrooy mit mindestens einem Treffer in 11 aufeinanderfolgenden Premier-League-Spielen.

Seine Eskapaden sind längst passé. Sie sind heute Teil des Vardy-Kults. Als Fangesang Jamie Vardy’s having Party – Bring your Vodka and your Charlie (Dt.: „Jamie Vardy gibt eine Party, bringt Euren Wodka und Euer Kokain mit“) finden sie den Weg auf die Tribünen des King Power Stadium und zu den Spielen der englischen Nationalmannschaft, für die Vardy am 7. Juni 2015 im Alter von 28 Jahren debütiert. Eine Geschichte nach dem Geschmack von Hollywood-Autoren. Der britische Produzent Adrian Butchart ist Stammgast in Vardys Stadion-Loge in Leicester. Er plant Medienberichten zufolge unter dem Titel Jamie Vardy: The Movie eine Verfilmung. Das kann ein Hit werden.

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