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Diese 25 deutschen Fußballer wurden im Ausland zu Ikonen – oder auch nicht


 

DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Auswanderer 20 - 16: In Deutschland Bundesliga-Durchschnitt, im Ausland Superstar

20. Thomas Broich: Filmreifer Sprung nach Australien

Thomas Broich wurde in Australien zur Ikone.
Thomas Broich wurde in Australien zur Ikone. Foto: Imago

Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen, so heißt der 135-minütige Streifen. Mit diesem Film geht der Bonner Autor Aljoscha Pause 2011 beim 8. Internationalen Fußballfestival 11 mm in Berlin an den Start. Von 2003 bis 2011 hat er eine Langzeit-Dokumentation über den Fußballprofi Thomas Broich gedreht – und auf mehr als 100 Stunden Rohmaterial eine unglaubliche Karriere nachgezeichnet.

Doch der Reihe nach. Der Karriereweg des gebürtigen Münchners verläuft lange Zeit linear, aber wenig spektakulär. Die Aufstiege in die Bundesliga mit dem 1. FC Köln (2008) und mit Wacker Burghausen in die 2. Liga sechs Jahre zuvor dürfen als Highlights gewertet werden. Zwei Spiele absolviert der defensive Mittelfeldspieler Broich auch im „Team 2006“, der Mannschaft der Zu-kurz-Gekommenen beim DFB.

Ein Wechsel zum 1. FC Nürnberg und eine hartnäckige Verletzung werfen Broich 2009 zurück. Am Ende der Saison 2009/2010 trennt sich der „Club“ von Thomas Broich. Der tut danach das, was alle vereinslose Profis tun: Er sondierte die Angebote, auch aus dem Ausland – und unterschreibt in Australien.

Dass der in der Bundesliga ausgemusterte Broich in der oft belächelten A-League in Down Under zur Legende werden würde, konnten weder er selbst noch Filmemacher Pause erahnen. Brisbane Roar gab Broich einen Drei-Jahres-Vertrag – und holt mit ihm auf Anhieb die australische Meisterschaft. Mit dem 36. Liga-Spiel ohne Niederlage durchbrechen Broich und Brisbane am 26. November 2011 einen 74 Jahre alten Rekord im australischen Fußball, ehe der Deutsche am 10. April 2012 zu „Australiens Fußballer des Jahres“ gewählt wurde. Dazu erhält er die Johnny-Warren-Medaille als bester Sportler der Saison 2011/2012 in Australien. Bis 2017 bleibt Thomas Broich in Brisbane – und gewinnt mit dem Team noch zwei weitere Meisterschaften. In der Tat: Filmreifer Stoff.

19. Gerhard Tremmel: „The Big G“ in Swansea

Gerhard Tremmel für Swansea City.
Gerhard Tremmel für Swansea City. Foto: Imago

Die britische Insel als Wohlfühl-Oase für deutsche Torhüter – auch Gerhard Tremmel steht in dieser exklusiven Reihe der Handschuhträger. Der heute 39-jährige Münchner glaubte, in 125 Bundesliga-Spielen in Unterhaching, bei Hannover 96, Hertha BSC und Energie Cottbus alles gesehen zu haben. Bis er zu Swansea City kam.

Die Rituale beim Premier-League-Aufsteiger muteten selbst für den hartgesottenen Keeper, der mit seinen irren Paraden für Haching 2000 Bayer Leverkusen als Deutschen Meister verhinderte, befremdlich an. „Auch bei Hertha hatten wir eine super Truppe, aber sowas habe ich noch nie erlebt. Wenn wir ausgehen, laufen wir mit 25 Mann in die Bar ein, da bleibt keiner zu Hause“, erzählte Tremmel 2012 der SPORT BILD, „ im Winter waren wir mitten in der Saison auf Teneriffa. Ich habe den Torwarttrainer gefragt, wie und was wir trainieren werden. Da hat der mich verdutzt angeschaut: ‚Wie, trainieren?‘ Wir haben dann in fünf Tagen drei Mal trainiert und uns ansonsten erholt. Da ist bei einigen auch der eine oder andere Drink über den Tresen gewandert.”

Fußball wird bei den „Swans“ auch noch gespielt. Unter Coach Brendan Rodgers kommt „The Big G“, wie die Fans den 1,90 m großen Rotschopf im Tor nennen, zunächst nur in den Pokal-Wettbewerben zum Einsatz. Seine Bilanz: 11 Spiele im englischen Liga-Pokal, davon sechs ohne Gegentor, und sechs Partien im FA Cup. In der Premier League kommt Tremmel bis zu seinem Abschied 2016 insgesamt 40-mal zum Einsatz und hält seine Bude ebenfalls sechs Mal sauber.

Meilenstein für den Keeper ist die Saison 2012/2013. Mit Swansea holte „Gerry“ Tremmel den größten Titel seiner Karriere, den englischen Liga-Cup. Tremmel stand in allen sieben Spielen zwischen den Pfosten und durfte nach dem 5:0-Kantersieg gegen Bradford City am 24. Februar 2013 im englischen Fußballtempel von Wembley endlich eine Trophäe in Händen halten.

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18. Jörg Albertz: Kult in Hamburg, Legende in Glasgow

Jörg Albertz für Glasgow Rangers.
Jörg Albertz für Glasgow Rangers. Foto: Imago
Jörg Albertz bringt es auf den Punkt. „Schottland ist meine zweite Heimat geworden, die Typen im Team waren sensationell“, sagt der ehemalige Bundesliga-Profi, der auf der Insel mit den Glasgow Rangers und an der Seite von Legenden wie Paul Gascoigne oder Brian Laudrup Geschichte schrieb.

Ein Bundesliga-Profi von vollem Schrot und Korn ist der gebürtige Mönchengladbacher schon vor seinem Schottland-Abenteuer. Der schussgewaltige Mittelfeldspieler, mit drei Länderspielen für Deutschland weit unter Wert weg gekommen, netzt in 99 Bundesliga-Spielen für den Hamburger SV 22-mal ein – und führt die Hanseaten am letzten Spieltag der Saison 1995/96 bei Absteiger Frankfurt (4:1) in den UEFA-Pokal. In Hamburg herrschte bei der Rückkehr der Magath-Elf eine Euphorie wie nach einem Titelgewinn.

Alis Abschied steht zu diesem Zeitpunkt bereits fest. Albertz wechselt für umgerechnet 4,2 Mio. € zu den Glasgow Rangers. In der schottischen Premier League wird er im linken Mittelfeld an der Seite von Superstars wie Brian Laudrup oder Paul Gascoigne schnell zum Publikumsliebling. Seine Dynamik und seine Weitschuss-Tore machen aus Albertz „Ali, The Hammer“. Mit den Rangers schreibt er 1997 Geschichte. Die neunte Meisterschaft in Folge („Nine in a Row“) wird zum Fest für alle Rangers-Fans. Eine solche Meister-Serie hat zuletzt der Stadt- und Erzrivale Celtic in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren hingelegt.

Die Saison 1997/98 bedeutet für die erfolgsverwöhnten Schotten einen Bruch. Die Meisterschaft geht wieder an Celtic. Coach Walter Smith, Macher der „Nine in a Row“-Ära, verlässt den Verein ebenso wie die verdienten Spieler Laudrup, Richard Gough oder Ally McCoist. Albertz‘ Tage sind nach der Saison 1999/2000 und dem dritten Meistertitel in Schottland gezählt. Rangers-Coach Dick Advocaat, der kleine General mit dem großen Drang zur Geldverbrennung, teilt ihm unverblümt mit, dass er sportlich auf den mittlerweile 30-Jährigen keinen großen Wert mehr legt. Satte 3,5 Mio. Pfund will der Niederländer für Albertz, der in 226 Spielen für die Rangers 83 Tore erzielte, sehen. Der Hamburger SV tut Advocaat den Gefallen – und holt Albertz 2001 in die Bundesliga zurück.

17. Marc-André ter Stegen: Messi mit Handschuhen

Champions-League Sieger mit dem FC Barcelona - Marc-André ter Stegen.
Champions-League Sieger mit dem FC Barcelona - Marc-André ter Stegen. Foto: Imago
Marc-Andrè ter Stegen galt bei Borussia Mönchengladbach als „high potential Player“, als ein Spieler mit hohem Entwicklungspotenzial. Aus der Fohlen-Jugend holte ihn Coach Lucien Favre ausgerechnet in der Saison 2010/2011 ins Profiteam – Gladbach stand zu diesem Zeit vor dem Abstieg aus der Bundesliga.

Sein Profi-Debüt gibt ter Stegen am 10. April 2011 im rheinischen Duell gegen den 1. FC Köln. Gladbach hielt die Liga und spielt in der folgenden Saison, die ter Stegen komplett bestreitet (15 Spiele ohne Gegentor) um die Champions-League-Ränge mit. In den folgenden beiden Jahren kommt Marc-André ter Stegen auf ähnlich gute Werte – und rückt ins Blickfeld der Großklubs. Für 12 Mio. Euro Ablöse wechselt er am 1. Juli 2014 zum großen FC Barcelona.

Mahnendes Beispiel bei Barca: Mit dem 2009 durch Suizid aus dem Leben geschiedenen Robert Enke hat sich bei den Katalanen schon einmal ein deutscher Keeper erfolglos bei „El Gigante“ versucht. Für ter Stegen ist es ein holpriger Start in Barcelona. Der 25-Jährige kommt in seinen ersten beiden Spielzeiten ausschließlich in der Champions League und im spanischen Pokal zum Zug. Die Rolle als „Pokal-Keeper“ schadet ihm nicht. Am 6. Juni 2015 war Marc-André ter Stegen in Berlin am (vorläufigen) Ziel seiner Fußball-Träume: Mit dem FC Barcelona wird er nach 3:1 im Finale gegen Juventus Turin Champions-League-Sieger. Zuvor hat ter Stegen alle 13 CL-Spiele bestritten und wird dabei nur sechs Mal bezwungen.

Die spanische Zeitung Marca spricht ihm einmal das größte Lob aus, dass ein Torwart beim FC Barcelona wohl jemals bekommen hat: Ter Stegen sei wie „Messi mit Handschuhen“ schrieb das Blatt. Auch aus den eigenen Reihen erhält der 21-fache deutsche Nationaltorhüter Lobes-Hymnen. „Er ist der beste Torhüter der Welt und er spielt auf einem sehr hohen Level“, adelte ihn Linksverteidiger Lucas Digne. „Wer es bei Barca schafft, der schafft es überall“, diese internationale Fußball-Weisheit belegt Marc-André ter Stegen in Barcelona wie vor ihm kaum ein anderer Spieler.

16. Oliver Bierhoff: Superstar beim AC Milan

Mäßig erfolgreich in Mönchengladbach - Oliver Bierhoff.
Mäßig erfolgreich in Mönchengladbach - Oliver Bierhoff. Foto: Imago
Die Leistungsdaten von Oliver Bierhoff in der Fußball-Bundesliga lesen sich ab Ende der 1980er-Jahre wie die eines ausgemachten Flops. Vier Treffer in 31 Spielen für Bayer 05 Uerdingen, sechs Tore in 34 Einsätzen zwischen 1988 und 1990 beim HSV. Dritter Versuch. Gladbach, 1990. Doch bei den Fohlen blieb der kopfballstarke Stürmer aus Essen in acht Spielen ohne Torerfolg.

Bierhoff muss reagieren. Er wechselt zu Casino Salzburg nach Österreich. Die Luftveränderung im Salzburger Land schien dem 1,91 m großen Angreifer zu bekommen. In 32 Bundesliga-Spielen in Österreich kommt er auf 23 Treffer, wird Torschützenkönig. Die Scouts aus der italienischen Serie A, regelmäßig auf den Tribünen der österreichischen Liga, schlugen zu. Inter Mailand verpflichtet den bereits 23-Jährigen, leiht ihn aber direkt an Ascoli Calcio aus.

Für Bierhoff ist die Stadt in Mittelitalien die nächste Oase der fußballerischen Glückseligkeit. In vier Jahren in der Serie B macht Bierhoff mit 48 Buden in 117 Spielen noch einmal nachhaltig auf sich aufmerksam. Udinese Calcio greift zu und holte ihn in die Serie A. Spät, aber nicht zu spät, wird Bierhoff ein weiterer Star in der Riege der deutschen Italien-Legionäre.

In Diensten von Udinese geling Bierhoff der größte Erfolg seiner Karriere. In seinem erst achten Länderspiel macht er Deutschland am 30. Juni 1996 mit zwei Treffern im Finale gegen Tschechien (2:1 n. V.) zum Europameister. Als Joker für Mehmet Scholl eingewechselt, wird Bierhoff durch sein historisches „Golden Goal“ über Nacht zum neuen Superstar des deutschen Fußballs. Monika Vogts, die Ehefrau des Bundestrainers, soll Berti vorm Finale den entscheidenden Tipp gegeben haben, besagt eine Legende zur EURO 1996. Wie auch immer: Bierhoffs Fabel-Quote von 57 Toren in 86 Spielen führt 1998 zu seiner Verpflichtung durch den AC Mailand. 12,5 Mio. Euro für einen 29-Jährigen sind kein schlecht angelegtes Geld. Oliver Bierhoff zahlt bei Milan mit 21 Tor-Beteiligungen auf dem Weg zum Meistertitel 1998/99 zurück. Warum? Weil er es sich wert war!

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