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Diese 25 deutschen Fußballer wurden im Ausland zu Ikonen – oder auch nicht


DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Auswanderer 15 - 11: Nie in Deutschland erste Liga gespielt, aber im Ausland ein Star

15. Bernd Trautmann: Vom Hitlerjungen zur Torwart-Legende

Bert Trautmann ist eine Legende in Manchester.
Bert Trautmann ist eine Legende in Manchester. Foto: Imago

Wohl kaum einem anderen deutschen Spieler bringt man in England mehr Respekt entgegen, als dem 2013 mit fast 90 Jahren verstorbene Klasse-Torhüter aus Bremen. Gegen Kriegsende von britischen Truppen aufgegriffen, lehnte der Fallschirmjäger und überzeugte NS-Anhänger 1948 eine Rückführung nach Deutschland ab. Trautmann, in Deutschland nie in einem Liga-Spiel zu sehen, bleibt in der Grafschaft Lancashire – und wurde zum ersten deutschen Nachkriegs-Star in England.

Trautmann, freiwillig in die Hitlerjugend eingetreten und während des Zweiten Weltkriegs u. a. Fallschirmjäger, kickt zunächst in einem Kriegsgefangenenlager, zusammen mit anderen deutschen Spielern wie dem späteren Schalker Außenläufer Karl Krause. Der heute 96-jährige Krause will seinen Kumpel 1952 auch nach Gelsenkirchen holen. Eine Verpflichtung Trautmanns scheitert an der für Fünfziger-Jahre-Verhältnisse astronomischen Ablösesumme von 25.000 Pfund. Die verlangt sein Klub Manchester City zu Recht. Gegen alle Fan-Proteste und mit der Unterstützung des Rabbiners Alexander Altmann hat Man.City 1949 die Verpflichtung des „Krauts“ durchgesetzt. City-Kapitän Eric Westwood schlägt als erster versöhnliche Töne gegenüber dem Kriegsgegner an. „Es gibt keinen Krieg in dieser Kabine“, soll er bei Trautmanns Ankunft gesagt haben.

Bernd Trautmann, von den Engländern der Einfachheit halber „Bert“ getauft, steht für einen der sagenumwobenen Erfolge im FA Cup 1956. Trotz Halswirbelbruch sichert er City in Wembley einen 3:1-Sieg gegen Birmingham City – und überlebt diese Verletzung wie durch ein Wunder. „Seine Mannschaftskameraden Dave Ewing und Bill Leivers stützen ihn auf dem Weg zur Siegerehrung“, schreibt die BBC-Journalistin Catrine Clay 2013 in ihrem bemerkenswerten Buch Trautmanns Weg. In dieser Biografie erzählt sie, wie der „geächtete Kraut zur britischen Sportlegende wird“.

Das ist keine Übertreibung. Mit 590 Pflichtspielen für die „Citizens“ ist Trautmann bis heute der deutsche England-Profi mit den meisten Einsätzen. Trautmann wird als erster Deutscher „Fußballer des Jahres“ (1956) in England. 2002 wird ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Allein: Zu Länderspiel-Ehren kommt der beim Karriere-Ende von 47.000 Fans an der Maine Road gefeierte Torwart-Held nie. Einzig als Dolmetscher und „landeskundiger Helfer“ wird er von Bundestrainer Sepp Herberger 1954 beim ersten Länderspiel in England in Dezember 1954 eingesetzt. Schade.

14. Otto Maier: Gründervater von „Barca“

Otto Maier - Einer der Gründer von Barca.
Otto Maier - Einer der Gründer von Barca. Foto: Wikipedia

Hans Gamper will einfach nur kicken. Der damals 22-jährige Buchhalter der Bank Credit Lyonnais inserierte 1899 in Barcelona, um ausländische Männer für den Fußballsport zu gewinnen. Schwierig! Katalanische Vereine wollen unter sich bleiben und spielten ohne ausländische Verstärkung. Mit der Gründung des Football Club Barcelona holt Gamper die ausländischen Fußballbegeisterten zu sich.

Gemeinsam mit Spielern wie dem Deutschen Otto Maier legte Gamper den Grundstein für „Mes que un Club“, mehr als ein Verein. 153.000 Menschen bekennen sich heute als Mitglieder zu „Barca“.

Herausragende Figuren in der Gründungszeit des FC Barcelona sind der Präsident Walter Wild und die deutschen Spieler Otto Maier und Udo Steinberg. Der Mittelstürmer Maier gehört zum illustren Kreis der zwölf Gründungsmitglieder, die 29. November 1899, im Gimnnas Soler, im Carrer Pintor Fortuny 17-19, den FC Barcelona formal ins Leben riefen.

Zwischen 1899 und 1901 geht Otto Maier für die Katalanen auf Torjagd, beim ersten Spiel der Vereinsgeschichte gegen eine Auswahl englischer Auswanderer ging er allerdings wie seine Kollegen leer aus. Barcelona verlor 0:1.

13. Horst Szymaniak: Blamiert in Berlin

Tiefpunkt der Karriere war Tasmania Berlin.
Tiefpunkt der Karriere war Tasmania Berlin. Foto: Imago Image number 13808677 date 01 07 1965 Copyright imago Arrow Horst Szymaniak Tasmania Berlin Football men Portrait ger Vneg YSF SW 1965 1966 vertical Highlight

Für Horst Szymaniak kommt die Bundesliga zu spät. Oder sie kommt ungelegen. Für den Außenläufer aus dem Ruhrgebiet, den es zwei Jahre vor Gründung der deutschen Eliteliga ins Lire-Paradies Italien zieht, bedeutet der Wechsel zu Tasmania Berlin 1965 eine enorme Fallhöhe.

„Schimmi“, wie sie Szymaniak in Erkenschwick rufen, erkennt früh die Zeichen der Zeit. Nach Ludwig Janda 1949, Horst Buhtz 1952, Karl-Heinz Spikofski und Kurt Zaro ist der für den Karlsruher SC in der Oberliga aktive Nationalspieler der fünfte deutsche Profi in Italien. Mit ihm gingen auch Erwin Waldner und Rudi Kölbl über die Alpen, Helmut Haller, Albert Brülls und Rolf Geiger (1962) sowie Karl-Heinz Schnellinger (1963) schlagen wenig später in Italien auf.

Nach zwei Jahren bei Catania Calcio schließt sich Szymaniak, dessen etwas unbeholfene Rechenkünste bei Gehalts-Verhandlungen („Wie, ein Drittel? Ich will mindestens ein Viertel!“) Eingang in die deutsche Fußballersprache finden, Inter Mailand an. Größter Erfolg im Team mit Weltstars wie Sandro Mazzola, Giacinto Facchetti oder Luis Suarez: Der Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1964. Im Finale von Wien gegen Real Madrid (3:1) kommt der Deutsche allerdings nicht zum Einsatz.

1965 wechselt Szymaniak zum Berliner Bundesliga-Aufsteiger Tasmania 1900. Der Klub ist als Dritter der Berliner Stadt-Liga in die erst zwei Jahre zuvor aus der Taufe gehobene Bundesliga gekommen. Nach einem furiosen Start mit zwei Siegen werden die Berliner zur größten Lachnummer der Bundesliga-Historie. 8:60 Punkte, die längste Sieglos-Serie (31 Spiele), die höchste Heimpleite (0:9 gegen den MSV Duisburg) – das sind nur einige von zahlreichen Rekorden des Grauens, die die Berliner mit dem 29-mal eingesetzten Szymaniak aufstellen und bis heute halten. „Diese Niederlagenserie“, so stellte der Autor Hardy Grüne fest, „konnte auch der elegante Ballkünstler nicht verhindern, der „in einer Mannschaft von Handwerkern völlig fehl am Platz war.“ Manchmal ist eben auch Schimmi ratlos…

12. Udo Steinberg: Unsterblich dank des „Clasico“

Steinberg schoss die ersten beiden Tore für Barca im ersten Clasico.
Steinberg schoss die ersten beiden Tore für Barca im ersten Clasico. Foto: Wikipedia

Udo Steinberg – genau! Der Udo Steinberg, der für den FC Barcelona die ersten beiden Tore im Clasico gegen den Erzrivalen Real Madrid erzielte. In der Historie von „Mes que un Club“ hat sich der gebürtige Berliner auf ewig einen Platz gesichert.

1904 gründet Udo Steinberg ein Ingenieurbüro in Barcelona, ab 1906 wirkt er am Straßenbahnbau mit, und 1916 entsteht unter seiner Leitung El Mundo Deportivo – die heute täglich erscheinende, große spanische Sportzeitung. Zusammen mit Hans Gamper, Ernesto Witty, Arthur Witty, John Parsons, Arturo Leask, Kendall Park und Tomas Morrison gründet Steinberg den Lawn-Tennis Club Barcelona, aus dem später der Real Club de Tennis Barcelona hervorging.

Steinberg kann zwar an der Gründungsversammlung im Gimnnás Soler, im Carrer Pintor Fortuny 17-19, noch nicht teilnehmen, spielt aber zwischen 1901 und 1910 für den FC Barcelona. Unsterblich macht sich Steinberg am 13. Mai 1902. An diesem schicksalhaften Tag trifft der FC Barcelona zum ersten Mal auf Real Madrid  – bei einem Show-Turnier zu Ehren des spanischen Königs Alfonso XIII., das später als die erste echte (wenn auch nicht anerkannte) Copa del Rey in die Geschichte eingehen sollte. Das erste Clasico war zwar „inoffiziell“ – und wird auf der Madrider Pferderennbahn ausgetragen.

Am Legendenstatus von Udo Steinberg ändert das wenig. Steinberg erzielt die ersten beiden Tore für die Katalanen, der Schweizer Gründervater Gamper das dritte, Real kann zwischenzeitlich den Anschlusstreffer zum 2:1 durch Johnson erzielen. Doch mit dem 3:1 ist der erste Sieg von Barca im ersten Spiel gegen Real Madrid perfekt. Durch den Sieg zieht der FC Barcelona ins Finale ein, in dem man allerdings Vizcaya de Bilbao mit 1:2 unterlegen ist. Neun Jahre spielt Udo Steinberg, vor seiner Emigration nach Spanien u. a. ab April 1893 beim Fußballverein Brandenburg tätig, für den FC Barcelona. Er stirbt 1919 an den Folgen der Spanischen Grippe – ausgerechnet in Madrid und mit nur 42 Jahren.

11. Robert Huth: England-Legende ohne Bundesliga-Spiel

Englischer Meister mit Leicester City - Robert Huth.
Englischer Meister mit Leicester City - Robert Huth. Foto: Imago
Der Berliner Robert Huth hat das geschafft, was im modernen Zeitalter unwirklich anmutet. Er wurde drei Mal Meister in der englischen Premier League, ohne je ein Bundesliga-Spiel absolviert zu haben.

Die Erfolgsstory des robusten, 1,91 m großen Innenverteidigers, den sie in England ziemlich uncharmant „The Berlin Wall“, die Berliner Mauer, nennen, beginnt 2002 beim FC Chelsea. Der als Jugendspieler vom 1. FC Union zu den Blues gewechselte Abwehrspieler gibt mit 18 Jahren sein Premier-League-Debüt.

In der Ägide des russischen Klub-Eigentümers und Milliardärs Roman Abramowitsch und mit Star-Coach José Mourinho fallen die ersten, ganz großen Erfolge für Huth in London. Zwei Mal Meister in der Premier League mit Chelsea. Nach drei Jahren beim FC Middlesbrough und sechs weiteren Spielzeiten bei Stoke City – mit den Potters erreicht Huth 2011 das FA Cup-Finale – ist der Berliner, der nur ungern Interviews gibt, längst der ungekrönte deutsche Kaiser der Premier League.

323 Partien absolviert Robert Huth in der englischen Fußball-Eliteklasse – mehr als jeder andere der 63 deutschen Insel-Profis. Sein größtes Ding kommt aber noch. In der Saison 2015/2016 schreibt der WM-Dritte von 2006 mit dem Außenseiter Leicester City Fußballgeschichte. Die Foxes holen sensationell die Meisterschaft in der Premier League, Huth steuert in 35 Liga-Spielen drei Treffer zum größten Fußballmärchen auf der Insel bei. Wer braucht da noch ein Bundesliga-Spiel?

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