Ligalive Livescores: +75 Ligen und Wettbewerbe ...

Ligalive.TV: Match Highlights internationaler Ligen ...

Ligalive Aktuell: Content To Rise Above the Noise...

Diesen 12 WM- und EM-Ikonen widerfuhr übles


DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Ikone 9 - 7: Von der "Freude des Volkes" bis zum WM-Eigentor als Todesurteil

9. Garrincha: Das deformierte Rückgrat und das 6 cm kürzere linke Bein

Garrincha's tombstone
Garrincha's tombstone Image: Imgao

Er hatte stets eine Schräglage. Aufgrund zweier krummer Beine. Das eine Bein war zudem noch 6 Zentimeter kürzer als das andere Bein. Dadurch schien es ständig so, als würde er gleich sein Gleichgewicht verlieren.

Doch Manoel Francisco dos Santos, genannt Garrincha, fiel nie, oder erst dann, wenn die Gegner ihm mehrfach in die Beine getreten hatten. Manoel Francisco dos Santos hat in seinem kurzen Leben viele Namen bekommen, Garrincha, kleiner Vogel, wurde er wegen der Leichtigkeit seines Spiels genannt. Weil er von Geburt an ein O- und ein X-Bein hatte, nannten sie ihn »Engel der krummen Beine«.

Und als er berühmt war, wurde er zu „Alegria de Povo“, der Freude des Volkes. Der Schriftsteller Nelson Rodrigues hat ihn in seinen Chroniken den Charlie Chaplin des Fußballs genannt. Und genau so slapstickartig sah es auch aus, wenn man sich den tanzenden Außenstürmer in den wenigen alten Filmaufnahmen anschaut, die es von Garrincha gibt. Meistens war es der gleiche Trick, er täuschte an, einmal, zweimal, wippte mit dem Oberkörper, sprang vor und zurück, wartete ab, und plötzlich zog er am Gegner vorbei. Manchmal hielt er dann inne, damit ihn der Verteidiger wieder einholen konnte, um einmal mit dem Ball um ihn zu kreisen und erneut an ihm vorbei zu flitzen.

Garrincha war ein Malandro, ein Schlitzohr, ein Schlingel – eine Figur, die im brasilianischen Fußball bis heute kaum wegzudenken ist. Spieler wie Edmundo und Romário waren Malandros. Auch Josimar war einer. Jener Rechtsverteidiger, der bei der WM 1986 aus dem Nichts auftauchte, zwei unglaubliche Tore fast von der Eckfahne schoss, und dann wieder aus dem Rampenlicht verschwand und im Drogensumpf endete.

Einer der drei besten Fußballer Brasilien stirbt verarmt an den Folgen des Alkohols

Garrincha at the World Cup in 1958.
Garrincha at the World Cup in 1958. Image: Getty Images

Robinho und mit Abstrichen Neymar gehören ebenfalls zu diesem Spielertyp. Der Godfather von allen Malandros aber war Garrincha, 1958 und 1962 mit Brasilien zweifacher Weltmeister, Rechtsaußen von Botafogo in Rio, ein Malandro und Mulherengo, Frauenheld, aus dem kleinen Städtchen Pau Grande.

In Brasilien sagt man, Pelé werde zwar geschätzt. Vergöttert werde aber primär »Mané« Garrincha. Als Garrincha aktiv war, gab es noch keine gelben Karten und er wurde ständig getreten und gefoult, ohne dass es geahndet wurde. Ob er heute besser wäre und eine große Nummer im verdichteten Mittelfeld des modernen Fußballs und im Blitzlicht der elektronischen Medien. Fraglich. Als Garrinchas Stern 1958 während der Weltmeisterschaft in Schweden aufging, waren es zuerst die Zuschauer in den Stadien, die begriffen, dass hier ein außergewöhnlicher Fußballer sein Debüt feierte.

So etwas hatte man noch nicht gesehen, all die Tricks, die Finten, diese ursprüngliche, fast naiv anmutende Freude am Spiel. Er erfand Tricks, entwickelte andere weiter, machte intuitiv Dinge, die andere Spieler über Jahre einstudieren müssten. Der Titelgewinn 1958, der das Trauma der im eigenen Land verlorenen WM 1950 milderte, machte Garrincha fast über Nacht zur nationalen Identifikationsfigur. Er versammelte die Bevölkerung eines Landes hinter sich, das von einer politischen Krise in die nächste taumelte, die sich aus eigener Kraft aus der Kolonialherrschaft befreit hatte. Die Seleção einte das Volk.

Und Garrincha wurde verehrt, obwohl seine Schwierigkeiten mit dem Leben jenseits des Fußballplatzes offensichtlich waren. Früh schon begann er zu trinken, wohl auch, um die Schmerzen in seinen verkrüppelten Beinen zu ertragen. Er war in mehrere Autounfälle verwickelt, kam mit dem Geld nicht aus. Wenig erstaunlich also, dass Porträts Garrincha stets als genialen Fußballer, aber bescheidenen Geist darstellten.

Der Tod Garrinchas und das Ende des Futebol Arte

Wenn pele mit Garrincha in der Selecao spielte, blieb Brasilien ohne Niederlage.
Wenn pele mit Garrincha in der Selecao spielte, blieb Brasilien ohne Niederlage. Image: Getty Images

Doch Garrincha war anders – ein dem Alkohol verfallener empfindsamer Mensch, der sich auf dem Land wohlfühlte. Als er sich 1966 von seiner Frau und sechs Kindern trennte, um mit der skandalumwitterten Sängerin Elza Soares zusammenzuleben, einer Mulattin aus bitterarmen Verhältnissen, entsprach das im katholischen Land nicht dem guten Ton.

Das Volk auf den Straßen hingegen ließ nicht von seinem Idol. Und stürzte prompt in eine tiefe Depression, als Garrincha 1966 Abschied von der Nationalmannschaft nahm. 1973 beendete er mit einem Abschiedsspiel im Maracanã seine Karriere. Und geriet bald in Vergessenheit. Die schmale Rente reichte hinten und vorne nicht. Als er am 20. Januar 1983 als erst 49-Jähriger an einer Alkoholvergiftung, ohne einen Pfennig in der Tasche, starb, hinterließ Garrincha mindestens 14 Kinder und ein Publikum, das sich nun wieder an ihn erinnerte. Den Weg zum Grab säumten tausende Anhänger.

Es war kein Zufall, dass Garrinchas Tod zeitlich mit dem Ende jenes „futebol arte“ zusammenfällt, des klassischen brasilianischen Kunstfußballs, der den Fußball in spielerischer Vollkommenheit inszenierte. Ein Jahr zuvor, bei der WM 1982 in Spanien, war die traumhaft aufspielende Nationalmannschaft Brasiliens um Zico, Sócrates und Falcão an den cleveren Italienern bereits im Achtelfinale gescheitert. Übrigens: Standen Pele und Garrincha – die beiden außergewöhnlichsten Kicker Brasiliens – zusammen in der Nationalelf, ging kein einziges Spiel verloren. Und Garrincha musste in seiner Länderspielkarriere sowieso nur eine Niederlage hinnehmen – in seinem letzten Spiel für Brasilien (insgesamt 50 Einsätze, 12 Tore) beim WM-Vorrunden-Aus am 15. Juli 1966 in England gegen Ungarn (1:3).

Sein Grabstein auf dem Friedhof „Cemiterio Raiz da Serra“ von Rio de Janeiro trägt die Inschrift: Descanse em paz, que era a alegria do povo – Mané Garrincha. (Hier ruht in Frieden der, der die Freude des Volkes war – Mané Garrincha).

8.Stan Libuda: Von der Fußballarena in den Zeitungskiosk

Bayern Munich against Schalke 04 - Bundesliga 1971/72.
Bayern Munich against Schalke 04 - Bundesliga 1971/72. Image: Imago

An Gott kommt keiner vorbei – das Stand auf einem Plakat im Pott. In den 60er Jahren war das. Ein unbekannter Fan schrieb darunter: Außer Stan Libuda….

Reinhard „Stan“ Libuda ist noch heute eine Legende im Ruhrpott, eine Art deutscher Garrincha. Und das sowohl bei Schalke 04 als auch bei Borussia Dortmund. Der Spitzname Stan kommt übrigens von Sir Stanley Mathews, dem englischen Superrechtsaußen. Der ehemalige Nationalspieler spielte für beide Vereine – Schalke 04 und den BVB.

Seine Karriere begann der Rechtsaußen in der Jugend von Gelsenkirchen, ehe er 1961 in den Profikader aufstieg und zum Schalker Publikumsliebling avancierte. 1965 wechselte Libuda dann zum Erzrivalen nach Dortmund. Dort schoss er mit der berühmtesten Bogenlampe Deutschlands den BVB 1966 zum Europapokal der Pokalsieger.

Zwei Jahre später ging er wieder zurück zu seinem Herzensverein Schalke 04 und führte die Knappen als Kapitän 1972 zum DFB-Pokalsieg. Libuda ist der einzige Spieler der zwischen den rivalisierenden Klubs hin- und herwechselte und beide Fangruppen lieben ihn trotzdem.

Lehre zum Maschinenschlosser abgebrochen

Stan Libuda and Schalke - Cup winner in 1972. Image
Stan Libuda and Schalke - Cup winner in 1972. Image: Imago

Die Zeit nach dem Fußball verlief für Libuda weniger glücklich. Lange Zeit, vor allem nach der Trennung von seiner Ehefrau, lebte er zurückgezogen in Gelsenkirchen-Haverkamp.

Da er am Anfang seiner Karriere seine Lehre zum Maschinenschlosser abgebrochen hatte, fand er lange Zeit keine Arbeit, bevor er mit Hilfe von Rolf Rüssmann einen Job bei der Thomas-Gruppe, einer Papierveredlungsfirma im Haverkamp, bekam.

Einige Jahre betrieb er danach dann den von Ernst Kuzorra übernommenen Tabakladen auf der Kurt-Schumacher-Straße in Schalke, er übergab diesen später an Heinz van Haaren. Wegen seiner schweren Erkrankung an Kehlkopfkrebs ließ sich Libuda 1992 operieren. Er starb 1996 mit 63 Jahren an einem Schlaganfall – viel zu früh.

Er war der erste Spieler der Mannschaft aus dem Jahrhundertspiel von 1970, der verstarb. Die Beisetzung fand auf dem Ostfriedhof von Gelsenkirchen statt.

Die Dribbelstärke war legendär

Stan Libuda was a legendary dribbler.
Stan Libuda was a legendary dribbler. Image: Imago

Die Dribbelstärke Libudas war legendär. Als in den 1960er Jahren der Prediger Werner Heukelbach im Ruhrgebiet eine Veranstaltungsreihe durch Plakate mit der Aufschrift „An Jesus kommt keiner vorbei“ bewarb, schrieben Fans unter jedes Plakat den Zusatz „… außer ‚Stan‘ Libuda.“

Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus der Spruch „Keiner kommt an Gott vorbei – außer Stan Libuda“, was einer Frühform der Chuck Norris Facts gleichkam. Der Spruch ist auch Untertitel eines Musicals über den FC Schalke 04. 1970, während der Weltmeisterschaft in Mexiko, sagte Bulgariens Trainer, nachdem seine Verteidiger an dem hakenschlagenden Libuda gescheitert waren: „Diesen Mann kann man nur mit einer Flinte erlegen.“

2003 entdeckte ein Fan einen Schreibfehler auf dem Grabstein von Reinhard Libuda. Reinhard stand dort mit „ai“ statt mit „ei“ geschrieben. Der Fan meldete sich beim FC Schalke 04; der damalige Manager Rudi Assauer versprach, einen neuen Grabstein in Auftrag zu geben. Aber erst 2004 wurde der Grabstein auf Initiative und nach Protestaktionen eines weiteren Libuda-Fans geändert.

Stan Libudas Tor im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger 1966 gegen den FC Liverpool wurde von den Fans im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen von Borussia Dortmund bei der Wahl zum „BVB-Tor des Jahrhunderts“ auf den zweiten Platz gewählt. Die Zufahrtsstraße westlich der Veltins-Arena in Gelsenkirchen trägt den Namen „Stan-Libuda-Weg“.

7. Andres Escobar: Der Auftragsmord der der kolumbianischen Wettspielmafia

Andres Escobar and the tragic own goal.
Andres Escobar and the tragic own goal. Image: Getty Images

In den letzten Tagen seines Lebens dürfte Andrés Escobar wohl an nichts anderes gedacht haben, als an diese verfluchte 35. Minute von Pasadena.

Dieser Moment im Glutofen des Rose Bowl-Stadions, wo am 22. Juni 1994 im zweiten Vorrundenspiel der Weltmeisterschaft zwischen Kolumbien und Gastgeber USA mehr als 93.000 Menschen für eine ohrenbetäubende Kulisse sorgen. Hier, wo bei brütender Hitze jeder Schritt zur Qual wird. Eigentlich sieht alles ganz harmlos aus. Der US-amerikanische Mittelfeldspieler John Harkes vom englischen Klub Derby County schlägt eine Flanke von der linken Seite in die Mitte, in Richtung Strafraum.

Fatales Eigentor: Andres Escobar düpiert seinen eigenen Torhüter Oscar Cordoba. In Höhe des Elfmeterpunkts landet der Ball beim kolumbianischen Abwehrchef Andrés Escobar. Der in der Mitte mitgelaufene US-Stürmer Ernie Stewart, später Torschütze zum 2:0, müsste schon Siebenmeilenstiefel tragen, um die Kugel zu erreichen.

Escobar lenkt den Ball mit dem linken Fuß zum Entsetzen seines Torhüters Oscar Cordoba ins eigene Netz. Während der Rose Bowl vor Jubel förmlich explodiert, wirkt Escobar wie paralysiert. Er vergräbt sein Gesicht unter seinem Trikot mit der Rückennummer 2.

Erschossen, Hingerichtet – mit zwölf Kugeln.

Team Columbia at the World Cup.
Team Columbia at the World Cup. Image: Getty Images

Zehn Tage später ist Andrés Escobar tot. Erschossen. Hingerichtet – mit zwölf Kugeln. Am 2. Juli 1994 feuert Humberto Munoz Castro mit einem lang gezogenen „Gooool“ auf den Lippen vor der Bar „El Indio“ in Kolumbiens Hauptstadt Medellin auf den in Ungnade gefallenen Nationalspieler.

Andrés Escobar stirbt noch vor Ort. Das gelbe Trikot der Cafeteros trug er in 50 Länderspielen (1 Tor).

Bis 1997, bis zum Ende der Trauerzeit um Escobar, wird der kolumbianische Fußballverband dieses Trikot nicht mehr vergeben.

Dass er nach seinem folgenschweren Eigentor – das zum Geheimfavoriten aufgeschwungene Team aus Kolumbien verliert mit 1:2 und fliegt in der Vorrunde raus – Opfer eines Verbrechens wird, gehört zu den tragischsten Episoden der WM-Geschichte.

Escobars Tod und die Unterwelt…

Andres Escobar in action. I
Andres Escobar in action. Image: Getty Images

Wer ist der Mann, der Andrés Escobars Leben beendet? Munoz Castro, wenig später geständig, ist im Drogenmilieu von Medellin kein Unbekannter. Als Bodyguard und Fahrer hat er für die mächtigen Drogenbarone gearbeitet – im Milieu von Medellin, das zu Beginn der 1990er-Jahre zu den gefährlichsten Plätzen der Welt gerechnet wird.

Die Drogenbosse haben durch Escobars Eigentor viel Geld verloren, munkelt man wenig später. Immerhin war die Qualifikation der Mannschaft von Trainer Francisco Maturana fest eingeplant. „Der Abwehrspieler muss für die Spielleidenschaft einiger Unterweltbosse büßen“, heißt es in dazu im WM-Buch Der Fußball erobert die neue Welt (Weltbild, 2006).

Der Tod von Escobar schockt die Fußballwelt. Vor dem Hintergrund, dass einige Unterweltgrößen auf Kolumbien gewettet und dann einen missliebigen Spielverderber aus dem Weg räumen ließen, verliert der Sport an diesem Sommertag 1994 seine Unschuld.

120.000 Menschen säumen bei seiner Beisetzung die Straßen von Medellin. Hier, bei Atlético Nacional, begann 1985 die Profikarriere des Andrés Escobar, eines Bankierssohns. Nach nur einer Saison bei den Young Boys Bern in der Schweiz (1989/90) zog es Escobar in seine Heimatstadt Medellin zurück, wo er bis zu seiner Ermordung erneut bei Atlético Nacional unter Vertrag stand. Absoluter Höhepunkt seiner Karriere war der Gewinn der Copa Libertadores 1989 mit Atlético Nacional.

Elf Jahre nach dem Mord wieder auf freiem Fuß

Columbia is mourning the death of Andres Escobar.
Columbia is mourning the death of Andres Escobar. Image: Getty Images
Der Täter Munoz Castro wird von den Gerichten in Medellin zwar mit einer 43-jährigen Haftstrafe belegt, ist aber schon 2005, nur elf Jahre nach dem Mord, wieder auf freiem Fuß. „Gute Führung“, so heißt es.

Der ermordete Escobar wird in Kolumbien zur Legende – und auch vier Jahre nach seinem Tod ist er in der Fankurve der Cafeteros allgegenwärtig. Bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich ziert ein Konterfei Escobars die Zuschauerränge in Lyon.

Der US-amerikanische Fernsehsender ESPN, am 22. Juni 1994 auch übertragender Sender von Escobars letztem Länderspiel, bringt den ermordeten Defensivspieler in einer Dokumentation später mit dem ein Jahr zuvor bei einer Schießerei ums Leben gekommenen Drogenboss Pablo Escobar.

Die These: Der Pate, ein begeisterter Fußballfan, hätte einer Ermordung des gleichnamigen, jedoch nicht mit ihm verwandten Profis niemals geduldet…

Seite von
<>