Ein Rückblick auf die Bundesliga-Saison 2018/19


Gibst du mir die Schale auch mal? Niko Kovac und Franck Ribéry feiern Bayerns Meisterschaft 2019.
Gibst du mir die Schale auch mal? Niko Kovac und Franck Ribéry feiern Bayerns Meisterschaft 2019. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Viele Diskussionen, noch mehr Tore, aber dann doch wenige Überraschungen am Ende: Die Bundesliga-Saison 2018/19 ist offiziell beendet und da darf ein Bundesliga-Rückblick natürlich nicht fehlen. Es lohnt sich daher ein Blick auf die Zusammenfassung der Ergebnisse und die Frage: Was hat die Fußballwelt eigentlich aus den vergangenen Monaten gelernt?

 Immer dieselben Debatten, welche für Aufsehen sorgen. Und auch in dieser Saison gab es einen primären Aufreger: das Handspiel. War es Absicht? War der Arm abgespreizt, angewinkelt oder schwingend? „Maximierung der Körperfläche“, „unnatrürliche Haltung“.. Diese Floskeln und Fragen waren es, welche die Öffentlichkeit bewegt haben. Nach gleich drei strittigen Szenen auf Schalke, in Wolfsburg sowie in Stuttgart, kam der Streit um das Handspiel wieder ins Rollen und hat dabei so manches sportliche Highlight überschattet.

Die Spieler fordern eine klare Linie bei den Schiedsrichtern. Oft wird eine Situation als Handspiel bewertet, welche in einer anderen Situation trotz Videobeweis nicht geahndet wird. Der Videokeller, als auch die Offiziellen auf und neben dem Platz sind hingegen selbst immer häufiger bei ihren Entscheidungen verunsichert. „Handspiel ist, wenn der Schiedsrichter pfeift“, schien bis dato als Grundregel zu gelten und viele Spieler haben sich dieser Willkür mittlerweile resigniert ergeben.

Sie lassen sich sozusagen überraschen, ob der Schiedsrichter ein Handspiel am Ende pfeift – oder eben nicht. Ob er gar Kontakt nach Köln aufnimmt oder selbst den Monitor aufsucht. Mal gibt es Handelfmeter, ein anderes Mal wird der Videobeweis gefordert und ein wieder anderes Mal wird ein offensichtliches Handspiel wohlwissend ignoriert. Als wären das noch nicht genügend Diskussionen, geht es dann auch noch plötzlich darum, ob und wann sich der Videoassistent einschalten darf und ob eine Abschaffung der modernen Technologien und die Rückkehr zum „guten alten Fußball“ nicht für alle Beteiligten das Beste wäre.

Kein Freund der gegenwärtigen Handspielregel - Lucien Favre.
Kein Freund der gegenwärtigen Handspielregel - Lucien Favre. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Es bleibt die Frage nach den Prioritäten…

Der ewige Torschützenkönig der Bundesliga - Robert Lewandowski (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)
Auf all diese Fragen wurden bis zum Ende der Saison keine eindeutigen Antworten gefunden. Ebenso wenig auf jene, ob die Debatte um das Handspiel wirklich wichtiger ist als der Sport selbst. Denn angesichts der Streitigkeiten in der Öffentlichkeit zwischen Spielern, Schiedsrichtern & Co wurde in der Bundesliga 2018/19 so manches sportliche Highlight beinahe übersehen. Eines ist hingegen sicher, langweilig war die Saison keinesfalls:

 

…nicht aber folgende: Zentner oder Müller?

Da wäre einerseits der spannende Zweikampf zwischen dem verletzungsbedingt ausgefallenen Florian Müller und seinem Kollegen Robin Zentner vom 1. FSV Mainz 05. Als die eigentliche Nummer Eins im Tor sich der Sprunggelenksverletzung geschlagen geben musste, stieg plötzlich Robin Zentner zum neuen Stern am Torwarthimmel auf und machte es lange Zeit spannend, wer nach der Rückkehr von Müller wieder das Zepter in die Hand nehmen würde. Mittlerweile ist diese Frage geklärt: Florian Müller bleibt der Mann der Wahl. Dennoch hat der ewige Zweikampf beide Kandidaten in ihrer Leistung extrem gepusht und so dürfte auch Zentner eine rosige Zukunft vor sich sehen. Ob diese beim 1. FSV Mainz 05 sein wird, bleibt hingegen abzuwarten.

 

Vom Höhenflug und Absturz des Jens Lehmann

Für einen anderen Torwart lief die Saison nicht ganz so glanzvoll. Mit großen Erwartungen auf den Schultern trat einer der ehemals besten Keeper der Welt seine Karriere als Co-Trainer beim FC Augsburg an. An der Seite von Manuel Baum wollte er den Verein zu neuem Erfolg führen. Nur 71 Tage später ist dieser Traum geplatzt. Es folgte die Entlassung, bis heute jedoch ohne abschließenden Kommentar über die Gründe. Offiziell war es Manuel Baum, welcher gehen musste und wie üblich auch der Co das Feld zu räumen hat. Schließlich hat der anschließend verpflichtete Martin Schmidt seinen eigenen Mann des Vertrauens an der Seite. Was bleibt, ist aber ein bitterer Nachgeschmack und die Frage, ob Lehmann einen dritten Versuch als (Co-) Trainer starten wird oder doch in anderen Bereichen sein Glück versucht.

 

Enttäuschung bei Ralf Fährmann

Da wäre noch ein Torwart, welcher seine Träume für die Bundesliga-Saison 18/19 nicht einmal annähernd erfüllen konnte. Ralf Fährmann plante Großes mit dem FC Schalke 04 nach dem Erreichen der vorjährigen Vize-Meisterschaft – und endete als Nummer zwei. Als Kapitän und Liebling der Fans gestartet, gleicht der Abstieg des Fährmann dem Ende einer ganzen Ära. Des einen Leid ist des anderen Freude. Profitiert hat von der Degradierung Alexander Nübel. Der U-21 Nationalspieler erweckte jüngst sogar das Interesse der Bayern und wusste in seiner Premieren-Saison durchaus zu überzeugen.

 

Wenig überraschender Torschützenkönig

Besser lief die Saison für Robert Lewandowski. Der Stürmerstar der Bayern konnte insgesamt 22 Tore erzielen und führt somit zum vierten Mal in seiner Karriere den Titel als erfolgreichster Torschütze. Zuvor gelang ihm dies bereits in den Jahren 2013/14 mit 20 Toren (damals noch mit dem BVB), 2015/16 mit 30 Toren und vergangene Saison mit 29 Toren. „Optimal ist es, wenn wir Deutscher Meister werden und ich die Torjägerkanone gewinne. Beide Titel zusammen wären perfekt!“, verriert er zu Beginn der Saison. Hinter Lewandowski reihen sich die Dortmunder Offensivspieler Paco Alcacer mit 18 und Marco Reus mit 17 Treffern ein.

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Schluss beim FC Bayern im Sommer 2019 - Franck Ribery. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Selten war die Jobsicherheit für Trainer so gering wie in dieser Saison. Dieter Hecking, selbst zum Ende der Saison in Gladbach entlassen, monierte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Dortmund dass man die Trainer doch eigentlich gar nicht mehr brauche. Denn selbst im Erfolgsfall werden diese öffentlich kritisiert und angezählt, meistens gar vom Verein ausgetauscht.

Aktuelles Beispiel dafür ist die nicht enden wollende Diskussion um Nico Kovac, dessen Anzeichen eher auf Abschied statt auf Verbleib deuten. Auch wenn er selbst um seinen Job kämpft, pfeiffen es die Spatzen seit Wochen von den Dächern. Keinerlei Rückendeckung von den Verantwortlichen, welche die Diskussion mit einem Treuebekenntnis problemlos beenden könnten – und das trotz Meisterschaft und vermeintlichem Double.

Ein Trend der in dieser Saison auffällt. Leverkusen, Stuttgart, Hannover, Schalke, Augsburg und Nürnberg wechselten in der laufenden Saison ihren Übungsleiter. Für die kommende Saison haben zudem bereits Gladbach, Hoffenheim, Leipzig, Hertha BSC und Stuttgart eine Veränderugn auf der Trainerposition verkündet. Sogar Zweitliga-Aufsteiger Köln trennte sich von Cheftrainer Markus Anfang.

 

Abschied unter Tränen für und mit „Robbery“

Lange Zeit waren sie das „Traumpaar“ des FC Bayern München. Eine Flügelzange die ganz Europa das Fürchten lehrt und 2013 gar das historische Tripple nach München brachte.

Nun war das letzte Bundesliga-Spiel der Saison für die beiden Superstars Ribéry und Robben zugleich ihr glorreicher Abschied von den Bayern-Fans – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem glorreichen 5:1-Sieg konnten sie ihr letzes Heimspiel vor den eigenen Fans fulminannt bestreiten. Beide trafen in der elften Minuten ihrer jewieligen Einwechslung. Während Robben die Kugel lediglich nach Alaba-Zuspiel lediglich noch einschieben musste, verzückte Ribery die Alianz Arena mit einem Traumtor. Den Buchmachern schien dieser souveräne Sieg bereits vor dem Spiel sicher. Dennoch herrschte Erleichterung die siebte Meisterschaft in Folge dann auch final gewonnen zu haben: „Da oben muss jemand von oben Regie geführt haben“, kommentierte Hoeneß diesen grandiosen Auftritt seiner Stars. „Ich bin sehr glücklich und dankbar. Es war der große Tag – und es gab das Happy End“, fasste Robben etwas bescheidener zusammen. Ein Happy End hatte der Spieltag definitiv.

Was bleibt, was geht, was kommt?

Deutscher Meister 2019 mit dem FC Bayern München: Niko Kovac und sein Bruder Robert (r.) präsentieren die Meisterschale.
Deutscher Meister 2019 mit dem FC Bayern München: Niko Kovac und sein Bruder Robert (r.) präsentieren die Meisterschale. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Für die anderen Vereine verlief die Saison dementsprechend weniger erfolgreich. Welche Ergebnisse hat die Bundesliga nun also final mit sich gebracht?

  • Als einziger wirklicher Gegner des FC Bayern München konnte Borussia Dortmund den Kampf um den Meistertitel in der Saison 2018/19 lange Zeit spannend halten. Für die Borussia war dieses Jahr deutlich mehr drin, musste sich am Ende aber jedoch geschlagen geben.
  • Geschlagen geben mussten sich auch Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg, und zwar dem Abstiegskampf. In der kommenden Saison werden beide Clubs in der 2. Liga antreten.
  • Der VfB Stuttgart hat es hingegen mit Mühe und Not geschafft, sich in die Relegation zu retten. Zwei „Endspiele“ gegen die Union Berlin werden nun darüber entscheiden, wie es weitergeht.
  • Eine Saison zum Vergessen war es auch für den FC Schalke 04 mit Platz 15. Immehrin konnte man Erzfeind Dortmund mit einem 4:2 Sieg die wohl entscheidenden Punkte im Meisterrenen abgewinnen.
  • Die TSG 1899 Hoffenheim hat mit einer dramatischen Niederlage am letzten Spieltag ihre Chance auf die Europa League vergeigt. Ein Sinnbild für die Saison, in der das Team vom scheidenden Coach Julian Nagelsmann immer wieder Punkte nach Führungen abgab.
  • Von eben dieser Niederlage profitiert die Eintracht aus Frankfurt und ist somit trotz 5:1-Niederlage gegen den FC Bayern München auch näcshtes Jahr international vertreten. Nach der überragenden Europa-League Saison auch absolut verdient.
  • Vergeigt hat auch Borussia Mönchengladbach die Chance auf die Teilnahme an der Champions League. Gegen Dortmund hätte am letzten Spieltag zu Hause ein Sieg dafür gereicht.
  • Bayer 04 Leverkusen hatte da schon mehr Glück und konnte von dem Fehltritt Gladbachs profitieren. Nächstes Jahr heißt es für Bayer daher wieder Champions League.

 

Und zum Schluss…

…soll dann doch endlich mal Klarheit in die Debatte um das Handspiel gebracht werden: Die Regel Nummer zwölf beim DFB definiert dieses in den Statuten wie folgt: „Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt.“ Nur lässt sich diese Absicht eben nicht immer mit Sicherheit feststellen. Da ist auch der Videobeweis nicht immer eine Hilfe. Aus diesem Grund soll es demnächst einen genaueren Fahrplan für den Umgang mit dem Handspiel geben und dementsprechend nur dann ein Foul zur Folge haben, wenn ein eindeutiges sowie bewusstes Handspiel einhergeht.

Auch in der kommenden Saison 2019/20 wird es also wohl wieder reichlich Diskussionen geben – sei es um das Handspiel, den Videoassistenten oder die Bestrafung des letzten Manns… Einen Grund zum Debattieren gibt es im Fußball schließlich immer. Nun gibt es aber erst einmal Grund zum Feiern, und zwar das Ende einer spannenden Bundesliga-Saison 2018/19.

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