EM-Qualifikation: Das sind 5 Gewinner bei der Nationalmannschaft


Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich am Dienstag mit einem 8:0 (5:0) gegen Estland in Mainz in die verdiente Sommerpause und in die Halbzeit der EM-Qualifikationskampagne für 2020 verabschiedet.

Gegen die chancenlosen Esten sprüht die Mannschaft um Marco Reus (30) nur so vor Spielfreude. Zuvor hat sie mit einem unaufgeregten und jederzeit seriösen 2:0 die Pflichtaufgabe in Weißrussland gelöst. Ganz stark ist der Auftritt beim 3:2 gegen die Niederlande zum Auftakt in Amsterdam.

,,Der personelle Umbruch, der auch kommen musste, ist jetzt da“, sagt Europameister Steffen Freund (49), ,,er kam nur zu spät, er hätte nach dem Confed-Cup und vor der WM kommen müssen.“

In Russland 2018 hat Joachim Löw seinem routinierten Personal fast blind vertraut – und muss dafür bezahlen. Vorrunden-Aus als Weltmeister, in einer Reihe mit Frankreich (2002), Italien (2010) und Spanien (2014), schlechteste deutsche WM-Leistung aller Zeiten. Die folgende Premiere bei der UEFA Nations League mit dem Abstieg aus Gruppe A macht die Dinge nicht besser, zeigt aber, dass der Verjüngungsprozess – nach der WM sortiert Löw nur Sami Khedira aus – noch längst nicht abgeschlossen ist.

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Nach dem 0:3 in Amsterdam gegen die Niederlande schleichen die deutschen Spieler enttäuscht vom Platz. Seit Freitag ist der Abstieg aus der Nations League besiegelt. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
Im März vollzieht Joachim Löw dann den harten Umbruch. Er kündigt völlig überraschend an, die Bayern-Stars Jérome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller nicht mehr für die Nationalmannschaft zu nominieren – und bricht dabei mit 3 seiner Weltmeister.

Der Start in die EM-Qualifikation bringt die Wende: 3:2 gegen Holland in Amsterdam. Ein Big Point für die angeschlagene ,,Mannschaft“, in der sich in den folgenden Spielen 5 Gewinner hervortun.

Gewinner der EM-Quali 5: Marco Reus

Marco Reus und Nico Schulz stehen für den Aufschwung der deutschen Nationalmannschaft nach der desaströsen WM. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
3 Spiele, 3 Tore – Marco Reus (30) hat sich in in der ersten Hälfte der EM-Qualifikationskampagne ganz klar als Stürmer Nummer 1 und als Führungsspieler profiliert.

Der Dortmunder Kapitän spielt seine hervorragende Technik und seine Routine komplett aus, ist neben Manuel Neuer (33) einziger Spieler über 30 Jahre in der umformierten Nationalmannschaft.

Seine Tore in den Spielen gegen Estland und Weißrussland? Eines schöner als das andere und in Amsterdam legt er Nico Schulz klug das 3:2-Siegtor auf.

,,Marco hat mit seinem Ballgefühl und mit seinen weiten Wegen gute Spiele gemacht und einen verdienten Abschluss geschafft“, sagt DFB-Interimstrainer Marcus Sorg über ihn. „Der Junge trainiert viel und belohnt sich selbst“, so Welt- und Europameister Jürgen Klinsmann.

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Deutschlands U17-Europameister von 2009 - Würden Sie sie erkennen? Stehend v. l. Marc-Andre ter Stegen, Goalkeeper, Lennart Thy, Shkodran Mustafi, Kevin Scheidhauer, Bienvenue Basala-Mazana, Robert Labus sowie vorn v. l. Reinhold Yabo, Christopher Buchtmann, Matthias Zimmermann, Marvin Plattenhardt und Mario Götze.

Gewinner der EM-Quali 4: Serge Gnabry

Netter Versuch mit der Hacke gegen Estland - Serge Gnabry sprühte in der EM-Quali nur so vor Spielfreude
Netter Versuch mit der Hacke gegen Estland - Serge Gnabry sprühte in der EM-Quali nur so vor Spielfreude. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Kaum ein Spieler verkörpert diese neue deutsche Leichtigkeit so sehr wie Serge Gnabry. (23).

Der Double-Gewinner vom FC Bayern München bringt Unbekümmertheit und absolute Spielfreude ins Team ein.

Seine Bilanz spricht für sich: 7 Tore in 6 Länderspielen, davon 2 beim 8:0-Kantersieg gegen Estland.

,,Er gehört zu den Spielern, die der Mannschaft Stabilität verleihen“, sagt Interimstrainer Marcus Sorg schon vor dem Spiel in Mainz über ihn. Mit seiner Schnelligkeit, seine hohen Laufbereitschaft und seiner Übersicht, auch beim Überspielen der gegnerischen Vierer-Kette, ein absoluter Zugewinn für das Team.

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Gewinner der EM-Quali 3: Leroy Sané

Leroy Sané beim öffentlichen Training mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Aachen am 5. Juni 2019.
Leroy Sané beim öffentlichen Training mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Aachen am 5. Juni 2019. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Leroy Sané ist sicherlich der Verlierer vor der WM 2018, danach hat er sich Stück für Stück in den Fokus gespielt.

Ob und wie es in Russland mit dem Außenstürmer von Manchester City, dem teuerten deutschen Spieler aller Zeiten, gelaufen wäre, darüber kann man spekulieren.

Fakt ist: In der Nach-WM-Ära hat sich Leroy Sané im Team etabliert – und er hat in einigen Spielen den Tür-Öffner gegeben. Sané trifft in allen 3 EM-Quali-Spielen der Saison 2018/2019.

Er ist mit 100 Mio. Euro der wertvollste deutsche Nationalspieler aktuell. ,,Seine Qualität ist überragend“, sagt der neu für die Nationalmannschaft nominierte Keeper Sven Ulreich, ,,er würde mit seinem Potenzial Bayern München sehr gut zu Gesicht stehen.“ Das glaubt auch Europameister Steffen Freund: ,,Sané würde der Bundesliga gut tun.“

Gewinner der EM-Quali 2: Ilkay Gündogan

Ilkay Gündogan erzielt per Elfmeter das 4:0 beim 8:0-Kantersieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Quali gegen Estland.
Ilkay Gündogan erzielt per Elfmeter das 4:0 beim 8:0-Kantersieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Quali gegen Estland. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
Bei Ilkay Gündogan (28) muss man nach der katastrophalen WM und der vorangegangenen ,,Erdogan-Affäre“ eine ähnliche Reaktion wie bei Mesut Özil befürchten.

Der Mittelfeldspieler von Manchester City und sein Nationalmannschaftskollegen lassen sich im Mai 2018 kontrovers mit dem umstrittenen türkischen Ministerpräsidenten fotografieren und lösen damit eine Affäre aus. Nach der WM tritt Özil zurück.

Gündogan, bei der WM nur beim einzigen Sieg – 2:1 gegen Schweden, wir erinnern uns – im Einsatz, kehrt erst im März 2019 gegen Serbien wieder in den DFB-Kader zurück.

Mit überragendem Spielverständnis und vielen Ballaktionen, allein gegen Weißrussland sind es 133, hat er gegen den im Juni nicht bei der Nationalmannschaft weilenden Toni Kroos von Real Madrid auf der Sechser-Position den Konkurrenzkampf eröffnet. Spannend wird sein, wem Löw auf dieser Position in der entscheidenden Phase der Quali im Spätsommer gegen Holland in Hamburg und gegen Nordirland in Belfast den Vorzug geben wird.

Gewinner der EM-Quali 1: Manuel Neuer

Manuel Neuer hat seine. Ausnahmestellung in der deutschen Nationalmannschaft in der EM-Quali 2018/2019 untermauert.
Manuel Neuer hat seine. Ausnahmestellung in der deutschen Nationalmannschaft in der EM-Quali 2018/2019 untermauert. (Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)
Ansturm abgewehrt! Ist die Nominierung des Weltmeisters von 2014 und besten Torhüters des Turniers in Brasilien bei der Endrunde in Russland 2018 noch heiß diskutiert, so erscheint sie jetzt fast unverzichtbar.

Okay, Marc-André ter Stegen hat in Neuers verletzungsbedingter Abwesenheit mit dem Gewinn des Confederations-Cup 2017 am Thron des Wahl-Münchners gerüttelt.

Letztlich hat Neuer jedoch gerade im engen Spiel in den Niederlanden (3:2) gezeigt, dass mit ihm auch mit 33 immer noch schwer zu rechnen ist. Er gibt den mitspielenden Keeper, den Motivator, den unaufgeregten Kapitän. Die Truppe mit Spielern aus 15 Ländern scheint irgendwie nicht so richtig zusammen zu finden und stürmt mit konsequentem 4-3-3-Offsensivsystem ins Verderben.

„Wir können stolz sein auf das, was wir in den letzten beiden Länderspielen gezeigt haben, wir haben einen guten Spielfluss und haben den Gegner nieder gespielt“, sagt Manuel Neuer nach dem Kantersieg gegen Estland (8:0) in Mainz. Er spricht auch über den Kampf um die Nummer 1: ,,Wir sind ein Fußball-Land und jeder darf zu den Torhütern seine Meinung sagen und deshalb ist ein gesunder Konkurrenzkampf immer wichtig. Wir wollen im Sommer eine Super-Mannschaft da stehen haben.“

LigaliveTV: Die ,,Moped-Gang" des DFB - Ein Gewinner der EM-Quali