Eintracht Frankfurt und die „Büffelherde“ auf den Spuren des FC Bayern


„Mia san mia“ gegen „Lebbe geht weider“ – Eintracht Frankfurt hat mit dem 4:1 gegen Schachtjor Donezk in der Zwischenrunde der Europa League ganz Fußball-Deutschland begeistert. Die SGE bricht weiter die eigenen Bestmarken. Selbst der deutsche Tor-Rekord in diesem Wettbewerb, selbstredend aufgestellt vom FC Bayern, scheint nun für die Hütter-Elf in Reichweite.

Entscheidende Tore gehen in Frankfurt wohl nur per „Übersteiger“…

War es am 29. Mai 1999 im legendären Spiel gegen Lautern (5:1) der Norweger Jan Age Fjörtoft (52), der mit diesem Trick für den Liga-Erhalt der Hessen sorgte, so ist es am Donnerstag Sebastién Haller, der Frankfurt auf die gleiche Weise ins Glück schießt.

„Das ist ja klasse“, freut sich Fjörtoft mit seinem „Nachfolger“ Haller über die Wiederholung dieses besonderen Moments bei Twitter, „Danke, Mister Haller, ein Frankfurter Stürmer macht wieder einen Übersteiger.“

Die Frankfurter machen in dieser Saison in Europa noch viel mehr. Sie polieren die deutsche EL-Bilanz auf, die am Donnerstagabend nach dem peinlichen Aus vom Bosz-Dienst aus Leverkusen nicht besser wurde…

Sebastién Haller schoss Eintracht Frankfurt gegen Donezk per Übersteiger ins Glück. (Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Europa League: 2 Rekorde hat Frankfurt schon…

Tore wie dieses von Luka Jovic gegen Olympique Marseille verfolgt man scheinbar auch in Barcelona und Madrid mit gesteigertem Interesse... (Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Mit dem bärenstarken 4:1 (2:0) gegen Schachtjor Donezk (Hinspiel: 2:2) zieht der UEFA-Cup-Sieger von 1980 erstmals seit 24 Jahren wieder in ein europäisches Achtelfinale ein.

Zuvor sind 6 Siege in 6 Gruppenspielen schon die beste deutsche Bilanz aller Zeiten in einer Champions- oder Europa-League-Vorrunde.

Die Treffer von Luka Jovic, 2-mal von Haller und Ante Rebic – in Fan- und Fachkreisen auch „Die Büffelherde“ genannt, schrauben das SGE-Torkonto in dieser jetzt schon denkwürdigen Europa-League-Spielzeit auf 23 Treffer hoch. Die bisherige Bestmarke von Werder Bremen ist durch den Übersteiger von Haller übertroffen. Die Hanseaten haben in der Premieren-Saison der Europa-League nach der Novellierung 2009/2010 insgesamt 21 Treffer erzielt. Allein der legendäre Claudio Pizarro trägt sich mit 9 Toren in 8 Spielen in die Schützenliste der Werderaner ein. Top-Torjäger der Frankfurter ist aktuell Luka Jovic (21) mit 6 Buden in 8 Spielen. Günstiger wird der Serbe bei einem möglichen Abgang aus der Main-Metropole damit sicher nicht. Allerdings hat der Leihstürmer aus Lissabon noch lange nicht genug von dieser Europa League. „Wenn wir zusammenspielen, ist kein Gegner zu groß“, sagt Jovic.

Könnte man so sehen. Stürmt die Eintracht mit dieser Dynamik weiter, wackelt auch der Tor-Rekord des besten deutschen Klubs im UEFA-Cup.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Nur einmal mochte Bayern den „Cup der Verlierer“

Klinsmann und Matthäus - das ging gar nicht.
Klinsmann und Matthäus - das ging gar nicht. Foto: Imago

Es ist der FC Bayern München, Lord-Siegelbewahrer der meisten nationalen und internationalen Rekorde in Fußball-Deutschland, der im „Cup der Verlierer“ (Franz Beckenbauer) die bis heute gültigen Maßstäbe gesetzt hat.

In der Saison 1995/96 müssen die Bayern zähneknirschend in den UEFA-Pokal. Mit dem neuen Coach und Zuchtmeister Otto Rehhagel (80) erreichen die Münchner das Halbfinale in dem Wettbewerb, der damals noch im reinen K.o.-System ausgespielt wird.

Auf dem Weg in die Halbfinals gegen den FC Barcelona (2:2 / 2:1) freundet sich das von den Charakteren her hoch explosive „Dream Team“ mit den Superstars Mario Basler, Oliver Kahn, Jürgen Klinsmann, Lothar Matthäus und Ciriaco Sforza immer mehr mit dem Wettbewerb an. Auf Europas Fußball-Hinterhöfen räumen die Bayern so richtig ab. Bis zum Hinspiel gegen den FC Barcelona mit dem 2-Königs-Treffen mit Johan Cruyff und Rehhagel im März 1996 liegt die Münchner Tor-Ausbeute bei 23 Treffern – also exakt der Wert den Frankfurt jetzt nach der Runde der letzten 32 Klubs erreicht hat.

Nach dem Erfolg in Camp Nou bei „Barca“ sorgen die Bayern für einen weiteren Paukenschlag. Sie trennen sich von Rehhagel und holen den „Kaiser“ zurück. Franz Beckenbauer (damals 50) betreut das Team für den Rest der Saison. Er führt seinen FC Bayern zum souveränen Final-Erfolg gegen Girondins Bordeaux (2:0 / 3:1). Die Franzosen haben mit Christophe Dugarry, Bixente Lizarazu und einem gewissen Zinedine Zidane 3 Spieler im Team, von denen noch zu lesen sein wird…Die Tor-Bilanz ist am Ende wirklich Bayern-like. 32 Tore, davon allein 15 von Jürgen Klinsmann. Passt! Zum Vergleich: Schalke 04, 1997 bislang letzter deutscher UEFA-Cup-Sieger, kommt im darauffolgenden Jahr auf nur 18 erzielte Tore.

Ligalive Infografik: Team Performance Eintracht Frankfurt, Europa-League-Saison 2018/2019

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