Europacup-Finals: Let’s talk English, not Hessisch…


Eden Hazard schoss den FC Chelsea gegen Eintracht Frankfurt mit dem 5. Ball im Elfmeterschießen ins Finale von Baku. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Schluss, Aus, vorbei – Eintracht Frankfurt hat am Donnerstag in einem echten Mitternachts-Krimi in der Europa League beim FC Chelsea (4:5 n. E.; 1:1, 1:1, 1:0) den historischen Final-Einzug verpasst – und dem Europapokal ein Novum beschert.

Wir schreiben das Jahr 2019 nach Christus. Ganz Europa ist von den Engländern besetzt. Ganz Europa? Nein! Eine unbeugsam kämpfende Büffelherde aus Hessen wehrt sich als letzter gegen das drohende Szenario mit 2 Europapokal-Finals mit 4 englischen Teams. Die tapferen Gefährten aus Amsterdam, Barcelona und Valencia sind schon geschlagen. Die fröhliche Schar aus Hessen scheitert am Ende an der ,,englischen Krankheit“.

Die Frankfurter erzwingen beim FC Chelsea nach 120 Minuten ein 1:1, erspielen sich mit ihrem ungemein kompakten Auftritt noch mehr Sympathien und Respekt, als sie ohnehin schon vor dem Halbfinale genossen – und verlieren im Elfmeter-Drama mit 3:4.

Damit gibt es erstmalig in der Europapokal-Historie 2 Finalspiele mit 4 Teams aus dem gleichen Land. Die englische Premier League geht am 29. Mai und am 1. Juni mit dem FC Chelsea, dem FC Arsenal, FC Liverpool und Tottenham Hotspur in die Finals von Baku und Madrid. Die Fußballstadt London stellt sogar 3 Teams. Would you believe it?

Diese Rettungsaktion von David Luiz vom FC Chelsea vor der Torlinie kostete Eintracht Frankfurt das Europa-League-Finale. (
Diese Rettungsaktion von David Luiz vom FC Chelsea vor der Torlinie kostete Eintracht Frankfurt das Europa-League-Finale. (Photo by Clive Mason/Getty Images)

Englische Europacup-Finals gab es schon 1972 und 2008

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Cristiano Ronaldo (m.) und sein größter Erfolg mit Manchester United: Champions-League-Sieger 2008 im Finale von Moskau. (Photo by Michael Steele/Getty Images)
Für den favorisierten FC Liverpool lässt sich aus den beiden vorangegangenen, rein englischen Finalspielen der Europacup-Historie nicht wirklich viel ableiten.

Das englische Champions-League-Finale 2008 mit Manchester United und dem FC Chelsea (6:5 n. E.) verliert der Klub aus dem Londoner Südwesten. Das Insel-Duell im UEFA-Cup 1972 mit Tottenham Hotspur gegen Wolverhampton Wanderers entscheiden die ,,Spurs“ in 2 Finalspielen (2:1 / 1:1) für sich.

Für Kritiker der Premier League, die mit einem Geldsegen von 8 Milliarden Euro an TV-Geldern alle anderen europäischen Top-Ligen weit überflügelt hat, ist diese Konstellation ein Albtraum.

Das ist es wohl auch für die Spieler und Fans von Eintracht Frankfurt. 2 Bälle haben zur Sensation gefehlt, die SGE ist kurz davor, nach dem San Siro in Mailand und dem Olimpico in Rom auch die Stamford Bridge zu nehmen und als einziger, nicht von Investoren geführter Klub in ein europäisches Finale einzuziehen. Als dies das letzte Mal der Fall ist, 1979/80, wird, auch das ist einmalig, im UEFA-Cup noch Deutsch gesprochen. Die Frankfurter Eintracht, ihr Halbfinal-Gegner FC Bayern München, Borussia Mönchengladbach und der VfB Stuttgart bilden das deutsche Halbfinale. Gladbach und Frankfurt spielen den UEFA-Cup unter sich aus.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Adi Hütter: ,,Müssen die Köpfe wieder hoch bekommen"

Eintracht Frankfurt nach dem Europa-League-Aus beim FC Chelsea. Am letzten Bundesliga-Spieltag droht den ,,Adlern" der totale Frust. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Nach dem bitteren Ende des dramatischen Halbfinal-Thrillers der Europa League beim FC Chelsea herrscht bei Eintracht Frankfurt große Enttäuschung – aber auch Stolz.

,,Es tut natürlich im ersten Moment weh, denn wir hätten es verdient gehabt, ins Finale zu kommen», sagt Eintracht-Trainer Adi Hütter (49) in der Nacht zum Freitag nach dem 4:3 (1:1, 1:1, 1:0) im Elfmeterschießen an der Stamford Bridge in London. ,,Es war ein wundervolles Match, Frankfurt war in der 2. Halbzeit besser als wir“, so Chelseas italienischer Coach Maurizio Sarri.

Der DFB-Pokalsieger kann den letzten Schritt ins Finale nicht mehr machen, hat aber Eindruck in 14 Europacupspielen hinterlassen und noch ein großes Ziel. Die Eintracht, die diesen Wettbewerb zelebriert hat wie kein anderes deutsches Team zuvor,  will im Rhein-Main-Derby am Sonntag gegen den FSV Mainz 05 den 4. und letzten Champions-League-Platz in der Bundesliga verteidigen.

Nach dem Kraftakt und der Enttäuschung von London droht den Hessen in den letzten 2 Bundesliga-Spieltagen das Szenario, am Ende sogar auf den sportlich nicht relevanten 8. Tabellenplatz zu fallen. Bayer Leverkusen liegt mit ebenfalls 54 Punkten und mit nur 5 Toren Unterschied an 5. Stelle. Auch der VfL Wolfsburg (7./52 Zähler) und 1899 Hoffenheim (6./51) können die Eintracht noch überholen. Schließlich müssen die Frankfurter in der letzten Partie bei Bayern München antreten. ,,Wir müssen die Köpfe ganz schnell nach oben bringen, denn wir haben ein ganz wichtiges Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 vor uns, das wir unbedingt gewinnen wollen“, sagt Adi Hütter, ,,natürlich sind die frisch und meine Jungs sind über 120 Minuten gegangen. Jetzt heißt es, Kräfte bündeln und Energie tanken. Wir müssen viel Positives aus diesem Spiel mitnehmen, auch wenn wir ausgeschieden sind.“ Frei nach dem Motto des großen serbo-hessischen Philosophen Dragoslav Stepanovic: ,,Lebbe geht weider“.

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