Der FC Bayern steckt in der Klemme, schon wieder eine Absage


Glanzvoll im Ajax-Trikot. Hakim Ziyech.
Glanzvoll im Ajax-Trikot. Hakim Ziyech. Foto: Getty Images

Der FC Bayern steckt da, wo er nur sehr ungern steckt. In der Klemme. Die Verletzung von Leroy Sané hat die Planungen der Münchner gehörig durcheinandergebracht. Nimmt der Klub nun Abstand von einer Verpflichtung? Oder kauft er den Flügelstürmer erst im Winter 2019/20.

Und was sind die Alternativen? Ein Nationalspieler Marokkos stand ganz oben auf dem Wunschzettel des FC Bayern und sollte der Hoffnungsträger für die Hinrunde werden. Doch der hat keine Lust auf München und hat seinen Vertrag bei seinem Heimatklub gerade verlängert.

Das Beispiel zeigt: Der FC Bayern hat ein Kompetenz- und Entscheidungsproblem. Die vier Entscheider können sich auf nichts einigen. Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Hasan Salihamidzic und Niko Kovac sind sich uneiniger als die Groko.

Spieler, die der Trainer will, will Hasan I. nicht.  Wen Hoeneß gut findet, den findet Rummenigge doof. Und Spieler, die Hasan mag, sind nicht zu haben. Oder er stellt sich so an, dass sie nicht zu haben sind. Die Folge: Das große Nichts. The big Transfer-Empty.

Endlich mal ein gelungener Transfer.
Endlich mal ein gelungener Transfer. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Alte Zeiten und Transferanekdoten

Impulsiv und unberechenbar: Franck Ribéry beim FC Bayern München.
Impulsiv und unberechenbar: Franck Ribéry beim FC Bayern München. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
Jetzt flüchten sich die Macher in alte Zeiten und Anekdoten. Und müssen sich beruhigen. Dafür werden dann die alten Erfolgsgeschichten zitiert. Das geht so.  

Die Bosse des FC Bayern fangen an zu erzählen. Von ihren erfolgreichen Last-Minute-Käufen – damals, als es noch keine Smartphones und kein WhatsApp gab. Arjen Robben verpflichteten sie vor zehn Jahren erst Ende August, er war ein Topeinkauf von Real Madrid. Roy Makaay kam nach einem unendlich langen Poker mit Deportivo La Coruña ganz spät nach München und schlug ebenfalls ein.

Drei Wochen vor Ende des Sommertransferfensters in der Bundesliga am 02. September hat der deutsche Meister ein Problem: Noch immer hat er keinen neuen Topspieler für die Offensive verpflichtet. Arjen Robben, Franck Ribéry und James haben die Bayern verloren, hinzubekommen haben sie Fiete Arp. Die bislang gezahlten 120 Millionen Euro investierte der Klub in Verteidiger – Lucas Hernández und Benjamin Pavard sollen die Bayernabwehr moderner und sicherer machen. Sportdirektor Hasan Salihamidzic steht enorm unter Druck. Denn er hat Spielervorschläge seines Trainers Niko Kovac reihenweise abgelehnt. Von Denis Zakaria (Borussia Mönchengladbach) bis zu den Eintracht-Büffeln Jovic und Rebic. „Vier Spieler brauchen wir noch“, sagte der Trainer Ende Juni dem „Kicker“.

Uli Hoeneß antwortete: „Bis Ende Juli musst du fertig sein“, sagte der Präsident. Und versicherte, dass der FC Bayern zum Bundesliga-Start am 16. August „eine gute Mannschaft auf dem Platz haben“ werde.

Ein Nationalspieler Marokkos war dabei ein besonderer Hoffnungsträger für die Hinrunde: Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam. Die Münchner hatten seit längerem Kontakt zum Spieler. Hasan I.  besuchte mit Chefscout Marco Neppe diverse Ajax-Spiele. Und: Trainer der Amsterdamer ist Erik ten Hag, zuvor für die zweite Mannschaft der Bayern verantwortlich. Doch die Bayern-Hoffnungen haben sich wohl zerschlagen. Denn Ziyech hat seinen Vertrag bei den Niederländern am Freitag, den 09.08. bis 2022 verlängert. Dies dürfte zumindest die Ablöse weiter steigern, falls es überhaupt noch eine Chance für einen Transfer in diesem Sommer gibt. Dabei hätte Ziyech ideal ins Anforderungsprofil der Bayern gepasst.

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Eine Biographie ähnlich wie Franck Ribery und endlich ein Transfer

Robbery ist Vergangenheit beim FC Bayern.
Robbery ist Vergangenheit beim FC Bayern. Foto: Getty Images

Der Stürmer lief in seiner Jugend noch für die U-Teams der Niederlande auf und spielte in der vergangenen Saison groß auf. Er hat eine ähnliche Biographie wie Franck Ribery. Er ist das jüngste Kind einer großen Familie. Als er zehn Jahre alt war, starb sein Vater. Ziyech drohte, so heißt es, auf die schiefe Bahn zu geraten. Er brach früh die Schule ab, Geschichten über Drogen und Alkohol werden in Amsterdam erzählt.

Wie Ribéry wuchs er in eher prekären Verhältnissen auf. Der Fußball war Rettung und Motivation zugleich. Ziyech gilt als nicht eben pflegeleicht.  Immer wieder geriet er mit Trainern aneinander. Doch mit Wut, Ehrgeiz und Willen schaffte er es über den SC Heerenveen und den FC Twente zu Ajax – ein Attitude Man. Ziyech ist wie Ribery Muslim. Man erzählt sich, er habe im Halbfinale der Champions League einen Energieriegel während des Spiels gegessen. Es war Ramadan, und da durfte er vor Sonnenuntergang nichts essen.

Warum Ziyech für die Bayern trotz der Vertragsverlängerung so interessant ist? Er kann offensiv zentral aber auch auf beiden Außenbahnen spielen. Wenn Sané 150 Millionen Euro wert ist, dann dürfte – gemessen am Leistungsvermögen – der Marokkaner nicht viel billiger sein. Dennoch heißt es, er sei weiterhin für einen Betrag nördlich von 50 Millionen Euro zu haben.

Aber wenn die zerstrittenen Vier beim FC Bayern sich nicht einig sind, dann wird es eben nichts mit Transfers. Nur mit Anekdoten. Allerdings soll Karl-Heinz Rummenigge jetzt in einer anderen Causa ein Machtwort gesprochen haben. Trotz großer Vorbehalte von Hasan, dem Unvollendeten, wird Ivan Perisic nach München kommen. Egal ob er etwas zu langsam, nicht ganz so zweikampfstark und schon 30 Jahre alt ist.

Ganz ohne Transfer will Kalle den FC Bayern doch nicht dastehen sehen. Dann fehlen immer noch drei der vier von Kovac geforderten Spieler. Timo Werner, Philippe Coutinho und Steven Bergwijn werden weiterhin an der Säbener Straße genannt.

Werner würde wohl 50 Millionen Euro kosten, Bergwijn weniger als 35 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat des FCB hat jedenfalls das große Einkaufspaket genehmigt, die Bayern dürfen bis September insgesamt rund 200 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben haben. Man muss sich nur endlich entscheiden, sonst ist das Transferfenster zu.

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