FC Liverpool: Bullen-Kur für Jürgen Klopp in der Champions League


Was haben der FC Barcelona, der FC Chelsea, Real Madrid und der FC (Red Bull) Salzburg gemeinsam?

Ist doch klar, sie spielen alle 4 aktuell in der Champions League, könnte man jetzt frohlockend rufen. Doch es gibt noch mehr Parallelen. Die ,,Roten Bullen“ aus Salzburg legen in ihrem 2. Spiel in der ,,Königsklasse“ und nach dem Hattrick von Torjäger Erling Braut Haland (19) im ersten Spiel gegen KRC Genk (6:2) die nächste Bestmarke auf.

Als überhaupt erst 4. Team in der ruhmreichen Europapokalgeschichte des FC Liverpool gelingen den Salzburgern im Stadion von Anfield 3 Tore. Das schaffen zuvor nur ,,Barca“, die ,,Blues“ und ,,die Königlichen“ – und alle 3 gewinnen dabei jeweils ihre Spiele.

Die Österreicher sind am Mittwochabend nach furiosem Zwischenspurt am Ende beim 3:4 (1:3) doch noch der Verlierer, aber sie haben dem Titelverteidiger alles abverlangt und die Schwächen der ,,Reds“ gnadenlos offen gelegt. Findet zumindest Liverpools deutscher Trainer Jürgen Klopp (52).

Jürgen Klopp beim Spiel FC Liverpool gegen FC Red Bull Salzburg am 2. Oktober 2019 in Anfield.
Jürgen Klopp beim Spiel FC Liverpool gegen FC Red Bull Salzburg am 2. Oktober 2019 in Anfield. Foto: Imago Images / AnthonyxDevlin

Klopp: ,,In der ersten halben Stunde eines unserer besten Spiele"

Mit diesem Treffer zum 4:3 gegen den FC Salzburg bewahrte Mo Salah den FC Liverpool vor dem kompletten Fehlstart in die Champions-League-Saison.
Mit diesem Treffer zum 4:3 gegen den FC Salzburg bewahrte Mo Salah den FC Liverpool vor dem kompletten Fehlstart in die Champions-League-Saison. Foto: Imago Images / Anthony Devlin
Der Gefühls-Achterbahnfahrt gegen Salzburg, die 3.000 mitgereiste RB-Fans in Anfield und Tausende vor den Bildschirmen und in den Pubs in Ektase versetzt, kann der Champions-League-Sieger wichtige Erkenntnisse abgewinnen.

,,Wir haben eine gute Lektion gelernt – und das bei einem Sieg“, sagt Jürgen Klopp nach dem Spiel bei der Pressekonferenz, ,,damit kann ich leben.“

Dabei wirken seine ,,Reds“ vor allem in der 1. Halbzeit so, als würden sie dem Champions-League-Neuling doch deutlich die Grenzen aufzeigen. Das Sturm-Trio Roberto Firmino, der ehemalige Salzburger Sadio Mané und Mohamed Salah kombinieren die Gäste aus der Alpenrepublik förmlich auseinander. Nach 36 Minuten steht ein scheinbar ungefährdetes 3:0 durch Tore von Mané, Robertson und Salah auf dem Scoreboard-End in Anfield. ,,Wie soll ich das erklären?“, ist es Klopp anschließend ein wenig ratlos, ,,wir haben nach sehr guten 30 Minuten den Faden verloren. Das war bis dahin eines der besten Spiele, die wir bisher gespielt haben.“ Stimmt. Die Partie erinnert an das Playoff-Heimspiel im August 2017 gegen den badischen Europacup-Debütanten 1899 Hoffenheim (4:2), als Liverpool den frechen Neuling aus der Bundesliga immer wieder zurückholt.

Am Mittwoch läuft es fast ähnlich, als ein Spieler, der für den Hamburger SV im letzten Jahr in der 2. Liga nicht überzeugen konnte, Liverpool mit dem 3:1 aus der Champions-League-Gefühlsduselei reißt. Es ist der Koreaner Hee-chan Hwang (23), der Salzburg nach 39 Minuten in diesem Spiel anmeldet.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Erling Braut Haland stürmt erst seit Januar 2019 für RB Salzburg - und trug sich beim 6:2 gegen KRC Genk in die Champions-League-Geschichtsbücher ein.

,,Der Kamikaze" verwirrt Liverpool...

Unbändiger Jubel bei den Salzburgern nach dem 3:3-Ausgleich durch Erling Braut Haland (m.)
Unbändiger Jubel bei den Salzburgern nach dem 3:3-Ausgleich durch Erling Braut Haland (m.). Foto: Imago Images / Mathias Mandl

,,Es gibt Teams, die brechen bei 0:3 zusammen“, lobt Klopp anschließend den Gegner, ,,aber das sind sie nicht. Wir haben ihnen die Tür aufgemacht – und sie sind durch diese Tür gerannt!“

Das kann man so formulieren. In nur 4 Minuten machen der Japaner Takumi Minamino (56.) und der für Patson Daka eingewechselte Erling Braut Haland (60.) aus dem 1:3 ein 3:3 und versetzen Anfield in kollektive Schockstarre. Jürgen Klopp kann sich nach der wilden Phase der ,,Bullen“ auf seinen Torjäger Mo Salah verlassen. Der Ägypter trifft nach traumhaftem Steckpass von Firmino zum 4:3 (69.) und beendet den Bullen-Flug in Liverpool.

Trotzdem überwiegt bei den Österreichern am Donnerstag der Stolz über diese furiose Leistung. RBS-Kapitän Andreas Ulmer bei ORF2: ,,Dieses Spiel wird lange in Erinnerung bleiben.“ Auch, weil die Salzburger gezeigt haben, wie man dem Titelverteidiger wehtun kann: Mit schnellen Gegenzügen, gefährlichen Standards aus dem Halbfeld und der insgesamt höheren Passgenauigkeit.

,,Liverpool war dominant, dann verwirrt, als Salzburgs Trainer Jesse Marsch im Mittelfeld auf eine Raute setzte „, beobachtet der Guardian, ,,ihre Abwehr wurde einfach durch einen Angriff der Gäste überrannt, der mit Raffinesse und List von Hee-chan Hwang geführt wurde. Salahs 2. Tor hat das Gefühl der europäischen Ordnung wiederhergestellt, aber nicht überschwängliche Freudenausbrüche der Salzburger nach dem Spiel.“ Die Wiener Kronen-Zeitung sieht Minamino im ,,Spiel seines Lebens! Er wirbelte von Beginn an, legte als Zehner einen drauf. Traum-Volley zum 2:3, Assist zum 3:3.“ Das Boulevardblatt ist sicher: Der „Kamikaze“ war bester Bulle!“

Ligalive-Infografik: Player Profile Takuma Minamino, RB Salzburg, Champions League 2019/2020

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Ligalive-Infografik: Der Wahnsinn bei FC Liverpool - FC Salzburg (4:3) zum Nachlesen im Match Center