2. Liga: FC St. Pauli – Was ist denn da Jos?


Die Spieler des FC St. Pauli verabschieden sich mit versteinerter Miene von ihren Fans.
Die Spieler des FC St. Pauli verabschieden sich mit versteinerter Miene von ihren Fans. (Photo by Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

Mit 1:3 (1:2) gegen die SpVgg Greuther Fürth hat der FC St. Pauli seine Heim-Premiere in der neuen Saison in der 2. Liga verloren. Es gärt beim Kiez-Klub, einem Liebling des Establishments. Und zwar wie lange nicht.

Dass den selbst ernannten ,,Freibeutern der Liga“ derzeit nicht nach Feiern zumute ist, liegt am Rundumschlag von Trainer Jos Luhukay (56).

Der Niederländer, der 2016 nach nur 4 Saisonspielen beim Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart hingeworfen hat, kritisiert schon nach dem dürftigen 1:1 bei Arminia Bielefeld am Montag so ziemlich alles und jeden rund ums Millerntor – Klubführung, Nachwuchsabteilung, Scouting. Alles eben.

Im Kicker-Sportmagazin heißt es dazu am Donnerstag: ,,Die Bosse haben den diplomatischen Dienst bemüht. Nur zwischen den Zeilen dringt durch, dass sie das öffentliche Vorpreschen ihres leitenden Angestellten erstaunt hat.“

Die Spieler des FC St. Pauli verabschieden sich mit versteinerter Miene von ihren Fans.
Die Spieler des FC St. Pauli verabschieden sich mit versteinerter Miene von ihren Fans. (Photo by Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

Luhukay tobt: ,,Komfort-Zone St. Pauli gehört in die Mülltonne"

Jos Luhukay (m., hier mit Andreas Rettig und Bruno Labbadia) trainierte auch den FC Augsburg und den VfB Stuttgart. Seit April 2019 ist er Cheftrainer beim FC St. Pauli.
Jos Luhukay (m., hier mit Andreas Rettig und Bruno Labbadia) trainierte auch den FC Augsburg und den VfB Stuttgart. Seit April 2019 ist er Cheftrainer beim FC St. Pauli. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
,,Inhaltlich war das nichts, was mich überrascht hat“, wird Pauli-Sportchef Andreas Bornemann im Kicker zitiert.

Aber: Dass Luhukay die internen Details nach außen trägt, war so nicht abgesprochen. Ist auch gar nicht die feine Art auf dem Kiez. Den Spielern jedenfalls gefällt das nur bedingt. ,,Ich mag ehrliche Menschen, aber ich habe eine andere Meinung“, lässt Marvin Knoll den Trainer am Donnerstag via Kicker wissen.

Dass St. Pauli so eine Art letzte Wohlfühl-Oase des deutschen Fußballs ist, stört den Niederländer. ,,Die Komfortzone St. Pauli“, schimpft Luhukay, ,,soll man besser in die Mülltonne werfen.“ Es ist ihm wohl zu wenig los auf dem Kiez.

Dann fällt der Pauli-Coach ein vernichtendes Urteil über sein eigenes Team: ,,St. Pauli hat keinen Ausnahmespieler. Man kann nicht Erwartungen schaffen, wenn die Realität weit entfernt ist. 70 Prozent dieses Kaders ist nicht in der Lage, 10 bis 15 Spiele in dieser Liga zu machen.“ Seine Vermutung: ,,Es kann gut sein, dass St. Pauli ein Jahr erlebt, in dem man gegen den Abstieg spielen muss.“

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St. Pauli kassiert verdiente Heim-Niederlage gegen Fürth

Beim FC St. Pauli ist immer alles schön bunt, aber es ist auch oft ,,Der Jubel der Anderen", wie hier bei den Fürthern Maximilian Sauer und Julian Green.
Beim FC St. Pauli ist immer alles schön bunt, aber es ist auch oft ,,Der Jubel der Anderen", wie hier bei den Fürthern Maximilian Sauer und Julian Green. (Photo by Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

Gegen Greuther Fürth bestätigen sich die Thesen des niederländischen Trainers.

Die Mannschaft vom Millerntor läuft über 90 Minuten nur 117,4 Kilometer, der Gegner aus Franken jedoch 121,6 Kilometer.

Zudem leisten sich die Paulianer 128 Fehlpässe, haben die schwächere Zweikampfquote (45 Prozent) und profitieren nach 29 Minuten vom Video-Beweis. Ein Tor des Fürthers Sebastian Ernst wurde wegen Abseits zurückgenommen. Sonst wäre die Partie am Ende wohl 1:4 aus Sicht des Hamburger Kiezklubs ausgegangen.

,,Der Unterschied war, dass Fürth extrem effektiv war“, nimmt es Jos Luhukay, der den offensiven Mittelfeldspieler Christopher Buchtmann nur 13 Minuten ran lässt – in Bielefeld ist Buchtmann über 90 Minuten nur auf der Bank – dieses Mal eine Nummer kleiner. Aber: Zweitliga-Heimpremieren können wir in Hamburg künftig wohl streichen. Der HSV hat fast auf den Tag genau vor einem Jahr ein 0:3 gegen Holstein Kiel kassiert, nun verpatzt auch der Erz- und Stadtrivale St. Pauli die Premiere vor heimischer Kulisse.

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