Fußball-Legende Diego Armando Maradona ist tot – Hoeneß wollte ihn zu Bayern holen


Nach seinem 60. Geburtstag am 30. Oktober 2020 schlug das Schicksal bei Diego Armando Maradona wieder zu. Blutgerinnsel im Gehirn, Not-Operation. Jetzt ist das Fußballgenie tot. Herzstillstand. Diese Meldung schockiert seit Mittwochabend die Fußballwelt.

„Ein Fußball-Idol, das zwischen Genie und Wahnsinn immer sein Publikum haben wird“. So schließt der Dokumentarfilm Maradona, der Goldjunge von Jean-Christophe Rosé. Der Schweizer Filmemacher veröffentlichte 2006 eine von Maradona nicht autorisierte Biographie. Sie zeigt die unglaubliche Achterbahnfahrt des argentinischen Ausnahmefußballers.

Das größte Talent der Südamerikaner wurde vor der Heim-WM 1978 zum Politikum. Nationaltrainer Cesar Luis Menotti weigerte sich, den 16-Jährigen zu nominierten. Maradona hatte am 27. Februar 1977 gegen Ungarn (5:1) für Argentinien debütiert. Insgesamt machte er 91 Länderspiele (34 Tore). 1982 folgte der Rekord-Wechsel zum FC Barcelona. „Barca“ zahlte 7,3 Millionen US-Dollar für „El Diego“. Bei den Katalanen kam der aus den Slums von Lanús stammende Maradona nicht klar. Erstens hatte er mit dem Deutschen Bernd Schuster einen Platzhirsch im Mittelfeld als Konkurrenten. Zweitens überwarf er sich mit dem deutschen Coach Udo Lattek († 2015). Maradona gewann zwar den Machtkampf mit dem Erfolgstrainer, doch 1984 verließ auch er Barcelona. Dass er bei einem No-Name-Klub wie dem SSC Neapel anheuerte, verblüffte die Fans weltweit.  Maradona auf einer Yacht vor Neapel mit einer Menge finsterer Herren in Maßanzügen? Was für ein Film läuft da ab, dachte man sich, als diese Szenen 2019 in einer weiteren, wertvollen Dokumentation veröffentlicht wurden. 12 Millionen Euro ließ sich Neapel Maradonas Dienste kosten.

In diesen 7 Jahren Neapel spiegelten sich Triumph und Tragik von Maradona. Die Begeisterung in Neapel – Maradona wird dort bis heute wie ein Heiliger verehrt – bordete förmlich über. Wohl auch beflügelt vom Kokain, das ihm die Mafia-Familie Giuliano besorgte, führte er Argentinien 1986 zum WM-Titel. Mit Napoli holte er 2-mal die italienische Meisterschaft (1987, 1990). Dazu kam der UEFA-Cup-Sieg 1989 gegen den VfB Stuttgart. Der Karriereknick. Diego wollte zurück nach Argentinien. Nach diesem Spiel in Stuttgart. Basta. Corrado Ferlaino, Neapels mächtiger Präsident, ließ ihn nicht gehen. Er hatte Diego zugesichert, ihn aus dem Kontrakt zu entlassen. Alles Lippenbekenntnisse. Der Beginn eines Dramas. Maradona fühlt sich in Neapel von dem Rummel um seine Person fast erdrückt. Kokain, Doping und außereheliche Affären beschleunigten Maradonas Absturz. Dass er 1994 noch einmal ein WM-Comeback versuchte, ehrt ihn. Doch er tappte erneut in die Dopingfalle. Als er 1995 wieder für seinen Herzensklub Boca Juniors auflief, umgaben ihn bereits „die Nebel seines vergangenen Ruhms“ (Rosé). „Maradona profitiert noch einmal von der ungebrochenen Gunst des Publikums – und verkennt, dass Leistungssport nichts mehr für ihn ist“, so der Kommentator. Stimmt. Nach Karriere-Ende leidet Maradona unter dem Pork-out-Syndrom und legt mächtig zu. Um 2000, bei einer seiner Entziehungskuren in Kolumbien, bringt er 120 Kilo auf die Waage. Eine Magenverkleinerung rettete ihm 2004 wohl. Gezeichnet von 2 Herzinfarkten und jahrelangem Kokain-Konsum gestand er bei einer PR-Tour 2005 in Spanien: „Mir geht es besser, aber ich bin noch lange nicht geheilt.“ Es passte zu Maradona, dass er 2008 mit einem Paukenschlag zurückkam. Nach 11 Jahren Abstinenz vom Fußballgeschäft führte er das kriselnde Argentinien zur WM 2010 in Südafrika. Dort scheiteret er – wie im Finale 1990 – an Deutschland. Seine Trainerjobs muteten danach so bizarr an wie sein unstetes Leben. Al-Wasl in Dubai, Dorados de Sinaloa in Mexiko und zuletzt Gimnasia y Esgrima Buenos Aires. Weit weg von der Weltklasse, die er als Spieler verkörperte!

Diego Maradona ist tot. Aber die zahllosen Episoden um sein wildes Leben werden ihn weiterleben lassen. Eines der hartnäckigsten Gerüchte stimmt. Der FC Bayern München wollte Maradona in den 1980er-Jahren verpflichten. „Maradona in München – das war mein Traum“. Das sagt Bayern-Macher Uli Hoeneß immer, wenn es um seine größten Nicht-Transfers geht. Hoeneß: „Es war möglich, wir hatten sogar mit Maradonas damaligem Berater Branchini verhandelt.“ Uli verrät 2009: „Wir waren schon ziemlich weit und wären finanziell fast an verrückte Dinge rangegangen.“ Verrückte Dinge. Genau die waren das Markenzeichen von Diego Maradona. Wer ihn vor dem UEFA-Cup-Halbfinal-Rückspiel am 19. April 1989 in München seelenruhig mit dem Ball jonglieren sah, tanzen sah, weiß es. Adios, Diego!

Diego Armando Maradona - Letztes Spiel als Nationalcoach, Argentinien - Deutschland (0:4), WM-Viertelfinale 2010

Diego Armando Maradona tot
Diego Armando Maradona vor dem Spiel, das Fußball-Deutschland elektrisierte: 2:2 mit dem SSC Neapel beim FC Bayern München im UEFA-Cup-Halbfinale am 19. April 1989. Foto: Imago Images / Ferdi Hartung

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Einer von diesen beiden hat keine Wettkampffigur mehr: Die Weltmeister Paulo Sergio (Brasilien, li.) und Argentinien-Idol Diego Armando Maradona (r.) am 26. Mai 2000 beim Abschiedsspiel von Lothar Matthäus in München.
Einer von diesen beiden hat keine Wettkampffigur mehr: Die Weltmeister Paulo Sergio (Brasilien, li.) und Argentinien-Idol Diego Armando Maradona (r.) am 26. Mai 2000 beim Abschiedsspiel von Lothar Matthäus in München. Foto: Imago Images / Sven Simon

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