Doch dann kamen diese 25 Verlachten des Fußballs zurück


DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Von (ganz) unten zurück an die absolute Spitze

Der größte Triumph mit Leicester blieb verwehrt, dennoch eine große Karriere. Esteban Cambiasso.
Der größte Triumph mit Leicester blieb verwehrt, dennoch eine große Karriere. Esteban Cambiasso. Foto: Imago Images

Die 25 größten Fußball-Comebacks. Dass es im Fußball auf und ab geht, ist normal. Doch manchmal sind die Ausschläge so groß, dass man es kaum glauben kann. Von ganz oben nach ganz unten in ein oder zwei Spielzeiten. Oder aber – und das ist brillant – von ganz unten zurück an die absolute Spitze. Die 25 genialsten Neustarts der neueren Fußball-Geschichte eben.

Wir erzählen 25 Geschichten, die wirklich außergewöhnlich sind. Und ein Vorbild für Mut, Durchhaltevermögen, den Glauben an sich selbst und Charakterstärke gepaart mit exzellenten Fähigkeiten.

Die Ausgangslagen sind dabei mehr als unterschiedlich. Denn wir haben einerseits gefallene Fußball-Engel, die sich selbst in den Schlamassel bugsiert hatten, wie Jungstars, die zu schnell aufgestiegen waren und nun ein ,,Reset“ brauchten.

Vor allen Dingen erzählen wir aber von Karrieren, die eigentlich schon vorbei waren. Entweder, weil Spieler oder Trainer zu alt erschienen für eine Karriere v2.0, oder aber weil sie in den Augen der Öffentlichkeit endgültig ihre Mittelmäßigkeit und ihr Unvermögen bewiesen hatten. Insbesondere die vier letzten Comeback-Beispiele nötigen uns daher den höchsten Respekt ab.

Auf Platz 4 ist ein Spieler, der von allen schon abgeschrieben war. Bei einem anderen Klub fing er wieder an, spielte eine überragende Saison und gewann einen Titel, den so niemand für möglich gehalten hätte. Comeback Nummer eine zeigt eine Entwicklung, die unglaublich und schön ist. Ein Haufen Loser aus der Provinz macht sich auf und ihnen gelingt der Durchmarsch. Ihr Protagonist entwickelt sich innerhalb von 12 Monaten von einem Spieler, der gedemütigt wurde, bei den Ersatzspielern Torschüsse üben musste und bei dessen Einwechselung der gesamte Fanblock in nicht gespielter Agonie aufheulte, zu einem auch international gefragten Fußballprofi.

Zu schlecht für eine zweitklassige europäische Liga?

Jimmy Hartwig und Weltmeister-Trainer Joachim Löw.
Jimmy Hartwig und Weltmeister-Trainer Joachim Löw. Foto: Imago Images.

Kommen wir zur Nummer eins und zur Nummer zwei. Als den Protagonisten auf Platz zwei der alles entscheidende Anruf erreicht, der seine Karriere grundlegend verändern wird, ist er eigentlich schon gescheitert.

Zu schlecht für eine zweitklassige europäische Liga und außer einem Titel ohne große Erfolge. Dazu häufiger abserviert, weil man es ihm trotz guter Ergebnisse und Leistungen einfach nicht zutraute.

Und jetzt sollte er, der heimliche Fußball-Intellektuelle mit den vielen Ticks und dem lustigen Dialekt, jemanden unterstützen, der vom Geschäft viel weniger verstand als er.

Der sich aber immer gut verkaufen konnte und jetzt einen Partner für die Kernarbeit brauchte. Er sagte zu und von da ab ging es nur noch bergauf. Bis ganz nach oben.

Schon draußen und zu alt

Heynckes feiert mit Franck Ribery. Foto: Getty Images
Jupp Heynckes feiert 2013 mit Franck Ribery das historische Triple. Foto: Getty Images
Noch eine Stufe höher steht für uns aber der Mann auf Platz eins. Denn er war nicht nur praktisch schon draußen. Er war dazu auch noch alt. Und als er an einem Mittwochmorgen seinen Dienstwagen parkte, die Schlüssel abgab und sich verabschiedete bei seinem Herzensverein, da dachte niemand mehr an große nationale und internationale Erfolge und Titel.

Doch zwei Jahre später nahm die Karriere wieder Fahrt auf. Als sich ein alter Kumpel an seine Fähigkeiten erinnerte, da setzte er zum großen Karrieresprung an und erreichte das, was noch keiner vor ihm erreicht hatte. Wenige Jahre später hatte er den Gipfel erklommen und wurde als Weltbester seiner Zunft gefeiert. Mit Recht.

Dazu blieb er immer der Ehrenmann, der alle korrekt und zuvorkommend behandelte. Auf sein Wort konnte man sich verlassen und am Ende dankten sie es ihm. Auch wenn er sich über seinen Abschied insgeheim doch etwas ärgerte. Denn ein Mann seines Kalibers sollte eigentlich selbst entscheiden, wann er geht und wohin.

Aber nun hatte er den Erfolg, den ihm keiner mehr nehmen konnte und den ihm keiner mehr zugetraut hatte. Einen Erfolg, dem er lange hinterhergejagt war.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Neustart 25 – Neustart 21: Vom Kokser bis zum Journeyman

25. Adrian Mutu – Vorher gut, nachher gut, dazwischen war das Kokain

Mutu und das Kokain; Foto: Getty Images
Mutu und das Kokain; Foto: Getty Images

Er galt als einer besten Fußballer aller Zeiten in Rumänien – und ist in Sachen Ablöse der bis heute teuerste Spieler des Landes. Adrian Mutu hatte eine exzellente Saison 2002/2003 beim AC Parma.

In 31 Spielen in der italienischen Serie A erzielte er für den dreimaligen Europapokalsieger 18 Tore. Dann wurde der FC Chelsea auf ihn aufmerksam. Doch seine Episode in London war katastrophal. Die Form war schlecht, er schaffte nur sechs Tore in 27 Spielen. Es kam noch viel schlimmer. Mutu wurde für sieben Monate gesperrt, nachdem ein Drogentest im Jahr 2004 positiv auf Kokainkonsum ausfiel. Dumm nur, dass der FC Chelsea zuvor 22 Mio. Euro für den Stürmer bezahlt hatte und nun Schadensersatzansprüche in Höhe von 17 Mio. Euro stellte.

Mutu ging dagegen vor den Internationalen Sport-Gerichtshof (CAS), unterlag aber hier ebenso wie anschließend in zwei weiteren Instanzen, vor dem Schweizer Bundesgericht und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

 

Nach dem Kokain-Skandal: Hilfe von Tony Adams

Vor dem Ende seiner Sperre vertraute er sich Anfang 2004 dem ehemaligen englischen Nationalspieler Tony Adams („Rodders“) an, der nach überwundener Trunksucht erst flüssig, aber inzwischen in eine der renommiertesten Suchtkliniken Großbritanniens investiert hatte, in die Institution „Sporting Chance Clinic.“ Seit dem Jahr 2000 galt diese als eine der ersten Adressen für suchtkranke Fußballstars. Im Januar 2004 schrieb sich Mutu, gerade mal 25, dort ein. Die Liste der kickenden Patienten am See von Liphook ist lang: Adams` ehemaliger Mitspieler beim FC Arsenal, Paul Merson („Merse“), ließ seine Spiel- und Kokainsucht ebenso bei „Sporting Chance“ behandeln wie der alkoholkranke, 83-fache irische Nationalspieler Paul McGrath (u. a. Manchester United). „Normalerweise sprechen wir nicht über unsere Patienten in der Öffentlichkeit“, betonte Klinikdirektor und Mitbegründer Peter Kay damals gegenüber der WELT, „aber es war Adrians Wunsch, dass sein Aufenthalt bei uns publik gemacht wird und dass er speziell mit Tony Adams zusammenarbeiten darf.“

Die Drogen-Affäre um Mutu, den Chelsea hatte Fußball-England im November 2003 regelrecht schockiert. Immer neue, immer pikantere Details über Mutu und seine Koks-Orgien in schlüpfrigen Rotlicht-Lokalen wurden von der Boulevardpresse enthüllt. Erst am 18.Mai 2005 durfte der Stürmer wieder spielen. Er schloss sich Juventus Turin an. Seine Leistungen stagnierten weiter. Sieben Tore in 33 Serie-A-Spielen und der Zwangsabstieg der „alten Dame“ aufgrund der Verstrickungen in einen der größten Manipulationsskandale im italienischen Fußball zeigten Wirkung. Mutu wechselte innerhalb der Serie A und ging zum AC Florenz. Hier fand er zu alter Form zurück.

Fünf Jahre spielte er für die „Fiorentina“ und schoss 54 Tore in 112 Liga-Spielen. 2007 wurde er sogar zum „Fußballer des Jahres“ in Italien gewählt. Er hatte sich selbst aus dem Sumpf gezogen, in den er sich zuvor ohne fremdes Verschulden hineingebracht hatte. Nach einer Therapie bei Tony Adams, die er in der WELT selbst als „die größte Herausforderung meiner Karriere“ bezeichnet hatte. Adrian Mutu hat diese Hürde genommen. Ein Neustart, wie er sein sollte. Chapeau!

24. Nuri Sahin – Nur Klopp erkannte das Talent

Nuri Sahin: Bei Feyenoord Rotterdam schien er seine Zukunft hinter sich zu haben.
Nuri Sahin: Bei Feyenoord Rotterdam schien er seine Zukunft hinter sich zu haben. Foto: Imago Images / VI Images / DTP

Der 6. August 2005 ist ein verregneter, erster Bundesliga-Spieltag. Beim 2:2 von Borussia Dortmund beim VfL Wolfsburg betritt in der 67. Minute ein junger Mann den Rasen der Volkswagen Arena, der für den BVB in mehrerlei Hinsicht Geschichte schreiben wird.

Es ist der am 5. September 1988 geborene Nuri Sahin. Mit seiner Einwechslung für Marc André Kruska wird er in der Partie in Wolfsburg zum bis heute jüngsten Bundesliga-Spieler aller Zeiten (Stand: April 2020). Der Deutsch-Türke Sahin löst mit 16 Jahren und 335 Tagen den Frankfurter Torhüter Jürgen Friedl ab. Der hatte fast 30 Jahre lang diesen Rekord inne, nachdem er im Spiel der Eintracht gegen Hannover 96 am 20. März 1976 nach 64 Minuten für Stammtorhüter Dr. Peter Kunter eingewechselt wurde. „Fuzzy“ Friedl selbst hatte im Alter von 17 Jahren und 26 Tagen damit die erst drei Jahre zuvor aufgestellte Bestmarke des Schalker Flügelstürmers Rüdiger „Abi“ Abramczik übertroffen.

Klubintern hatte „Der Prinz von Ghana“, Ibrahim Tanko, mit seinen 17 Jahren, einem Monat und 30 Tagen bei seinem Bundesliga-Debüt am 24. September 1994 gegen den VfB Stuttgart (5:0) den Titel „Jüngster BVB-Bundesliga-Spieler“ über ein Jahrzehnt inne gehabt. Der Einsatz im UI-Cup-Spiel am 23. Juli 2005 für Borussia Dortmund gegen Sigma Olmütz hat Nuri Sahin auch zum bis dato jüngsten Europapokalspieler im BVB-Dress gemacht.

Am 26. November 2005 erzielte Şahin in Nürnberg sein erstes Bundesligator und löste damit im Alter von 17 Jahren und 82 Tagen Lars Ricken und Ibrahim Tanko als zu diesem Zeitpunkt jüngste Bundesliga-Torschützen ab. Seine Debütsaison beendete er mit 23 Bundesligaeinsätzen und einem Tor. Früher Ruhm, der sich jedoch 2007 abgenutzt zu haben schien. Mit der Ankunft des neuen Trainers Thomas Doll und mitten im Abstiegskampf kam Nuri Sahin in der Bundesliga nicht mehr über die vollen 90 Minuten zum Einsatz. Der BVB lieh ihn mit Saisonbeginn 2007/2008 zu Feyenoord Rotterdam aus, wo er aus dem Blickfeld der Fans und der deutschen Medien geriet. In der Eredivisie machte Sahin leistungsmäßig wieder auf sich aufmerksam: 11 Tor-Beteiligungen in 29 Erstliga-Spielen in Holland mussten auch Dolls Nachfolger aufgefallen sein.

 

Erst Klopp setzte uneingeschränkt auf Sahin – und holte ihn gleich 2-mal zurück

Jedenfalls beginnt mit der Ankunft eines gewissen Jürgen Norbert Klopp am 1. Juli 2008 in Dortmund eine neue Zeitrechnung. Eine von Klopps ersten Amtshandlungen war die Rückbeorderung des nur nach Rotterdam geliehenen, zentralen Mittelfeldspielers. Sahin wurde bei „Kloppo“ Taktgeber im Mittelfeld und belohnte dieses immense Vertrauen in der Meistersaison 2010/2011 – mit 14 Tor-Beteiligungen (6 Treffer) in 30 BL-Spielen. Der unerwartete Titelgewinn des BVB rief auch die internationalen Großklubs auf den Plan.

Real Madrid zahlte im Sommer 2011 rund 15 Mio. Euro für die Dienste von Nuri Sahin, um ihn dann zum Bankdrücker zu machen. Bei den „Königlichen“ verschwand der türkische Nationalspieler schnell wieder in der Versenkung, wirkte unglücklich. Er kam bei Real auf gerade mal 10 Pflichtspieleinsätze und wurde schon im August 2012 zum FC Liverpool verliehen, wo Sahins Werte bei 3 Toren und 3 Assists in Wettbewerb übergreifend 12 Spielen stagnierten.

Am 11. Januar 2013 holten Borussia Dortmund und Jürgen Klopp dann Nuri Sahin ein zweites Mal zurück. Für Sahin, der zwar nie auf die alten Werte seiner ersten Schaffenszeit unter Klopp kam, lohnte sich das Comeback allemal: Champions-League-Finalist 2013 und – trotz Verletzung – darf sich der BVB-Rekord-Youngster auch DFB-Pokalsieger 2017 nennen.

23. Brian Laudrup – Ein Absteiger wird zur Rangers-Legende

Europameister! Brian Laudrup jubelt mit Dänemark am 26. Juni 1992 im Finale gegen Deutschland.
Europameister! Brian Laudrup jubelt mit Dänemark am 26. Juni 1992 im Finale gegen Deutschland. Foto: Imago Images / WEREK
Brian Laudrup hat alles, um der nächste skandinavische Weltstar zu werden. Er hat beim FC Bayern München gespielt.

Klar, wenn ein variabler, pfeilschneller Stürmer quasi im Hinterhof, bei Bayer 05 Uerdingen, vorspielte, waren die Großkopferten fast immer gleich zur Stelle. Sie holten Laudrup 1990 aus Krefeld an die Isar und zahlten auch noch richtig gutes Geld: Umgerechnet drei Millionen Euro füllen die Kassen des Bayer-Klubs.

Der Däne freundete sich im Bayern-Team schnell mit Stefan Effenberg an. Sie wollten im Sommer 1992 die Europameisterschaft in Schweden spielen – und dann gemeinsam nach Italien, zum AC Florenz wechseln. Die zahlten damals auch nicht schlecht.

Der Hit: „Effe“ und Laudrup trafen sich tatsächlich im EM-Finale 1992 in Göteborg, doch nach einem nie erwarteten Ende. Dänemark schlug den amtierenden Weltmeister Deutschland mit 2:0 und Brian Laudrup stand mit gerade 23 Jahren auf dem Olymp des europäischen Fußballs!

 

Effenberg und Laudrup stiegen gemeinsam mit Florenz ab!

Der Europameister aus Dänemark und der „Cheffe“ aus Deutschland, wie der streitbare Effenberg genannt wurde, eigentlich ein Dynamic Duo für den AC Florenz, oder? Nicht ganz! Am Ende der Saison 1992/93 musste die „Fiorentina“, die ein Jahr zuvor schon den argentinischen Stürmerstar Gabriel „Batigol“ Batistuta verpflichtet hatte, aus der italienischen Serie A absteigen. Ein Desaster! Von Platz 2 stürzten die Toskaner auf Rang 16 ab.

Laudrup wechselte zum AC Mailand. Obwohl er nur fünf Serie-A-Tore für die Violetten erzielt hatte, zahlte Milan umgerechnet 7,5 Mio. Euro für Laudrups Dienste. In Mailand wurde Laudrups Italien-Abenteuer zum Albtraum. Bei den „Rossoneri“ machte er unter Coach Fabio Capello nur 9 – in Worten: Neun – Liga-Spiele.

Im Sommer 1994 saß eben dieser Brian Laudrup missmutig auf der Terrasse des Hotels Cameron House am schottischen See Loch Lomond. Walter Smith, der umtriebige Coach der Glasgow Rangers, hatte sich mit ihm verabredet, um den verbittert wirkenden dänischen Europameister nach Glasgow holen. Nach dem katastrophalen Engagement beim AC Milan suchte der begnadete Rechtsaußen verzweifelt eine neue Herausforderung. Das Angebot, dass Smith ihm machte, musste für Laudrup wie Musik geklungen haben. „Bei mir hast du alle fußballerischen Freiheiten“, sagte Smith, um den Superstar dann für nur drei Mio. Euro zu verpflichten. Bei Laudrups Ankunft hatten die Rangers schon sechs Meistertitel in Serie geholt. Drei Meisterschaften trennen sie noch von einem neuen, nationalen Rekord, dem bis jetzt nur vom kalt verachteten Stadtrivalen Celtic Glagow erreichten „Nine in a Row“, neun Titeln in Serie. Brian Laudrup wurde in der Folgezeit zum Schlüsselspieler. In seiner ersten Saison 1994/95 zeigte der Däne, wozu er bei absolutem Vertrauen des Trainers imstande war. Der Flügelstürmer steuerte zehn Tore zum neuerlichen Titelgewinn bei. Mit 15 Zählern Vorsprung vor dem FC Motherwell wurde es die überlegenste aller neun Meisterschaften der Blauen in diesem Zyklus. Im Sommer 1996 trennte die Rangers nur noch ein Titel vom Celtic-Rekord. „Wir wussten vor der Saison, dass alle acht vorangegangenen Titel wertlos sein würden, wenn es uns nicht gelingt, auch die neunte Meisterschaft zu holen“, erklärte Laudrup Jahre später in einer Rangers-Dokumentation. Wer, wenn nicht er sollte am 7. Mai 1997 die Geschichte zu Ende schreiben? Ein Kopfball-Torpedo von Brian Laudrup bei Dundee United machte die neunte Meisterschaft in Folge perfekt. 1998 versuchte sich der in Schottland mit drei Meistertiteln, einem FA Cup-Sieg und zwei Auszeichnungen zum „Fußballer des Jahres“ dekorierte Brian Laudrup beim FC Chelsea. Wieder ging es bei einem Großklub schief, doch bei den Rangers ist der Europameister bis heute unsterblich.

22. Antonio Cassano – Es hätte noch viel größer werden können

Beim AS Rom deutete Antonio Cassano an, warum ihn viele für den talentiertesten italienischen Stürmer hielten. Foto: Getty Images
Beim AS Rom deutete Antonio Cassano an, warum ihn viele für den talentiertesten italienischen Stürmer hielten. Foto: Getty Images
Ein Naturtalent auf dem Platz, ein Alpha-Kevin außerhalb des Pitch. Antonio Cassano hätte ein ganz Großer werden können. Aber im Fußball zählen nun mal keine Konjunktive.

Beidfüßig, mit überragender Technik und ausgemachtem Spielverständnis, galt Antonio Cassano bei seinem Profi-Debüt 1999 in Diensten von AS Bari als eines der größten Fußball-Talente Italiens. „Fantantonio“ tauften ihn die Fans. Beim AS Rom in seinen ersten Karrierejahren sah es auch ganz so aus, als würde alles „fantastico“ werden. Doch dann wollte Cassano noch mehr. Im Jahr 2006 erlag er dem Werben von Real Madrid und wechselte zu den „Königlichen“. Cassano und der Disziplinfanatiker Fabio Capello – das ging gar nicht. Dolce Vita, mangelnde Form und Skandale – schnell war er außen vor. Das Intermezzo in Madrid dauerte für den Mann, der sich selbst ziemlich abwerten als „Hurensohn von der Straße“ bezeichnete, nur ein Jahr. Mal ehrlich: Welcher edle Madrilene will so einen im Team haben? Mit 600 bis 700 Frauen, so schrieb er 2011 in seiner Autobiographie Dico tutto (Dt.: „Ich sage alles“), will er geschlafen haben. Er überwarf sich mit Trainern wie dem umgänglichen Rudi Völler und Luciano Spalletti, wurde tätlich gegen Schiedsrichter und gegen Inter-Coach Andrea Stramaccioni, leistete sich homophobe Äußerungen, u. a. während der EURO 2012 („Ich hoffe, dass keine Schwulen in der Nationalmannschaft sind…“).

In 19 Spielen für Real Madrid kam er nur auf zwei Törchen. Sampdoria, AC Milan, Inter Miland und Parma – überall spielte er danach. Mal gut und mal nicht. So konnte er zwar seine Karriere retten, nachdem diese in Madrid schon mehr als gefährdet war.

Ganz nach oben hat er es aber nie geschafft. Und sein Potenzial konnte er zum Ende der Karriere hin nie so richtig abrufen. Dazu stand ihm auch sein schwieriger Charakter im Weg. Anders gesagt: Der größte Gegner für Antonio Cassano war Antonio Cassano selbst. Als er 2017 verkündete, Cassano werde „nie mehr Fußball spielen“, endete eine der hoffnungsvollsten und doch so skandalösen Stürmer-Karrieren in Italien. Nach 18 Jahren als Profi und bei neun Vereinen, mit lediglich einer italienischen Meisterschaft auf der Visitenkarte, 2011 mit dem AC Milan, für den er nach seinem Rauswurf in Genua ohnehin nur in der Rückserie spielte. Das ist etwas schmal.

21. Nicolas Anelka – Unberechenbarer Journeyman!

Mit 20 Jahren wechselte Nicolas Anelka zu Real. Foto: Getty Images
Mit 20 Jahren wechselte Nicolas Anelka zu Real. Foto: Getty Images
Eines der größten Naturtalente des europäischen Fußballs der letzten 25 Jahre ist Nicolas Anelka.

Aber auch ein seltsamer Typ. Im Alter zwischen 18 und 20 schoss er 23 Tore in 65 Spielen für Arsenal London. Gute Balleroberung und frühes Attackieren im Stile eines modernen Stürmers machten ihn bei Arsenal unter Trainer Arsene Wenger früh zum Top-Angriffspartner des legendären Holländers Dennis Bergkamp.

1998 sah man Anelka in London auf dem Höhepunkt. Mit den „Gunners“ holte er das „Double“ in England, mit Premier-League-Meisterschaft und FA Cup. Als sechster französischer Spieler in der Geschichte von Real Madrid erlag der Jungstar im Sommer 1999 dem Werben der „Königlichen“. Real zahlte 35 Mio. Euro für den Angreifer.

Anelka wurde bei den „Galaktischen“ zum inter-galaktischen Flop! Zwar darf er sich Champions-League-Sieger 2000 nennen, erzielte er doch immerhin zwei Tore auf dem Weg zum Triumph in seiner ehemaligen Wahl-Heimat Paris. Insgesamt sieben Treffer in 33 Pflichtspielen waren für Anelka keine Weiterempfehlung in Madrid… Der Tiefpunkt: Anelka weigerte sich, am Training teilzunehmen. Als eine Art „Vorbild“ für spätere französische Streik-Profis wie Ousmane Dembélé musste er nach einer vereinsinternen Sperre von 45 Tagen vor den aufgebrachten Madridistas flüchten – im Kofferraum seines Bruders. Isoliert war Anelka im Star-Ensemble von Trainer Vicente del Bosque aber schon vorher.

 

Querkopf Anelka: Zielscheibe für Satiriker

Also ging es zurück zum Jugendverein Paris St. Germain. Dort brachte er seine Karriere zunächst nicht wieder in Schwung, wenngleich er zunächst mit Luis Fernandez auf den Trainer traf, der schon 1996 seinen Abschied aus Paris forciert hatte. Die beiden Streithähne boten Stoff für eine französische Satire-Sendung („Les Guignols de l’info“). Ende 2001 wurde Anelka nach lediglich zwei Liga-Toren für PSG an den FC Liverpool ausgeliehen. Mit einem Einstand nach Maß: Erstes Premier-League-Tor für die „Reds“ zum Boxing Day 2001, am zweiten Weihnachtsfeiertag, gegen Aston Villa. Trotz guter Leistungen und ansprechender Trefferquote sieht man in Liverpool allerdings von einer festen Verpflichtung Anelkas ab.

Er wurde mit Leih-Ende von Manchester City verpflichtet. Die „Citizens“ ließen sich die Dienste des nicht eben pflegeleichten Stürmerstars umgerechnet 15 Mio. Euro kosten. Und: Endlich lieferte Anelka! 46 Tore in 102 Pflichtspielen für die „Sky Blues“ sind bis dahin seine beste Trefferquote.

Mit dem überraschenden Abschied aus Manchester im Januar 2005 zu Fenerbahce Istanbul wurde Anelka endgültig zum Journeyman. Einer Saison in der Türkei folgten später drei erfolgreiche Jahre in der Premier League beim FC Chelsea, mit 59 Toren in Wettbewerb übergreifend 184 Spielen. Dann ein Jahr China, ein Jahr Juventus Turin, ein Jahr beim englischen Außenseiter West Bromwich Albion, ein Jahr Indien. Fazit: Auch wenn er 13 Titel in seiner Karriere gewann und mehr als 200 Tore schoss, in die Top-Kategorie der absoluten Superstars schaffte er es nicht. Für Anelka wäre deutlich mehr drin gewesen.

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