Das Versprechen: BVB will die Bundesliga spannend halten


Mit leeren Blicken verabschieden sich die Dortmunder um Raphael Guerreiro (l.) und Mario Götze in Mönchengladbach von ihren Fans. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Mit Tränen in den Augen verabschieden sich die Spieler von Borussia Dortmund nach dem 2:0 (1:0)-Erfolg im Saisonfinale bei Borussia Mönchengladbach von ihren mitgereisten Fans. Sie gehen mit dem Gefühl, dass die Chance, Deutscher Meister zu werden, regelrecht weggeworfen wurde, in die Sommerpause.

,,Es ist richtig, dass die Chance in diesem Jahr sehr groß war“, formuliert es BVB-Kapitän Marco Reus (29 / 17 Saisontore) nach dem Abpfiff im Borussia-Park noch milde.

In Gladbach spielt der BVB zwar wieder wie Dortmund, aber dieser Kraftakt kommt zu spät, weil man es nicht mehr in der eigenen Hand hat und die ganz leichte Hoffnung zu Beginn der zweiten Hälfte, als Eintracht Frankfurt beim Konkurrenten FC Bayern München zum 1:1 (Endstand: 1:5) ausgleich, nach 157 Sekunden schon wieder dahin ist.

So ähnlich ist es auch in der Rückrunde. Es braucht für den FC Bayern nur 4 Wochen, um 7 Punkte auf Dortmund gut zu machen und auch in Sachen Tor-Differenz klar vorbei zu ziehen.

0:5 beim FC Bayern München: Marco Reus, Borussia Dortmund und der Jubel der Anderen...(Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Zorc sieht diese Saison als ,,Motivation und Verpflichtung"

Borussia Dortmund nach dem 2:2 in Bremen: Irgendetwas ist da wohl schief gelaufen... (Photo by Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images)
Die Ansagen der Dortmunder Verantwortlichen nach der nun auch amtlich verspielten Meisterschaft klingen trotzig.

Sie machen der Bundesliga Hoffnung, dass 2019 nicht das einzige Meisterfinale am letzten Spieltag in den letzten 10 (!) Jahren ist… Mehr aber auch nicht. Ähnlich wie beim FC Bayern, wo im Rausch der Weißbier-Duschen Treueschwüre heraus gehauen werden, sind auch die Dortmunder Angriffs-Versprechen für 2019/2020 mit Vorsicht zu genießen.

,,Wir waren sehr nah dran“, sagt BVB-Keeper Roman Bürki (28), dessen Patzer u. a. in Bremen (2:2 nach 2:0-Führung) wertvolle Punkte kosten, ,,aber vielleicht können wir es im nächsten Jahr besser machen. Wir greifen voll an.“ BVB-Sportdirektor Michael Zorc: ,,Diese Saison ist Motivation und Verpflichtung zugleich.“ Mit den bereits feststehenden Neuzugängen Thorgan Hazard von Borussia Mönchengladbach und Nico Schulz von 1899 Hoffenheim kann und wird der BVB-Kader definitiv aufgewertet.

Das ist auch bitter nötig. Die Liga braucht einen starken BVB, um nicht wieder zum vollkommen langweiligen Theater der Mittelmäßigkeit zu werden, wie dies in den letzten 6 Spielzeiten der Fall war. Klar, Abstiegs- und Relegations-Dramen sind das eine. Eine echte Top-Liga lebt aber auch und vor allem von einem echten Konkurrenzkampf um den Meistertitel. Diese Herausforderung nimmt bislang nur der Vizemeister an. ,,Wir wissen, dass es schwer wird, aber wir werden werden wieder angreifen“, sagt BVB-Vorstandschef Hans-Joachim Watzke (59).

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Bein Standards wird der BVB zum Panik-Orchester!

Borussia Dortmund leistete sich im Meisterkampf 2018/2019 zu viele Gegentore. In dieser Szene mit Anthony Ujah und BVB-Keeper Roman Bürki gegen Mainz 05 (2:1) ging es gerade noch einmal gut... (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Borussia Dortmund hat mit 76 Punkten die drittbeste Saison seiner Bundesliga-Geschichte gespielt.42 Punkte holen Marco Reus und Co in den 17 Hinrunden-Spielen. Das ist die zweitbeste Bilanz des BVB in der Bundesliga und sie reicht – bis zum Samstag – immer aus, um Deutscher Meister zu werden. 

Das Gesetz der Serie hält nicht. Dortmund ist der erste Herbstmeister der 3-Punkte-Ära (seit 1995), der mit 40 oder mehr Zählern nicht auch am Ende oben steht. Zudem verpassen die Borussen erstmals, eine ,,Herbstmeisterschaft“ mit der Meisterschale zu versilbern . Das ist ihnen 1995, 1996 und 2011 am Saisonende nicht passiert, damals hat man gejubelt…

Die anfällige Abwehr hat Borussia Dortmund den Titel gekostet. 44 Gegentore sind mit Abstand der höchste Wert unter den Top 3. Selbst der 5. der Tabelle, Borussia Mönchengladbach, zeigt sich in der Defensive sattelfester als der BVB. 26 Gegentore in der Rückrunde sind ein Pfund und davon fallen 12 nach einer Standardsituation. Gibt es Elfmeter gegen den BVB, kann man getrost mit einem Gegentreffer planen und bei Freistößen aus dem Halbfeld oder Ecken hält jeder BVB-Fan reflexartig den Atem an. Dann drohen Nummern wie beim Panik-Orchester! Diese große Schwäche wussten vor allem der FC Bayern beim 5:0 im Schlüsselspiel und der FC Schalke 04 im Derby (4:2) entscheidend auszunutzen! Der Anteil der Gegentore nach Standards liegt bei 39 Prozent – das ist Liga-Höchstwert in dieser Saison und nicht meisterwürdig.

Die beinahe rauschhaften Auftritte wie beim 3:2 in der Hinrunde gegen den FC Bayern oder dem 7:0 gegen Absteiger Nürnberg sowie die Verpflichtung des mit 18 Treffern zweitbesten Torjägers der Saison, Paco Alcácer, geraten damit in den Hintergrund. Am Ende wird das Bild dieser Saison immer die vor Enttäuschung auf die Lippen beißende BVB-Mannschaft bleiben, die sich in Gladbach verabschiedet. In der Hoffnung auf ein neues…

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