Jiří Pavlenka – Ruhepol in der Schiessbude der Liga



Jiří Pavlenka ist mit seiner ruhigen, bodenständigen Art der sprichwörtliche Fels im Tor von Werder Bremen. Teamkollege Sebastian Langkamp bezeichnet ihn 2018, nach einem legendären 1:1 gegen Borussia Dortmund in dem der Tscheche nur gegen Torschütze Marco Reus scheitert, als „fokussiert aber unterbezahlt“.
Der tschechische Nachfolger von Bremens Kulttorhüter Tim Wiese gilt als goldener Bundesliga Transfer, nachdem er für nur drei Millionen Euro von Prag an die Weser wechselte und seinen Marktwert bisher mehr als verdreifachte.

Den Einstieg in den Profifußball schafft Jiri Pavlenka im Januar 2011 beim tschechischen Erstligist Baník Ostrava. Während seiner Zeit in Osttschechien wechselt er auf Leihbasis im Juni 2011 zurück zu seinem Heimatverein FC Hlučín, um nach einem Jahr wieder nach Ostrava zurückzukehren. Als der Verein den Ligaerhalt 2015/16 nicht schafft, zieht Pavlenka weiter in die Hauptstadt zu Slavia Prag.
In seiner einzigen Saison an der Moldau holt Pavlenka direkt den tschechischen Meistertitel mit Slavia und erhält – nun als Ausnahmetalent europaweit bekannt – ein Angebot aus Bremen.

Am 27. Juni 2017 bestätigen die Vereine den Wechsel des Torwarts in die Bundesliga. Mit Ruhe und Konstanz überzeugt Pavlenka in seiner ersten Bremer Saison Mitspieler und Fans und macht sich spätestens nach dem Achtelfinale des DFB-Pokals im April 2018 gegen Dortmund unersetzlich, in dem er im Elfmeterschießen zwei Schüsse hält und damit das Ausscheiden seiner Mannschaft gegen den schwarz-gelben Topfavoriten verhindert. Er geht als „Man of the Match“ vom Platz und wird bis heute für seine Leistungen von damals gefeiert. 

Jiří Pavlenka - Steckbrief

Jiří Pavlenka wird am 14. April 1992 in Hlučín in der damaligen Tschechoslowakei geboren. Als Kind spielt er bei TJ Sokol Hat, bevor er 2002 erstmals für seinen Heimatverein FC Hlučín aufläuft.

2007 erhält das Torwarttalent ein Angebot der Jugendmannschaft von Baník Ostrava und nimmt dieses an. 2011 wechselt er von den Junioren erstmals zu Herren und wird noch im selben Jahr an seinen Heimatverein FC Hlučín zurückgeliehen.
Im Juni 2012 kehrt Pavlenka nach Ostrava zurück und absolviert 67 Spiele für den Erstligisten, bevor er 2016 zu Slavia Prag wechselt. Ein Jahr, 36 Spiele und einen Meistertitel später meldet Werder Bremen Interesse an Pavlenka an. Seit der Saison 2017/18 ist Pavlenka die Nummer eins im Bremer Tor.

Seit 2013 ist er Teil der tschechischen Nationalmannschaft. Zunächst als Keeper der U21, wurde er 2016 ins Tor der Herren berufen, für die er bisher acht Mal zwischen den Pfosten stand.

Der 1,96 Meter große Pavlenka ist nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben ein Keeper. 2018 verlobte er sich mit seiner tschechischen Langzeitfreundin Miša Šimkova, am 25. Juni 2019 kam der gemeinsame Sohn zur Welt.

Jiří Pavlenka – Good to Know

Dank seiner Paraden muss Werder in Jiří Pavlenkas erster Bundesligasaison gerade einmal 40 Gegentreffern einstecken und damit so wenig, wie in den acht Jahren zuvor nicht. Insgesamt acht Mal blieb der Tscheche während seiner Premierensaison sogar gegentorlos.

Dass er damit zu den erfolgreichsten Torwarten in Europa gehört interessiert Pavlenka nur bedingt. „Ich schaue mir keine Statistiken an, das interessiert mich nicht“, sagte er 2017 im Interview mit Bremen Inside. „Für mich ist der Teamerfolg wichtiger.“

Sein aktueller Marktwert liegt bei 10 Millionen Euro (Stand: Dezember 2019) was ihn zu Tschechiens 6. wertvollstem Spieler macht.

Was nur wenige wissen

  • Pavlenka ist ein Schokoladen-Junkie. Mit der zartesten Versuchung seit es Süßigkeiten gibt, lockt man den zurückhaltenden Tschechen überall hervor.
  • Der stille Hüter lässt lieber Taten statt Worte sprechen. Dennoch arbeitete er, nach seinem Wechsel in die Bundesliga, im Trainingslager alleine auf dem Zimmer an seinem Deutsch. Dafür erhielt er viel Respekt von seinen Mitspielern.
  • Er stammt aus dem tschechischen Hlučín in der Nähe der polnischen Grenze und pflegt bis heute eine enge Verbindung zu seinem Heimatort.

Jiří Pavlenka – Schwächen und Stärken

Jiří Pavlenka hat viele fußballerische Stärken, aber auch diverse Schwächen und Schwachstellen – nicht nur auf dem Platz. 

Schwächen und Stärken

Der bodenständige Tscheche ist kein Mann der lauten Worte. Pavlenka überzeugt auch in den stressigsten Situationen mit Ruhe und Fokus auf das Wesentliche.

Doch auch an Werders Nummer eins gehen Niederlagen und Fehler nicht spurlos vorbei.
Anstatt sich mit dem Teampsychologen auszutauschen, verzichtet Pavlenka in Krisensituationen auf die Unterstützung der Mentalprofis und macht Probleme lieber mit sich selbst im Stillen aus.

Charakterzug oder fehlender Mut?
Der introvertierte Torhüter spricht grundsätzlich ungern über Niederlagen oder seine Gefühle und stellt sich daher nur nach Siegen freiwillig den Medien.
Während er somit auf dem Platz bereits sein volles Potential ausschöpft, könnte sein Verhalten daneben noch etwas Reife vertragen. 

Stärken

Ein klarer Fokus vor dem Spiel und außergewöhnliche Reflexe zeichnen Jiří Pavlenka aus und gaben ihm außerdem den Spitznamen „Krake“.
Als hätte er ein zusätzliches Paar Arme und Beine, bringt er den Gegner zur Verzweiflung, indem er in letzter Sekunde immer noch ein Körperteil zwischen Torlinie und Ball schiebt.
Dank Nerven wie Drahtseile perlt jede Art von Stress schlichtweg an ihm ab und macht ihn besonders im Elfmeterschießen unersetzlich.

„Jiří strahlt eine unheimliche Ruhe aus und entwickelt sich ständig weiter. Er wird über Jahre die Nummer eins bei uns sein“, sagt Werder-Trainer Florian Kohfeldt

2018 über seinen Erfolgskeeper.
Ruhe, Besonnenheit und Konzentration machen Pavlenka zu einer der wichtigsten Waffen in der Bremer Hälfte.

Erfolge

Tschechischer Meister: 2017

U21-EM-Teilnehmer: 2015

Schwächen

Sein Perfektionismus bringt Jiří Pavlenka regelmäßig in Schwierigkeiten. Der Tscheche setzt sich selbst unter Druck und kann diesem am Ende nicht Stand halten.

Seine größten Patzer leistete er sich bei Werder Bremen:

– In der Spielzeit 2019/20 stand er in keinem einzigen Spiel der Hinrunde die Null. Das gab es vorher noch nie in seiner Karriere.
– Im Dezember 2019 ist Pavlenka durch ein kurioses Eigentor an der bitteren Niederlage gegen Mainz 05 beteiligt: Milos Veljkovic versucht den Ball mit einem Schienbeinschuss aus dem Weg zu stolpern, trifft den linken Pfosten, von wo aus die Kugel den Rücken Pavlenkas trifft und ins Tor rollt. Mehr Pech geht nicht.
– In sechs Spielen mit sechs Niederlagen gegen den FC Bayern München hielt Pavlenka den Kasten in keinem einzigen Spiel sauber.
18 Gegentore kassierte er insgesamt gegen den Rekordmeister und damit mehr als gegen jeden anderen Bundesligaverein. (Stand: Februar 2020)
– Ganze 13 Mal traf Borussia Dortmund das Tor, während Pavlenka zwischen den Pfosten stand. In sieben Spielen schaffte er es kein einziges Mal ohne Gegentor.  (Stand: Februar 2020)

Jiří Pavlenka – OMG

Jiří Pavlenka wird auf dem Platz zu „Rambo“!

Beim Auswärtssieg gegen Eintracht Frankfurt prallt Pavlenka in der 53. Minute mit Gegenspieler Mijat Gacinovic zusammen und verliert das Bewusstsein. Er muss mit einer Trage vom Feld gebracht und im Krankenhaus behandelt werden. Diagnose: Gehirnerschütterung und Glück im Unglück.

Im März 2019 knallen Pavlenka und Wolfsburgs Angreifer Admir Mehmedi vor dem Bremer Strafraum zusammen. Der Torwart stürzt sich im Abwehrversuch mit einem Flugkopfball kopfvoran aus seinem Tor und tacklet den Gegner zu Boden. Beide bleiben benommen liegen, können am Ende aber weiterspielen.

Jiří Pavlenka: „Wir wollten etwas ohne Haken und Kommas.“ Auf die Frage, warum er seinen Sohn Matthias genannt hat.

Jiří Pavlenka – Fun Facts

Fast der Größte – Mit 1,96 Meter Körpergröße ist Pavlenka der drittgrößte Torwart der Bundesliga und somit ganze drei Zentimeter größer, als Bayerns Fanliebling Manuel Neuer.
Mehr Fruchtzwerge haben nur Koen Casteels (VfL Wolfsburg) und Tomas Koubek (FC Augsburg) mit jeweils 1,97 Meter gegessen.

Medienscheu – Am 02. Februar 2019 feiert Pavlenka seine Mixed-Zonen-Premiere, indem er sich nach dem Spiel in Dortmund den Journalisten stellt. Seit seinem Wechsel in die Bundesliga hatte der Tscheche den Medienbereich stets gemieden.

Abwehrstark – Mit 65 gehaltenen Torschüssen ist Pavlenka in der Saison 2019/20 auf Rang 6 der Bundesliga-Torwarte.

Die Krake – Durch schnelle Reflexe und seine enorme Spannweite, macht Pavlenka das Tor für den Gegner fast unüberwindbar klein und verdiente sich damit den Spitznamen Krake.

Offenes Rapbattle – Bremer Rapper JokA, der für seinen Lieblinsverein den Song „Mein Herz schlägt“ schrieb, forderte Pavlenka in einem Interview 2019 zum Rapbattle auf. Bis heute hat sich der Torhüter dazu noch nicht geäußert.

 

„Ein Spiel beendet noch keine Krise. Dafür braucht es schon eine Serie!“, Jiří Pavlenka über den 5:1-Sieg der Bayern gegen Benfica Lissabon in der Champions League 2018.

 

Spielerprofil

Externe Quellen

Ausgewählte Leistungsdaten