Der Tag, als: Die Bundesliga am 28. April – Als Klasnic Werders Vereinsarzt verklagte


Bester Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 28. April in der deutschen Fußball-Eliteklasse?

Vor 54 Jahren? Das Dutzend ist voll. Helmut „Fiffi“ Kronsbein ist der zwölfte Trainer der Bundesligageschichte, der seinen Hut vorzeitig nehmen muss. Zwar gilt er als „König von Hannover“, da er 96 schon 1954 zur Deutschen Meisterschaft und 1964 in die Bundesliga geführt hat, aber nun wollen sie an der Leine einen Regierungswechsel. Neben dem klassischen Grund „Misserfolg“ lasten sie Kronsbein unter der Hand auch unredliche Nebenverdienste an. So habe der pfiffige Fiffi gern mal bei Spielertransfers mitverdient, was anno 1966 noch kein Privileg von Spielerberatern ist. Bewiesen wird nichts, trotzdem ist das Fanvolk auf den Barrikaden und fordert den Abpfiff für Fiffi. Offiziell ist es ein Rücktritt…

Vor 47 Jahren? So einen Spielausfall hat es auch noch nicht gegeben. Der DFB setzt 1973 die Partie Schalke 04 – 1. FC Köln ab, um keinen Präzedenzfall zu schaffen. Denn die vor ihm wegen des Bundesligaskandals gesperrten Schalker Jürgen Sobieray und Klaus Fischer haben vor dem Oberlandesgericht Frankfurt per Einstweiliger Verfügung die Aufhebung ihrer Sperre erstritten. Damit der Bruch des Verbandsrecht keine Schule macht und aus Sorge vor Protesten anderer Klubs muss der Platzwart deshalb ein Schild an eins der Kassenhäuschen der Glückauf-Kampfbahn hängen: „Der Deutsche Fussball-Bund hat unser Spiel gegen den 1. FC Köln ohne Angabe von Gründen abgesetzt.“

Klasnic, Bremen
Eiszeit! Ivan Klasnic, Lars Unger und Dr.med. Götz Dimanski von Werder Bremen. Klasnic verklagte Dimanski 2008 auf Schadenersatz wegen falscher medizinischer Behandlung. Copyright: imago images / Nordphoto

28. April 1996: Ribbeck fliegt bei Leverkusen raus

Ribbeck, Leverkusen
Die Leverkusener Trainerbank mit Cheftrainer Erich Ribbeck, bevor er unsanft verabschiedet wurde. Copyright: Imago images

Vor 29 Jahren? Bayern München tätigt mal wieder einen taktischen Transfer. Kurz vor Saisonende 1990/91 verpflichtet der Rekordmeister Bruno Labbadia vom 1. FC Kaiserslautern, der seinem besten Torjäger nur einen Ein-Jahres-Vertrag bietet. Die Bayern legen noch zwei Jahre rauf und Bruno packt zu: „Die Bayern sind meine große Chance.“ So weit, so normal. Allerdings streiten sich beide Mannschaften noch um die Meisterschaft. Da kann ein bisschen Unruhe bei der Konkurrenz nichts schaden, finden die Bayern. Labbadia fällt beim FCK prompt in Ungnade, wird bis Saisonende in sechs Spielen nur noch ein Tor schießen, einen Autounfall bauen und schließlich aus der Mannschaft fliegen.

Vor 24 Jahren? Bayer Leverkusen gerät 1996 wider Erwarten in höchste Abstiegsnöte und „da lügen wir uns gar nicht in die Tasche“, betont Stürmer Rudi Völler nach der 1:2-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC. Das Publikum hat einen Lösungsvorschlag: „Ribbeck raus!“ schallt es seit Wochen bei Heimspielen von den Rängen. Die Spieler sind auch sehr dafür, die Trainerfrage abschließend zu beantworten. Christian Wörns geht in die Offensive und findet der „Sir“ solle sich „an die eigene Nase fassen“ statt dauernd die Spieler bloßzustellen nur „um seine eigene Haut zu retten“. Wenn jemals die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer nicht gestimmt hat, dann jetzt. Das merken sie natürlich auch bei einem Pharmakonzern. Bayer feuert Erich Ribbeck noch am Abend des Spiels.

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28. April 2008: Klasnic verklagt Werders Vereinsarzt

Raul, Schalke
Raul mit seinen fünf Kindern Marta, Hugo, Jorge, Hector und Mateo bei der glanzvollen Verabschiedung auf Schalke. Copyright: imago images

Vor 12 Jahren? In Bremen eskaliert ein unappetitlicher Hauskrach. Stürmer Ivan Klasnic verklagt den Vereinsarzt von Werder und eine Kardiologin, in deren Rehazentrum der Verein seine Spieler schickt. Es geht um das zu späte Erkennen seiner Nierenerkrankung und das Verabreichen falscher Medikamente. 2007 war an Klasnic, dessen Erkrankung nur zufällig bei einer Blinddarm-OP entdeckt worden war, schließlich eine Nierentransplantation vorgenommen worden. Wie der „Spiegel“ in seiner sechsseitigen Story darlegt, fordert der Kroate 1,4 Millionen Euro Schadensersatz, Verdienstausfall und Schmerzensgeld. Klasnic deutlich: „Jetzt werden die angeklagt, die Scheiße gebaut haben. Sie werden dafür büßen.“ Der angeklagte Vereinsarzt Dr. Dimanski: „Menschlich bin ich berührt, aber sachlich gesehen gehe ich gelassen an die Sache heran.“ Noch ahnt niemand, wie lange sich „die Sache“ ziehen wird.

Vor 8 Jahren? Ein Großer verlässt die Bundesliga und zeigt seine Kleinen vor. Schalkes Publikumsliebling Raul holt nach Abpfiff des letzten Heimspiels 2011/12 seine fünf Kinder auf den Rasen. Alle tragen ein königsblaues Raul-Trikot. Rührende Bilder. Zum perfekten Abschied des spanischen Weltmeisters passt der sportliche Teil, zum 4:0 gegen Hertha BSC steuert er ein Tor bei. Damit ist die Teilnahme an der Champion League gesichert.

Abschied nimmt auch der Betzenberg – von der Bundesliga. Das letzte Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern, der schon als Absteiger feststeht, gegen Meister Borussia Dortmund ist ausverkauft. 49.750 Zuschauer sehen die sieben bisher letzten Bundesligatore in diesem Stadion. Endstand: 2:5!

Vor 2 Jahren? Es menschelt in der Hertha-Familie. Trainer Pal Dardai wechselt im Heimspiel gegen den FC Augsburg Sohn Palko ein und verhilft ihm zum Bundesligadebüt. Eine Rarität zwar, aber kein Novum: Schon die Trainer Kronsbein, Burdenski und Fritz Fuchs ließen mal ihre Söhne ran. Aber seit 1986 hat es das nicht mehr gegeben. Und heute? Palkos Karriere stockt nicht nur wegen Corona, derzeit steht er bei elf Einsätzen, aber Papa ist ja auch nicht mehr da…

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