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WM Geschichten

Unvergessliche WM-Momente: Les Bleus spielen in Grün und Weiß

Les Bleus ist der Spitzname der französischen Fußballnationalmannschaft, falls Sie eine Erläuterung brauchen. Übersetzt heißt es aber schlicht und einfach “Die Blauen”. Das bezieht sich natürlich auf die Farbe des Trikots, das die Mannschaft normalerweise auf der internationalen Bühne trägt. Und wie bei den meisten Nationen ist die Farbe des Trikots an die Farben der französischen Flagge angelehnt – blau, weiß und rot. Bei der Weltmeisterschaft 1978 hatten die Bleus jedoch etwas anderes im Sinn. Anstatt in ihren traditionellen Trikots zu spielen, mussten sie ein Spiel in Grün und Weiß bestreiten – seltsam, oder?

Es war das erste und einzige Mal, dass Frankreich auf der internationalen Bühne nicht in seinen üblichen Farben auftrat. Und während wir nach und nach die Gründe für diese Situation aufdecken, werden Sie besser verstehen, warum es überhaupt dazu kam. Die Wahrheit ist eigentlich eher amüsant, und es ist etwas, das viele Menschen angesichts des hohen Ansehens der Weltmeisterschaft nicht für möglich gehalten hätten.

Es lag weder daran, dass Frankreich für dieses Spiel ein neues Trikot ausprobieren wollte, noch an einem Missgeschick in der Wäscherei. Es hatte Gründe, die nur für die damalige Zeit relevant sind. Wir erklären es Ihnen.

Die Wahrheit über den Wahnsinn – Schritt für Schritt

Bevor wir auf die wahren Gründe eingehen, warum Frankreich ein grün-weißes Trikot trug, geben wir Ihnen einen Überblick über die Situation. Bei der Weltmeisterschaft 1978 sollte Frankreich im dritten Gruppenspiel gegen Ungarn antreten. Die ersten beiden Spiele hatte Frankreich verloren, so dass die Qualifikation bereits unmöglich war, selbst wenn es gelingen würde, die Ungarn zu schlagen. Tatsächlich gewann Frankreich das Spiel mit 3:1, schaffte es aber nicht in die K.O.-Phase des Turniers.

Der Sieg war allerdings nicht so bemerkenswert wie die Trikots, die sie bei diesem Spiel tragen mussten. Und da wir uns hier auf diesen Punkt konzentrieren, ist es an der Zeit, dass wir alle pikanten Details erzählen.

Trikotwechsel erfolgte wegen Schwarz-Weiß-Fernsehen

Für viele von Ihnen, die das hier lesen, mag der Gedanke an einen Trikotwechsel aufgrund eines fehlenden Farbfernsehers etwas befremdlich klingen. Dies war jedoch ein echtes Problem, bis Farbfernseher für die breite Masse verfügbar wurden. Die meisten Haushalte besaßen 1978 einen Schwarz-Weiß-Fernseher, und das war die wahre Ursache für den Trikotwechsel. Die FIFA war sich der Tatsache bewusst, dass die Zuschauer dunkle Trikots auf einem Schwarz-Weiß-Fernseher nur schwer unterscheiden konnten. Und da Frankreich ein blaues Trikot und die Ungarn ein rotes Trikot trugen, musste man etwas unternehmen.

Aufgrund dieses Problems mit den kontrastierenden Trikots, insbesondere bei dunklen Farben, wurde ein Trikotwechsel als die machbarste Lösung angesehen. Die FIFA beschloss, Frankreich zu bitten, seine Trikots zu wechseln, doch damit begannen die Probleme.

Der Verwaltungsfehler, der die Probleme verursachte

Obwohl Frankreich gebeten wurde, die Trikots zu wechseln, traten beide Mannschaften mit weißen Trikots zum Spiel an. Das war natürlich ein Problem für die Zuschauer und die Spieler. Als der Tag des Spiels gekommen war, gab es also offensichtlich ein großes Problem, das dazu führte, dass die Partie nicht beginnen konnte, bevor es gelöst worden war. Aber wie kam es überhaupt dazu? Berichten zufolge war es der Fehler des französischen Teamchefs.

Irgendwo war ihm ein Verwaltungsfehler unterlaufen, der dazu führte, dass Frankreich in den falschen Trikots zum Spiel antrat. Und da es deren Fehler war, waren sie diejenigen, die den Schlamassel ausbügeln mussten. Die einzige Möglichkeit, das Problem zu lösen, bestand natürlich darin, ein anderes Trikot zu besorgen, aber das Spiel sollte bereits in weniger als einer Stunde beginnen! Wie Sie sich vorstellen können, war die Spannung im Team der Franzosen groß, und die Suche nach einem Ersatztrikot hatte begonnen.

Die verrückte Jagd nach einem Ersatztrikot

Natürlich konnten die beiden Mannschaften nicht in denselben Trikots gegeneinander antreten. Aber da das Spiel unmittelbar bevorstand, musste Frankreich alles tun, um ein ausreichend unterschiedliches Trikot zu bekommen. Die schnellste Lösung des Problems bestand darin, sich an den nächstgelegenen Verein in Argentinien zu wenden, um von dort ein paar Trikots zu bekommen. Dieser Verein war Atletico Kimberley, der seine Spiele in grün-weißen Trikots bestritt. Allerdings war der Verein nicht gerade um die Ecke, so dass es eine ganze Weile dauerte, die Trikots von diesem Verein abzuholen und sie dann zum Spiel ins Stadion zu bringen.

Überraschenderweise war das noch nicht das Ende der Probleme für Les Bleus. Man hatte zwar ein Trikot gefunden, das sich ausreichend von den weißen Trikots der Ungarn unterschied, aber woher sollte man wissen, wer welcher Spieler war? Immerhin waren die Trikots 1978 noch mit Nummern versehen, doch die erhaltenen Trikots passten natürlich nicht zur Aufstellung der französischen Mannschaft. Dies führte zu einem weiteren amüsanten Problem.

Eine Stunde, um Nummern auf die Trikots zu bügeln

Wie bereits erwähnt, dauerte die Abholung und Lieferung der grün-weißen Trikots eine ganze Weile. Doch das Problem, dass keine Nummern auf den Trikots angebracht waren, war ein weiteres großes Problem. Daher wurden die französischen Trikotmanager damit beauftragt, alle individuellen Nummern auf die Trikots zu bügeln, damit sie einsatzbereit waren. Offenbar brauchte das Team rund eine Stunde, um den Bügelvorgang abzuschließen. In der Folge verzögerte sich das Spiel um insgesamt 40 Minuten, sehr zum Ärger der Fans, die sich bereits im Stadion befanden.

Wenn man allerdings die Fans fragen würde, ob sie das Spiel lieber ohne Nummern auf den Trikots sehen würden, bezweifeln wir, dass die Antwort Ja lauten würde. Es ist also wirklich lobenswert, dass die Trikotverantwortlichen in der Lage waren, ein passendes Trikot ausfindig zu machen, es abzuholen und es dann für das bevorstehende Spiel zu besorgen. Und es scheint, dass der Wechsel der Trikots den Franzosen Glück brachte, denn dies war das einzige Spiel, das sie bei der Weltmeisterschaft 1978 gewannen.

Ist dies das einzige Beispiel für die Verwendung von Vereinstrikots bei einer Weltmeisterschaft?

Man möchte meinen, dass dies das einzige Mal war, dass ein Vereinstrikot für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft verwendet wurde. Aber erstaunlicherweise war dies nicht das erste und auch nicht das letzte Mal! Es gibt noch drei weitere Beispiele für Mannschaften, die aufgrund ähnlicher Probleme gezwungen wurden, Vereinstrikots zu verwenden. Lassen Sie uns also spaßeshalber auch die Geschichten dieser anderen Beispiele erzählen.

Weltmeisterschaft 1934

Es hat offenbar nicht lange gedauert, bis es bei Weltmeisterschaften zu Problemen mit den Trikots kam. Bereits bei der zweiten Auflage des Turniers trat das Problem auf, als Deutschland im Spiel um Platz drei gegen Österreich antreten sollte. Beide Nationen trugen bei der WM 1934 weiße Trikots, und nach einem Münzwurf war Österreich das Team, das sich umziehen musste. Doch genau wie Frankreich im Beispiel von 1978 hatten sie kein Ersatztrikot zur Verfügung. Da das Spiel aber in Neapel stattfand, konnte man sich den Luxus leisten, das Heimtrikot von Napoli zu besorgen.

Allerdings verlor Österreich das Spiel mit 3:2, so dass sie an diesem Tag mit keinem der beiden Ereignisse besonders zufrieden gewesen sein dürften.

Weltmeisterschaft 1950

Das Problem der widersprüchlichen Trikots hatte sich seit dem Vorfall in Neapel wieder beruhigt. Doch bei der Fußballweltmeisterschaft 1950 tauchten die Probleme erneut auf. Diesmal wurde das Turnier in Brasilien ausgetragen, und die beiden Mannschaften, die in Konflikt mit den Trikots standen, waren die Schweiz und Mexiko. Das Gruppenspiel sollte in Porto Alegre ausgetragen werden, und da beide Mannschaften dunkle Trikots hatten, musste eine von ihnen wechseln. Mexiko zog dabei den Kürzeren und musste sich das Trikot eines lokalen Vereins namens Cruzeiro schnappen.

Doch der Trikottausch brachte ihnen nicht das gleiche Glück wie den Franzosen, denn sie verloren ihr letztes Gruppenspiel mit 1:2.

Weltmeisterschaft 1958

Das einzige andere Mal, dass Trikots vor 1978 zu Problemen geführt haben, war die Weltmeisterschaft 1958 in Schweden. Diese war jedoch anders als die anderen Weltmeisterschaften, da die kontrastierenden Trikots aus gestreiften Trikots bestanden und nicht aus einfarbigen. Und die beiden Mannschaften, die dieses Mal Probleme hatten, waren Deutschland und Argentinien. Genau wie bei den anderen Beispielen war es auch hier ein lokaler Verein, der die Situation rettete – IFK Malmö, um genau zu sein. Der IFK Malmö lieh Argentinien für dieses Spiel ein einfarbiges gelbes Trikot aus und verlor dennoch mit 1:3 gegen die Bundesrepublik Deutschland.


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