Transfers: So lief der Coup mit Ex-Nationalspieler Mario Götze – Neuer Superstar für Frankreich?


Top-News 1: Transfers: So sicherte sich der PSV Eindhoven Weltmeister Mario Götze

Mario Götze (28) hat wieder einen Job. Der Weltmeister von 2014 stand – wie sein „Sambamärchen“-Kollege Kevin Großkreutz – ohne Verein da. Der PSV Eindhoven sicherte sich am Dienstagabend zum Transferschluss in den Niederlanden die Dienste des Ex-Dortmunders. Wie dieser Coup ablief und wie es zum „Schmidteinander“ in Eindhoven kam, überrascht.

Am Donnerstag präsentierte Mario Götze (28) in Eindhoven im Philips-Stadion stolz sein neues Trikot. Der ehemalige Profi von Borussia Dortmund und Bayern München wird künftig für den PSV Eindhoven auflaufen. Damit war nicht wirklich zu rechnen.

Ein Transfer-Coup mit Vorgeschichte. Wie BILD (Donnerstagausgabe) berichtet, hat Eindhovens Coach Roger Schmidt („Was bist du denn für einer?“) erheblichen Anteil an der Götze-Verpflichtung. „Vor ungefähr 8 Wochen habe ich mit Mario telefoniert und mich nach seinen Plänen erkundigt“, verriet der 53-Jährige dem Boulevardblatt. Schmidt weiter in BILD: „Mein Gefühl war, dass er vielleicht nach einem etwas ruhigeren Umfeld suchen könnte, in dem er einfach den Spaß am Fußball zurückbekommt.“

Diesen hatte Götze, mit Verlaub, am Ende bei Borussia Dortmund eben nicht mehr. Sein Arbeitsprotokoll in der letzten Saison unter Trainer Monsieur Favre? Trostlos! Der 5-fache Deutsche Meister kam 2019/2020 in der Bundesliga nur 15-mal zum Zug (3 Tore). Vom 18. Januar bis zum Corona-Lockdown im März 2020 spielte Götze in der Liga gerade mal 14 Minuten. Zum letzten Mal lief er am 26. Mai 2020 im Spiel gegen seinen Ex-Klub FC Bayern München (0:1) für den BVB auf. In der für die Meisterfrage entscheidenden Partie wirkte Mario Götze allerdings nur 10 Minuten mit. Zu diesem Zeitpunkt stand sein Abschied aus Dortmund nach einem höchst wechselhaften 2. Engagement ab 2016 längst fest.

Eindhoven war trotz der Ausbootung beim BVB sicher nicht erste Wahl für Mario Götze. Hertha BSC und Brunhold Labbadia schienen Favorit auf einen Götze-Transfer zu sein. „Es war uns klar, dass er viele Angebote haben würde“, räumt Roger Schmidt ein. Der Sauerländer weiß aber auch: „Hinter jedem Spieler steckt auch ein Mensch und manchmal gibt auch die emotionale Komponente den Ausschlag.“

Mario Götze hat in Eindhoven die Chance auf einen echten Neuanfang. Verletzungen und Erkrankungen hatten ihn in Dortmund immer wieder zurückgeworfen. Lucien Favre betrieb ein Doppelspiel mit ihm. Er gab vor, auf Götze zu setzen und sorgte dann für dessen Abschied auf Raten. Unschön. Bei Roger Schmidt ist die Götze-Rolle klar definiert: „Ich sehe ihn im zentralen Mittelfeld. Von dort kann er größtmöglichen Einfluss auf das Spiel nehmen.“

Mario Götze PSV Eindhoven
Mario Götze ist neu beim PSV Eindhoven. Foto: Imago Images / Pro Shots

Top News 2: Eduardo Camavinga – Frankreichs neuer Shootingstar aus dem Talentschuppen

Petr Cech Stade Rennes 2003
Auch Torhüterlegende Petr Cech (l.) spielte für Stade Rennes. Foto: Imago Images / PanoramiC

Er kam, sah und traf – Eduardo Camavinga (17) brachte Weltmeister Frankreich im Testspiel gegen die Ukraine (7:1) am Mittwochabend früh auf Kurs. Für den Mittelfeldspieler war es der erste Länderspieltreffer im 2. Einsatz für „Les Bleus“.

Camavinga hatte erst am 8. September 2020, bei Frankreichs 4:2 gegen Kroatien in der UEFA Nations League debütiert. Bei der Neuauflage des WM-Finales von 2018 spielte er 27 Minuten. Nun brachte ihn Nationalcoach und Doppel-Weltmeister Didier Deschamps (51) von Anfang an.

Der Youngster zahlte direkt zurück: 1:0 mit einem sehenswerten Fallrückzieher nach 9 Minuten. Frankreichs Fußball-Bibel L‘ Equipe pries am Donnerstag „Die Dreistigkeit des Camavinga“. Mit Recht.

Dieser Junge hat Potenzial – und er ist nicht der erste Superstar in spe aus der heimlichen Talentschmiede des französischen Fußballs. Diese befindet sich in der Bretagne. Camavinga spielt für Stade Rennes. Noch. Der Ligue-1-Klub hat den gebürtigen Angolaner erst im Januar 2019 ins Team geholt. Doch die Interessenten stehen Schlange. Der FC Bayern München gehört dazu. Ebenso: Real Madrid, Manchester United, Paris St.-Germain oder Borussia Dortmund. Also die üblichen Verdächtigen, wenn es um Fußball-Juwelen geht.

Rennes liegt mit 7 Punkten aus 3 Spielen auf Rang 5 der französischen Top-Liga. Vor Camavinga hat der Klub, der 1998 den UEFA Intertoto Cup gewann, schon viele spätere Weltstars geformt. Der Franzose Jimmy Briand machte von 2003 an seine ersten Karriereschritte bei Stade Rennes. Ebenso machten die Bretonen einen gewissen Petr Cech groß. Der legendäre Torhüter aus Tschechien kam 2002 aus Prag in die Bretagne. Dann schnappte ihn der FC Chelsea. In der Saison vor der Heim-WM 1998 wechselte Stürmer Stéphane Guivarc’h (heute 50) von Stade Rennes zu AJ Auxerre. Er stand auch im Finale in der Weltmeister-Elf von Coach Aimé Jacquet. 2-mal Confed-Cup-Sieger und Europameister (2000) wurde Sylvain Wiltord (46). Er ist – wie Camavinga – ein echtes Eigengewächs aus Rennes. Von 1991 an spielte er 6 Jahre als Jungprofi für den Klub.

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Top-News 3: Vor 20 Jahren – Der „Fall Daum“ erschüttert Fußball-Deutschland

Christoph Daum Eintracht Frankfurt 23. März 2011
Ich bin dann mal wieder da: Christoph Daum (l.) und Heribert Bruchhagen werden am 23. März 2011 bei Eintracht Frankfurt von Fotografen umlagert. Foto: Imago Images / Schüler

Daum, Kokain, Schläger, Kübel voller Schmutz – und mittendrin ein junger Reporter. Rund um den 8. Oktober 2000 überschlugen sich in Fußball-Deutschland die Ereignisse. In seiner am Donnerstag erschienenen Biographie Immer am Limit (Verlag: Ullstein) schildert Christoph Daum (66) dieses immer noch unglaublich anmutende Kapitel in der DFB-Historie.

Wo fangen wir an? Am besten am Anfang. Im Juli 2000 erhielt Deutschland den Zuschlag für die WM 2006. Günter Netzer und Gerhard Delling („Ein tieferer Tiefpunkt“) stießen in der Schweiz mit einem Weizenbier auf den Coup an. Doch die wichtigste Frage: Wer soll die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eigentlich führen? „Sir“ Erich Ribbeck hatte nach dem EM-Debakel abgedankt. Man konnte auch sagen: Endlich! Die Länderspiele unter der Regie des angegrauten UEFA-Cup-Siegers von 1988 waren fast immer zum Fremdschämen. Eine entscheidende DFB-Sitzung mit dem mächtigen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder („MV“ / † 2015), Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Reiner Calmund und Rudi Völler war der Anfang. „Ich stehe nicht als Bundestrainer zur Verfügung“, brüskierte Daum die DFB-Granden. „Ist das jetzt eine Absage?“, fühlte sich Hoeneß – nie ein Freund von Daum – an die Sendung mit der versteckten Kamera erinnert. „MV“ hingegen winkte ab.

„Ha, ha, ha“, schreibt Daum in Immer am Limit, „das typische Lachen von Mayer-Vorfelder bricht das Schweigen im Raum. Das ist wieder mal ein klassischer Daum.“ Der VfB-Macher kannte den Coach aus seiner Zeit in Stuttgart. Unberechenbar zwar, aber immer auf den Erfolg programmiert. „Wenn wir dich heute nicht bekommen“, kündigte Mayer-Vorfelder an, „dann schauen wir, wer das eine Jahr überbrückt – und dann wirst du nächstes Jahr Bundestrainer.“

Seinen Vertrag in Leverkusen, wo er 2000 am letzten Spieltag die Deutsche Meisterschaft verspielt hat, nicht vorzeitig aufzulösen, sollte Daum lange nachhängen. Zwischenzeitlich übernahm Rudi Völler als Teamchef im Beckenbauer-Modell. Er gewann gleich mit 4:1 in Hannover gegen die Pep-Spanier und in Wembley gegen England (1:0). Die höheren Popularitätswerte hatte er ohnehin. Und der Boulevard war auf der Seite von „Rudi Riese“.

Im Oktober 2000 streute Uli Hoeneß ganz subtil die für Daum tödlichen Gerüchte. „Wenn unwidersprochen in der Zeitung über den verschnupften Daum geschrieben werden darf“, so hegte der Bayern-Manager Bedenken, „dann darf er nicht Bundestrainer werden.“ Mehr hat Hoeneß im Prinzip nicht gesagt.

Dieser Spruch genügte, um eine Lawine auszulösen! „Ich war natürlich geschockt“, erklärt Daum im Interview mit BILD am SONNTAG (aktuelle Ausgabe), „es gab ja keine Beweise, sondern es wurden irgendwelche Gerüchte gestreut, die jeglicher Grundlage entbehrten.“

Es wurde eines der größten Boulevard-Schmierenstücke im deutschen Fußball. „Es gab eine mediale Explosion“, erinnert sich Daum. Der Beinahe-Nationalcoach ist heute sicher: „Wenn solche Behauptungen aufgestellt werden, gibt es nur eine Entscheidung: Entweder muss der Hoeneß weg – oder der Daum muss weg.“

Dass „Daum weg muss“, dafür trommelten die Boulevardmedien. In Hamburg, in der BILD-Zentrale, überschlugen sich die Meldungen zum Daum-Skandal. Der Beinahe-Bundestrainer stürzte aber am Ende über seine eigene Schlauheit. Anstatt sich an das Prinzip der Unschuldsvermutung zu halten und die ihn treibende Meute auf Distanz zu halten, ging „Cassius“ wie ein angeschlagener Boxer in die Offensive. Er unterzog sich in Köln einer medizinischen Haar-Analyse, mit deren Hilfe er seine Unschuld beweisen wollte. Diese Probe war jedoch positiv. Das Bekanntwerden des Resultats sorgte für Daums „Aus“ in Leverkusen, das Ende beim DFB. Es folgte eine vogelwilde Flucht nach Florida. Atemberaubend. 6 Monate, so Daum heute in BILD am SONNTAG, habe sein letzter Kokain-Konsum vor der Haarprobe zurückgelegen. „Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe“, begründete er diesen Schritt zur Beweisführung. Auch dieser Satz sollte Daum zum Verhängnis werden.

Es war die Stunde der Denunzianten und der Komödianten. ,,Ich kenne den Mann, der den Daum mit Koks versorgt hat“, behauptete einer im Kölner Express. Und weil der Mann gerade dabei war, wollte er für 10.000 Mark auch den Zufluchtsort von Christoph Daum verraten… Wie immer in solchen Fällen bemühte man die zuverlässigen Steinewerfer aus der 2. Reihe. Der ehemalige Fußballprofi William ,,Jimmy" Hartwig nahm sich Daum in der Harald-Schmidt-Show vor. Die in Köln produzierte SAT1-Sendung brauchte sich dieser Tage nicht um Gags („Wie Karl-Heinz Rummenigge einmal Ahoi-Brause für alle bestellte“) zu bemühen. Die Realität lieferte die beste Satire! „Christoph, isch waas, dass du es gemacht hast“, appellierte der Ex-Nationalspieler auf Hessisch, „hör auf zu Koksen, denn das macht die Birne total hohl.“ Das war auch für den Mann zu viel, der den Daum ins Rollen brachte. Uli Hoeneß: „Einen solch charakterlosen Menschen wie Herrn Hartwig zu benutzen, ist unseriös.“

Alle anderen Mittel waren scheinbar erlaubt. Frei nach dem damals von BILD-Sportchef Alfred Draxler ausgegebenen Dogma: „Wir erfinden doch nichts. Wir greifen nur auf, was alle umtreibt.“ Genau. Wohl auch deshalb zerrte BILD Bernd Thränhardt, Regisseur und Bruder des früheren Olympia-Hochspringers Carlo Thränhardt, ins Blatt.  Er war natürlich ein hoch seriöser Kronzeuge. Dessen Version der Dinge musste unbedingt einem breiten Publikum näher gebracht werden. Thränhardt bekannte frisch und frei: „Ich habe mit Daum gekokst.“ Natürlich schon vor Jahren, natürlich in Köln, beim „Ball des Sports.“ Keine Nacht ohne Drogen – oder wie hieß dieser DFB-Slogan? Daum, so war es Bernd Thränhardt sicher, sei „vollkommen ausgerastet“. Besorgte Ballgäste hätten ihn noch aufgefordert: „Bernd, brems endlich den Christoph. Der ist nicht mehr zurechnungsfähig.“ Am 25. Oktober 2000 legt Thränhardt in BILD nach: „Daum schickte mir Schläger“. So lautete die Schlagzeile. Zu sehen war eine zersplitterte Haustür. Ob sie aus dem Requisitenfundus von Bernd Thränhardt stammte, wissen wir nicht. Dumm war nur, dass Daum nichts mit diesen ,,Schlägern" zu tun hatte. Diese Räuberpistole hielt der Prüfung durch die Staatsanwaltschaft in Köln nämlich nicht stand.

Der 2. Versuch von „MV“, Daum nach der verkoksten… ähm verkorksten EURO 2004 Daum doch noch zum Bundestrainer zu machen, ging ebenso schief. Keine Chance. Daum heute: „Aufgrund gewisser konservativer Bestrebungen oder auch einer gewissen Rivalität aus der süddeutschen Gegend war da überhaupt nicht daran zu denken.“

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