Bundesliga: BVB 2:3 im „Clasico“ gegen FC Bayern: Das war’s, Monsieur Favre!


Gedankenschneller, abgezockter – So deckte Bayern München die Schwächen von Borussia Dortmund im ,,Clasico” auf

Borussia Dortmund verliert gegen den FC Bayern München mit 2:3 (1:1) – und offenbart lange bekannte Favre-Schwächen. Die Mannschaft des Schweizer Trainers spielt zu vorhersehbar. Sie hat nicht die Chuzpe eines FC Bayern.

Viele Offensiv-Spielzüge wurden überhastet vorgetragen, schlecht abgeschlossen. Dankbare Bälle für die Routiniers David Alaba (28) und Jérome Boateng (32). Sicher, man kann sagen: Sie waren dran. Nahe dran. Dortmund führte mit 1:0 (45.) gegen die Bayern. Doch dran ist nicht drin. Am Ende galt: Erfahrung schlägt Sturm- und Drang. Die Unterschiede zwischen dem Serien-Meister aus München und dem Verfolger aus Dortmund sind nicht riesig. Aber fein. Bayern bot in der Partie am Samstagabend keinen Vollgasfußball an. Die fast klinisch geführten Nadelstiche reichten aus, um die Tabellenführung von RB Leipzig zurück zu holen. „Wir waren in den wichtigen Situationen einfach einen Schritt schneller oder abgezockter“, nannte Leon Goretzka bei Sky das, was Dortmund fehlt.

Nein. Mit Favre-Fußball wird der BVB die 2012 verlorene Meisterschale nie zurückerobern! Steile These? Realismus. Im 3. Jahr unter Lucien Favre hat sich die Mannschaft nicht weiterentwickelt. Oder allenfalls marginal. Sie ist nicht gereift. Dortmund verfällt nach Gegentore in die altbekannten Muster. Es genügt ein Gegentor, um vom Kurs abzukommen. „Wir gehen mit null Punkten aus einem Spiel raus, das auch umgekehrt ausgehen kann“, sagte Mats Hummels bei Sky. Schön gesagt. Dazu fehlen Führungsspieler, die Ruhe vermitteln. Leute, die dem Team die Gewissheit geben: Egal, wie es läuft, wir packen das! Außer Mats Hummels, der vollen Einsatz gezeigt hat. Der verletzte Abwehrchef konnte auflaufen. Marco Reus tauchte nach dem 1:2-Rückstand unter. Erling Braut Haaland (20) und Giovanni Reyna (17) sind die Zukunft beim BVB. Aber sie sind noch keine Unterschiedsspieler. Beide haben nicht die Abgeklärtheit eines Robert Lewandowski. Können sie gar nicht haben. Die, die sie haben sollten, tauchen zu oft unter. Reus, Thomas Meunier, Axel Witsel.

So versackt Dortmunds Spiel im Bemühen! Favres taktische Vorstellungen sind ambitioniert. Aber unter dem Strich erfolglos. Weniger Fehlpässe, höhere Laufleistung – das ist brotlose Kunst. Borussia Dortmund hat den 2021 auslaufenden Vertrag des Schweizers nicht verlängert. Es gibt auch keine Signale dafür im Iduna Park. Der Taktik-Tüftler hat Borussia Dortmund nach einem schwachen Jahr wieder zum Spitzenteam gemacht. Ja. Aber nicht zum Meisterteam. Dortmund, das ist auch ohne Zuschauer Leidenschaft. Die lebt der stille Schweizer nicht vor. Doch zumindest Optimismus und Zuversicht könnte er verbreiten. Auch mal einen mutigen Spruch raushauen, wie das Klopp, Sammer oder Hitzfeld taten. Wenn es darauf ankam. „Kloppo“ und „Sammy“ rissen die Mannschaft mit ihrem eigenen Temperament mit. Selbst der besonnene Mathematiklehrer Hitzfeld ging aus dem Sattel. Mit der Aussage „Die Bremer sind fast Amok gelaufen“ verunsicherte er 1995 den Titel-Rivalen von der Weser.

Favres permanente Systemwechsel – gegen Bayern war es wieder ein 4-2-3-1 – sind schön und gut. Aber sie helfen nicht, wenn du neben Leipzig einziger Herausforderer der Bayern bist.

Borussia Dortmund - FC Bayern München 2:3
Und wieder schleichen sie geschlagen von dannen: Borussia Dortmund konnte erneut gegen Bayern München keinen Big Point landen. Foto: Imago Images / Poolfoto

Top-News 2: Transfers – Bleibt David Alaba doch noch beim FC Bayern? Sorge um Kimmich

Borussia Dortmund FC Bayern München 2:3 David Alaba
Mit diesem Freistoßtor schockte David Alaba (m.) Borussia Dortmund in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Foto: Imago Images / Poolfoto

David Alaba (28) und kein Ende! Der Österreicher, der seinen Vertrag beim FC Bayern nicht verlängern will, traf am Samstagabend zum wichtigen 1:1 in Dortmund. Dass sein Vertragspoker mit dem Rekordmeister gelaufen ist, dementierten die Münchner schon vor dem Spiel.

Dafür sorgte die „Abteilung offenes Wort“ in Persona ihres einzigen Mitglieds. Karl-Heinz Rummenigge (65), der Mann des Ausgleichs beim FC Bayern München, gab vor dem Spiel ein bemerkenswertes Statement ab.

„Man sollte unaufgeregt mit dem Thema umgehen“, wünschte sich Rummenigge im Talk mit Sky. Rummenigge weiter: „Dass Alaba bleiben möchte, würde ich in Gänze nicht ausschließen.“ Das mehr als großmütige Angebot des Bayern-Vorstands: „Die Tür ist noch einen Spalt auf.“ Das klingt gut. Alabas Wertigkeit im Team hat sich am Samstagabend gezeigt. „Er ist 12 Jahre bei uns und ist in dieser Zeit ein wichtiger Spieler gewesen“, sagte Rummenigge in Dortmund. Ihm ist wichtig, dass man „die Qualität des Spielers und des Menschen ins richtige Licht rückt.“ Das war in den letzten Wochen und Monaten nicht immer so. Im Alaba-Poker nannte Ehrenpräsident Uli Hoeneß dessen Berater Pinhas Zahavi (77) einen „geldgierigen Piranha.“ Alaba selbst gab sich nach der Rücknahme des Bayern-Angebots am 1. November „enttäuscht und verletzt.“ Der Wiener fühlt sich falsch dargestellt. Ob es noch ein Einlenken gibt?

Alaba war nur ein Thema abseits des Rasens im Signal Iduna Park. Nach 34 Minuten musste Joshua Kimmich mit einer Knieblessur vom Platz getragen werden. Für ihn kam Corentin Tolisso. So steht es jedenfalls im Korintherbrief. Eine Kreuzbandverletzung konnte die medizinische Abteilung des FC Bayern am Samstagabend nicht ausschließen. „Ich hoffe für Bayern und den DFB, dass Josh halbwegs fit aus der Nummer rauskommt“, fühlte Mats Hummels mit.

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Top-News 3: Dani Alves mit harscher Kritik: FC Barcelona „ein Verein in der Prostitution“

Dani Alves Luis Suarez Lionel Messi
Als die ,,Barca"-Welt noch heil war: Dani Alves (l.) jubelt mit Luis Suárez (m.) und Lionel Messi. Foto: Imago Images

Der FC Barcelona lebt noch! Am Samstag gab es in La Liga ein 5:2 (1:1) gegen Betis Sevilla. Damit verbesserte sich „Barca“ auf Rang 8. Das ist für den Moment Beruhigung für einen Verein, der einem Pulverfass gleicht.

Durchatmen ließen die Tore von Antoine Griezmann (49.) Lionel Messi (61. / 82.) und Pedri (90.) nach der Pause. Aber: Vor dem Spiel hagelte es erneut Kritik für den FC Barcelona. Geschaltet diesmal von Dani Alves. Der inzwischen 37 Jahre alte Brasilianer sprach „Mes que un Club“ so ziemlich alles ab. Jedenfalls alles, was „Barca“ über eine Dekade so stark gemacht hat.

„Der Klub hat keine Philosophie mehr“, ätzte Dani Alves im Radio-Sender RAC1. „Früher hatte Barcelona eine Identität, jetzt ist es ein Klub des Kaufens und Verkaufens“, so der Mann vom FC Sao Paulo. Alves weiter: „Auf diese Weise werden sie viele wertvolle Fußballer haben, aber sie werden ihre Philosophie nicht verteidigen.“

Sein Vorwurf: „Das Management ist in die Prostitution gegangen.“ Der Präsident, so mutmaßt Alves, sei „schlecht beraten worden.“ Dass man im Sommer Luis Suárez und Ivan Rakitic abgab, ist für Alves eine der Folgen. „Jetzt ist Barcelona eine kommerzielle Mannschaft“, glaubt Alves. Seit Alves‘ Wechsel von „Barca“ zu Juventus Turin (2016) investierte der Verein fast 1 Milliarde Euro. Allein der Brasilianer Philippe Coutinho und die Weltmeister Ousmane Dembélé und Griezmann kosteten jeweils mehr als 100 Mio. Euro.

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