DFB-Pokal: So lief das Nübel-Debüt beim FC Bayern – Zoff um Lehmann in Berlin


Top-News 1: FC Bayern München – Nübel-Debüt im DFB-Pokal und Bundestrainer-Ansage von Effenberg

Diese Worte müssen Alexander Nübel (24) getroffen haben. „Wir wollen besser abschneiden als Schalke und Barcelona“, hatten die Pokal-Gegner vom 1. FC Düren vor dem Spiel am Donnerstagabend getönt. Sowohl „Barca“ als auch der S04 hatten die Münchner in ihrer Traum-Phase im Spätsommer 8 Gegentore eingeschenkt – im Champions-League-Viertelfinale und in der Bundesliga. Die Dürener hielten ihre Vorgabe: 0:3 (0:2) hieß es am Ende.

Am Donnerstagabend durfte dabei Aleaxander Nübel erstmals für den FC Bayern in einem Pflichtspiel ran. Der Rekord-Pokalsieger trat personell stark verändert an. Unter anderem spielten Douglas Costa, Eric Maxim Choupo-Moting, Jamal Musiala, Marc Roca und Bouna Sarr. Nicht dabei natürlich die zahlreichen Nationalspieler, die in der UEFA Nations League z. T. am Mittwoch noch im Einsatz waren. Dazu gehörten Robert Lewandowski (Polen, 2 Tore gegen Bosnien) und Lucas Hernández (Frankreich). Die deutschen Nationalspieler, die am Dienstag 3:3 gegen die Schweiz gespielt hatten, fehlten ebenfalls.

Nach 20 Sekunden musste Nübel direkt eingreifen – bei einem gefährlichen Kopfball des Ex-Paderborners Marc Brasnic. „Karriere fördernd ist der Wechsel zu Bayern für ihn sicherlich nicht“, sagte Stefan Effenberg bei SPORT1 über Nübel, „und wenn man sagt, er hat ja bei Bayern finanziell ausgesorgt, dann ist das absoluter Bullshit: Jeder Fußballer will spielen.“

Die Bayern brauchten in der Allianz Arena – Düren hatte das Heimrecht getauscht – gegen den Fünftligisten 24 Minuten bis zum Führungstreffer. Choupo-Moting traf frei vor Düren-Keeper Kevin „Jacke“ Jackmuth aus 6 Metern. Erstes Pflichtspieltor für den ablösefreien Zugang aus Paris! Nach 36 Minuten erhöhte Thomas Müller per Foulelfmeter auf 2:0. Joran Sobiech, Bruder von Ex-BVB-Profi Lasse Sobiech, hatte sich ein Foul gegen Choupo-Moting geleistet. Choupo-Moting (75.) setzte mit einem wuchtigen Rechtsschuss zum 3:0 den Schlusspunkt. Ein Treffer der Dürener wurde nach angeblichem Foul von Adis Omerbasic (44.) zurückgepfiffen. „Hier hätte man auch anders entscheiden können“, fand der gebürtige Dürener Toni Schumacher (66) in der SPORT1-Halbzeitanalyse.

Effenberg brachte in der 2. Halbzeit Bayerns-Erfolgscoach Hansi Flick als Löw-Nachfolger ins Spiel. „Er kennt das Umfeld, war dort Co-Trainer, deswegen kann ich mir vorstellen, dass das in naher Zukunft passieren wird“, so der Vize-Europameister von 1992. Schönes Schlusswort…

Alexander Nübel FC Bayern München 1. FC Düren
Alexander Nübel (m.) hatte bei seinem Debüt für den FC Bayern München im DFB-Pokal gegen den 1. FC Düren (3:0) nur eine Bewährungsprobe. Foto: Imago Images / Passion2Press

Top-News 2: Bundesliga – „Mad Jens“ Lehmann: Machtprobe bei Hertha BSC

Jens Lehmann Hertha BSC
Der Star sitzt auf der Tribüne: Jens Lehmann bei Hertha BSC. Foto: Imago Images / Action Press

Job-Motor Bundesliga! Die Stelle von Investor Tennor im Hertha-Aufsichtsrat übernahm der Mann, den Vorgänger Jürgen Klinsmann (56) 2006 zum deutschen WM-Keeper gemacht hatte. Jens Lehmann (50) mischt den Hauptstadtklub kräftig auf.

Es beginnt mit der sportlichen Zielsetzung, die der Ex-Nationalspieler nun in SPORT BILD formuliert hat. Unbescheiden, klar. Hertha BSC ist schließlich, um im Klinsmann-Duktus zu bleiben, ein „Big City Club“. Nur schade, dass es intern offenbar zugeht wie bei einem Kreisligaklub (Circle League Club). „Das Ziel bei Hertha BSC ist allen klar und heißt Qualifikation für den internationalen Fußball“, so hatte Lehmann die Losung ausgegeben.

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer, schon immer ein unangenehmer Gegenspieler, wusste davon offenbar nichts. Bei Gegenbauer klingt das nämlich so: „Jetzt muss auf sportlicher Ebene von den Verantwortlichen im Verein maximal viel daraus gemacht werden.“ Das passt irgendwie nicht mehr ins moderne Hertha-Deutsch. Das würden sie bei anderen Big City Clubs sicherlich nicht anders sehen.

Jedenfalls ist Gegenbauer bemüht, die in Berlin durch mehr als 370 Millionen in windhorstige Höhen geschossenen Erwartungen zu dämpfen. Dass sich Lehmann so weit aus dem Fenster lehnt und sagt, dass man mit solchen Investitionen durchaus über Europa sprechen kann, wollte der 70-Jährige so nicht stehen lassen. „Auch Herr Lehmann spricht als Berater von Tennor über und nicht für Hertha BSC“, sagte Gegenbauer der BILD-Zeitung (Donnerstag). Das Ziel „Europa“ gelte nur mittelfristig, korrigierte Gegenbauer. Wohl eher langfristig. Die Berliner stehen vor dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart nur auf Rang 13.

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Top-News 3: Mein lieber Schollikowski: Bayern-Idol Mehmet Scholl wird 50

Mehmet Scholl Oliver Bierhoff EM-Finale 1996
Der legendäre Wechsel in Wembley: Mehmet Scholl geht, Oliver Bierhoff kommt... Foto: Imago Images / Camera 4

Seine Ankunft läutete beim FC Bayern München 1992 ein neues Zeitalter ein. Mit Mehmet Scholl vom Karlsruher SC holten die Münchner das Teenie-Idol des deutschen Fußballs. Er wurde Klub-Legende, Titelsammler, blieb aber doch unvollendet. Am Freitag feiert „Scholli“ seinen 50. Geburtstag.

Willy Astor griff am 15. August 2007 zur Gitarre. Der Ur-Münchner, der 1994 die Hymne FC Bayern – Stern des Südens getextet hatte, haute rein. „Super-Scholli, Stern des Südens, bist ein Lausbub und Rebell“, lautete seine „Scholli-Spezialversion“. In der Münchner Allianz Arena hatte Mehmet Scholl zur großen Abschiedsgala geladen. Gegen den Klub, gegen den sein Stern im April 1996 vielleicht am hellsten leuchtete. Der FC Barcelona war zum Abschiedsspiel zur Gast. Als Scholl Bayern 11 Jahre zuvor zum 2:1-Halbfinalerfolg in Camp Nou geführt hatte, war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. „Bayern-Held Scholl: Jetzt ist er 15 Millionen Mark wert“, schrieb BILD im Überschwang der Gefühle.

Ob die katalanischen Gäste mit dem Humor von Willy Astor klar kamen, wissen wir nicht. Auf jeden Fall zog die Spaß-Maschine vom Münchner Hasenbergl zum Scholl-Abschied alle Register. Denn: Beim FC Bayern hatte der gebürtige Karlsruher noch eine andere Funktion. Scholl führte nach Sepp Maier die Tradition der bayerischen Wort- und Situationskomik wieder ein. Und zwar im Geist des Münchner Volksschauspielers Karl Valentin. „Kameradschaft ist, wenn der Kamerad schafft“ wurde ein klassischer Scholl. Oder: „Sarah Ferguson will an einem Kamel-Rennen teilnehmen. Unklar ist noch, wer sie reitet“. Sprüche, die sich Fußballer der modernen Generation kaum leisten könnten. Eigentlich schade. Bei aller Professionalität verstand es Scholl – noch mal anders als Jürgen Klopp – das oft so verbissene Fußball-Business ironisch zu brechen. „Niemand könnte Mehmet je böse sein“, sagte Ex-Bayern-Coach Giovanni Trapattoni („E mehr Mehmet, e mehr Basler“) 2007.

Begonnen hatte alles im April 1990 mit einem Tor beim Bundesliga-Debüt für den Karlsruher SC. 5:0 in Köln, KSC-Coach „Wild Winnie“ Schäfer warf vor Freude die Jacke hoch...Schon damals stand Jungstar Scholl im Fokus. Mit Ansagen wie „Fußball ist für mich nicht Arbeit, sondern Kunst“ machte sich der Jungstar nicht überall beliebt.

Scholl konnte auch bei den Bayern anders. Der Mittelfeldspieler unterstrich ab Mitte der 1990er-Jahre seinen Machtanspruch. Er setzte sich intern gegen den ungeliebten Coach Otto Rehhagel durch. Der Nationalspieler stellte den Bayern-Bossen 1996 ein knallhartes Ultimatum: „Rehhagel oder ich.“ Und er setzte sich durch. In 15 Profijahren an der Isar holte Scholl 8 Deutsche Meisterschaften. Das größte Schelmenstück lieferte er dabei 2005 in Kaiserslautern. Nach dem Titelgewinn mit Bayern foppte Scholl seinen Mentor Uli Hoeneß („Dann geh“ – „Ich muss hier sein!“) mit einer angetäuschten Weißbier-Dusche. Solche Szenen sind heute fast schon Relikte.

Dazu kommen 5 DFB-Pokaltitel und 2 Europapokale. Der bedeutendste dabei: Der Gewinn der Champions League am 23. Mai 2001 in Mailand. In diesem Finale gegen den FC Valencia zeigten sich Triumph und Tragik um Mehmet Scholl en miniature. Er verschoss er in der regulären Spielzeit einen Foulelfmeter (7.). Im Elfmeter-Krimi stand er nicht mehr auf dem Platz. Scholl wurde nach 108 Minuten für Paulo Sergio ausgewechselt. Bayern holte trotzdem nach 25 Jahren wieder den Henkelpott. „Wir haben alles zusammen gewonnen, das sagt alles“, so Scholl bei seinem Abschied 2007 in der ARD. 17 schwere Verletzungen und 12 Muskelfaser-Risse hatten ihn zu diesem Schritt veranlasst. Mit 36 trat er von der Fußball-Bühne ab. Irgendwie unvollendet. Scholl gehört – wie Bernd Schuster – zu den wenigen, ganz großen deutschen Spielern ohne WM.

Um die brachte er sich selbst! Mit dem aufstrebenden Leverkusener Michael Ballack und Scholl schien Deutschland für die WM 2002 in Asien spielerisch durchaus gerüstet. Doch Scholl sagte DFB-Teamchef Rudi Völler überraschend ab. Er schloss das Kapitel „Nationalmannschaft“ auf seine Art. Eigenwillig. 36 Länderspiele sind für einen Spieler seiner Wertigkeit viel zu wenig. Der Gewinn der Europameisterschaft 1996 blieb sein größter Erfolg. Kurioserweise musste man auch zu diesem Finale sagen: Ohne Scholl lief es. Der Bayern-Star machte in Wembley nach 69 Minuten für einen gewissen Oliver Bierhoff Platz. Der Italien-Profi erzielte beide Tore zum 2:1-Sieg (n. V.) gegen Tschechien…

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