Nationalmannschaft: Weltmeister fordert neuen Bundestrainer nach der EURO – Mehr Respekt für Mario Götze


Top-News 1: Deutschlands Nationalmannschaft in der Krise – Weltmeister Olaf Thon fordert Trainerwechsel 2021

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat am Samstagabend den „Nations-League-Fluch“ beendet. Mit dem 2:1 (1:0) in Kiew gegen die Ukraine (Ligalive.net berichtete) gelang der 1. Sieg in diesem fragwürdigen UEFA-Wettbewerb.  

Mit 7,53 Millionen Zuschauern in der ARD schlug das Spiel in Quoten-Duell laut BILD die Krimi-Wiederholung von Wilsberg („Prognose: Tod“ / 5,68 Mio. Zuschauer) im ZDF. Das ist ja wohl auch das Mindeste!

Von den Werten aus der WM-Qualifikation 2018 beispielsweise ist die DFB-Auswahl auf dem Bildschirm, aber meilenweit entfernt. Laut Statista.com sahen damals mehr als 10,3 Mio. TV-Zuschauer die Spiele gegen Tschechien und in Nordirland. Selbst das letzte Quali-Spiel gegen Aserbaidschan hatte mit 8,99 Mio. Fans mehr Resonanz als die Partie nun in der Ukraine.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist kein Quoten-Hit mehr. Das besorgt Medien und Experten. „Die Zahlen, nach denen aktuell das Interesse an den Spielen unserer Nationalmannschaft schwindet, belegen nur einen Trend, den es schon länger gibt“, glaubt Weltmeister Olaf Thon (54). Der legendäre Schalker, 1990 einer der „Helden von Rom“, die den 3. WM-Titel gewannen, hat sich am Montag in einer Kicker-Kolumne seine Gedanken gemacht.

Thon schreibt: „Momentan laufen so viele Wettbewerbe und Freundschaftsspiele, die eher langweilig sind, sodass ich verstehen kann, wenn die Fans nicht mehr einschalten.“ Der Weltmeister in Klartext: „Nicht nur deshalb bin ich der Meinung: Nach dem nächsten Turnier, nach der Europameisterschaft im kommenden Jahr, muss Jogi Löw seinen Posten räumen.“

Dem kann man sich nur anschließen. „Löw hat die Nationalmannschaft in den letzten Jahren exzellent betreut“, glaubt Olaf Thon, „er hätte aber schon nach der Enttäuschung 2018 Platz machen müssen.“ Stimmt. In jedem anderen Top-Fußballland – England, Italien, Spanien, Frankreich, von den Südamerikanern Argentinien und Brasilien ganz zu schweigen – hätte der Trainer gehen müssen! WM-Titel hin, Denkmalschutz her. Diese WM war aus deutscher Sicht ein Desaster. Und die Aufarbeitung war es ebenfalls.

Nicht nur für Olaf Thon sind „viele personelle Entscheidungen unverständlich“. Sondern auch für die Fans. Man hat nicht wirklich den Eindruck, dass in der Nationalmannschaft noch das Leistungsprinzip gilt. Vor allem dann, wenn man Spieler wie Nico Schulz, der bei Borussia Dortmund keine Geige mehr spielt, Antonio Rüdiger oder Mo Dahoud auf dem Platz sieht. Der teuerste deutsche Spieler aller Zeiten, Kai Havertz (21) vom FC Chelsea, kommt dann in Kiew in der Nachspielzeit in die Partie…

Die Entscheidung, Bayern Münchens Weltmeister-Trio Jérome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller auszubooten, war ein Eigentor für Löw! Es war ein kläglicher Versuch, einen personellen Neuaufbau nach der Katastrophen-WM vorzutäuschen...ähm durchzuziehen. Weder war das Bayern-Trio reif für den Nationalmannschafts-Abschied, noch war der Zeitpunkt (März 2019, 9 Monate nach dem WM-„Aus“) glücklich gewählt.

Mit den Stars des FC Bayern München hat Löw in Kiew sein erstes Nations-League-Spiel gewonnen. Das aber nur, weil Leon Goretzka in eiskalter Bayern-Manier einen Bolzen vom ukrainischen Keeper Heorhy Bushchan zum beruhigenden 0:2 nutzte. Fehlen die Leistungsträger vom Triple-Sieger, wird es eng mit den Alternativen. Das hat das schwache Türkei-Spiel (3:3) gezeigt. Ebenso zuvor das 1:1 gegen Spanien in Stuttgart in der Nations League, als mit Leroy Sané und Niklas Süle nur 2 Bayern-Spieler am Start waren. Deswegen muss auch klar sein: Nur wenn der Bayern-Block im Team ähnlich auftrumpft wie in den Klub-Wettbewerben, kann die EM 2021 ein Erfolg werden. Jogi Löw hängt auf jeden Fall am FC Bayern.

Er selbst wirkt amtsmüde, ideenlos. Löw reagiert teilweise beleidigt auf Kritik. Das erinnert an die Allmacht-Kanzlerin in Berlin. Dass ihm mit Bastian Schweinsteiger (36) ein ehemaliger Musterschüler Kontra gegeben hat, sollte dem Weltmeister-Coach zu denken geben. „Die Ergebnisse stimmen nicht“, kritisierte Schweinsteiger am Samstagabend in der ARD. Der Weltmeister von 2014: „Mann kann sich nicht mehr 100-prozentig mit der Mannschaft identifizieren. Das ist schade.“ Ja. Das ist eigentlich das Schlimmste, was man über eine Nationalmannschaft sagen kann. Aber es ist eben auch ein Resultat aus 14 Jahren Löw!

Joachim Löw Ukraine Deutschland 1:2 Nations League
Bundestrainer Joachim Löw (l.) mit Timo Werner beim knappen 2:1 (1:0)-Erfolg im Nations-League-Spiel in Kiew gegen die Ukraine am 10. Oktober 2020. Foto: Imago Images / Schüler

Top-News 2: Mario Götze in Eindhoven – Die falsche Arroganz der Bundesliga gegenüber dem Weltmeister

Mario Götze PSV Eindhoven
Mario Götze ist neu beim PSV Eindhoven. Foto: Imago Images / Pro Shots

Mario Götze (28) hat mit der PSV Eindhoven einen neuen Klub gefunden. Was an dieser Meldung störte, war die Häme, mit der sie von einigen Bundesligisten kommentiert wurde. Das hat Mario Götze nicht verdient. Und die PSV auch nicht.

In Eindhoven wird nämlich – und das zeigt der Blick auf die Top-Transfers des Klubs – immer noch guter Fußball gespielt. Der Philips-HiFi-Verein produziert seine Hits selbst. Nicht erst, seit Jack White alias Horst Nußbaum dort die Stiefel schnürte. Memphis Depay (zu Manchester United), Steven Bergwijn (Tottenham) und Hirving Lonzano (SSC Neapel) spielten seit 2016 mehr als 100 Millionen Euro Transfer-Einnahmen ein. Es rappelt also in der Musikbox!

Mit Adrian Fein, Lars Unnerstall, Philipp Max und Mario Götze setzt der deutsche Coach Roger Schmidt (53) nun auf ein deutsches Kollektiv. Was soll daran zweitklassig oder schlecht sein? Wenn man in Deutschlands Belle Etage der Meinung ist, dass Götze in Holland seine Karriere versenkt hat, ist das arrogant.

„Er ist ein sehr guter Spieler gewesen“, sagte Brunhold Labbadia (54). Der Coach sah mit Hertha BSC von einer Götze-Verpflichtung ab. Bliebe die Frage: Wenn Götze kein guter Spieler mehr ist, warum wollten man ihn schon im Dezember 2019 nach Berlin locken? Gleiches gilt für Bayer Leverkusen. Dort wurde ein Götze-Transfer ebenfalls abgelehnt. „Bei einigen gab es als 1. Reaktion: Oje, ab in die unbedeutende Eredivisie? Da kann Götze seine Karriere gleich beerdigen“, schrieb Walter M. Straten in BILD am SONNTAG. Das ist falsch und arrogant von den betreffenden Erstligisten, die um Götze buhlten.

„Wer so aktuelle Nullnummern wie Mainz, Köln und Schalke in der Bundesliga hat“, stellt Straten sehr richtig fest, „muss über den holländischen Fußball nicht die Nase rümpfen.“ Denn in Eindhoven ist Götze willkommen. Seine Mitspieler, das unterstrich Philipp Max (27) in einem Kicker-Interview (Montag-Ausgabe), freuen sich auf ihn. Max ist sicher: „Mario wird uns mit seiner Klasse auf ein anderes Level bringen.“ Götze sei einer der besten deutschen Spieler der vergangenen Jahre, auch wenn er zuletzt einen schweren Stand gehabt hätte, glaubt er. Der Ex-Augsburger stellte weiterhin fest: „Hier löste sein Name Euphorie aus.“

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Top-News 3: Lord arbeitslos – Fußballstar und Skandalprofi Nicklas Bendtner packt aus

Das letzte Tor für Nicklas ,,Lord" Bendtner in Diensten des FC Kopenhagen. Foto: Imago Images / ZUMA Press / Lars Moeller

Es ist der Herbst der Biografen… Letzte Woche erschien Christoph Daums Lebensbeichte Immer am Limit (Verlag: Ullstein). Jetzt packt auch der „Lord“ aus. Gemeint ist der vereinslose, ehemalige dänische Nationalspieler Nicklas Bendtner. Der Stürmer a. D. hat in Both Sides eine Art Sammelsurium seiner Skandale zu Papier gebracht.

„Mir wurde der Lebensstil, der mit dem Geld kam, zu lieb“, schreibt der 32-Jährige, „ich möchte die Zeit zurückdrehen und dem jungen Burschen mit dem Hammer auf den Kopf schlagen. Ihm begreiflich machen, was für eine Chance das ist.“ Schon mit 16 Jahren machte das damalige dänische Sturm-Juwel den Schritt nach England. Nicklas Bendtner wechselte zum FC Arsenal. Für die „Gunners“ machte er bis zu seinem endgültigen Abschied 2014 insgesamt 171 Pflichtspiele, davon 108 (24 Tore) in der Premier League. 5-mal schaffte es Arsenal durch Bendtner-Toren in die Champions League.

„Nick“ hatte früh den Ruf eines verwöhnten, verschwenderischen Jungprofis. Mit 23 zog es ihn in die Casinos. Bendtner spielte um viel Geld. „Als ich verletzt war und nicht die Aufregung dieses absoluten Lebensgefühls auf dem Spielfeld verspüren konnte, gab mir das Glücksspiel Adrenalin“, erklärte Bendtner der Zeitung The Guardian. Der „Lord“ weiter: „Es liegt auf der Hand, dass das Adrenalin umso höher ist, je höher das Risiko ist. Man geht also hohe Einsätze ein.“ Schon klar. So sind auch die Verluste von 450.000 Euro zu erklären, die Bendtner innerhalb von 90 Minuten in einem Casino anhäufte…

Das war 2011. „Diese Anekdote“, stellt The Guardian nun fest, „ist einer von vielen Momenten, die Bendtners Autobiografie zu einem nüchtern Blick auf den Irrsinn, den ein junger Fußballer erleiden muss, wenn er vom leeren Glamour der Premier League verführt wird.“ Na ja. Bendtner hat sich in dieser Glitzerwelt scheinbar sehr wohl gefühlt. Seine Liaison mit der Baronesse und Sahneschnitte Caroline Fleming brachte ihm den Spitznamen „The Lord“ ein. In keiner anderen Liga hat er mehr Spiele absolviert als in der englischen Fußball-Eliteklasse (136 Partien für Arsenal und AFC Sunderland). Vergleichsweise selten sah man ihn in der Bundesliga: Nur 36-mal lief er zwischen 2014 und 2016 für den VfL Wolfsburg auf. Mit den „Wölfen“ holte er 2015 den DFL Supercup. Das war Bendtner aber schon ein Problemprofi.

Es galt: Fährt der alte Lord fort… Im März 2013 hatte er eine Trunkenheitsfahrt durch Kopenhagen hingelegt. Die Folge: 115.000 Euro Strafe und eine 6-monatige Sperre für die dänische Nationalmannschaft. Bei „Danish Dynamite“ wurde er zur WM 2018 aus dem Kader gestrichen. Sein letzter Vertrag bei seinem Stammklub FC Kopenhagen wurde zum 31. Dezember 2019 aufgelöst. In Diensten von Rosenborg Trondheim entging er zuvor im November 2018 nur knapp einer Gefängnisstrafe. Er hatte einem Taxifahrer in Kopenhagen den Kiefer gebrochen. Dabei sind die so nett.

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