Neu bei LigaLIVE: Aufgemerkelt – Hamburger SV, es reichte nicht mal für Sandhausen!


Und wieder einmal bitter im Abgang... die Spieler des Hamburger SV nach dem Spiel gegen den 1. FC Heidenheim (0:1) am 6. Dezember 2019. Foto: Imago Images

Erinnern Sie sich noch an ,,Max Merkel testet die Bundesliga”? Der Wiener Grantler (,,Ernst Happel sieht aus wie Beethoven in der Endphase”) hat in seiner legendären Kolumne zur Bundesliga in BILD selten ein gutes Haar an den 18 Klubs gelassen.

Wir sind vielleicht nicht ganz so bissig wie ,,Die Peitsche”, aber wir geben unser Bestes – auch zum Jahreswechsel!

Den Anfang macht ein Verein, der bei Max Merkel wohl auch so richtig was abgekriegt hätte. Es ist Deutschlands am meisten gebashter Erst- oder Zweitliga-Klub, der Hamburger SV. Hamburgs Sorgen-Verein!

Wir sagen ganz im Sinne des Wieners Merkel ,,Servas” und – im Sinne der Hamburger vielleicht sogar wichtiger – ,,Gott sei Dank gibt es den Video-Assistenten!” Sonst hätte Stuttgarts Sturm-Legende Mario Gomez (34) schon 4 Treffer mehr auf seinem Konto und der Hamburger SV hätte 4 Punkte Rückstand auf die Schwaben. Aber: Der Reihe nach…

Martin Harnik und er Hamburger SV brachten den Ball gegen Heidenheim nicht im Tor unter... Foto: Imago Images

HSV: Nur bis zum Derby am 6. Spieltag souverän!

Erste Derby-Auswärtspleite seit 59 Jahren: Hamburgs Sonny Kittel ist entsetzt.
Erste Derby-Auswärtspleite seit 59 Jahren: Hamburgs Sonny Kittel ist entsetzt. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)
Es mutet kurios an, dass nur die fragwürdigen Abseitsentscheidungen gegen den Ex-Nationalspieler den HSV in der abgelaufenen Hinrunde der 2. Liga vor Schlimmerem bewahrt haben. Das ist natürlich überspitzt formuliert, aber es trifft doch irgendwo zu: Der HSV ist (noch) nicht in Aufstiegsform. 

Wie ist die Saison aus Hamburger Sicht bisher gelaufen? Wechselhaft! Denn gerade in Hamburg weiß man: Schlimmer geht immer. Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking (55) tut sich mit der im 2. Jahr im ,,Fußball-Unterhaus” so schwer wie ein Bayer mit Plattdütsch. Nach 4 Siegen aus den ersten 5 Spielen markiert das 0:2 beim Stadt- und Erzrivalen FC St. Pauli eine Zäsur. Danach kann der HSV bis Jahresende keine 2 Spiele mehr am Stück gewinnen und holt aus den letzten 5 Partien vor der Winterpause nur einen Sieg, 2:1 gegen Abstiegskandidat Dynamo Dresden. Das ist für einen Aufstiegs-Aspiranten zu schmal! Vor allem, wenn man sich ansieht, wie schwer die Hanseaten sich gegen tief stehende Gegner tun. Darmstadt 98 (1:1 in Hamburg und 2:2 zu Hause zum Jahresabschluss) nimmt dem HSV im Defensiv-System 4-2-3-1 ebenso die nötigen Räume zur Entfaltung wie der biedere SV Sandhausen (1:1), der mit 7 Spielern gegen den Ball arbeitet.

Wer / Was ist neu beim HSV? Der HSV hat sich vor dem Saisonstart nicht nur einiger teurer Altstars wie Pierre-Michel Lasogga (jetzt Katar) oder Lewis Holtby (nun Blackburn Rovers) entledigt, sondern auch der Dinge, die dem Verein immer wieder Spott eingebracht haben: Die legendäre ,,Bundesliga-Uhr”, die die Jahre in der 1. Liga anzeigt, und die live gesungene Stadion-Hymne ,,Hamburg, meine Perle” von Lotto King Karl. Dafür hat es für HSV-Boss Bernd Hoffmann nicht nur Applaus gegeben, die ganz große Palastrevolte ist aber ebenfalls ausgeblieben…

Erfolgscoach Dieter Hecking (55), der auf seinen bisherigen Stationen, u. a. bei Borussia Mönchengladbach und beim VfL Wolfsburg, den Ruf hat, seine Teams besser machen zu können, ist der neue Mann auf der Kommandobrücke des schlingernden Fußball-Flagschiffs der Elb-Metropole. Hecking spielt ein offensives 4-3-3, das er schon in Gladbach praktiziert hat und verhilft dem HSV wenigstens taktisch gesehen wieder zu einer Grundstruktur. Unter seinen Vorgängern Christian Titz und Hannes Wolf hat der HSV viele Systeme gespielt, aber keines beherrscht! Die Hamburger haben sich mit ihren Neuverpflichtungen im Sommer sehr viel Zeit gelassen und mit Sonny Kittel (FC Ingolstadt) und Lukas Hinterseer vom Liga-Konkurrenten VfL Bochum 2 echte Volltreffer gelandet! Beide Stürmer stehen mit 17 Saisontoren für fast die Hälfte aller Hamburger Treffer in 18 Spielen. Der vom Erstliga-Absteiger 1. FC Nürnberg geholte Tim Leibold glänzt als linker Verteidiger und Top-Vorbereiter mit 9 Assists. Man möchte den Hamburgern fast zurufen: ,,Hättet Ihr nur in der 1. Bundesliga mal so effektiv eingekauft!”

Wer / Was ist gut in dieser Saison! Der HSV spielt, wenn man ihn loslegen lässt, erfrischend offensiv und hat mit 36 eigenen schon jetzt 11 Tore mehr erzielt als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison – bei gleicher Anzahl von Gegentoren (19). Das spricht für defensive Stabilität. Zu Hause sind die ,,Rothosen” mit nur 5 Gegentreffern schwer zu knacken. Der Verein hat zudem angesichts des Wirbels um die Identität seines Außenstürmers Bakery Jatta die Ruhe bewahrt und eine Art ,,Wagenburg-Mentalität” entwickelt. Dieses Krisenmanagement ist stark und steht dem Lachnummern-Image, das der Verein seit Jahren hat, entgegen. Gut so!

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

HSV-Kader hat zu wenig Qualität!

Der HSV kann doch noch Auswärtsspiele gewinnen - und feiert nach dem 4:0 in Nürnberg überschwänglich mit seinen Fans. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Was allerdings auffällt – und damit sind wir bei der Kehrseite der Medaille: Der HSV hat im Kalenderjahr 2019 zu wenig Punkte geholt!

Was / Wer war nicht gut in der Saison? Es zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Jahr 2019. Aus Saison übergreifend 34 Spielen 50 Zähler – das ist zu wenig für ein Team mit einem Personal-Etat von 27 Millionen Euro! Der mit großen Erwartungen vom Nord-Rivalen Holstein Kiel verpflichtete David Kinsombi kann bei nur 6 Startelf-Einsätzen nicht vollends überzeugen. Die Youngster Rick van Drongelen und (21) oder Adrian Fein (20) stagnieren auf hohem Niveau. Der vom FC Bayern geliehene, defensive Mittelfeldspieler Fein bleibt in 6 der letzten 7 Spiele ohne Tor-Beteiligung. Die Routiniers Aaron Hunt (33) und der aus Bremen ausgeliehene Martin Harnik (32) können das Team mit ihrer Erfahrung zu selten mitreißen. Sie kommen zusammen nur auf 6 Saisontore, Hunt plagt sich zudem mit Verletzungen herum. Konstant bleibt das traditionell unruhige Umfeld in der Medienstadt Hamburg. Dass die Bereitstellung von Geld für 2 Winter-Transfers durch den Aufsichtsrat öffentlich wird, gefällt Dieter Hecking überhaupt nicht. Eine umgehend folgende Aussprache kann die Situation retten.

Was soll sich ändern? Der HSV muss, um seine Aufstiegsambitionen zu wahren, mehr Konstanz in sein Spiel bekommen. Es genügt weder den eigenen noch den Ansprüchen des Umfeldes, nach einem guten Spiel, wie etwa nach dem 6:2-Kantersieg gegen Stuttgart, direkt abzuschalten und wieder in Lethargie zu verfallen. Es braucht mehr taktische Flexibilität, vor allem auswärts. Die Hamburger gewinnen in fremden Stadien nur 2 Spiele, es fehlt an Ideen und an Führungsspielern, die das Ruder auch nach einem Auswärtsrückstand herumreißen können.

Das Kern-Problem der Hamburger ist die fehlende Konstanz und die in der Breite zu geringe Qualität des Kaders. Wirklich heiße Gerüchte um Winter-Neuzugänge gibt es nicht, gab es auch im Sommer schon nicht. Stattdessen verteidigt der neue HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (37) die Kader-Zusammenstellung: ,,Die Qualität ist da, es hat schon mit fehlendem Selbstvertrauen zu tun. Gefühlt hat jeder in der Mannschaft eine Tor-Chance.” Gefühlt, ja. Gefühlt lassen die Hamburger aber zu viele Tor-Gelegenheiten liegen. Beispiel Sandhausen: Von 24 Torschüssen findet nur einer, von Lukas Hinterseer, den Weg ins Netz! Zudem präsentiert man sich bei Standards enorm anfällig, weil es an kopfballstarken Spielern fehlt. ,,Ich kann meine Spieler nicht größer machen”, klagt Hecking, ,,das ist ein Defizit, das wir nach der Winterpause nicht abstellen können.” Da können wir leider auch nicht helfen…

Fazit: Der HSV hat in der Hinrunde nicht überzeugt. Die Hecking-Elf schafft aber trotz aller Widrigkeiten Platz 2 und den direkten Aufstieg. Vielleicht holt man dann auch die ,,Bundesliga-Uhr” aus dem Klub-Museum…

Ligalive-Infografik: Kein HSV-Spieler unter den absoluten Top-Torjägern der 2. Liga, 2019/2020

Ligalive Live-Ticker - Nationale und internationale Spiele mit Autorefresh, ohne lästiges Aktualisieren

Ligalive-Infografik: So oft blieben die HSV-Spieler ohne Torerfolg, 2. Liga 2019/2020

Ligalive TV: Trainer-Legende Friedhelm Funkel über den HSV und Bakery Jatta

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