2 Fußballstars aus Nordirland waren lange vor Will Grigg ,,on fire“


George Best zusammen mit Pele im April 1978. Foto: Getty Images
George Best zusammen mit Pele im April 1978. Foto: Getty Images

Lange bevor Nordirlands Fans bei der Endrunde der EURO 2016 den unterklassigen, nicht eingesetzen Stürmer Will Grigg mit einem eigenen Lied zu feiern (,,Will Grigg’s on fire“) halten auf der grünen Insel 2 andere, weitaus populärere Fußballstars die Anhänger in Atem: Norman Whiteside und der legendäre George Best (1946 – 2005).

Beide sind die beiden größten fußballerischen Talente, die das kleine Land jemals hervorgebracht hat – und beide stehen für Tragik und Melancholie.

George Best – die Geschichte des „Belfast Boy“, des Wunderknaben aus Belfast, beginnt in den frühen Sechzigerjahren. Mit 17 gibt George Best sein Profi-Debüt bei Manchester United, wird 1965 mit englischer Meister. Noch ahnt niemand, dass er zum schillernsten Fußballer seiner Generation werden wird.

Die Legende vom ,,5. Beatle“ wird am 9. Mai 1966 geboren.  Manchester United fährt mit einem knappen 3:2-Vorsprung zum Viertelfinal-Rückspiel im Europapokal der Meister bei Benfica Lissabon. „Vorsichtig das Ergebnis verwalten und abwarten“, hat Trainer Matt Busby vorab angeordnet. George Best tut das, was jeder geniale Fußballer macht. Er hört natürlich nicht auf den Trainer und erzielt schon in den ersten 10 Minuten 2 Tore. Man. United spielt sich unter Bests Regie in einen Rausch, siegt 5:1 und nach dem Spiel, so erzählt man sich in Manchester, sei ein Fan mit einem Messer auf den Platz gerannt und habe sich eine Locke von Bests dunklem Haar abgeschnitten. „El Beatle hat zugeschlagen“, titeln die portugiesischen Zeitungen. Für eine 2. Karriere bei den ,,Fab 4″ ist es für Best jetzt allerdings zu spät, John Lennon hat Paul McCartney bereits erfunden..ähm… spielt bereits mit ihm zusammen… 2 Jahre später triumphiert Best mit Manchester United gegen Benfica im Londoner Wembleystadion und holt mit den ,,Red Devils“ den Europapokal der Landesmeister. Am Ende des Jahres 1968 wird Best „Fußballer Europas.“

George Best, einer der größten englischen Fußballer aller Zeiten. Foto: Getty Images
George Best, einer der größten britischen Fußballer aller Zeiten. Foto: Getty Images

George Best: Ein Fußballer-Leben auf der Überholspur

George Best hatte mehrere überragende Gespräche mit der Polizei. Foto: Getty Images
George Best hatte mehrere überragende Gespräche mit der Polizei. Foto: Getty Images
Das Beste vom Besten folgt am 15. Mai 1971. Länderspiel Nordirland-England im legendären Windsor Park in Belfast. Best, inzwischen längst mit wehender Mähne und buschigen Koteletten, düpiert ganz England, indem er den damals besten Torhüter der Welt, Gordon Banks, lächerlich macht. Best überlistet Banks bei einem Abstoß, schlägt ihm den Ball aus der Hand und kickt ihn ins leere Tor.

Nur die Tatsache, dass der Schiedsrichter diesen kuriosen Treffer nicht anerkennt, bewahrt Banks, immerhin Weltmeister von 1966, vor einer riesigen Blamage. „George Best“, schreibt BBC-Kolumnist John May 2005 in einem Nachruf, „hat eine ganze Schatztruhe voller fußballerischer Erinnerungen hinterlassen. In Großbritannien hatte beinahe jeder Fan einen ganz besonderen Moment mit ihm, egal, ob es ein Tor war, ein Geniestreich oder ein Spiel, dem er unauslöschlich seinen Stempel aufgedrückt hat.“ In den frühen Siebzigerjahren führt Best längst das Leben eines Jet-Setters und Playboys. Die Klatschpresse fotografiert ihn oft und gerne beim Befüllen der Champagner-Pyramiden oder halbnackt mit den ebenfalls nur leicht bekleideten Starlets auf dem Hotelsofa. „George war nicht anders, als wir alle“, glaubt sein ehemaliger Weggefährte Pat Jennings, der wie Best am 15. April 1964 in Swansea gegen Wales (3:2) sein Länderspiel-Debüt für Nordirland gibt und vor allen 37 Länderspielen des George Best mit ihm das Hotelzimmer teilt. „Nur“, so glaubt Jennings, „wurde er mit den Jahren immer populärer und konnte schließlich nicht einmal mehr die einfachsten Dinge unbeobachtet tun“ – das Los eines Fußball-Popstars.

Bests langsamer Abstieg beginnt ausgerechnet 1971, dem Jahr, indem er mit dem irregulären Treffer gegen England seinen größten Moment erlebt. Manchester United suspendiert ihn erstmals, nachdem er nach durchzechter Nacht den Zug zum Auswärtsspiel in London beim FC Chelsea verpasst hat. Spätestens jetzt ist das Leben des George Best täglich ein Thema in den Boulevardmedien. 1974 wirft ihn United raus.

Nach seinem Abschied von Manchester United wechselt Best auch die Klubs im Jahres-Rhythmus und spielt bis 1984 bei elf Klubs (!), darunter u. a. Stockport County, FC Fulham, Fort Lauderdale Strikers (zusammen mit Gerd Müller), Hibernian Edinburgh und AFC Bournemouth. Bests Hoffnung, mit Hilfe der nordirischen Nationalelf weiter auf der großen Bühne verbleiben zu können, erfüllt sich nicht. Weder 1974 noch 1978 (jeweils nur Gruppen-Dritter hinter Bulgarien und Portugal bzw. hinter den Niederlanden und Belgien) können sich die Nordiren für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Das letzte Qualifikationsspiel für Argentinien `78 gegen die Holländer (0:1) am 12. Oktober 1977 in Belfast ist Bests letztes Länderspiel. Kritisiert nach der verpassten WM-Teilnahme und entnervt von einer Morddrohung der irischen Terror-Organisation IRA tritt Best aus dem Nationalteam zurück. Weihnachten 1984 verbringt George Best im Knast. Nach einer Trunkenheitsfahrt und einem Angriff auf einen Polizeibeamten landet der gefallene Superstar, der sich inzwischen mit der Leitung eines Fußball-Camps verdingt, für 3 Monate im Gefängnis von Pentonville in Greater London. Best ist am Tiefpunkt. „Ich bin bei meiner Geburt mit einer großartigen Gabe beschenkt worden“, beschreibt er später sein Dilemma, „aber mit so einem Talent kommen auch selbst zerstörerische Triebe. So wie ich auf dem Platz alle ausstechen wollte, wollte ich das auch machen, wenn ich abends weg ging.“ Seine bittere Erkenntnis: ,,Ich habe den größten Teil meines Geldes für Autos, Schnaps und schöne Frauen ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“ George Best stirbt am 25. November im alter von 59 Jahren an einer Nieren-Infektion. Eine Leber-Transplantation hat er da bereits hinter sich. Zu seiner Beerdigung säumen am 3. Dezember 2005 mehr als 100.000 Menschen die Straßen von Belfast. „Farewell to the Master“ – das ist die letzte Titelseite einer britischen Zeitung, die George Best als Aufmacher hat.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Der Trauerzug für George Best. Foto: Getty Images

Norman Whiteside: Jüngster WM-Spieler aller Zeiten!

Foto-Termin von Manchester United mit Norman Whiteside (m., rechts neben Torhüter ), neben Torhüter Chris Turner) vor der Saison 1987/88. (Photo by Rusty Cheyne/Allsport/Getty Images/Hulton Archive)

Norman Whiteside ist bei seinem Profi-Debüt für Manchester United am 24. April 1982 nur unwesentlich älter als George Best.

Der Stürmer aus Belfast, inzwischen 54 Jahre alt, wird bis heute von den britischen Boulevardmedien als ,,neuer George Best“ gefeiert. Sicher bei weitem nicht so spielerische brillant wie Best, aber eben auch nicht so Skandal umwittert, wird der ,,Shankill Skinhead“, wie sie ihn in der nordirischen Hauptstadt aufgrund seiner bissigen, aggressiven Spielweise nennen, schnell zum Shootingstar.

Was Best und Whiteside neben ihrer Herkunft aus Belfast noch verbindet, ist die Entdeckung durch Manchester Uniteds legendären Chefscout Bob Bishop. ,,Das“, so beharrt Whiteside bis heute, ,,ist das einzige, was mich mit ihm verbindet.“ Dennoch: Whiteside wird jüngster United-Profi seit dem legendären Duncan Edwards 1953 und er wird bei der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien zum jüngsten Spieler, der je bei einer WM-Endrunde zum Einsatz kommt. Der Nordire ist genau 17 Jahre und 41 Tage alt, als er am 17. Juni 1982 in Saragossa gegen Jugoslawien zum Einsatz kommt.

Whiteside ist bei der WM 1982 und 1986 ,,on fire“, auch ohne Ohrwurm. Deutschland schockt er am 16. November 1983 mit dem 1:0-Siegtor in der EM-Qualifikation in Hamburg. Die Tragik um Norman Whiteside: 1991 muss er – mit nur 26 Jahren – nach einer schweren Knieverletzung seine Karriere beenden. in den Raum.

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