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Des isch doch... Genau, das ist Joachim Löw, Ehrenspielführer des SC Freiburg!

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War Joachim Löw eigentlich Nationalspieler?

Vor 40 Jahren ziehen ein paar Jungspunde aus, um ein bisschen U21 zu spielen. 3 von ihnen werden später den WM-Pokal mit nach Hause bringen…

In der vergangenen Woche jährt sich zum 40. Mal die Premiere einer echten Institution im deutschen Fußball.

Im polnischen Torun läuft erstmals eine deutsche U21-Nationalmannschaft auf. 14 Spieler sind vom neuen Junioren-Nationaltrainer Berti Vogts, Legende bei Borussia Mönchengladbach und in der DFB-Elf, nominiert worden.

3 von ihnen werden eine Weltkarriere machen: Der Hesse Rudi Völler, damals 19, von Kickers Offenbach, der gebürtige Berliner Pierre Littbarski (19) vom 1. FC Köln und der Schönauer Stürmer Joachim Löw, ebenfalls gerade 19, vom Zweitligisten SC Freiburg.

Alle 3 werden den FIFA World Cup mit nach Deutschland bringen.Dass die U21-Auswahl einmal zur ,,Wiege der Weltmeister” wird, ahnen an diesem Oktobertag 1979 nur wenige Experten.

Dennoch – und das ist der Plan beim DFB – die U21 ist von Anfang an der Sammelpunkt für deutsche Fußball-Talente. Seit 1979 hat sie in 371 Länderspielen (Stand: 12. Oktober 2019) 202 Siege einfahren können, bei nur 73 Niederlagen und 96 Remis. 2009 – mit den späteren Weltmeistern Manuel Neuer, Mats Hummels, Jérome Boateng, Benedikt Höwedes, Sami Khedira und Mesut Özil – und 2017 holt sie den Europameister-Titel. Rekord-Torjäger ist ein Mann der ersten Stunde: Pierre Littbarski, der 18-mal trifft und auch von BVB-Legende Heiko Herrlich (17 Treffer) später nicht zu verdrängen ist. Die meisten Spiele absolviert der u. a. für den HSV, Werder Bremen und Schalke 04 als Profi aktive Fabian Ernst (31 Partien) vor Seeler-Enkel Levin Öztunali (30) und dem Ex-Stuttgarter Andreas Beck (27). Jüngster Debütant ist am 9. August 2011 ein 17 Jahre, 10 Monate und 20 Tage alter Jungspund namens Julian Draxler…

Zurück ins Jahr 1979. Die DFB-Bubis sind vor dem Aufbruch guter Dinge. ,,Ich weiß noch, wie wir uns zum Beispiel darüber gefreut haben, vom DFB einheitlich eingekleidet zu werden”, erinnert sich Joachim Löw (59) im DFB-Journal (Ausgabe 3 / 2019) an die Länderspiel-Premiere der U21, ,,mit Trainingsanzug und Trikots, darauf waren wir alle Stolz. Wie gesagt: Es war alles hervorragend organisiert.”

Löw räumt im gleichen Interview aber auch ein: ,,Natürlich war es weit von den Standards entfernt, wie ihn Spieler heute erleben.” Schon klar, es waren ja auch andere Zeiten…Die erste Länderspiel-Tour mit der U21 hält für die Rookies Löw, Völler und Co. noch mehr Gutes bereit.

,,Für uns waren diese Reisen schon deswegen sehr speziell, weil wir im selben Flugzeug wie die A-Nationalmannschaft geflogen sind”, weiß Joachim Löw, ,,es damals so, dass die Spiele der U21 immer an Spiele der A-Nationalmannschaft gekoppelt waren. Dienstag U21, Mittwoch die A-Nationalmannschaft. Für mich war es ein unbeschreibliches Gefühl, mit Spielern wie Kaltz, Cullmann oder Nigbur im Flugzeug zu sitzen.”

Die Premiere gegen Polen geht mit 0:1 daneben. Dennoch schreibt das Kicker-Sportmagazin anschließend über Löw: ,,Mit Sicherheit wiederkommen darf auch der Freiburger Löw, den Vogts als die große Entdeckung und Überraschung der Polen-Reise bezeichnete.” Wohl eher Überraschung als Entdeckung, denn Löw macht bis 1980 nur noch 3 weitere U21-Länderspiele. Einen Einsatz in der A-Nationalmannschaft kann er nie verbuchen.

Nein. Die eigentliche Entdeckung ist ein anderer. Der 18-jährige Augsburger Bernd Schuster vom 1. FC Köln gilt als das Jahrhundert-Talent im deutschen Fußball. Löw über den ,,blonden Engel”: ,,Der Spieler, der am meisten herausgestochen hat, war Bernd Schuster. Nach unserem Spiel sind wir U21-Spieler nach Kiew weitergeflogen, und dort war Bernd Schuster bei der A-Nationalmannschaft der überragende Spieler. Ein Spieler hatte sich verletzt und Schuster wurde hochgezogen in die A-Auswahl. Seine Übersicht, seine Ruhe, das war schon genial, damit hat er sich unterschieden.” Dass Bernd Schuster ein Jahr danach ,,nur” den Europameistertitel 1980 mit der A-Nationalmannschaft holt und gerade mal 21 Länderspiele macht, dass der Supertechniker keine WM spielt, ist ein Treppenwitz aus der Serie ,,So stur ist nur der DFB”. Bundestrainer Jupp Derwall wirft den introvertierten Schuster vor der WM 1982 aus dem Kader. Ein Überredungsversuch von Derwalls Nachfolger Franz (Franz) Beckenbauer scheitert vor der WM 1986 in Mexiko. Schuster und seine Frau Gaby wollen vom DFB angeblich eine Million Mark für die Rückkehr…


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